Stephen der Held - Joyce, James

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Als James Joyce im Oktober 1904 Dublin verließ, hatte er in seinem Koffer nicht nur Entwürfe und Materialien zu den "Dubliner"-Erzählungen, sondern auch Aufzeichnungen, Skizzen und bereits fertige Epiphanien zu einem autobiografischen Roman. Diesen arbeitete er zwischen 1904 und 1906 in Pola, Rom und Triest aus. In einem Brief an den Verleger Grant Richards heißt es, tausend Seiten des Romans seien fertig, rund die Hälfte des geplanten Buches. Aber in einem Anflug von Verzweiflung, weil er seine Manuskripte nirgends unterbringen konnte, warf Joyce 1911, so will es die Legende, den gesamten…mehr

Produktbeschreibung
Als James Joyce im Oktober 1904 Dublin verließ, hatte er in seinem Koffer nicht nur Entwürfe und Materialien zu den "Dubliner"-Erzählungen, sondern auch Aufzeichnungen, Skizzen und bereits fertige Epiphanien zu einem autobiografischen Roman. Diesen arbeitete er zwischen 1904 und 1906 in Pola, Rom und Triest aus. In einem Brief an den Verleger Grant Richards heißt es, tausend Seiten des Romans seien fertig, rund die Hälfte des geplanten Buches. Aber in einem Anflug von Verzweiflung, weil er seine Manuskripte nirgends unterbringen konnte, warf Joyce 1911, so will es die Legende, den gesamten Text ins Feuer, aus dem seine Schwester 383 Seiten rettete. Diese Seiten wurden 1944 unter dem Titel "Stephen Hero, Stephen der Held", veröffentlicht. Sie umfassen die Jahre des jungen Joyce, der sich Stephen Dedalus nannte, am University College in Dublin. Im Herbst 1907 begann Joyce den Roman umzuarbeiten, d. h. neu zu schreiben. Aus dem weitschweifigen Text von "Stephen Hero" wurde die komprimierte, komplexe Textur des "Portrait of the Artist as a Young Man". Die für den "Ulysses" später so zentrale Leitmotivtechnik wurde hier zum ersten Mal erprobt.
  • Produktdetails
  • Edition Suhrkamp Nr.1435
  • Verlag: Suhrkamp
  • Best.Nr. des Verlages: 11435
  • 6. Aufl.
  • Seitenzahl: 537
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 537 S. 177 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 109mm x 22mm
  • Gewicht: 424g
  • ISBN-13: 9783518114353
  • ISBN-10: 3518114352
  • Best.Nr.: 02871696
Autorenporträt
James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest. Er schrieb Kurzgeschichten und überarbeitete seinen ersten Roman Stephen Hero, der später als A Portrait of the Artist as a Young Man (Porträt des Künstlers als junger Mann) veröffentlicht wurde. 1914 erschien Joyces erste Kurzgeschichtensammlung Dubliners. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift "The Little Review" abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung "Shakespeare and Company". 1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan’s Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich.

Klaus Reichert ist Anglist, Lyriker und Übersetzer und lehrte als Professor für Anglistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo er auch das Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit gründete. Von 2002 bis 2011 war er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
Rezensionen
Besprechung von 19.06.2004
Band 14
Vom kleinen Jim zum großen James
„Ein Porträt des Künstlers als junger Mann” von James Joyce
Anfangs wirkt er brav. Mit 21 Jahren Beginn der ersten Erzählungssammlung: Dubliner Alltagsgeschichten, gewöhnliche Ereignisse, Familienkatastrophen. Moralisch nicht für die katholische Kirche geschrieben, aber knapp und klar erzählt. Ein Jahr später, 1904, beginnt er seinen ersten Roman, „Stephen Hero”. Auch da bewegt sich Jim Joyce noch auf der sicheren Seite: autobiographischer Stoff, einfache Sprache, ordentliche Dramaturgie. Bald, so scheint es, wird man von diesem jungen Mann aus guter, etwas heruntergekommener Familie etwas lesen.
Doch vier Jahre später ist, was die Veröffentlichung angeht, noch gar nichts geschehen. Der ständig kränkliche Joyce, geplagt von fiebrigem Rheumatismus, Magenweh, Augenweh, Zahnschmerzen, ist nach dem Abschied von Irland noch immer ein ärmlicher Englisch-Lehrer in Triest, der alle Mühe hat, seine Frau und die zwei Kinder durchzubringen. Endlich entschließt er sich, das ganze Stephen-Hero-Manuskript umzuarbeiten. Aber auch das veränderte Konzept gefällt ihm nicht. Im Dezember 1908 schreibt er dem Bruder: „Es beginnt auf einer Bahnstation, wie die meisten Schulgeschichten; es gibt da drei Freunde und eine Schwester, die auf pathetische Weise stirbt. Es ist die alte Trickkiste, und ein guter Kritiker würde wahrscheinlich zeigen, dass ich mich sogar in meinen Geschichten noch immer mit dem Figurenrepertoire herumschlage, das in Europa schon vor einem halben Jahrhundert in der Versenkung verschwand.”
Ganz so schlimm ist es nicht. Aber Joyce hat schon Recht. Er schreibt verspätet, eher altmodisch. Dujardin, Dostojewski und Schnitzler haben ihre inneren Monologe entworfen, da erzählt er noch umständlich: „Stephens Familienleben war inzwischen unerfreulich genug geworden: Die Richtung seiner Entwicklung verlief gegen den Strom des von seiner Familie Erwarteten.” Es wird noch bis 1916 dauern, bis „A Portrait of the Artist as a Young Man”, wie die Neufassung von „Stephen Hero” heißen wird, erscheint, aber das Warten lohnt sich: Die Beschleunigung der persönlichen Entwicklung, die zunehmende Freiheit des Stils ist zu spüren, der Verspätete schließt zur Vorhut auf. Das „Portrait” beginnt jetzt: „Es war einmal vor langer Zeit und das war eine sehr gute Zeit da war eine Muhkuh die kam die Straße heruntergegangen und die Muhkuh die da die Straße heruntergegangen kam, die traf einen sönen tleinen tnaben und der hieß Tucktuck-Baby . . . Sein Vater erzählte ihm diese Geschichte: sein Vater sah ihn an durch ein Glas: er hatte Haare im Gesicht.”
Auch das „Porträt des Künstlers als junger Mann” ist noch autobiographisch, eine klassische Kindheits- und Jugend-Geschichte. Nirgendwo erfährt man so nachvollziehbar, wie aus Jim der berühmte James wurde. Wie ihn die Anhänglichkeit an die Kirche und der Widerstand gegen sie prägten; wie schon der kleine Junge den irischen Unabhängigkeitskampf verfolgte, wie ihn die Verarmung der Familie traf, die erste Liebe, die Auseinandersetzung mit Freunden. Und doch merkt man auch: Hier kommt etwas Anderes. Ähnlich wie der junge Robert Musil in seinem „Törless”, findet Joyce in der nervösen Wahrnehmung eines intelligenten, empfindsamen Jungen den aufregend neuen Stil der Moderne.
HANS-PETER KUNISCH
James Joyce
Foto: Suhrkamp Verlag
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