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Eine Familie zwischen den Welten und zwischen den Zeiten: Junot Díaz erzählt von dem liebenswürdigen Nerd Oscar und seiner toughen Schwester Lola. Beide sind in New Jersey groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Und dorthin verschlägt es sie immer wieder, wenn das Leben das mühsam zusammengekratzte Glück gerade wieder einmal wegwischt. Hier finden sie im Haus der Großtante Zuflucht – genau wie ihre Mutter vor vielen Jahren, deren düstere Vergangenheit auf ihnen lastet wie ein Fluch. Bis Oscar sich eines Tages aufmacht, den Fluch zu bannen. "Eine brillant erzählte Sehnsuchtsgeschichte." Simone von Büren, NZZ…mehr

Produktbeschreibung
Eine Familie zwischen den Welten und zwischen den Zeiten: Junot Díaz erzählt von dem liebenswürdigen Nerd Oscar und seiner toughen Schwester Lola. Beide sind in New Jersey groß geworden, aber ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Und dorthin verschlägt es sie immer wieder, wenn das Leben das mühsam zusammengekratzte Glück gerade wieder einmal wegwischt. Hier finden sie im Haus der Großtante Zuflucht – genau wie ihre Mutter vor vielen Jahren, deren düstere Vergangenheit auf ihnen lastet wie ein Fluch. Bis Oscar sich eines Tages aufmacht, den Fluch zu bannen. "Eine brillant erzählte Sehnsuchtsgeschichte." Simone von Büren, NZZ
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.18862
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 381
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 384 S. 190 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm x 25mm
  • Gewicht: 289g
  • ISBN-13: 9783596188628
  • ISBN-10: 3596188628
  • Best.Nr.: 29908577
Autorenporträt
Eva Kemper, geboren 1972 in Bochum, studierte in Düsseldorf Literaturübersetzen. Neben Junot Díaz‘ "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" übersetzte sie aus dem Englischen u. a. Werke von Peter Carey, Louis de Bernières, Tom Rob Smith, Martin Millar und Penny Hancock.
Rezensionen
Besprechung von 25.04.2009
Flucht der Karibik
Testosteronprosa: Ein Roman von Junot Díaz

Von Tobias Döring

Auf den letzten Seiten schafft es der Titelheld dann endlich doch noch, mit einer Frau ins Bett zu gehen. Ein Wochenende lang darf er sich dazu fröhlich an einem Strand in der Karibik suhlen, bevor die Bande der lokalen Machos ihn ins Zuckerfeld entführt und dort erschießt. Denn seine Auserwählte, eine alternde Hure mit mütterlichem Hang zu dicken Knaben, in der er nach langen Jahren der entbehrungs- und enttäuschungsreichen Suche die Liebe seines Lebens sieht, gehört schon einem anderen, der sich nicht grundlos capitán nennt und ihr selbstverständlich keinen jüngeren Gespielen gönnt. Schon einmal hat er dies gewaltsam klargestellt. Beim zweiten Mal wird daher nicht gefackelt, und der Held stirbt seinen Liebestod.

Diesen Ausgang der Geschichte darf man deshalb hier getrost verraten, weil schon der Titel des Romans - "Das kurze, wundersame Leben des Oscar Wao"- uns auf das Ende vorbereitet. Man hat es längst herbeigesehnt. Nach nahezu vierhundert Seiten pubertär aufgedrehter Testosteronprosa im übersteuerten Ton eines großspurigen Erzählers tut die Ruhe nach dem Ende richtig gut. Eine Familiensaga über drei Generationen zwischen der Dominikanischen Republik und New Jersey mit großem Aufgebot an Personal und ausschweifenden Handlungsbögen, präsentiert vor der bewegten historischen Kulisse eines guten halben Jahrhunderts, soll uns hier offenbar geboten werden. Doch was den Erzähler letztlich interessiert und was daher die Spannung durch sämtliche Abschweifungen halten muss, ist die schlichte Frage, ob der Titelheld das alte Sprichwort widerlegen kann, dass noch kein Dominikaner als Jungfrau gestorben sei. Nach dem Gesetz der Serie müssen dem übergewichtigen Nerd, der ganz in der virtuellen Welt der Fantasy, der Rollenspiele und Sciencefiction lebt, daher eine Reihe von erträumten und misslingenden Beziehungen widerfahren. Die aber sind, bis er mit dreiundzwanzig endlich seine sexuelle Initiation und finale Gnade findet, so absehbar wie trist.

