Franz Kafka - Neumann, Bernd

Bernd Neumann 

Franz Kafka

Gesellschaftskrieger. Eine Biografie

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Franz Kafka

Vor uns entsteht ein völlig neuer Kafka: ein Gesellschaftskrieger, der unablässig um seine Beheimatung im Assimilationsprozeß ringt, der weiterhin in den ersten Jahren als überzeugter Beamter seiner Prager Behörde an der Verbesserung der Donaumonarchie intensiv mitgearbeitet hat, was in sämtlichen bisherigen Biografien nicht ins rechte Licht gestellt wurde. Es erscheint ein Liebender, dessen zahlreiche Affären hier zum ersten Mal zusammengestellt und überhaupt erst um die wichtigsten ergänzt werden, Liebesverhältnisse, die eben nicht ohne weiteres mit den Namen Felice und Milena erschöpfend benannt sind.
Bernd Neumanns umfassende Biografie berücksichtigt den letzten Stand der Kafka-Forschung ebenso wie die neuesten Erkenntnisse über Kafkas Leben und Sterben. Sie macht das Leben dieses Jahrhundertgenies anschaulich durch die Einblendung zahlreicher zeitgenössischer Stimmen, die die Umstände von Kafkas Existenz beleuchten und vor dem geistigen Auge des Lesers sinnlich konturieren.


Produktinformation

  • Verlag: Fink (Wilhelm
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 662 S. m. 57 SW-Abb.
  • Seitenzahl: 662
  • Deutsch
  • Abmessung: 243mm x 174mm x 53mm
  • Gewicht: 1135g
  • ISBN-13: 9783770546893
  • ISBN-10: 377054689X
  • Best.Nr.: 23870490
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.12.2008

Mythengestöber

Vor dem Vater stirbt der Sohn: Und wieder liegt eine finale Kafka-Biographie vor, diesmal aus der doch allzu stumpfen Feder von Bernd Neumann.

Zum 125. Geburtstag von Franz Kafka haben sich die notorisch gegeneinander stichelnden Forscher, Klaus Wagenbach zufolge eifersüchtigen Witwen ähnlich, noch einmal mächtig ins Zeug gelegt. Schweres kritisches Gerät gegen eine "hypertrophierte Literaturtheorie" und die "gutmenschliche Tradition" der deutschen Kafka-Biographik fährt der Trondheimer Germanist Bernd Neumann auf. Die einen Witwen hätten aus Kafka einen dunklen Mythos gemacht, die anderen ihn unterdrückt, er sei bisher überhaupt nicht "Herr im eigenen biographischen Haus".

Verkannt sei er vor allem als selbstbewusster Prager Bürger österreichischer Staatsbürgerschaft, für den die Verteidigung der "Assimilationsheimat" mit der Waffe eine ernsthaft erwogene Option gewesen sei. Wenn Neumann den Bewunderer Napoleons als "Gesellschaftskrieger" etikettiert, so nimmt er ihn metaphorisch für die eigene kriegerisch vorgetragene These in Anspruch, dass die Auseinandersetzung mit der damaligen Prager Wirklichkeit wie mit der …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Zum 125. Geburtstag ein neuer Kafka? Friedmar Apel ist skeptisch. Was Bernd Neumann in seinem Buch an "hochwichtigen" Thesen und "vulgärpsychologischen" Diagnosen auffährt, hätte der Rezensent allerdings kaum für möglich, erst recht nicht für nötig gehalten, wie er verärgert notiert. Die vom Autor bemühten Analogien, die Kafka als Zeitgenossen der damaligen Prager Wirklichkeit zeigen sollen, scheinen dem Rezensenten allerdings eher der Gerüchteküche zu entstammen. Die bisherige Kafka-Deutung übertrumpft der Autor nach Apels Dafürhalten am ehesten noch mit seinem "Mythen- und Metapherngestöber". Die wenigen subtilen Deutungen verschwinden hinter der "Qual" der Lektüre von Neumanns "vollmundigen Sentenzen" und seiner "überheblichen" Sicht auf die Kafka-Forschung. Dass der Band auch "handwerklich ein Desaster" ist und laut Apel offenbar ohne Lektorat zustande kam, macht das Ärgernis für den Rezensenten komplett.

© Perlentaucher Medien GmbH
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