Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (eBook) - Avraham Burg
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Avraham Burg 

Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (eBook)

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Produktbeschreibung zu Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (eBook)

Avraham Burg, früherer Parlamentspräsident, Knesset-Sprecher und Leiter der Jewish Agency, spricht aus, was viele in Israel empfinden: Der jüdische Staat ist besessen vom Misstrauen - gegen sich selbst, seine Nachbarn und die Welt um sich herum. Der Holocaust wird als ultimatives Trauma vereinnahmt, um israelisches Unrecht zu legitimieren. Burg kritisiert sein Land als militaristisch, fremdenfeindlich und anfällig für Extremismus. So wird der Weg zu einem Frieden im Nahen Osten immer wieder verbaut. Trotz der großen Bedeutung des Erinnerns an die Opfer ist es Zeit, dass Israelis, Juden und die westliche Welt - allen voran Deutschland - das Trauma des Holocaust überwinden und Israel zu einem neuen Selbstverständnis findet, das auf Freiheit und Demokratie beruht.

"Dies ist ein wichtiges Buch, geschrieben von einem mutigen Mann." Tony Judt, Autor von "Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart"

"Ein faszinierendes Buch, das zum Nachdenken anregt. Jeder, der sich um Israels Zukunft sorgt, sollte es lesen." John J. Mearsheimer, Koautor von "Die Israel-Lobby"

Produktinformation


  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593407135
  • ISBN-10: 3593407132
  • Best.Nr.: 28243544

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Mit seinem Buch "Hitler besiegen", in dem er Israel auffordert, von der Fixierung auf den Holocaust zu lassen, hat sich Avraham Burg in seiner Heimat außerordentlich unbeliebt gemacht. Unbequem mag sein, was er da ausspricht, meint Rezensent Micha Brumlik, aber gerade darum sei das, auch wenn es ihm selbst durchaus auch auf die Nerven geht, ein wichtiges Buch. Die Empörung, die Burg auslöst, hat viel mit seiner Lebensgeschichte zu tun. Er ist der Sohn eines ehemaligen israelischen Innenministers, war selbst lange Abgeordneter der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency, der wichtigsten zionistischen Organisation, erzählt Brumlik. Als "Renegat" wird er beschimpft, weil er am Zionismus als seligmachender Staatsdoktrin heute zweifelt. Er verwahrt sich inzwischen gegen jene "Lebenslüge", in der sich Israel zur "ungleichzeitigen Alternative zur Shoah" stilisiere - und damit nicht zuletzt auch historische Wahrheiten verfälsche, so der Rezensent. Insbesondere den prophetischen Gestus des Autors findet Brumlik problematisch, höchst aufschlussreich aber scheint ihm das Buch doch.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.04.2010

Eine Generalabrechnung
Avraham Burgs Kritik am Verhältnis Israels zum Holocaust

Wenn der ehedem jüngste Knesset-Sprecher mit seinem Staat ins Gericht und es um das Verhältnis zum Holocaust geht, wenn er in diesem Zusammenhang von der "Überwindung eines Traumas" spricht und das Israel der Gegenwart mit dem Deutschland der Weimarer Zeit vergleicht, dann kann er damit rechnen, gehört zu werden - in Israel und überall, wo der Schatten des Massenmords an den europäischen Juden gegenwärtig ist. Avraham Burg vermag umso mehr zu provozieren, weil er selbst zu den politisch Mächtigen gehörte, die er nun kritisiert; in gewissen Kreisen hieße er "Renegat". Er beklagt eine "Holocaustblindheit", die zum Verlust von Moral und Werten des Judentums geführt habe. Der Holocaust sei zu einer Strategie worden, auf die im Kampf gegen militante Araber, beim Siedlungsbau und wo auch immer ohne weitere Argumente verwiesen werde. Dem will Burg eine "neue Vision" entgegensetzen - für sein Land. Denn das 2007 erschienene Buch richtet sich an die dortige Gesellschaft, will sie zum Andersdenken auffordern. Die deutsche Ausgabe sollte man als Ausdruck einer …

