Leseprobe zu "Cave Canem" von Akif Pirincci
Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt, sagt man. Wenn dem so ist, dann auch die Liebe im Krieg. Und die sollte ich in den folgenden Tagen kennenlernen. Doch wie so oft im Leben würde diese Liebe sich erst als eine solche entpuppen, nachdem das Liebesobjekt dahingeschwunden ist. Kommen Sie, folgen Sie mir; ich erzähle Ihnen eine Geschichte über Krieg und liebenswerte Feinde und darüber, warum Feinde für uns so lebensnotwendig sind wie die Luft zum Atmen.
Wie bei fernem Donnergrollen kündigte sich die Gefahr zunächst nur indirekt an - dank ungebetener Gäste hatte ich beiläufig erfahren, daß in diesem Krieg schon sieben ins Gras gebissen hatten. Drei der Unsrigen und vier der Ihren. Ein Krieg, der weder eröffnet worden war noch im Geiste der Beteiligten im gegenwärtigen Stadium richtig Gestalt angenommen hatte, jedoch so virulent schien wie eine anschwellende Grippeepidemie. Meine unfreiwillige Einmischung in die Sache begann im vergangenen Mai in Gustavs übergroßem Bett. Das Teil erweckte in seinem Zustand grandioser Unordnung den Eindruck, als hätten darin letzte Nacht ein Dutzend dieser inflationären TV-Catcher eine unvergeßliche Show abgezogen. Zudem duftete es nach fossilem Schweiß, Käsefuß-Reminiszenzen und den faszinierenden Körperausdünstungen eines fünfundfünfzig Jahre alten und hundertdreißig Kilo schweren Fleischklopses in Menschengestalt. Doch war es wohl gerade der vertraute Unwohlgeruch des ewigen Lebensgefährten oder ein narkotisierendes Gas aus der Matratze, das dem Schlaf die orgiastische Qualität verlieh - sei's drum, jedenfalls war es nirgendwo anders angenehmer, dem kleinen Tod zu frönen.
Süßsaure Gemütlichkeit ruhte an diesem Ort wie eine fette Mama mit zehn Brüsten, die jedes Mäulchen willkommen heißt.
Ich klappte die Lider einen Millimeter weit auf, linste schläfrig durch das Zimmer und versuchte herauszubekommen, was mich wohl geweckt hatte. Die kosende Frühlingssonne flutete durch die Scheiben der Gartentür und tauchte den Raum in absurd grelles Licht. Es war eine urige Höhle: Schrank, Kommode und Bett in solch putzigem Holzdesign, als hätte der alte Gepetto höchstpersönlich Hand angelegt; dazu ein ovaler Läufer unbestimmter Couleur, sicherlich ein Milben-Metropolis, und überall Türme von archäologischer Fachliteratur, wurmzerfressen und von der Sonne gebleicht. Das i-Tüpfelchen der Intellektuellenbehaglichkeit war eine Original-Polizeiverhörlampe mit kohlschwarzem Blechschirm direkt neben dem Bett.
