Stephen der Held - Joyce, James
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Aus dem weitschweifigen Text von Stephen Hero wurde die komprimierte, komplexe Textur des Portrait of the Artist as a Young Man. Die für den Ulysses später so zentrale Leitmotivtechnik wurde hier zum ersten Mal erprobt.

Produktbeschreibung

Aus dem weitschweifigen Text von Stephen Hero wurde die komprimierte, komplexe Textur des Portrait of the Artist as a Young Man. Die für den Ulysses später so zentrale Leitmotivtechnik wurde hier zum ersten Mal erprobt.
  • Produktdetails
  • Edition Suhrkamp Nr.1435
  • Verlag: Suhrkamp
  • Best.Nr. des Verlages: 11435
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 537
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 537 S. 177 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 109mm x 22mm
  • Gewicht: 265g
  • ISBN-13: 9783518114353
  • ISBN-10: 3518114352
  • Best.Nr.: 02871696

Autorenporträt

James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest. 1914 erschien Joyces erste Kurzgeschichtensammlung. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich. 1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich.

Rezensionen

Besprechung von 19.06.2004
Band 14
Vom kleinen Jim zum großen James
„Ein Porträt des Künstlers als junger Mann” von James Joyce
Anfangs wirkt er brav. Mit 21 Jahren Beginn der ersten Erzählungssammlung: Dubliner Alltagsgeschichten, gewöhnliche Ereignisse, Familienkatastrophen. Moralisch nicht für die katholische Kirche geschrieben, aber knapp und klar erzählt. Ein Jahr später, 1904, beginnt er seinen ersten Roman, „Stephen Hero”. Auch da bewegt sich Jim Joyce noch auf der sicheren Seite: autobiographischer Stoff, einfache Sprache, ordentliche Dramaturgie. Bald, so scheint es, wird man von diesem jungen Mann aus guter, etwas heruntergekommener Familie etwas lesen.
Doch vier Jahre später ist, was die Veröffentlichung angeht, noch gar nichts geschehen. Der ständig kränkliche Joyce, geplagt von fiebrigem Rheumatismus, Magenweh, Augenweh, Zahnschmerzen, ist nach dem Abschied von Irland noch immer ein ärmlicher Englisch-Lehrer in Triest, der alle Mühe hat, seine Frau und die zwei Kinder durchzubringen. Endlich entschließt er sich, das ganze Stephen-Hero-Manuskript umzuarbeiten. Aber auch das veränderte Konzept gefällt ihm nicht. Im Dezember 1908 schreibt er dem Bruder: „Es beginnt auf einer Bahnstation, wie die meisten Schulgeschichten; es gibt da drei Freunde und eine Schwester, die auf pathetische Weise stirbt. Es ist die alte Trickkiste, und ein guter Kritiker würde wahrscheinlich zeigen, dass ich mich sogar in meinen Geschichten noch immer mit de Figurenrepertoire herumschlage, das in Europa schon vor einem halben Jahrhundert in der Versenkung verschwand.”
Ganz so schlimm ist es nicht. Aber Joyce hat schon Recht. Er schreibt verspätet, eher altmodisch. Dujardin, Dostojewski und Schnitzler haben ihre inneren Monologe entworfen, da erzählt er noch umständlich: „Stephens Familienleben war inzwischen unerfreulich genug geworden: Die Richtung seiner Entwicklung verlief gegen den Strom des von seiner Familie Erwarteten.” Es wird noch bis 1916 dauern, bis „A Portrait of the Artist as a Young Man”, wie die Neufassung von „Stephen Hero” heißen wird, erscheint, aber das Warten lohnt sich: Die Beschleunigung der persönlichen Entwicklung, die zunehmende Freiheit des Stils ist zu spüren, der Verspätete schließt zur Vorhut auf. Das „Portrait” beginnt jetzt: „Es war einmal vor langer Zeit und das war eine sehr gute Zeit da war eine Muhkuh die kam die Straße heruntergegangen und die Muhkuh die da die Straße heruntergegangen kam, die traf einen sönen tleinen tnaben und der hieß Tucktuck-Baby . . . Sein Vater erzählte ihm diese Geschichte: sein Vater sah ihn an durch ein Glas: er hatte Haare im Gesicht.”
Auch das „Porträt des Künstlers als junger Mann” ist noch autobiographisch, eine klassische Kindheits- und Jugend-Geschichte. Nirgendwo erfährt man so nachvollziehbar, wie aus Jim der berühmte James wurde. Wie ihn die Anhänglichkeit an die Kirche und der Widerstand gegen sie prägten; wie schon der kleine Junge den irischen Unabhängigkeitskampf verfolgte, wie ihn die Verarmung der Familie traf, die erste Liebe, die Auseinandersetzung mit Freunden. Und doch merkt man auch: Hier kommt etwas Anderes. Ähnlich wie der junge Robert Musil in seinem „Törless”, findet Joyce in der nervösen Wahrnehmung eines intelligenten, empfindsamen Jungen den aufregend neuen Stil der Moderne.
HANS-PETER KUNISCH
James Joyce
Foto: Suhrkamp Verlag
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Band 14