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10.05.2010, Das Parlament Heilige Dogmen "Ein herausragendes Buch."
Avraham Burg gehört zur politischen Elite Israels. Er wurde 1955 als Sohn eines deutschen Holocaust- Überlebenden in Jerusalem geboren. Sein Vater Josef Burg lebte in Dresden und Berlin, wo er die Ausreise deutscher Juden organisierte, bis er selbst 1939 in letzter Sekunde floh. In Israel war er über Jahrzehnte einer der prominentesten Minister, etwa unter Menachem Begin. Nach dem Militärdienst wurde Avraham Burg aktiv in der Friedensbewegung Peace Now. Er war Berater von Schimon Peres, Vorsitzender der Jewish Agency und viele Jahre Sprecher der Knesset. In letzter Zeit hat er die Kernthesen des Zionismus öffentlich infrage gestellt, die Politik Israels scharf kritisiert und sich so den Ruf eines politischen Enfant terribles erworben. In "Hitler besiegen" unterstreicht Burg anhand seiner eigenen, sehr bewegenden Familiengeschichte seine außergewöhnliche und leidenschaftliche Vision eines universelleren und menschlicheren Judentums.

Leseprobe zu "Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom..."

Kapitel 9 Wem gehört der Holocaust? (S. 172-173)

»Wer erinnert sich heute noch an das armenische Blutbad?«, soll Hitler gefragt haben. Man kann nicht umhin, beeindruckt zu sein von Hitlers Intuition und Fähigkeit, Politik und Vorgehen seines Landes den menschlichen Schwächen seiner Gegner entsprechend zu manipulieren. Offenbar hatte er ein Gespür für Angst und Schwäche. So taub und blind er für seine eigenen Schwächen war, so wach war er für die anderer. Tatsächlich erinnerten sich in den 1930er Jahren in Deutschland und im Rest der Welt nur wenige an das türkische Massaker an den Armeniern. Hunderttausende (manche sagen bis zu 1,5 Millionen) Armenier wurden 1915 und 1916 von türkischen Truppen und Agenten abgeschlachtet.

Über ein Jahrzehnt später unternahm der in Prag geborene jüdische Dichter Franz Werfel eine Exkursion in den Osten. Im Frühjahr 1929 traf er in Damaskus ein und begegnete zum ersten Mal armenischen Flüchtlingen, Invaliden, Waisen und anderen Opfern, die in der Stadt Zuflucht gesucht hatten. In den folgenden vier Jahren arbeitete er an seinem epischen Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh. Er schildert die Geschichte eines armenischen Dorfes, das sich gegen die Deportation wehrt – eine Art armenischen Masadas –, und das tragische Ende des gewaltsamen Kampfes gegen die türkischen Unterdrücker.

Das Buch erschien 1933 in Deutschland. Vielleicht steht es mit seinen Schilderungen des grausamen Massakers in einem Zusammenhang mit Hitlers angeblicher Äußerung. Werfel lieferte die Erinnerung, Hitler tat, was er konnte, um zu leugnen, zu vergessen und andere vergessen zu lassen. Mit diesem Buch erinnerte Werfel die Deutschen an ein historisches Ereignis, das schon bald in Vergessenheit geraten war. Als Gabriel Bagdarian, der Held des Buches, sich auf die letzte Nacht seines Lebens vorbereitet, nachdem er seine Familie und sämtliche Freunde verloren hat, kommt ihm gar nicht der Gedanke, ein sicheres Versteck zu suchen.

Diese Frage stellt sich ihm nicht. Kein Sterblicher hätte noch leben können, nachdem eine solche Finsternis hereingebrochen war. Tatsächlich brach nach dem Völkermord an den Armeniern pechschwarze Finsternis herein, aber niemand achtete darauf. Es wurden keine Fragen gestellt, nicht in Deutschland und nicht im Rest der aufgeklärten Welt. Die Türken leugneten vehement den Völkermord und präsentierten eine völlig andere Darstellung.

Hitler verließ sich auf eine Welt, die keine Fragen stellte, er verstand die Macht des Verleugnens und trieb sie bis zur Endlösung. Keine Ausreden, kein Leugnen, er legte alles offen auf den Tisch. Man kann vernichten, und niemand wird danach fragen. Hitler gründete seine Vernichtung der Juden auf das weithin vergessene und geleugnete armenische Massaker. Er verbarg die Vernichtung der Juden in der offenen Arena der Öffentlichkeit. Und niemand protestierte. Werfels Buch brachte die Schrecken ans Licht. Henry Morgenthau Sr., der amerikanische Botschafter in der Türkei, sagte:

