Dass in der Blockflöte weit mehr steckt, als Kinder an die Musik
heranzuführen, bewies Dorothee Oberlinger bereits mit ihren bislang
vier erschienen Alben, wofür sie für ihr Debüt "Italian
Sonatas" als "Instrumentalistin des Jahres" 2008
sogar mit einem Echo Klassik ausgezeichnet wurde. Auf ihrer fünften
Studioproduktion widmet sie sich ebenfalls italienischer Musik,
diesmal aus der Lagunenstadt Venedig, entstanden in der Zeit
zwischen Renaissance und Barock. Nicht nur zwei Werke von Antonio
Vivaldi sind auf "Flauto Veneziano" vertreten, das
Konzert in F-Dur Op. 10 Nr. 1, "La Tempesta Di Mare", und
das Concerto in e-Moll für Sopraninoblockflöte, sondern auch Stücke
von Alessandro und Benedetto Marcello, Antonio Caldara, Dario
Castello oder Massimiliano Neri. Mit einem bewundernswert sanftem
Klang, federleichten Trällern und Arpeggios sowie einer enormen
Stilvielfalt taucht Dorothe Oberlinger in die Musik des 16. und 17.
Jahrhunderts ein. Dabei entzückt sie zusammen mit dem
Alte-Musik-Ensemble Sonatori de la Gioioso Marca mit
Repertoire-Raritäten, die von Kammermusik bis hin zu Konzerten
reichen. Die beiden Instrumentalstücke aus "Il primo Libro de
Balli" (1578) von Giorgio Mainerio zählen wohl zu den
bekanntesten Renaissance-Tänzen - vor allem die "Schiarazula
Marazula", der Oberlinger eine wehmütige, nostalgische Note
verleiht. Die älteste Komposition ist eine Madrigaltranskription
von Adrian Willaert (1535). Sie zeigt uns auch heute noch, welche
wichtige Rolle die "Flauto" damals einnahm, kam sie als
Instrumentent der menschlichen Stimme doch recht nahe. Birgit
Schlinger
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