Lob der Disziplin - Bueb, Bernhard

Bernhard Bueb 

Lob der Disziplin

Eine Streitschrift

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Produktbeschreibung zu Lob der Disziplin

Dreißig Jahre lang hat Bernhard Bueb die Eliteschule Schloss Salem geleitet. Der renommierte Pädagoge gilt als einer der bekanntesten Kritiker des deutschen Erziehungswesens. In Lob der Disziplin hat er seine provokanten Thesen erstmals zusammengestellt. Ein richtungsweisendes und engagiertes Plädoyer für eine Erziehung zu mehr Selbstdisziplin und Verantwortung.

Produktinformation


  • Verlag: Ullstein Tb
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 173 S.
  • Seitenzahl: 176
  • Ullstein Taschenbuch Nr.36930
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 119mm x 15mm
  • Gewicht: 168g
  • ISBN-13: 9783548369303
  • ISBN-10: 3548369308
  • Best.Nr.: 23349927
'Antiautoritäre Erziehung, sagt der Pädagoge und Hartmut-von-Hentig-Schüler Bernhard Bueb, gebe es nicht, könne es nicht geben, denn Erziehung ohne Autorität sei eben keine Erziehung . . . Seinen nachdenklichen Ausführungen zu Eltern und Lehrern wünscht man die barmherzige Aufmerksamkeit, die jahrzehntelang mehr den Kindern zuteil wurde.' (DIE WELT, AS, 15.09.06)
'Der rastlose Ruheständler hat zum rechten Zeitpunkt gesagt, was bislang verpönt war: Erziehung ist vor Jahrzehnten das Fundament weggebrochen; die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin . . . Und dennoch, die Zeit scheint reif zu sein für eine Debatte über die neuen, alten Werte: Einen Satz Buebs dürfte jeder unterschreiben. Der zentrale Anfang aller Erziehung heißt: den Glauben junger Menschen an sich selbst zu stärken.' (SÜDKURIER)
'Bueb will mehr Mut zur Erziehung machen. Damit meint er, die Erwachsenen sollten sich nicht verstecken. Sie schulden den Kindern Lebensformen und Herausforderungen. Sie mögen doch bitte für das, was sie für richtig halten, einstehen. Bueb will die Würde der Erwachsenen wieder herstellen.' (DIE ZEIT, Reinhard Kahl, 28.09.06)
'Ich stimme Herrn …

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»Antiautoritäre Erziehung, sagt der Pädagoge und Hartmut-von-Hentig-Schüler Bernhard Bueb, gebe es nicht, könne es nicht geben, denn Erziehung ohne Autorität sei eben keine Erziehung ... Seinen nachdenklichen Ausführungen zu Eltern und Lehrern wünscht man die barmherzige Aufmerksamkeit, die jahrzehntelang mehr den Kindern zuteil wurde.« DIE WELT, AS, 15.09.06 »Bueb will mehr Mut zur Erziehung machen. Damit meint er, die Erwachsenen sollten sich nicht verstecken. Sie schulden den Kindern Lebensformen und Herausforderungen. Sie mögen doch bitte für das, was sie für richtig halten, einstehen. Bueb will die Würde der Erwachsenen wieder herstellen.« DIE ZEIT, Reinhard Kahl, 28.09.06 »Ich stimme Herrn Bueb voll zu. Man fährt in einer Dreißiger-Zone nicht aus Höflichkeit 30, sondern weil man Angst vor dem Strafzettel hat. Angst muss sein, auch als Schüler muss man Angst vor Strafen haben. Jugendliche sind provokant und testen Grenzen aus. Da muss die Schule gegensteuern.« Eugen Lamotte, 21 Student Bachelor »Bernhard Bueb hat mit seiner Streitschrift Lob der Disziplin wahrlich einen Aufreger verfasst. Und er ist einer, der es wissen muss: 30 Jahre lang leitete er die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Mit Unbehagen reagiert Rezensent Klaus Birnstiel auf das pädagogische "Pamphlet" des früheren Direktors von Salem, Bernhard Bueb. Stieß die von Altbundeskanzler Kohl in den frühen Neunzigern geforderte "geistig-moralische Wende" noch auf taube Ohren innerhalb des aufgeklärten liberalen Bürgertums, scheint der "konservative Backlash" inzwischen in Sachen Emanzipation und Bildung einen Nerv zu treffen, wie Birnstiel feststellt. Buebs modernisierter "autoritärer Paternalismus" hätte vor zwanzig Jahren noch sehr viel Aufsehen erregt, meint der Rezensent. Denn Buebs Argumentation und Ruf nach Disziplin basierten auf einer Auffassung, die den Nationalsozialismus zum "Betriebsunfall" degradiere. Somit sei dann auch die darauf folgende Öffnung der Gesellschaft fraglich und damit diskutabel.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Hic, haec, hoc, der Lehrer mit dem Stock
Der ehemalige Internatsdirektor Bernhard Bueb lobt die Disziplin / Von Jürgen Kaube