»Ich bin überzeugt, dass in der gesamten Menschheitsgeschichte kein so grauenhaftes Ereignis vorgekommen ist, das größte Verbrechen der modernen Geschichte … von allen dunklen Seiten der modernen Geschichte ist diese die dunkelste«. Vermutlich dachte Hitler sich, wenn die Massaker, die kaum zwanzig Jahre zuvor an Europas Türschwelle begangen wurden, bereits vergessen waren, wer würde sich dann an seine am Beginn des »Tausendjährigen Reiches« erinnern? Wenn die Welt zugunsten der christlichen Armenier, die niemandem etwas getan hatten, nicht aktiv wurde, warum sollte sie etwas dagegen haben, dass er sie von den verhassten Juden befreite? Hitler dachte assoziativ und war impulsiv.

Leseprobe zu "Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom..."

Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, gab ich ihm den Titel Hitler hat gewonnen. Nach meinem damaligen Eindruck waren die Wunden und Narben so tief, dass die moderne jüdische Nation keine Chance auf Heilung hatte. Das Trauma der Shoah erschien mir als unheilbare Krankheit. Ich war wütend, dass wir weiter die Chance auf ein normales Leben nicht nutzten und das Leben hier in Israel so hart war, was auch für kommende Generationen unser Schicksal zu sein schien. Eben wegen der Verzweiflung, die mich erfasste, kämpfte ich gegen die Woge der Abgestumpftheit an. Und dann geschah ein Wunder: Während des Schreibens nahmen diese Fragen eine neue Dimension an. Aus der Asche und dem Rauch erwuchs vorsichtiger Optimismus. Und nach der jüdischen Sitte, einem Kranken einen neuen Namen zu geben, um seine Heilung zu erleichtern, änderte ich den hebräischen Buchtitel in Hitler besiegen. Es ist immer noch möglich; es besteht nach wie vor eine Chance. Wir müssen gewinnen, uns bleibt gar nichts anderes übrig, wenn wir nicht aufhören wollen zu leben. Ich habe allein einen weiten Weg zurückgelegt, aber schon jetzt bin ich optimistisch. Wir werden es schaffen.

Meine Mutter starb einige Tage vor Erscheinen dieses Buches in Israel. Aber vorher eröffnete sie mir die Chance, Optimismus zu finden. Wir feierten ihren letzten Geburtstag zusammen, ihre Kinder, Enkel, Urenkel und deren Ehepartner. Es war ein fröhliches Fest. Auf dem Heimweg war ich im Wagen allein mit ihr und fuhr langsam durch die Jerusalemer Straßen.

"Avraham, Gott muss mich wohl sehr lieben", sagte sie strahlend vor Glück.

Das hatte ich sie im Laufe der Jahre mehr als einmal sagen hören. Nun nutzte ich den ungestörten Moment zu einer Frage, die ich ihr bis dahin nicht zu stellen gewagt hatte. "Mama, wie kannst du so etwas sagen? Mit sieben Jahren hast du deine Mutter verloren. Als du acht Jahre alt warst, wurde die Hälfte deiner Familie in Hebron ermordet. Als du 14 warst, starb dein Vater an gebrochenem Herzen, und vor einigen Jahren hast du deine älteste Tochter Tzviya verloren."

"Stimmt", antwortete sie nach kurzem Nachdenken. "Aber mein Leben lang war ich von Liebe umgeben." Dann fügte sie hinzu: "Alle haben mich geliebt."

In den folgenden Tagen ging mir die Macht der Liebe, die meine Mutter gerettet hatte, noch lange durch den Kopf. Kurz darauf unterhielten wir uns über die Tagesnachrichten. Die israelische Luftwaffe bombardierte und tötete Unschuldige auf den Stränden und Straßen in Gaza und in libanesischen Dörfern und Städten. Ein Enkel meiner Mutter flog als Luftwaffenpilot eine Transportmaschine.

"Ich bin ja so froh, dass er kein Kampfflieger ist", sagte meine Mutter.

"Wieso?", fragte ich überrascht.

"Würde ich etwa wollen, dass mein Enkel Bomben auf unschuldige Menschen abwirft?"