Erwähnte ich das Wörtchen "intellektuell"? Nun ja, Gustav verdient seine Brötchen nicht gerade als Zehnkämpfer bei Sportveranstaltungen. Sein Fach ist die Archäologie, Spezialgebiet ägyptisches Götterwesen, womit er es inzwischen sogar zum Leiter eines hochangesehenen Instituts gebracht hat. Doch ihn als monokelscharfen Denker zu klassifizieren, wäre etwa so zutreffend, als bescheinigte man einem Esel das Verständnis für Astronomie, nur weil er den Mond anjammert. Eher macht er auf mich den Eindruck eines Kopfverletzten, bei dem durch glückliche Fügung ein paar (zu vernachlässigende) Hirnregionen heil geblieben sind. Beweise? Also wenn ich ständig in die Verlegenheit käme, daß selbst der großflächigste Standspiegel nur noch einen kleinen Ausschnitt von meinem Leib zu zeigen vermag, würde ich nicht gerade eine zweihundert Exemplare umfassende Kochbuchsammlung mein eigen nennen wollen und wie ein Triebtäter zu jeder Tages- und Nachtzeit die Weisheiten daraus an mir zur aufgedunsenen Realität werden lassen. Wenn ich auf Frauen eine so elektrisierende Wirkung hätte wie Gülle, würde ich nicht soviel auf die Liebesschwüre zwielichtiger Kneipenbekanntschaften geben, um mich nach der Gewährung einer Nachtunterkunft am nächsten Tag zu fragen, weshalb bloß das Liebesobjekt nebst dem Original einer unschätzbar wertvollen Hieroglyphentafel spurlos verschwunden sind. Und ich würde nicht jedesmal in stundenlangen Jubel ausbrechen, wenn ich eine Drucksache mit der in der Tat erfreulichen Überschrift erhielte "Gratuliere, Sie haben eine Million Mark gewonnen!" - ohne das Kleingedruckte "Jedenfalls beinahe, wenn Sie unsere Eieruhr bestellen und an der großen Verlosung teilnehmen" gelesen zu haben. Ich meine, man kann ja ein Trottel sein, doch sollte man möglichst vermeiden, daß die Zurschaustellung der eigenen Trotteligkeit bei seinen Mitgeschöpfen Hautausschlag verursacht.
Fragen Sie mich, warum ich trotzdem mit diesem Elefantenmensch mit Mäusegrips zusammenlebe, so antworte ich, fragen Sie mich was anderes! Ich wurde in diese furchtbare und schöne Welt hineingeboren, und statt der Krone der Schöpfung ins Antlitz zu blicken, blickte ich unscharf auf Wurstfinger, welche mir ein Schälchen Milch vor die Nase stellten. Ich sah kunterbunte Socken wie bei einem Zirkusclown, aufgeplatzte Filzpantoffeln, die süßlich muffelten, und Hosenbeine fast so voluminös wie Fabrikschornsteine. Ein Gesicht beugte sich auf mich herab, kürbisgroß und voller Güte, und da ich ein Waisenknäblein war und mutterseelenallein und meine Äuglein eben erst geöffnet hatte, dachte ich in meiner grenzenlosen Unschuld, daß die Gesellschaft eines gütigen Kürbiskopfes der Gipfel der irdischen Beglückungen wäre. Es war also Prägung der archaischen Art; ich konnte mich dagegen nicht wehren!
Freilich wäre es unfair, im nachhinein zu behaupten, daß meine ambivalente Beziehung zu Gustav auf reiner Prägung beruhte. Nein, uns verbindet obendrein eine so amorphe wie zwielichtige Errungenschaft, die viele Leute miteinander verbindet, welche den lieben langen Tag nichts Gescheites zu tun haben: Kultur! Beim Kerzenlicht der göttlichen Callas lauschen oder Stunden über Stunden ein gutes Buch lesen, er in seinem ramponierten Ohrensessel, ich auf seiner Schulter. Jawohl, Gustav und ich sind uns einig, daß es göttliche Sphären gibt, deren Er uns über Auserwählte teilhaftig werden läßt.
Sagte da jemand, daß ich - Freud sei uns gnädig! - "unbewußt" pseudoschlüssige Gründe vorschiebe, um nur nicht gestehen zu müssen, daß ich in Wahrheit Gustav liebe? Nun, wie kann man jemanden lieben, der liegend aussieht wie ein gestrandeter Wal und gehend wie ein gestrandeter Wal, der zu gehen versucht. Wie? Ganz einfach, indem man die Vorzüge zu schätzen lernt. Das kleine Leckerli, das er mir während des Essens unter dem Tisch zuzustecken pflegt, die Streicheleinheiten, die mein Fell so dringend braucht, und das Heim, das er mir im ganz und gar biblischen Sinne gewährt, und so weiter und so fort. Alles hat seine Vor- und Nachteile, wie der Alltagsphilosoph sagt. Oder, um mit einem Profi aus dieser Gilde, nämlich meinem guten alten Schopenhauer, zu sprechen: "Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um durch die gegenseitige Wärme sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder voneinander entfernte."