Vom kleinen Jim zum großen James

„Ein Porträt des Künstlers als junger Mann” von James Joyce

Anfangs wirkt er brav. Mit 21 Jahren Beginn der ersten Erzählungssammlung: Dubliner Alltagsgeschichten, gewöhnliche Ereignisse, Familienkatastrophen. Moralisch nicht für die katholische Kirche geschrieben, aber knapp und klar erzählt. Ein Jahr später, 1904, beginnt er seinen ersten Roman, „Stephen Hero”. Auch da bewegt sich Jim Joyce noch auf der sicheren Seite: autobiographischer Stoff, einfache Sprache, ordentliche Dramaturgie. Bald, so scheint es, wird man von diesem jungen Mann aus guter, etwas heruntergekommener Familie etwas lesen.

Doch vier Jahre später ist, was die Veröffentlichung angeht, noch gar nichts geschehen. Der ständig kränkliche Joyce, geplagt von fiebrigem Rheumatismus, Magenweh, Augenweh, Zahnschmerzen, ist nach dem Abschied von Irland noch immer ein ärmlicher Englisch-Lehrer in Triest, der alle Mühe hat, seine Frau und die zwei Kinder durchzubringen. Endlich entschließt er sich, das ganze Stephen-Hero-Manuskript umzuarbeiten. Aber auch das veränderte Konzept gefällt ihm nicht. Im Dezember 1908 schreibt er dem Bruder: „Es beginnt auf einer Bahnstation, wie die meisten Schulgeschichten; es gibt da drei Freunde und eine Schwester, die auf pathetische Weise stirbt. Es ist die alte Trickkiste, und ein guter Kritiker würde wahrscheinlich zeigen, dass ich mich sogar in meinen Geschichten noc immer mit dem Figurenrepertoire herumschlage, das in Europa schon vor einem halben Jahrhundert in der Versenkung verschwand.”

Ganz so schlimm ist es nicht. Aber Joyce hat schon Recht. Er schreibt verspätet, eher altmodisch. Dujardin, Dostojewski und Schnitzler haben ihre inneren Monologe entworfen, da erzählt er noch umständlich: „Stephens Familienleben war inzwischen unerfreulich genug geworden: Die Richtung seiner Entwicklung verlief gegen den Strom des von seiner Familie Erwarteten.” Es wird noch bis 1916 dauern, bis „A Portrait of the Artist as a Young Man”, wie die Neufassung von „Stephen Hero” heißen wird, erscheint, aber das Warten lohnt sich: Die Beschleunigung der persönlichen Entwicklung, die zunehmende Freiheit des Stils ist zu spüren, der Verspätete schließt zur Vorhut auf. Das „Portrait” beginnt jetzt: „Es war einmal vor langer Zeit und das war eine sehr gute Zeit da war eine Muhkuh die kam die Straße heruntergegangen und die Muhkuh die da die Straße heruntergegangen kam, die traf einen sönen tleinen tnaben und der hieß Tucktuck-Baby . . . Sein Vater erzählte ihm diese Geschichte: sein Vater sah ihn an durch ein Glas: er hatte Haare im Gesicht.”

Auch das „Porträt des Künstlers als junger Mann” ist noch autobiographisch, eine klassische Kindheits- und Jugend-Geschichte. Nirgendwo erfährt man so nachvollziehbar, wie aus Jim der berühmte James wurde. Wie ihn die Anhänglichkeit an die Kirche und der Widerstand gegen sie prägten; wie schon der kleine Junge den irischen Unabhängigkeitskampf verfolgte, wie ihn die Verarmung der Familie traf, die erste Liebe, die Auseinandersetzung mit Freunden. Und doch merkt man auch: Hier kommt etwas Anderes. Ähnlich wie der junge Robert Musil in seinem „Törless”, findet Joyce in der nervösen Wahrnehmung eines intelligenten, empfindsamen Jungen den aufregend neuen Stil der Moderne.

HANS-PETER KUNISCH

James Joyce

Foto: Suhrkamp Verlag

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