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49 Kundenbewertungen

Der Klassiker als Sonderausgabe zum Taschenbuchpreis! Berlin 1942: Als Bruno eines Tages nach Hause kommt, werden gerade alle seine Habseligkeiten in Kisten verpackt. Sein Vater wurde befördert und die Familie muss umziehen, an einen weit entfernten Ort, wo es niemanden gibt, mit dem er spiele kann. Ein hoher Zaun trennt ihn von den seltsamen Menschen in gestreiften Anzügen in der Ferne. Aber Bruno beschließt, dass es mehr an diesem verlassenen Ort geben muss, als es den Anschein hat. Er trifft auf einen Jungen, dessen Lebensumstände ganz anders als seine eigenen sind. Die beiden Junge…mehr

Produktbeschreibung

Der Klassiker als Sonderausgabe zum Taschenbuchpreis! Berlin 1942: Als Bruno eines Tages nach Hause kommt, werden gerade alle seine Habseligkeiten in Kisten verpackt. Sein Vater wurde befördert und die Familie muss umziehen, an einen weit entfernten Ort, wo es niemanden gibt, mit dem er spielen kann. Ein hoher Zaun trennt ihn von den seltsamen Menschen in gestreiften Anzügen in der Ferne. Aber Bruno beschließt, dass es mehr an diesem verlassenen Ort geben muss, als es den Anschein hat. Er trifft auf einen Jungen, dessen Lebensumstände ganz anders als seine eigenen sind. Die beiden Jungen freunden sich an -- und das hat Folgen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Argon
  • ISBN-13: 9783866108301
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3866108303
  • Best.Nr.: 26327642
  • Laufzeit: 313 Min.

Autorenporträt

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte "Englische Literatur' und 'Kreatives Schreiben' in Dublin und Norwich. Er ist der Autor von sechs Romanen, darunter "Der Junge im gestreiften Pyjama", der zwei Irische Buchpreise gewann, für den "British Book Award" nominiert war und vor kurzem verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.
John Boyne