Wir wohnten in einem wunderschönen Altbaugebiet der Stadt, bloß daß der Altbau so aussah, als hätte er das Wörtchen "alt" bierernst genommen. Gustav und sein schrulliger Freund Archie, der ein Stockwerk über uns residierte, hatten das Gründerzeitgebäude vor Jahren einer Renovierung unterzogen. Doch der ordinäre Alterungsprozeß und chronische Geldnot hatten die prachtvolle Stuckfassade mit den entzückenden Erkern und klassizistischen Konsolenfenstern in die geronnene Fratze einer Diva verwandelt, deren einstige Laszivität nun nicht einmal mehr zu erahnen war. Kaum anders sah es drinnen aus. Daß unsere eigene Behausung unter den Fotografen der Zeitschrift "Atrium" nicht gerade als Geheimtip galt, verwunderte niemanden. Im Gegenteil, wenn diese je einen Wettbewerb mit dem Titel "Leute, die wegen ihres schlechten Geschmacks erschlagen gehören" ausgeschrieben hätten, hätte Gustav mit links den ersten Preis eingeheimst. Schließlich wurde sein Klosettdeckel von einem lindgrünen Frotteeüberzug verhüllt - Sie verstehen? Und mit dem Rest sah es nicht anders aus.
Das hölzerne Treppenhaus glich mittlerweile der Kulisse einer Horrorfilm-Parodie. Düster, abgewetzt, spinnwebenverhangen und morsch auf jedem Quadratzentimeter, dazu ein Knarzen und Stöhnen bei jedem Tritt, selbst einem leichtpfotigen, wie er mir zu eigen ist. Archie, ein Dummerjahn von Gottes Gnaden, der jedem modischen Trend hinterherhechelt, als hätten ihn sämtliche Werbeagenturen dieser Welt einer Gehirnwäsche unterzogen, war dagegen in Sachen Wohnkultur noch ein Lichtblick. Aber wie allen Leuten, von denen man gerne mal wüßte, womit sie eigentlich ihren Lebensunterhalt verdienen - sie selbst wüßten es in der Tat auch ganz gerne -, blieb auch Archie nichts anderes übrig, als seinem erlesenen Geschmack durch optische Onanie in Ambiente-Magazinen zu frönen und den gemächlichen Verfall über sich ergehen zu lassen.
Dazu frönte er einem teuren Hobby - wenn man Menschen, die ohnehin nicht arbeiten, ein solches überhaupt nachsagen kann. Nachdem er beim Snowboarden mehrmals in Gletscherspalten gestürzt und diverse Bergwachten wegen der kostspieligen Rettungsaktionen in Konkurs getrieben, sich beim Inlineskaten beide Arme und Beine, bedauerlicherweise jedoch nicht das Genick gebrochen und sich durch exzessives Piercing irreparable Schäden an der Afterschließmuskulatur zugezogen hatte, ist er ans Internet-Surfing geraten. Angeblich Kommunikation total, quasi der Puff des Wissens schlechthin, halte ich diese Errungenschaft für das Überflüssigste, was der Mensch je geschaffen hat. Daten und solch bedeutsame Botschaften wie Geburtstagsgrüße werden so lange um den Globus hin und her geemailt, bis der Info-Depp vor dem Monitor ganz den Grund seines Anliegens vergessen hat. Gerade wollte er sich über ein seltenes Erz kundig tun, fünf Stunden später stellt er plötzlich fest, daß er durch Querverweise das Genital von Tümmlern studiert oder Tiefgründiges mit einem einbeinigen Sambatänzer aus São Paulo austauscht. Reine Zeitverschwendung!