Der Mut der Liebe, den sie ausstrahlte, machte mich sprachlos. Da sie in Hebron 1929 ihre Kindheit verloren hatte, hätte sie es sich durchaus leisten können, ein bisschen weniger tolerant zu sein und vielleicht sogar eine gewisse Schadenfreude über das Leid "der Araber" als Feinde Israels zu empfinden, wo immer sie auch leben mochten. Aber die Liebe, die sie umgeben hatte, war offenbar auch in sie eingedrungen. Für mich verkörperte sie den Inbegriff der jüdischen Heldin. Denn wer ist nach jüdischer Tradition ein wahrer Held? "Einer, der aus seinem Feind einen lieben, geliebten Freund macht." Wenn meine Mutter ihr persönliches Inferno mit schierer Liebe und Hoffnung überwinden konnte, dann haben wir alle eine positive Zukunft.

Wie meine Mutter, die mein Leben lang in meiner Nähe wohnte, waren auch Lucien und Janine, die wunderbaren Eltern meiner Frau Yael, da - sie als junge, verliebte Frau, die den Kampf unterstützte, er als mutiger Partisan der jüdischen Résistance in Frankreich. Als viele ihrer Freunde sich Mitte des vorigen Jahrhunderts der Rechten zuwandten und den Weg jüdischer Erlösung und des Separatismus einschlugen, wandten sie sich der Linken und den Ideen des Universalismus und Humanismus zu. Ihren gegenwärtigen Lebensabschnitt widmen sie der Aufgabe, das Gute zu zeigen, das in der Flut von Bösem in jenen Tagen durchschimmerte. Lucien befasst sich als Historiker mit dem jüdischen Widerstand in Frankreich und versucht Tag und Nacht, die "Gerechten unter den Völkern" ausfindig zu machen, um sie mit diesem israelischen Ehrentitel auszuzeichnen. Die Gerechten sind jene Nichtjuden, die ihr Leben riskierten, um unsere verfolgten Brüder zu retten, und die somit das Bild Gottes bewahrten, nach dem die Menschheit erschaffen wurde. Der Geist meiner Schwiegereltern schwebt über jedem Abgrund, an den dieses Buch und meine Überlegungen mich geführt haben. Ohne sie hätte ich nicht gewusst, dass es einen alternativen, positiven Glauben an das Gute im Menschen gibt.

In diesem Buch geht es nicht um Geschichte. Ich bin kein Interpret der Vergangenheit, sondern lediglich Konsument der Nachrichten, die sie produziert. Mit der Vergangenheit befasse ich mich nur, um die Gegenwart zu verstehen. Es geht auch nicht um eine weitere Anklage gegen Hitler und seine Gefolgsleute. Nach meinem Urteil sind sie für immer schuldig. Es geht vielmehr um unsere Geschichte jenseits ihrer ungeheuren Verbrechen. Die Shoah und die Gräueltaten, die die Nazis an uns verübten, sind untrennbarer Teil der aktiven israelischen Gegenwart. Da ich die Gegenwart zugunsten einer besseren Zukunft für meine Kinder und ihre Freunde verändern will, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich dem festgefahrenen Denken und Fühlen der Post-Shoah-Gegenwart zu stellen in dem Bemühen, sie zu begreifen, zu verändern und mich verändern zu lassen. Dieses Buch habe ich voller Ehrfurcht und Respekt geschrieben. Sollte ich jemanden verletzen, entschuldige ich mich dafür. Sollte die Wahrheit schmerzen, dann leide auch ich darunter.

Während dieses Buch entstand, beherrschte die Frage der atomaren Aufrüstung des Iran die Tagesordnung und sie tut es noch heute. Wie üblich gehen Politik und Geschichte Hand in Hand: Atombombe und Antisemitismus, Diktatur und Hass auf Israel. Präsident Mahmoud Ahmadinedschad arbeitet mit Nachdruck an seinem Atomprogramm und ruft gleichzeitig dazu auf, Israel von der Landkarte zu tilgen. Wiederholt sich die Geschichte? Steht eine zweite Shoah bevor? Noch haben wir darauf keine Antworten, aber die Panik ist wieder da. Was bedeutet das für mich? Soll ich meinen Optimismus, meinen Glauben an die Weltgemeinschaft, meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft für meine Kinder aufgeben und durch die klassische jüdische Paranoia ersetzen? So reagieren viele, aber ich nicht. Ich verstehe das heutige Judentum anders. Dem jüdischen Volk unserer Zeit ist etwas Erstaunliches passiert, was unseren Vorfahren in unserer leidvollen Geschichte nur wenige Male widerfahren ist. Die Welt hat sich verändert. Supermächte, die meisten christlichen Kirchen und ein beträchtlicher Teil der Weltbevölkerung schworen vor sechzig Jahren "Nie wieder", und dieses Mal meinten sie es ernst. Wir stehen einem großen, bedrohlichen Feind nicht allein gegenüber. Die Veränderungen in den arabischen Staaten, islamistischer Fanatismus und seine Gefahren, die sich jahrelang gegen uns richteten, als wir noch auf uns allein gestellt waren, betreffen mittlerweile viele wohlgesinnte Nationen. Unser persönlicher Feind ist zum gemeinsamen Feind geworden, und ihm steht eine wachsende internationale Koalition gegenüber. Diese Welt ist eine völlig andere als die, die wir früher gekannt haben. Die Haltung der Welt und unsere eigenen Fähigkeiten geben Anlass zu Hoffnung und Vertrauen. Es ist eine Welt, auf die ich baue.