Brauchen die Kinder nur mehr Disziplin, um den Ernst des Lebens zu lernen? Sollen wir ihnen Pippi Langstrumpf wegnehmen, die sich ihre eigenen Regeln macht? Oder sind die Eltern mit ihren Kindern zu lax?

Zu den größten Problemen der Erziehung, schrieb Immanuel Kant in seiner Pädagogik, gehört es, wie man die Unterwerfung der Zöglinge unter den erzieherischen Zwang mit ihrer Fähigkeit vereinigen könne, sich ihrer Freiheit zu bedienen: "Der Zwang ist nötig! Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?" Das Buch des pensionierten Internatsdirektors Bernhard Bueb erörtert die Bedingungen von Erziehung unter den umgekehrten Voraussetzungen. Nicht die Freiheit, so lautet sein Argument, sondern die pädagogische Einsicht in die Notwendigkeit von Zwang ist problematisch geworden. Psychologische Einfühlung regiert in Erziehungsfragen und führt meist dazu, Festlegungen autoritär zu finden. Der Unwille zu diskutieren hat keinen guten Ruf. "Nein" zu sagen fällt den Eltern schwer, sich auf Debatten einzulassen ist ihre …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.10.2006

Ein Traum von Malzkaffee und Ohrfeigen
„Lob der Disziplin”: Der frühere Internatsleiter Bernhard Bueb streitet für die geistig-moralische Wende in der Erziehung
Als Helmut Kohl 1982 die geistig-moralische Wende ausrief, reagierte der linksliberale Zeitgeist achselzuckend bis amüsiert-irritiert. Zu spießig, zu vermufft klang den meisten das Vokabular von Autorität, Unterordnung und Disziplin, mit dem Kohl gegen die vermeintliche Verlotterung der Nach-68-Republik antrat. Es scheint, dass die Zeit damals noch nicht reif war für die Wiederbelebung eines Gesellschaftsbildes, das reflexhaft mit Adenauer und Blümchentapete in Verbindung gebracht wurde. Am wenigsten anfangen mit Kohls Proklamation konnte die junge No-Future-Generation, die für sich lautstark das Recht auf Anderssein proklamierte.
Heute ist es offenbar einfacher mit den rückwärtsgewandten Umschwüngen. Allenthalben macht sich der konservative backlash bemerkbar, von Eva Hermans eher einfältiger Emanzipations-Schelte bis zu den Phantasmen einer neuen Bürgerlichkeit. Gestritten wird dabei um die ganz heißen Eisen: Emanzipation der Frauen, Werte und Tugend, Erziehung.
Von der Unschuld …

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»Antiautoritäre Erziehung, sagt der Pädagoge und Hartmut-von-Hentig-Schüler Bernhard Bueb, gebe es nicht, könne es nicht geben, denn Erziehung ohne Autorität sei eben keine Erziehung ... Seinen nachdenklichen Ausführungen zu Eltern und Lehrern wünscht man die barmherzige Aufmerksamkeit, die jahrzehntelang mehr den Kindern zuteil wurde.« DIE WELT, AS, 15.09.06 »Bueb will mehr Mut zur Erziehung machen. Damit meint er, die Erwachsenen sollten sich nicht verstecken. Sie schulden den Kindern Lebensformen und Herausforderungen. Sie mögen doch bitte für das, was sie für richtig halten, einstehen. Bueb will die Würde der Erwachsenen wieder herstellen.« DIE ZEIT, Reinhard Kahl, 28.09.06 »Ich stimme Herrn Bueb voll zu. Man fährt in einer Dreißiger-Zone nicht aus Höflichkeit 30, sondern weil man Angst vor dem Strafzettel hat. Angst muss sein, auch als Schüler muss man Angst vor Strafen haben. Jugendliche sind provokant und testen Grenzen aus. Da muss die Schule gegensteuern.« Eugen Lamotte, 21 Student Bachelor »Bernhard Bueb hat mit seiner Streitschrift Lob der Disziplin wahrlich einen Aufreger verfasst. Und er ist einer, der es wissen muss: 30 Jahre lang leitete er die …

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Bernhard Bueb, 1938 geboren, studierte Philosophie und katholische Theologie. Von 1974 bis 2005 leitete er die Internatsschule Schloß Salem. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seine erste Buchveröffentlichung Lob der Disziplin löste in Deutschland eine Erziehungsdebatte aus.

