"Es war die Zeit der Ritter und Burgen...", setzt die angenehme Stimme des Erzählers zu Beginn jeder einzelnen Filmepisode ein, berichtet kurz von Eigentümlichkeiten, Sitten und Kuriosem aus dem Mittelalter, um dann dem Filmgeschehen rund um die äußerst sympathischen Figuren Trenk, Thekla und Ritter Hans die Bühne freizugeben. Ganz im Sinne der Autorin Kirsten Boie, nach deren "Kleiner-Ritter-Trenk"-Büchern die Zeichentrickserie geschaffen wurde, wird auch in den Filmen Spannung, Komik und Abenteuer verquickt mit Wissenswertem aus dem sogenannten "finsteren Zeitalter". Die ersten Folgen decken sich mit der Handlung des ersten Ritter-Trenk-Buches. Wir erfahren von Leibeigenen und mächtigen Rittern, von der Demut der Bauern, mit der sie sich ihren Lehnsherrn ergeben mussten. Der fatale Leitspruch "als Leibeigener geboren, als Leibeigener gestorben, Leibeigener ein Leben lang" wird im Film immer wieder vor Augen geführt. "Ja, Pustekuchen!", würde Thekla, das frisch-modern denkende Burgfräulein, das sich seiner Rolle so gar nicht anpassen will, nun reagieren. "Wer tüchtig ist wie ein Ritter, soll auch ein Ritter werden!" Und so geschieht es vor anschaulich gemalter Kulisse. Der Bauernjunge Trenk wird auf Burg Hohenlob zum Pagen ausgebildet. Nicht nur Reiten und Schwertkampf gehört zu seiner Ausbildung, er muss auch die Schulbank drücken - der Zeit und dem Ort gemäß beim Kaplan der Burg. Bibellesen, mit der Feder schreiben, ritterliches Benehmen, Gottesfürchtigkeit. Den Lehren des Kaplans setzt Trenk regelmäßig Bauernlehren entgegen, die offensichtlich werden lassen, dass das Wissen im Mittelalter womöglich gerechter verteilt war als alle anderen Güter. Jede etwa 25-minütige Folge erzählt eine eigene kurze Geschichte, die zum größten Teil für die Serie neu geschrieben wurde. Angepasst an das, was Kinder von Zeichentrickserien gewöhnt sind, gibt es die Figur des bösen Gegenspielers (Werthold, den Wüterich), dem zwei mehr dämliche als schreckliche Häscher beigegeben sind und die für die nötige Komik sorgen. Im Film hat Wüterich ebenfalls einen Pagen, den arroganten Jüngling Lenhardt, der als Kontrastfigur zu Trenk dessen starke und ehrliche Seiten nur noch prägnanter herausstellt. Ebenso gibt es ein weiteres Burgfräulein, Dorothea, Tochter des Herrn Fürsten, die dem mittelalterlichen Idealbild des Burgfräuleins so überzogen entspricht, dass Thekla mit ihrer aufsässigen Art nur noch klarer die Sympathien auf sich zieht. Und so erleben die Kinder mit dem wirklich nett zusammengestellten Figurenensemble mittelalterliche Märkte, Feste und Turniere, begegnen Räubern, Mönchen und Minnesängern, lernen, wovor man sich im Mittelalter fürchtete, an was man glaubte, wie man die Regeln untereinander festlegte, und werden dabei mit der richtigen Portion Spannung, ohne überflüssigen Grusel, Kitsch oder Albernheit aufs Beste unterhalten. Dieser Filmreihe kann man ohne Bedenken die Note 1 geben: Sie ist empfehlenswert, da lehrreich, mit Hingabe und Verstand gemacht und trotzdem nicht abgehoben. Diese Filme dürfen viele, viele Kinder glücklich machen. Gabriele Hoffmann (Leanders Leseladen, Heidelberg)
Kirsten Boie, eine der renommiertesten deutschen Autorinnen des modernen Kinder- und Jugendromans, wurde 1950 in Hamburg geboren, wo sie noch heute mit ihrer Familie lebt. Sie promovierte in Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin. 1985 erschien ihr erstes Buch und wurde ein beispielloser Erfolg. Inzwischen sind von Kirsten Boie zahlreiche Bücher erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Neben Kinder- und Jugendbüchern schreibt sie auch kleinere Drehbücher fürs Kinderfernsehen, Vorträge und Aufsätze zu verschienen Aspekten der Kinder- und Jugendliteratur und sie bereist im Auftrag des Goethe-Institutes das europäische und nicht-europäische Ausland. 2007 erhielt Kirsten Boie den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk sowie 2008 den "Goßen Preis" der Bayerischen Sparkassenstiftung. 2011 wurde Kirsten Boie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.