W oder die Kindheitserinnerung - Perec, Georges

Georges Perec 

W oder die Kindheitserinnerung

Übersetzung: Helmlé, Eugen
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W oder die Kindheitserinnerung

Mit der Neuauflage dieses lange vergriffenen Werks wird eine der "faszinierendsten Autobiographien des 20. Jahrhunderts" (Die Zeit) endlich wieder der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich. In einer meisterlichen und verstörenden Erzählung verdichten sich Perecs Kindheitsphantasien von der utopischen Insel W, auf der das ganze Leben dem Sport gewidmet ist, mit den Erinnerungen an den Holocaust und den frühen Verlust der Eltern zu einer alptraumhaften Vision, die niemanden unberührt lässt.Zwei Erzählungen, die sich überkreuzen, verschränken und schließlich in einem fulminanten Crescendo ineinander übergehen, prägen den Aufbau des Buches: die Phantasiewelt, die sich Perec als 13-jähriger Junge erfand, und ein autobiographischer Bericht, der eine chronologische Familiengeschichte nachzuzeichnen versucht. Das Ringen um eigene, intime Erinnerungen im Nebel einer unerträglichen Vergangenheit findet eine unerhört kühne formale Darstellung, die es in der sorgsamen Übersetzung von Eugen Helmlé wiederzuentdecken gilt.


Produktinformation

  • Verlag: Diaphanes
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 174 S.
  • Seitenzahl: 174
  • Diaphanes Broschur
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 123mm x 18mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783037342251
  • ISBN-10: 3037342250
  • Best.Nr.: 34577774
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.08.2012

Reisen eines Weltflüchtigen
Zwei Werke von Georges Perec sind neu zu entdecken

Der Schlaf, so scheint es dem Träumer Perec, ist eine glückliche Nekrose, ein langsamer Tod, dem es mit dem Gleichmut eines Rindviehs und der Verschlossenheit einer Auster entgegenzuschlummern gilt. "Frei wie eine Kuh, wie eine Auster, wie eine Ratte!", lässt er seinen studentischen Helden das Selbstexperiment bejubeln. Es muss sich um eine höhere Erkenntnisform handeln, nach und nach jede Sozialität aufzugeben, ja selbst die Stadt Paris auf einer rein organischen Ebene zu erleben - einen Benjaminschen Flaneur als irrlichterndes Zitat der Gattung nicht auf die Boulevards zu schicken, um die Beobachtung zu schärfen, sondern ganz im Gegenteil, um sie zu zerstreuen.

"Sobald du die Augen schließt, beginnt das Abenteuer des Schlafs." Zunächst im Halbdunkel eines Dienstmädchenzimmers an der heute sündhaft teuren Pariser Rue Saint Honoré, später beim Schlafwandeln mit offenen Augen, die wie schwarze Löcher verschlingen, ohne zu verdauen, was in ihren Bannkreis gerät. Man würde Georges Perecs Lotterstudenten heute die Gefahren seiner Weltverweigerung vor Augen …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

In Georges Perecs autofiktionaler Erzählung verarbeitet der Autor laut Katharina Teutsch die Reste der Erinnerungen an seine jüdische Herkunft. Beim Hinabsteigen in die Vergangenheit entdeckt der Autor auf Feuerland eine Art kindliches Utopia, W, dessen Bewohner sich ganz dem Sport verschrieben haben. Wie Perec Kindheitserinnerungen und das Leben in W., das er ethnografisch präzise schildert, wie Teutsch erklärt, verbindet, scheint ihr Sinn zu machen. Vor den Augen der Rezensentin entpuppt sich W. als Straflager, entsteht eine Parabel auf den Nationalsozialismus, den der Autor verdrängt hatte, und eine berührende "verklausulierte" jüdische Biografie im 20. Jahrhundert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.08.2012

Die Leere
Endlich wieder da: Georges Perecs
„W oder die Kindheitserinnerung“
Zwölf Jahre lang war Georges Perecs Kindheitsbuch vergriffen, zwölf Jahre zu viel. Wie Imre Kertész „Roman eines Schicksallosen“ ist Perecs „W oder die Kindheitserinnerung“, im Original 1975, auf Deutsch 1982 erschienen, ein literarisches Denkmal der kindlichen und jugendlichen Opfer der Judenverfolgung in nationalsozialistischer Zeit. Georges Perec, 1936 geboren, im Alter von 46 Jahren in Paris gestorben, entstammte einer Familie polnischer Juden, die in den Zwanzigerjahren eingewandert waren. Sein Vater fiel 1940 als französischer Fremdenlegionär im Kampf gegen die Deutschen, seine Mutter wurde 1943 ins Konzentrationslager Drancy eingeliefert und nach Auschwitz deportiert.
  Gegenstand von „W oder die Kindheitserinnerung“ sind nicht von der Familie verbürgte Erinnerungen. Federführend ist ein traumatisiertes Bewusstsein, das von den Furien des Verschwindens, der Zerstörung, Verlorenheit und Gewalt gejagt wird. „Ich habe keine Kindheitserinnerungen“, gesteht der Zurückblickende zu Beginn und wirft Einzelheiten einer Kindheit aufs Papier, Vater, …

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Georges Perec, geb. 1936 in Paris; gest. 1982 in Ivry-sur-Seine, war französischer Schriftsteller und Filmemacher. Er war Mitglied der Oulipo-Gruppe und wird zu den wichtigsten Vertretern der französischen Nachkriegsliteratur gezählt.

Leseprobe zu "W oder die Kindheitserinnerung" von Georges Perec

"Lange habe ich nach den Spuren meiner Geschichte gesucht. Ich habe nichts gefunden und manchmal war mir, als hätte ich geträumt."
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