Leseprobe zu "Lob der Disziplin" von Bernhard Bueb

Wir brauchen wieder Mut zur Erziehung

Der Bildungsnotstand in Deutschland ist die Folge eines Erziehungsnotstandes. Kinder und Jugendliche werden heute nicht mehr aufgezogen, sondern wachsen einfach auf. Sie sind umgeben von ungewollt aggressiv präsenten Erziehern: vom Fernsehen, vom plakativen Wohlstand unseres Landes, von den Verführern der Konsumgesellschaft, von den Vorbildern eines geistigen und charakterlichen Mittelmaßes, das unsere "Eliten" repräsentieren. Zukunftserwartungen, die Jugendliche zu Taten beflügeln könnten, sind Zukunftsdrohungen gewichen: die strukturbedingte Arbeitslosigkeit, die Sinnentleerung unseres Daseins, auch verursacht durch den Verlust der Religion, die Vergreisung der Gesellschaft, die Ausbeutung der Lebensgrundlagen der Menschen, die Herrschaft des Geldes als letzter sinngebender Instanz - die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Wem die Zukunft verloren geht, der wird nicht an sich arbeiten, sich nicht mehr anstrengen und keinen Idealen nachstreben. Den mangelnden Zukunftsaussichten treten wir nicht durch Erziehung entgegen. Die Kunst der Erziehung haben wir verlernt, gemeinsame Maßstäbe sind verloren gegangen, der Glaube hat sich breitgemacht, das Aufwachsen der Kinder werde schon irgendwie gelingen. Alle meinen es gut. Von Gottfried Benn haben wir jedoch gelernt, dass das Gegenteil von Kunst nicht Natur ist, sondern gut gemeint. Wir fahren auf einem Schiff ohne Kompass.

Was heißt Erziehung? Wie können wir durch Erziehung und Bildung Jugendliche zu Zuversicht und Lebensmut führen und wie können wir sie überhaupt erreichen?

Der Trainer führte seine Schüler mit harter Hand durch die hohe Schule des Handballs. Zügig flog der Ball von Mann zu Mann, ein atemberaubendes Tempo ließ auch den Zuschauern das Herz schneller schlagen, präzise und wie nach einem geheimen Plan bewegten sich die Spieler. Intellektuell und körperlich verlangte der Trainer höchste Anstrengung. Handballtraining hieß bei ihm, eine Gruppe durchtrainierter junger Menschen zu strategischem Denken, taktisch wendigem Zusammenspiel und zu einer Haltung des Fair Play zu führen. Was zunächst wie eine Folge schneidender Befehle klang, wurde von den Spielern als fortlaufende Liebeserklärungen erlebt. Die Führung seiner Schüler mit Disziplin und Liebe bildete das Geheimnis seines Erfolges. Mit jedem Handballtraining demonstrierte er, was Erziehung bedeuten kann.

Dieser Trainer war Lehrer und Erzieher am Internat Salem, er war Argentinier, sein Anspruch an sich und die Schüler erinnerte eher an Preußen als an Südamerika. Wie er die Handballmannschaft trainierte, erzog er seine Schüler im Internat. Die Schüler liebten und verehrten ihn. Wir anderen Lehrer und Erzieher bewunderten, wie er mit Konsequenz und Fürsorge die Jugendlichen erreichte; wir beneideten ihn auch ein wenig, dass er so unbefangen mitten im Deutschland der Jahre nach l968 Disziplin forderte.

Sein Erziehungsstil fand erstaunlicherweise allgemeine Zustimmung in einem Umfeld, das Erziehung eher als verständnisvolle Begleitung aufwachsender junger Menschen propagierte, weil die Leidenschaft seiner Zuwendung und sein pädagogischer Eros jeden Einwand theoretisch und dürr erscheinen ließen. Es gibt geborene Lehrer und Erzieher, er war so einer.