Die abschließenden Arbeiten an diesem Buch erledigte ich während einer unglaublichen Reise, die ich mit meinem jüngsten Sohn Noam machte. Wir fuhren auf den Spuren meines verstorbenen Vaters durch Deutschland, eine weite Reise, die mich in die verborgensten Tiefen meines Ichs führte. Da unser Rückflug sich verzögerte, hatten wir, Vater und Sohn, unverhofft ein paar Stunden Zeit und gingen in den Berliner Zoo. Während Noam um die Habitate exotischer Tiere strolchte, saß ich da und schaute den gefangenen Affen zu. Alle sprangen lebhaft und verspielt von einem Ast zum anderen. Mit einer Hand hielten sie sich fest, streckten die andere nach dem nächsten Ast aus und hangelten sich weiter. Ein Affe saß allein abseits und mischte sich nicht unter die anderen. Ich erkundigte mich bei einem vorbeigehenden Tierpfleger, was das Tier habe. "Er ist anders", antwortete er. "Er kann nicht klettern, weil er Angst hat, den Ast loszulassen. Wenn man sich mit beiden Händen an einem Ast festhält, kann man nicht klettern. Das ist sein Schicksal. Er sitzt den ganzen Tag auf dem Boden wie ein Trauernder, der vom Leben um ihn herum isoliert ist."

Ich dachte über den armen Affen nach, aber nicht nur über ihn. Ich fragte mich, ob das wohl eine Fabel sein mochte. Ging es nur um den Affen oder um uns? Seit jener Zeit in Deutschland klammern wir uns schmerzlich an das Wenige, was wir haben, und wollen nicht loslassen. Wir sitzen auf dem Ast vergangener Trauer und schwingen uns nicht auf in die Höhen der Menschlichkeit, in die wir gehören.

Noam kam zurück und lenkte mich ab. Ich vergaß, den Tierpfleger zu fragen, ob diese Krankheit heilbar sei. Wir kauften Eis und machten uns auf den Heimweg.

Inhaltsangabe

Inhalt ... 8
Vorwort zur deutschen Ausgabe ... 10
1. Meine Wurzeln ... 22
2. Der allgegenwärtige Holocaust ... 31
3. Die Shoah-Epidemie ... 36
4. Hitler besiegen ... 41
5. Erinnerung an die Weimarer Republik ... 61
6. Lehren aus dem Holocaust ... 87
7. Die Balance zwischen Heldentum und Shoah ... 110
8. Der Eichmann-Prozess ... 132
9. Wem gehört der Holocaust? ... 173
10. Ein neues Judentum ... 205
11. Gott schmunzeln lassen ... 233
12. Ich werde leben ... 257
Anmerkungen ... 278

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:

Vorwort zur deutschen Ausgabe

1 Meine Wurzeln
2 Der allgegenwärtige Holocaust
3 Die Shoah-Epidemie
4 Hitler besiegen
5 Erinnerung an die Weimarer Republik
6 Lehren aus dem Holocaust
7 Die Balance zwischen Heldentum und Shoah
8 Der Eichmann-Prozess
9 Wem gehört der Holocaust?
10 Ein neues Judentum
11 Gott schmunzeln lassen
12 Ich werde leben

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  • ISBN-10: 3593407132
  • Best.Nr.: 28243544

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Beschreibung

Avraham Burg, früherer Parlamentspräsident, Knesset-Sprecher und Leiter der Jewish Agency, spricht aus, was viele in Israel empfinden: Der jüdische Staat ist besessen vom Misstrauen - gegen sich selbst, seine Nachbarn und die Welt um sich herum. Der Holocaust wird als ultimatives Trauma vereinnahmt, um israelisches Unrecht zu legitimieren. Burg kritisiert sein Land als militaristisch, fremdenfeindlich und anfällig für Extremismus. So wird der Weg zu einem Frieden im Nahen Osten immer wieder verbaut. Trotz der großen Bedeutung des Erinnerns an die Opfer ist es Zeit, dass Israelis, Juden und die westliche Welt - allen voran Deutschland - das Trauma des Holocaust überwinden und Israel zu einem neuen Selbstverständnis findet, das auf Freiheit und Demokratie beruht.