Zum Glück gibt es aus unserer maroden Villa Kunterbunt auch etwas Angenehmes zu berichten. Im Winter ist Professor Amöbius Mars in das Obergeschoß eingezogen, ein Bekannter Gustavs. Um genau zu sein, war es dieser Gelehrte gewesen, der Gustav den Posten des Institutsleiters zugeschanzt hatte. Der gute Mann ist nämlich staatlicher Koordinator für diverse kulturelle Angelegenheiten, so auch zuständig für die Altertumsforschung. Er selbst betreibt das Fach der Ethnologie, um zu solch profunden Erkenntnissen zu gelangen wie beispielsweise, daß Buschmenschen im brasilianischen Urwald ebenso wie ihre Artgenossen in Manhattan die süßesten Früchte lieber selbst verzehren, als sie mit ihren Nachbarn zu teilen. Der alte Herr mit dem schlohweißen Haarkranz und der eckigen Goldrandbrille ist die Güte in Person und ein Ausbund an asketischem Lebensstil. Nie sah ich ein Menschenwesen einen Anzug von der Stange so erhaben tragen, als wandle er im päpstlichen Ornat, und auch nie erblickte ich eine spartanischere Wohnung als die seine. Es schien, als bestehe der Ort ausschließlich aus Bücherregalen, sonderbar isoliert wirkenden Exponaten wie der Jugendstilbadewanne mit güldenen Löwenpfoten oder einer echten Galionsfigur aus Captain Cooks Tagen und ansonsten der Abwesenheit jeglicher Kommunikationstechnologie. Ja, man war sogar geneigt zu glauben, daß er sich ausschließlich von den stapelweise abonnierten Zeitungen ernährte. Denn selbst die Küche war ein reiner Symmetrieexzeß aus gruftschwarzen Granitplatten und Chrominstrumentarium, welches man in ihrer Reduzierung auf bloße Funktionalität eher in einem Hochsicherheitslabor vermutet hätte als an einem Platz, wo es etwas zu Fressen gab. Dafür konnte man hier, anders als in den vom Design-Stalinismus oktroyierten Rumpelkammern, frei atmen und sich an sonnigen Tagen auf den honigfarbenen Dielenbrettern vor Wohlbehagen wälzen.
Was unglücklicherweise nicht gestattet war, denn Herr Mars war leider, leider mit der Krankheit geschlagen, die durch meinesgleichen ausgelöst wird (1). Deshalb gab es, was mich anging, auch kaum Kontakte zwischen dem Parterre und dem Obergeschoß, denn die hätten für ihn im schlimmsten Falle sogar tödlich enden können. Nichtsdestotrotz hegte der Mann überhaupt keinen Groll gegen meine Art, im Gegenteil, er bedauerte zutiefst den Mangel eines Haustieres.
Wie oft sah ich diesen herzensguten Menschen unseren Liliputanergarten an der Rückseite des Hauses auf Vordermann bringen, stets bewaffnet mit der stählernen Jätekralle, obwohl die grüne Zierde eher der Markierungsmarotte meiner Rasse dienlich ist als dem Botanikgenuß des Homo sapiens. Das Fleckchen Erde mit der Mammuteiche im Zentrum ist nämlich von unserem Balkon aus gar nicht zu sehen, weil sich gleich darunter eine rissig gewordene Betonterrasse erstreckt, die als Decke der Weiterführung des Kellers dient. Erst zweieinhalb Meter tiefer kommt das verborgene Grün zum Vorschein.
Auch ich selbst war seit geraumer Zeit mit der Natur in völligem Einklang. Der Grund hierfür hieß Roxy und war eine Van. Sie stammte vom Clan der Angora, jener türkischen Rasse mit der eleganten Körperform und dem seidigen, schneeweißen Fell, die als erste die Langhaarigen unserer Art in Europa bekannt gemacht hat. Während die Angora nach der türkischen Stadt Angora benannt wurde, dem heutigen Ankara, stammt die Bezeichnung "Van" vom Van-See, in dessen Nähe sich Roxysgleichen als reine Rasse entwickelten. Meine Geliebte funkelte silbern im Licht und hatte kastanienbraune Flecken um die Ohren und am Schwanz. Diese Art Zeichnung ist sehr selten und hat deshalb auch die Benennung Van-Zeichnung erhalten. Die Vans sind nicht nur für ihre atemberaubende Schönheit berühmt, sondern auch für ihre Angewohnheit, in seichten Gewässern zu schwimmen.