Rezensionen

Besprechung von 03.08.2007
Der literarische Marktplatz
Ein Buch in der Diskussion: „Der Junge im gestreiften Pyjama”
Es war einmal ein kleiner Junge namens Bruno, der mit seiner Mutter und der drei Jahre älteren Schwester aus Berlin fortziehen musste, weil sein Vater, Kommandant in Aus-Wisch gewesen war. Dort gab es Soldaten und einen Zaun, hinter dem sehr viele Leute, auch Kinder in gestreiften Pyjamas herumstanden. Die Mutter war mit der Arbeit des Vaters nicht einverstanden, die Schwester verknallte sich in einen jungen Offizier und der Junge, Bruno, wanderte aus Langeweile und Forscherdrang an diesem Zaun manchmal eine Stunde entlang, bis er einmal auf der anderen Seite einen anderen Jungen im Grase hocken sah, sich mit ihm befreundete, ihn immer wieder besuchte und ihm, da er immer hungrig war, Essen durch den Maschendraht schob. Kurz bevor Brunos Vater wieder nach Berlin zurückversetzt wurde, wollte Bruno seinem Freund helfen, dessen verschwundenen Vater zu suchen, bekam von ihm einen gestreiften Pyjama, schlüpfte unter dem Zaun hindurch, zog ihn an und geriet bei der vergeblichen Suche in eine von Soldaten zusammengetriebene Menschenmenge, die in einer Gaskammer endete. Der Kommandant aber wurde aus Kummer zuerst noch grausamer, und dann verlor er Verstand, Macht und Leben.
Was ist das? „Ein kleines Wunder von einem Buch”, schrieb der Guardian, sei Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne, ein Buch, das in Irland 46 Wochen auf de Bestsellerliste stand, als „Best Children’s Book of the Year” ausgezeichnet wurde, in 25 Sprachen übersetzt und bald verfilmt wird. Wieso aber stößt mich diese Geschichte ab? Ist es nicht verdienstvoll, sich diesem schwierigen Thema immer wieder zu nähern? Muss man nicht schon allen Kindern, erst recht allen deutschen Kindern sagen, wie es war, damit es nicht wieder so wird? Und darf man, um dieses Ziel zu erreichen, nicht Gefühl und Phantasie verwenden, um die Generationen Handy und virtuelle Welt zu erreichen? Was also stört mich an diesem in jedem Satz gut gemeinten Buch?
Zuerst einmal die Fehler und Missverständnisse. Die Geschichte spielt nach 1942. Der Junge, Bruno, ist neun Jahre alt, seine Schwester, mit dem Klischeenamen Gretel, zwölf. Sie wäre seit zwei Jahren Pflichtmitglied des BdJM, Bund deutscher Jungmädel gewesen, hätte durch die zweimal wöchentlichen „Dienstnachmittage” bei der obligatorischen „Schulung” die Naivität und Weltferne längst verloren, die sie im Buch zeigt.
Weiter: 1942 wurde aus Auschwitz ein Vernichtungslager im industriellen Sinn. Kein Zaun wäre lose gewesen. Kein Zaunabschnitt nicht im Bereich der ständigen Überwachung von den Wachtürmen aus. Falls der Zaun nicht doppelt und elektrisiert war, gab es scharfe Spürhunde. Kein Kind, ob diesseits oder jenseits des Zauns, wäre auch nur fünf Minuten lang unentdeckt geblieben. Kein freies Kind hätte Essen durch den Maschendraht schieben können. Kein gefangenes Kind hätte den Imbiss verheimlichen können. Schließlich: „Verdunklung” bedeutete nicht, abends „alle Lichter ausmachen” – was die feiernden SS-Leute des Romans ohnehin nicht befolgen. Berlin war 1943/44 schon eine Trümmerwüste, und zuständig für die KZs und ihr Personal war wohl nicht der „Furor”, sondern eher der Reichsführer SS Himmler. Aber je mehr man mit diesen Fehlern rechtet, mit dem „Hallo”, das es ebenso wenig wie Kühlschränke gab, die selbst in Berlin noch Eiskästen waren, mit den Karotten statt Mohrrüben und so weiter, umso mehr merkt man, dass es gar nicht um Auschwitz geht, nicht um Historisches, sondern um die Frage, die durch das vorige Jahrhundert hallte, die nicht verstummen wird, noch lange nicht: Wie konnte so etwas geschehen? Wer waren die Menschen, die so etwas ermöglicht hatten? Das seitdem Unerklärliche also als Gegenstand der Fiktion. Der Autor wählt den Trick, der seit Grimmelshausens Simplicissimus immer wieder angewandt worden ist: ein Simpel, ein ahnungsloses Kind berichtet mit seiner Stimme von dem, was es gesehen, aber niemals erkannt hat. Diese ungebrochene Naivität über die Jahre, über die intellektuelle, geistige und moralische Entwicklung eines Neunjährigen zum Zehn- und Zwölfjährigen durchzuhalten, war das eine Problem des Autors. Sein anderes, das damit zusammenhängt: diese Unschuld nicht als Beschränktheit erscheinen zu lassen.
Für einen irischen Autor des Jahrgangs 1971 ist die deutsche Geschichte ab 1942 auf andere, aber ebenso erschütternde Weise unvorstellbar wie für mich, Jahrgang 1927, die in der Nähe von Auschwitz im Reichsarbeitsdienst und mit einem Mann verheiratet war, dessen Großmutter sich das Leben nahm, um nicht nach Auschwitz deportiert zu werden. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Für ihn mag es möglich sein, die Furcht vor der Natur der Menschen, die Auschwitz ermöglicht hat, mit einer Parabel, einem überaus mitfühlenden Politmärchen zu besänftigen oder zu verdrängen, das in der Apotheose des „Nie-wieder” endet. Das gefällt, wie die Wirkung des Buches zeigt, sicher auch deshalb, weil es die uralte Sehnsucht nach der Unschuld bestätigen möchte, nach der Unschuld des Kindes. „Ließet ihr nur die Kinder machen, was sie tun”, sagt die Geschichte, „so wäre die Welt in Ordnung.”
Aber gerade das ist der Irrtum oder der Selbstbetrug. Kinder sind nicht die andere Möglichkeit des Menschengeschlechtes, und wenn ein Buch Kindern eine andere Zeit verständlich machen möchte, und wie das Böse in ihre und in unsere Welt kommt, so muss es frei von solchen Illusionen sein, so bitter das für einen Autor sein mag, vor allem für einen so wohlmeinenden. Auch schlichte Polit-Pädagogik funktioniert nicht, wenn sie nicht wahr ist. Meinetwegen nicht richtig in Details, aber wahrhaft im Ganzen. Schließlich muss ein literarischer Text seinem Gegenstand angemessen sein, so wie die Bücher von Elie Wiesel, Aleksandar Tisma, Tadeusz Borowski oder Schoschana Rabinovici dem Thema Konzentrationslager und Auschwitz auf ihre jeweilige Art angemessen waren.
Das seien keine kindgemäßen Bücher? Ja, aber kein Leben und Sterben in einem Vernichtungslager war einem Kind gemäß. In Irland und in der Welt kann man diese Finsternis mit sanften Parabeln zu erhellen versuchen. In Deutschland muss man damit wohl warten, bis die letzten nicht mehr leben, die von dieser Finsternis fast verschlungen worden sind. Danach erst können Furor und Aus-Wisch widerspruchslos als Spannungs- und Rührstück verarbeitet werden. SYBIL GRÄFIN SCHÖNFELDT
JOHN BOYNE: Der Junge im gestreiften Pyjama. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. Fischer Schatzinsel 2007. 266 Seiten, 13,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Besprechung von 21.07.2007
Hinter dem hohen Zaun
Ein Junge verschwindet: John Boynes Fabel einer Freundschaft