"Dies ist ein wichtiges Buch, geschrieben von einem mutigen Mann." Tony Judt, Autor von "Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart"

"Ein faszinierendes Buch, das zum Nachdenken anregt. Jeder, der sich um Israels Zukunft sorgt, sollte es lesen." John J. Mearsheimer, Koautor von "Die Israel-Lobby"

Inhaltsangabe

Inhalt ... 8
Vorwort zur deutschen Ausgabe ... 10
1. Meine Wurzeln ... 22
2. Der allgegenwärtige Holocaust ... 31
3. Die Shoah-Epidemie ... 36
4. Hitler besiegen ... 41
5. Erinnerung an die Weimarer Republik ... 61
6. Lehren aus dem Holocaust ... 87
7. Die Balance zwischen Heldentum und Shoah ... 110
8. Der Eichmann-Prozess ... 132
9. Wem gehört der Holocaust? ... 173
10. Ein neues Judentum ... 205
11. Gott schmunzeln lassen ... 233
12. Ich werde leben ... 257
Anmerkungen ... 278

Leseprobe zu "Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom..."

Kapitel 9 Wem gehört der Holocaust? (S. 172-173)

»Wer erinnert sich heute noch an das armenische Blutbad?«, soll Hitler gefragt haben. Man kann nicht umhin, beeindruckt zu sein von Hitlers Intuition und Fähigkeit, Politik und Vorgehen seines Landes den menschlichen Schwächen seiner Gegner entsprechend zu manipulieren. Offenbar hatte er ein Gespür für Angst und Schwäche. So taub und blind er für seine eigenen Schwächen war, so wach war er für die anderer. Tatsächlich erinnerten sich in den 1930er Jahren in Deutschland und im Rest der Welt nur wenige an das türkische Massaker an den Armeniern. Hunderttausende (manche sagen bis zu 1,5 Millionen) Armenier wurden 1915 und 1916 von türkischen Truppen und Agenten abgeschlachtet.

Über ein Jahrzehnt später unternahm der in Prag geborene jüdische Dichter Franz Werfel eine Exkursion in den Osten. Im Frühjahr 1929 traf er in Damaskus ein und begegnete zum ersten Mal armenischen Flüchtlingen, Invaliden, Waisen und anderen Opfern, die in der Stadt Zuflucht gesucht hatten. In den folgenden vier Jahren arbeitete er an seinem epischen Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh. Er schildert die …

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Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:

Vorwort zur deutschen Ausgabe

1 Meine Wurzeln
2 Der allgegenwärtige Holocaust
3 Die Shoah-Epidemie
4 Hitler besiegen
5 Erinnerung an die Weimarer Republik
6 Lehren aus dem Holocaust
7 Die Balance zwischen Heldentum und Shoah
8 Der Eichmann-Prozess
9 Wem gehört der Holocaust?
10 Ein neues Judentum
11 Gott schmunzeln lassen
12 Ich werde leben

Anmerkungen

Leseprobe zu "Hitler besiegen - Warum Israel sich endlich vom..."

Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, gab ich ihm den Titel Hitler hat gewonnen. Nach meinem damaligen Eindruck waren die Wunden und Narben so tief, dass die moderne jüdische Nation keine Chance auf Heilung hatte. Das Trauma der Shoah erschien mir als unheilbare Krankheit. Ich war wütend, dass wir weiter die Chance auf ein normales Leben nicht nutzten und das Leben hier in Israel so hart war, was auch für kommende Generationen unser Schicksal zu sein schien. Eben wegen der Verzweiflung, die mich erfasste, kämpfte ich gegen die Woge der Abgestumpftheit an. Und dann geschah ein Wunder: Während des Schreibens nahmen diese Fragen eine neue Dimension an. Aus der Asche und dem Rauch erwuchs vorsichtiger Optimismus. Und nach der jüdischen Sitte, einem Kranken einen neuen Namen zu geben, um seine Heilung zu erleichtern, änderte ich den hebräischen Buchtitel in Hitler besiegen. Es ist immer noch möglich; es besteht nach wie vor eine Chance. Wir müssen gewinnen, uns bleibt gar nichts anderes übrig, wenn wir nicht aufhören wollen zu leben. Ich habe allein einen weiten Weg zurückgelegt, aber schon jetzt bin ich optimistisch. Wir werden es schaffen.