In meinem Alter - und eher küsse ich eine Ratte als mich auf eine Zahl festzulegen - ist die Wahrscheinlichkeit, daß man sich in eine Dame mit Haut und Schnurrhaaren verliebt, etwa so hoch, wie in der Arktis von einer herabsausenden Kokosnuß erschlagen zu werden. Aber, ja aber - diese Augen! Das eine capriblau, das andere kupferfarben. Das eine verhieß Versenkung im Ozean vollendeten Gleichklangs, das andere immerwährendes Inferno der Wollust. Wie konnte ein alter Zausel wie ich dem gebieterischen Peitschen dieses flammendrot leuchtenden Büschelschwanzes widerstehen, wenn die Dame geruhte, sich in der Sonne auf einer Mauer zu positionieren, um ihre Wirkung auf den lokalen Testosteronspiegel zu testen? Und wie konnte ich je Schlaf finden, wenn ihr Liebesgesang bei Mondennächten im Karree der Gärten eine Echo-Odyssee startete? Nein, das konnte ich nicht. Denn ich war zwar alt - aber keineswegs tot!
So hatte ich kürzlich unter den Legionen meiner geifernden Mitbewerber mittels würdelosen, bedauerlicherweise jedoch unabdingbaren Gockelgehabes das Rennen gemacht und mit ihr nach und nach angebandelt. An diesem Mittag stand das erste Rendezvous bevor, das bestimmt zu einer mehrtägigen Hochzeit ausarten würde, prognostizierte doch mein unfehlbares Näschen seit geraumer Zeit, daß sie genau heute in Hitze geraten würde. O wie leicht es ältlichen Knaben fiel, die Spottfigur des jugendlichen Springinsfelds zu geben, wenn das Feld nur in vollem Saft stand! Anderseits war meine süße Roxy eine Schande wert. Vielleicht auch zehntausend.
Wer erdreistete sich also, meinen Schönheitsschlaf vorzeitig zu beenden, jenen komatösen Bewußtseinszustand, ohne den jemand in meinem Alter wirklich alt aussieht? Ich zog die Pupille auf Schärfe.Blaubart! Natürlich. Ich hätte es mir denken können. Der Henker der guten Laune, der Sensenmann eines jeden sonnigen Tages. Gerade, wenn man allmählich zu der Überzeugung gelangte, daß die Magenverstimmung von gestern wohl doch kein Indiz für beginnenden Darmkrebs gewesen war, oder man zu glauben anfing, das Leben könnte vielleicht tatsächlich einen Sinn besitzen, da platzte stets Blaubart in diese erbaulichen Betrachtungen und verkündete den Weltuntergang. Schwer zu sagen, ob diese Eigenschaft daher rührte, daß der zottelige Methusalem von einem Maine-Coon als Kind das Opfer widerlicher Laborversuche geworden war, welche wie ein düsteres Karma seine gesamte Vita überschatteten. Dem Erscheinungsbild einer aus allen Nähten platzenden Mülltüte nicht unähnlich, sämtliche unserer Gattung eigenen Fellfarben aufweisend, wobei der schwarze Ton dominierte, aus nur einem Auge stierend, weil das andere längst einer eingeschrumpelten Wunde gewichen war, die rechte Pfote arg verstümmelt und infolge eines nervösen Hackebeilchens ganz und gar schwanzlos - so stand Blaubart vor mir und machte ein derart betroffenes Gesicht, als hätte ich Sympathien für einen vegetarischen Lebenswandel bekundet. Ein leiser, meine Lauscher streichelnder Luftzug ließ mich schlußfolgern, daß er durch das Toilettenfenster in die Wohnung gestiegen war, das Gustav nach seiner Morgenentleerung gewöhnlich für eine Weile offenließ. Leider nie lange genug.
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