Die größten Schrecken und die schlimmsten Erfahrungen scheinen sich vor der Sprache zu verschließen. Darüber reden und schreiben müssen wir dennoch. Denn eigentlich drängt alle Wirklichkeit, einschließlich aller Phantasie, in die Sprache. Die Grenzlinie, die das Diktum "Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen" bezeichnet, liegt eben nicht fest, sondern muss vielmehr je nach dem Zusammenhang vor und zurück verschoben werden. Freilich begibt sich, wer dieser Grenze zu nahe kommt, in eine ganz eigentümliche Sprach-Schattenzone. Sprach-Kitsch zerbröselt sofort. Gutwillige Tröstungsprosa verwelkt ebenso umstandslos wie meinungfestes Moralisieren. Aber wie denn sonst?

John Boyne ist mit "Der Junge im gestreiften Pyjama" eine Art minimalistischer Geniestreich gelungen. Er erzählt aus der Perspektive des hellen, ein wenig vereinsamten, höchst autoritär erzogenen neunjährigen Bruno die Geschichte einer Familie im nationalsozialistischen Deutschland. Es handelt sich nicht um irgendeine Familie. Der Vater ist ein hoher Funktionär des Dritten Reiches, eigentlich noch recht jung, aber vorgesehen für "große Aufgaben". Im dritten oder vierten Kriegsjahr kommt solch eine Aufgabe auf ihn zu: Er wird Kommandant in einem Ort in Polen, von dem Bruno sich nur den verballhornten Namen merken kann: Aus-Wisch. Der Vater und mit ihm seine Frau sowie die beide Kinder, Bruno und die etwas ältere Gretel, ziehen von Berlin fort und in eine Villa an diesem Ort. Den erlebt Bruno als überaus unwirtlich. Von seinem Fenster aus kann er hinter dem Garten einen hohen Zaun und dahinter undeutlich eine große Zahl von Menschen in gestreiften Pyjamas erkennen. Darüber wird in der Familie aber nicht geredet.

Bis hierhin ist die Geschichte eher konventionell erzählt. Man liest sie mit Anteilnahme und Sympathie für den kleinen tapferen Bruno, der sich in der neuen Wohnung entsetzlich langweilt. Was aber im zweiten Teil der Geschichte, Boyne nennt sie eine Fabel, folgt, ist die Entfaltung eines subtilen Wunders, einer zarten Freundschaft zwischen Bruno und dem gleichaltrigen Schmuel durch den Lagerzaun hindurch. Diese Freundschaft ist mehr durch die unterschiedlichen Ängste der beiden Jungen geprägt und durch das ungleich verteilte Nichtwissen über das Lager und das Schicksal seiner Insassen als durch all das, was üblicherweise Neun- und Zehnjährige interessiert. Bruno und Schmuel werden füreinander immer wichtiger. Am Ende der Geschichte ist Bruno verschwunden.