Die langen Zwischenstrecken, die das simple Handlungsgerüst bietet, werden mit Geschichten aufgefüllt, etliche eigentlich anrührend und hochdramatisch, von denen jedoch keine sich wirklich entfaltet. So lesen wir vom Krebsleiden der Mutter wie von ihren erotischen Verstrickungen in jungen Jahren auf der Insel, vom Foltertod ihres politisch unliebsamen Vaters wie vom schmerzhaften Aufbruch ihrer Tochter in ein selbstbestimmtes Leben - wie auch von vielen sonstigen Geschicken, die das Thema der bedrängten Suche nach einer erfüllten Existenz auf immer neue Weise variieren. Doch nichts davon gewinnt Prägnanz, geschweige denn Spannung, weil alles hier im Dröhnen eines hochtourigen Schwadroneurs, der vor Kraftausdrücken kaum erzählen kann, verlorengeht.

Dabei wird mächtig aufgeboten, was exotische Kulisse und amerikanisches Getto-Idyll offenbar verlangen, von ständigen spanischen Einsprengseln in der Rede bis zur karibischen Folklore, die das Deutungsmuster für den Schicksalsfluch der geplagten Familie abgeben muss. Hinzu kommen geschwätzige Fußnoten in der Manier von David Foster Wallace sowie bemühte literarische Anspielungen, die der Autor wohl seiner Position als Associate Professor am renommierten MIT zu schulden glaubt. Sein Eifer aber, alle Hoffnungen auf street credibility wie zugleich auf postmodern bezeugte Erzählerfiktion zu bedienen, führt nur zu wirren Wechseln der Erzählchronologie sowie -figuren und treibt immer wieder Stilblüten hervor: "ihre Brüste gleichen unter der Haut gefangenen Sonnenuntergängen" heißt es an einer Stelle; etwas später ist von einer Situation die Rede, "wo mir die Muschis schon aus den Ohren kamen". So verrutscht der maskuline Kraftausdruck oft ins hilflos Pubertäre, zur präpotenten Macho-Pose.

Ein gutes Dutzend Jahre ist es her, dass Junot Díaz, Jahrgang 1968, mit "Abgetaucht" debütierte, einem schmalen Band von kleinen Adoleszenz-Erzählungen, einige davon nicht ohne Witz und Lakonie dem Doppelleben zwischen Drogenstrich und Freibad abgetrotzt. Von der amerikanischen Kritik hochgejubelt, wurde der Band schnell zum Vorzeigebuch multikultureller Milieus ausgerufen. Lange, viel zu lange wurde seither von dem großen Wurf geredet, den der Autor seinem Erstling folgen lassen würde. Doch wenn man den Roman nun liest, fragt man sich zum Ende nur noch, was man mehr bedauern soll: das quälend Bemühte oder prahlend Selbstverliebte, das sich gleichermaßen darin mitteilt. Das wundersame Erfolgsleben des Autors Junot Díaz währte jedenfalls nur kurz. Dass er letztes Jahr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, ist ganz sicher kein gutes Zeichen.