Zur gleichen Zeit arbeitete an der Schule eine Lehrerin, deren Erziehungsstil gegensätzlicher nicht hätte sein können, die aber denselben Anspruch auf Führung der Schüler erhob, nur tat sie es mit anmutiger, stiller Autorität, aber keinem geringeren pädagogischen Eros als der Argentinier und mit derselben Gefolgschaft der Schüler.

Führen oder wachsen lassen - so charakterisieren wir traditionell die gegensätzlichen Pole der Erziehung. Sie lassen sich im Bild des Töpfers oder des Gärtners anschaulich darstellen. Der Erzieher, der das Bild des Töpfers zu seiner Leitidee erkoren hat, will den jungen Menschen formen, er greift ein, steuert, fordert heraus, diszipliniert, schafft Freiräume, um ihn auf die Selbstständigkeit vorzubereiten, ja er wird ihn in die Selbstständigkeit und Freiheit zwingen. Wer sich am Bild des Gärtners orientiert, wird eher darauf achten, dass der junge Mensch gute Bedingungen des Aufwachsens vorfindet, er wird ihn mehr fördern als fordern, weniger eingreifen, aber darauf vertrauen, dass er sich selbst diszipliniert, also wenig Zwang und Autorität braucht.

Der Töpfer und der Gärtner repräsentieren zwei legitime Stile der Erziehung, die in Reinform selten vorkommen, meistens treffen wir eine Mischung mit einer Neigung zum einen oder anderen Pol an. Beide Stile bergen Gefahren in sich, der Stil des Töpfers kann in autoritäre Erziehung ausarten und der Stil des Gärtners in Nicht-Erziehung.

Wir wollten nach den Erfahrungen einer autoritären Erziehungstradition, die in einer Diktatur endete, eine Nation von Gärtnern werden, sind aber zu einer Nation von Nicht-Erziehern geworden, denn es herrscht das Missverständnis, dass der Gärtner auf Führung verzichten dürfe. Auch er greift ein, beschneidet die Pflanzen, bindet sie an Stangen und bewahrt sie vor Befall und Fehlentwicklung, wenn er ein guter Gärtner sein will.

Erziehung bedeutet immer Führung, diese Wahrheit wird durch den Begriff "Pädagoge" bestätigt. Er stammt aus dem Griechischen und heißt Knabenführer. Wer führt, erwartet Gefolgschaft. Da Kinder nicht gehorsam geboren werden, ignorieren sie Anweisungen, rebellieren gegen Erziehungsmaßnahmen, missachten Gebote und wenden alle Mittel an, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Wutanfälle eines dreijährigen Kindes auszuhalten, dessen Äußerungen ohne Verstand sind, und sich nicht ab und an zu Klapsen oder gar Schlägen hinreißen zu lassen, bedarf gehöriger Selbstdisziplin von Vater oder Mutter. Solche Selbstdisziplin wächst mit dem Bildungsgrad der Eltern. Gebildete Eltern wissen, dass Erziehung nicht ohne Konflikte gelingen kann. Sich ihnen zu stellen, nicht gleich nachzugeben und auch die Öffentlichkeit nicht zu scheuen, wenn konsequentes Handeln Ärgernis erregt, braucht Mut zur Erziehung. Supermärkte, Restaurants und Eisenbahnabteile sind beliebte öffentliche Austragungsorte pädagogischer Konflikte. Wer konsequent Unterordnung eines Kindes verlangt, beweist Mut vor Zuschauern, die in Deutschland konsequentes Handeln zu häufig missbilligen. Das gilt auch für die kleinere Öffentlichkeit der weiteren Familie oder der Freunde.

Mut zur Erziehung heißt vor allem Mut zur Disziplin. Disziplin ist das ungeliebte Kind der Pädagogik, sie ist aber das Fundament aller Erziehung. Disziplin verkörpert alles, was Menschen verabscheuen: Zwang, Unterordnung, verordneten Verzicht, Triebunterdrückung, Einschränkung des eigenen Willens. Disziplin setzt anstelle des Lustprinzips das Leistungsprinzip: Jede Einschränkung ist erlaubt oder sogar geboten, die dem Erreichen eines gesetzten Zieles dient. Disziplin beginnt immer fremdbestimmt und sollte selbstbestimmt enden, aus Disziplin soll immer Selbstdisziplin werden. Disziplin in der Erziehung legitimiert sich nur durch Liebe zu Kindern und Jugendlichen.