Von diesem Ende her gedacht, ist die Fabel ein würdiger Teil jenes literarischen Genres vom souveränen Verschwinden, das sich im vorigen Jahrhundert entwickelte und großartige Romane umfasst wie "Die drei Sprünge des Wang-Lun" von Alfred Döblin, "Rechts und links" von Joseph Roth oder "Die Mutprobe" von Vladimir Nabokov. Dies sind nun nicht gerade Jugendbücher. "Der Junge im gestreiften Pyjama" hingegen darf und sollte von jungen Lesern in die Hand genommen werden. Wie die Erwachsenen werden sie dem Sog des Buches erliegen und es, wenn sie ein bisschen Übung darin haben, in einem Zuge durchlesen.

Boyne hat es ausgezeichnet verstanden, die innere Unbehaglichkeit der Familienkonstellation deutlich werden zu lassen, und er hat sie zu einem Spannungsantrieb für den Fortgang der Geschichte gemacht. Vor der emotionalen Kargheit in der Familie hebt sich die gegen alle Unwahrscheinlichkeiten wachsende Zartheit der Freundschaft zwischen Bruno und Schmuel umso klarer ab. Die literarische Meisterschaft Boynes zeigt sich an der Konsequenz, mit der er die Geschichte aus Brunos Perspektive erzählt. So paradox es klingt: Im ganzen Buch gibt es deshalb keine einzige Beschreibung einer brutalen Szene in brutaler Sprache. Bruno ahnt, dass das in sich ohnehin leicht abschüssige Familienidyll und das weitere soziale Umfeld in "Aus-Wisch" auf übelster Gewalt beruhen. Aber er nimmt nur staunend Handlungen und Begebenheiten wahr, die ihm bis zum Schluss rätselhaft bleiben. So wird der größte Schrecken mit größtmöglicher Sanftheit beschrieben. Das macht ihn ja deshalb nicht erträglicher - wer das Buch zu Ende gelesen hat, wird unweigerlich erschüttert sein, gleichviel ob erwachsen oder als Jugendlicher.

Boyne kommt ohne jeden sprachlichen Knalleffekt aus, ohne emotionale Überwältigungsversuche seiner Leser. Deshalb wirkt seine Geschichte weder verstörend noch vergröbernd, sondern ganz im Sinne einer Verfeinerung unserer Gefühle. Und während andere Jugendbücher kommen und gehen, wird "Der Junge im gestreiften Pyjama", die Prognose sei gewagt, ein Klassiker werden.

WILFRIED VON BREDOW

John Boyne: "Der Junge im gestreiften Pyjama". Eine Fabel. Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Jakobeit. Fischer Schatzinsel, Frankfurt am Main 2007. 267 S., geb., 13,90 [Euro]. Ab 11 J.

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Siggi Seuss jedenfalls zeigt sich begeistert von diesem Roman des irischen Autors John Boyne, der damit die Geister der Literaturkritik spaltet, wie der Rezensent weiß. Umjubelt in England, stößt diese Geschichte um die heimliche Freundschaft zwischen dem Sohn eines Lagerkommandeurs in Auschwitz und einem jüdischen Jungen bei vielen deutschen Lesern auf Unverständnis, da hier historische Tatsachen missachtet und Realität verfälscht werde. Den Spaß an der Lektüre hat sich der Rezensent aber dadurch nicht nehmen lassen - er hat diese Geschichte schlicht als "Fabel" gelesen. "Bewundernswert, wie konsequent der Autor die Wirklichkeit ausblendet, um fundamentale menschliche Wesenszüge ans Licht zu bringen", freut sich der Rezensent. Auf diese Weise gelinge es Boyne, dem Unfassbaren mit den Augen eines unschuldigen Kindes zu begegnen, das eine von Erwachsenen geschaffene Ordnung von Dingen und Menschen schildert, die "eine Atmosphäre allumfassender Kälte verbreitet".

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