Junot Díaz: "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao". Roman. Aus dem Amerikanischen von Eva Kemper. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. 382 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Díaz schreibt wild, manisch, verführerisch.« (Esquire)
»Es hätte eins der traurigsten Bücher des Jahres werden können. Mit Díaz am Mikro ist es auch eins der witzigsten.« (Time)
»Eine der unwiderstehlichsten Stimmen der Gegenwart.« (New York Times)
Besprechung von 03.08.2009
Schönes, fettes Fleisch in engen, schwarzen Satinhosen
In seinem wunderbaren Roman „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao” entfaltet Junot Díaz die Magie der rotzigen Beiläufigkeit
Zack, Zack, Zack und Hieb auf Hieb, so beginnt dieser Roman, dieses rasende, reiche, wunderbare Buch, in das der Leser hineingestoßen wird, so wie Oscar in diese Welt gestoßen wurde, die eine Wunde ist, und er wird sein Leben lang versuchen zu verstehen: Warum ich? Und warum tut diese Wunde so verdammt weh?
Klick, Klick, Klick, so reihen sich die Worte aneinander, die so laut klingen, weil sie von Unglück und Schmerzen begleitet sind: „Schreien” und „Sklaven” und „Afrika” schon in der ersten Zeile, „Dämon”, „Schöpfung”, „Opfer” und „Tod”, so geht es weiter – und wie sich hier fremde, erfundene Erinnerung als eigene eröffnet und entschlüsselt, ist so aufregend, als würde man Gott dabei zusehen, wie er den Regenbogen höchst persönlich an den Horizont pinselt.
In diesem Stil und mit dieser Geschwindigkeit hetzt Junot Díaz durch die Welt, die er geschaffen hat, weil er selbst in sie hineingestoßen wurde, verdammt, fukú eben. „Wie man es auch nennt oder woher es auch kommt, die Ankunft der Europäer auf Hispaniola soll das fukú auf die Welt losgelassen haben, und seitdem sitzen wir in der Scheiße. Santo Domingo mag der Nullmeridian des fukú sein, sein Portal, aber wir alle sind seine Kinder, ob wir es wissen oder nicht.”
Fukú, der Fluch, der böse Zauber, der in „Domos” wohnt, wie die Dominikanische Republik hier heißt, oder einfach „DR”, dieses geschlagene, gepeinigte Land, wo der Diktator Trujillo wütete und die Menschen in die USA flohen, wo es ihnen wirtschaftlich besser ging, aber den fukú, den wurden sie auch dort nicht los. Vielleicht, das ist die Hoffnung, das ist das Projekt von Junot Díaz, vielleicht hilft ja die Literatur als eine Art Gegenzauber – und so macht er sich als poetischer Anpeitscher und mit unglaublichem Tempo daran, diese Geschichte zu erzählen, die drei Generationen umfasst und soviel Sex wie Sehnsucht und die von allen Seiten gleichzeitig in das Buch hineindrängt, obwohl sie durch Zeiten und Meere getrennt ist, aber das ist wohl der fukú, der nicht verschwinden will, der Fluch, der die Vergangenheit nicht vergehen lässt.
Junot Díaz selbst wurde 2007, als das Buch in den USA erschien, wie ein Prosa-Heilsbringer gefeiert, elf Jahre hatten die, die seinen Kurzgeschichtenband „Abtauchen” gelesen und geliebt hatten, auf diesen Roman gewartet, und als es dann noch den Pulitzer-Preis gab, da war die amerikanische Literatur tatsächlich um einen Ton, einen Slang, eine Immigranten-Stimme reicher.
„Hör zu, palombo”, so sagt es Oscars Onkel Rudolfo: „Du musst dir einfach eine muchacha greifen, y metéselo. Dann ist alles klar. Fang mit einer fea an. Schnapp dir eine Hässliche, eine fea, y metéselo! Tío Rudolfo hatte vier Kinder von drei verschiedenen Frauen, damit war der Nigger ohne Frage der Familienexperte in Sachen metéselo.” Um Sex geht es also, beim fukú und auch sonst in diesem Leben in DR, um metéselo, ums Flachlegen, und ob eine Frau nun eine cuero ist oder doch keine Hure, sondern nur eine blind Liebende, ja das kann man nicht immer so leicht auseinanderhalten, dort, wo Körper voller Verehrung, aber auch voller Verachtung betrachtet werden. „Auf eine Sache kann man sich in Santo Domingo verlassen. Nicht auf elektrisches Licht, nicht auf das Gesetz. Auf Sex. Der bleibt immer.”