Meine Mutter starb …

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12.04.2010

Eine Generalabrechnung
Avraham Burgs Kritik am Verhältnis Israels zum Holocaust

Wenn der ehedem jüngste Knesset-Sprecher mit seinem Staat ins Gericht und es um das Verhältnis zum Holocaust geht, wenn er in diesem Zusammenhang von der "Überwindung eines Traumas" spricht und das Israel der Gegenwart mit dem Deutschland der Weimarer Zeit vergleicht, dann kann er damit rechnen, gehört zu werden - in Israel und überall, wo der Schatten des Massenmords an den europäischen Juden gegenwärtig ist. Avraham Burg vermag umso mehr zu provozieren, weil er selbst zu den politisch Mächtigen gehörte, die er nun kritisiert; in gewissen Kreisen hieße er "Renegat". Er beklagt eine "Holocaustblindheit", die zum Verlust von Moral und Werten des Judentums geführt habe. Der Holocaust sei zu einer Strategie worden, auf die im Kampf gegen militante Araber, beim Siedlungsbau und wo auch immer ohne weitere Argumente verwiesen werde. Dem will Burg eine "neue Vision" entgegensetzen - für sein Land. Denn das 2007 erschienene Buch richtet sich an die dortige Gesellschaft, will sie zum Andersdenken auffordern. Die deutsche Ausgabe sollte man als Ausdruck einer …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

10.10.2009

Mit seinem Buch "Hitler besiegen", in dem er Israel auffordert, von der Fixierung auf den Holocaust zu lassen, hat sich Avraham Burg in seiner Heimat außerordentlich unbeliebt gemacht. Unbequem mag sein, was er da ausspricht, meint Rezensent Micha Brumlik, aber gerade darum sei das, auch wenn es ihm selbst durchaus auch auf die Nerven geht, ein wichtiges Buch. Die Empörung, die Burg auslöst, hat viel mit seiner Lebensgeschichte zu tun. Er ist der Sohn eines ehemaligen israelischen Innenministers, war selbst lange Abgeordneter der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency, der wichtigsten zionistischen Organisation, erzählt Brumlik. Als "Renegat" wird er beschimpft, weil er am Zionismus als seligmachender Staatsdoktrin heute zweifelt. Er verwahrt sich inzwischen gegen jene "Lebenslüge", in der sich Israel zur "ungleichzeitigen Alternative zur Shoah" stilisiere - und damit nicht zuletzt auch historische Wahrheiten verfälsche, so der Rezensent. Insbesondere den prophetischen Gestus des Autors findet Brumlik problematisch, höchst aufschlussreich aber scheint ihm das Buch doch.

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10.05.2010, Das Parlament Heilige Dogmen "Ein herausragendes Buch."

Autorenporträt zu "Avraham Burg"

Avraham Burg gehört zur politischen Elite Israels. Er wurde 1955 als Sohn eines deutschen Holocaust- Überlebenden in Jerusalem geboren. Sein Vater Josef Burg lebte in Dresden und Berlin, wo er die Ausreise deutscher Juden organisierte, bis er selbst 1939 in letzter Sekunde floh. In Israel war er über Jahrzehnte einer der prominentesten Minister, etwa unter Menachem Begin. Nach dem Militärdienst wurde Avraham Burg aktiv in der Friedensbewegung Peace Now. Er war Berater von Schimon Peres, Vorsitzender der Jewish Agency und viele Jahre Sprecher der Knesset. In letzter Zeit hat er die Kernthesen des Zionismus öffentlich infrage gestellt, die Politik Israels scharf kritisiert und sich so den Ruf eines politischen Enfant terribles erworben. In "Hitler besiegen" unterstreicht Burg anhand seiner eigenen, sehr bewegenden Familiengeschichte seine außergewöhnliche und leidenschaftliche Vision eines universelleren und menschlicheren Judentums.

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