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Kundenbewertungen zu "Lob der Disziplin" von "Bernhard Bueb"

Durchschnittliche Kundenbewertung 3.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** sehr gut
(aus 2 Bewertungen)

Bewertung von Tom Outor aus Chicago am 24.09.2008 ***** weniger gut
Bueb war Leiter eines Internats. Ich stelle mir vor, dass er als Leiter eines Internats Erwartungen von Seiten der Schueler ausgesetzt war, er moege ihnen die Zuneigung geben, die die abwesenden Eltern nicht geben konnten. Diese Erwartung laesst sich wohl nicht erfuellen und die Situation der abwesenden Eltern legt den Schuelern nahe, sich vernachlaessigt zu fuehlen. Bueb predigt nun Disziplinierung von Schuelern als Weg, ihnen bei der Selbstfindung zu helfen. Ich habe selten etwas Absurderes gelesen und sehe darin einen Ausdruck von Hilflosigkeit, mit den Erwartungen von Schuelern nach Zuneigung umzugehen, und einen Mangel an Erkenntnis, dass die Situation an einem Internat besonders ist und sich nicht auf die Welt außerhalb uebertragen laesst.

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Bewertung von Joachim Buchenau aus Tussenhausen am 20.10.2006 ***** ausgezeichnet
Bernhard Bueb zeigt auf, wie Erziehung und (Aus-)Bildung in Deutschland wieder auf die Füße gestellt werden könnte. Er setzt notwendige Aspekte und Inhalte wie Autorität, Gehorsam, (Selbst-)Disziplin, Gemeinschaft und Leistungsbereitschaft in den unverzichtbaren, grundlegenden Kontext jeglicher erfolgreicher Erziehungsarbeit, entkleidet sie jener ideologischen Verzerrungen, die den sachlichen Umgang mit eben diesen Begrifflichkeiten wegen ihrer geschichtlichen Belastung (z.B. Hitlerzeit, DDR) für viele Menschen so schwer oder gar unmöglich gemacht hatten. Der Verlag nennt das Buch unter anderem “Eine Streitschrift”, was eigentlich inhaltlich wegen der großen und überzeugenden Darstellung der Problemfelder unangemessen wäre und Konsens sein sollte, gäbe es nicht in der Öffentlichkeit eine in jahrelanger Praxis verfestigte Eindimensionalität im pädagogischen (Vor-)Verständnis, die genau jenen plausiblen Sichtweisen ausweicht oder sie gar verteufelt. Daß ich mit dieser Auffassung nicht falsch liege, zeigte unlängst eine Fernsehdiskussion, in der Damen und Herren der “alten” und im Denken restriktiven Schule Herrn Bueb heftig angriffen; der Autor begegnete diesen Angriffen sachlich, ruhig und mit einer Überlegenheit (die wohl die Kraft der Argumente auf ihrer Seite weiß), wodurch zusätzlich bestätigt wurde: Hier hat jemand geschrieben, der von jahrelanger Erfahrung, von solidem Fachwissen und von der Liebe (ohne die wirkliche Erziehung nun mal nicht möglich ist) zu den Jugendlichen geleitet ist.
Das Buch hat noch eine andere Seltenheit zu bieten: Es ist so geschrieben, daß es für jedermann (der sich um Verstehen bemühen möchte) verständlich geschrieben ist, es vermeidet überflüssige Wiederholungen, ist in der geistigen Struktur mehr als “spannend” und stringent zu lesen und weist - dem List Verlag und einem hier sicherlich extrem sorgfältigen Lektorat sei Dank - keinerlei der leider ansonsten bei neueren Büchern zunehmend recht üblichen Fehler auf.
Ich kann “Lob der Disziplin” allen empfehlen, die auch nur irgendwie mit Erziehung, mit Jugendlichen und den aktuellen, gesellschaftlich-erziehlich bedingten Herausforderungen zu tun haben und die ihr einschlägiges Denken auf diesem Gebiet fortentwickeln möchten.
Da die ganzheitlich orientierten Thesen Buebs Eltern, Lehrkräften und Bildungspolitikern sehr viel bei ihrer Umsetzung abverlangen würden, sehe ich die Gefahr, daß gemäß üblicher Praxis einzelne Elemente je nach Gusto abstrahiert werden, jene dann ihrer notwendigen ganzheitlichen Grundlage entzogen würden und so wiederum nicht zu der notwendigen positiven Veränderung im Sinne von Kindern und Jugendlichen führen könnten.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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