Was natürlich schwierig ist für einen dicken Jungen wie Oscar, dessen Leben eine lange Reihe von falschen Entscheidungen ist, was damit beginnt, dass er Olga, die ihn so liebte, wohl besser nicht für Maritza hätte verlassen sollen, die ihn ein paar Tage später verließ, ausgerechnet mit dem „scheißhässlichen” Nelson Pardo, „der so dämlich war, dass er den Mond für einen Flecken hielt, den Gott nicht weggewischt hatte”. Er ist der einzige Junge in seiner High School, der keine Freundin hat, er wird fetter und fetter und interessiert sich für Science-Fiction, eine ungute Kombination in jeder Jugend, vor allem aber in der Immigranten-Gemeinde der Domingos in New Jersey. „Das Einzige, was sich während dieser Jahre änderte, waren die Wagentypen, die Größe von Maritzas Hintern und die Musik, die aus den Autoboxen dröhnte.”
Sex ist ein Schlüssel zum Schicksal, und wie eng im Sex Leben und Tod zusammen kommen, davon erzählt Díaz - und er erzählt es als Geschichte der Körper: Die mal mit Verachtung bestraft werden, wenn etwa Trujillos Schergen jemanden abholen und in den Zuckerrohrfeldern tot prügeln; die mal mit Verehrung verfolgt werden, wie Oscars Mutter und ihr von Schönheit explodierender Körper. Und oft hat eben das eine mit dem anderen zu tun. „Sie steht vor dem verspiegelten Medizinschränkchen, von der Taille aufwärts nackt, den BH wie ein zerrissenes Segel auf der Hüfte, die Narbe auf dem Rücken so gewaltig und trostlos wie ein Meer”, so sieht Oscar seine Mutter, die so schön war, dass Männer dafür töten würden. „Die Brüste deiner Mutter sind gigantisch. Eines der Weltwunder. Größere hast du nur in Pornoheften oder an richtig fetten Frauen gesehen. Sie hat 80F, die Warzenhöfe sind so groß wie Untertassen und pechschwarz, und an ihren Rändern sprießen störrische Haare, die sie manchmal auszupft und manchmal nicht.”
Díaz erzählt die Geschichte von Oscar, seiner Schwester, seiner Mutter und seinem Großvater, die Tragödie dieser Familie, aber auch die der Dominikanischen Republik, als Geschichte dieser Brüste und der Narbe auf dem Rücken, im Wechsel der Perspektiven, mit einem Reichtum der Sprache und Bilder und Eindrücke, der aus Jahren, aus Jahrhunderten des Leidens erwachsen ist. Die Körper treten fast aus diesem Buch heraus, sie sind zum Greifen nah, in ihrer Fettheit, Schönheit, Geilheit, in ihrer Zerstörtheit, enge schwarze Satinhosen, unter denen sich das Fleisch bäumt, von Peitschenhieben zerschundene Körper, Oscars Mutter als Mädchen, das den weißesten Jungen ihrer Klasse liebt, Jack Pujols, der seine „unerträgliche, großmäulige Arroganz wie Metallsporen in die Menschen” hieb. Es waren die fünfziger Jahre, eine goldene und grausame Zeit in der Dominikanischen Republik – dumm nur, dass der Gangster, in den sie sich als nächsten verliebt, mit einer Schwester des Diktators Trujillo verheiratet war: Aber „habt ihr tatsächlich geglaubt, ein dahergelaufener Kerl aus Samaná wäre allein durch harte Arbeit in die oberen Ränge des Trujillato aufgestiegen? Negros, mal ernsthaft – das hier ist kein beschissener Comic!”
Mit dieser rotzigen Beiläufigkeit entfaltet „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao” seine Magie, anders als so kitschig kann man es nicht nennen. Schon in den Geschichten seines ersten Buches „Abtauchen”, das 1997 auf Deutsch erschien und leider nicht mehr lieferbar ist, schon in diesen kargen und dabei schmerzhaft plastischen Geschichten gelang es Junot Díaz, aus den verschiedenen Sprach- und Gefühlsebenen seines Lebens Texte zu formen, die aus dem Aufprall der amerikanischen und der DR-Kultur etwas Neues entstehen ließen – in seinem ersten Roman nun bekommt das Epische seine besondere Begründung geschenkt, weil das das Werkzeug ist, mit der ein Schriftsteller unserer verschütteten Gegenwart am besten beikommt.
Was noch bleibt? Vielleicht die Geschichte von Oscars Großvater, eines erfolgreichen, gebildeten Arztes, der das Pech hatte, dass eine seiner schönen Töchter dem Diktator Trujillo gefiel, „Fickfresse”, wie er hier genannt wird – weil er sich weigert, seine Tochter an Trujillo zu verfüttern, wird er ins Gefängnis geworfen, wo er Folter, Furcht und Fäkalien erdulden muss, wo er vegetiert, bis er verrückt wird und verendet: Der fukú raubt derweil den Rest der Familie, die Töchter eins und zwei, nur Nummer drei überlebt, die mit der Narbe, Beli, Oscars Mutter. Der stirbt schließlich den Tod, dem sie entgehen konnte, ermordet im Zuckerrohrfeld, Opfer einer gefährlichen Liebe, immer noch Jungfrau.
„Ich weiß, was die negros jetzt sagen werden”, so unterbricht Junot Díaz gegen Ende des Romans seinen Erzählfluss, als er von Oscars Liebe berichtet. „Schaut mal, jetzt schreibt er tropische Vorstadtidyllen. Eine puta, die kein minderjähriges, sniefendes Drogenwrack ist? Völlig unglaubwürdig.” Es ist das Verdienst der Übersetzung von Eva Kemper, dass diese Sätze so wie alle anderen in diesem Buch völlig glaubwürdig sind, einen Rhythmus haben und einen Beat, der der englischen Elastizität geschuldet ist, aber vom spanischen Padamm, Padamm angetrieben wird: Reiß mir das Herz heraus, schreit dieser Roman einen an! Los, du Arsch!GEORG DIEZ
JUNOT DÍAZ: Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao. Roman. Aus dem Englischen von Eva Kemper. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. 369 Seiten, 19,90 Euro.
Nur auf den Sex kann man sich verlassen. Der bleibt, immer.
„Schaut mal, jetzt schreibt er tropische Vorstadtidyllen.”
„Die Geschichte von Oscar, seiner Schwester, seiner Mutter und seinem Großvater, die Tragödie dieser Familie, aber auch die der Dominikanischen Republik.” Ein amerikanischer Soldat in Santo Domingo während der US-Intervention im Sommer 1965 (oben); der Autor Junot Díaz (links), 1968 in Santo Domingo geboren, wanderte 1974 mit seiner Familie nach New Jersey aus. Fotos: Time & Life Pictures/Getty Images (oben); dpa
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Martin Zähringer liest diesen mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman von Junot Diaz als mit den klassischen Darstellungsmitteln einer fragmentierten Moderne erzählte Familiengeschichte aus der Dominikanischen Republik. Über eine "kunstvoll verschachtelte" Perspektivik, in einer "beißend ironischen" Tonart und mit dem brutalen Trujillo-Regime und der Geschichte des Einflusses der USA als zeitlichem Hintergrund eröffnet der Text dem Rezensenten den Blick auf ein tragisches Familienschicksal. In Diaz' Arrangement zweier im dominikanischen Volksglauben verankerter Prinzipien: Fuku - das Große Amerikanische Unheil (auch als Superfuku der Macht); und Zafa - die unauslöschliche Hoffnung) erkennt Zähringer die "dynamische Beziehung" des Autors zum Latino-Diskurs in den USA: Neu, zweisprachig und transkulturell.

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