Schneeland - Kawabata, Yasunari

Yasunari Kawabata 

Schneeland

Erzählung

Aus d. Japan. u. m. Nachw. v. Tobias Cheung
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Schneeland

Eines der Hauptwerke des japanischen Nobelpreisträgers für Literatur Yasunari Kawabata (1899-1972) ist von Tobias Cheung neu, erstmals textgetreu übersetzt worden.
Kawabatas Schneeland liegt jenseits hoher Berge, fern von Tokyo. Shimamura, ein Müßiggänger und Ästhet aus Tokyo, fährt mit dem Zug zu einem der dortigen Kurorte, wo er Komako, eine Geisha, trifft, deren Eigenwilligkeit und Schönheit ihn fesseln. Mehrfach kehrt er zu ihr zurück. Jedoch je eindringlicher Shimamura versucht, ein klares Bild von Komako zu gewinnen, desto unschärfer und verschwommener kommt ihm das Wahrgenommene vor. Er spürt darin eine Wirklichkeit, nach der ihn verlangt. Diese Wirklichkeit ist scheinbar äußerlich, und doch erfüllt sie das Innere - wie die Kälte, die durch das Zugfenster strömt, in deren Spiegelungen sich innen und außen beglückend und geheimnisvoll überlagern.
Um diese Wirklichkeit, die sich entzieht, geht es Kawabata ebenso wie seiner Hauptfigur. Dementsprechend hat er die Geschichte ert, schwebend, flirrend, rätselhaft anziehend. Im Nachwort erklärt der Übersetzer die japanischen Traditionen, in die Schneeland sich einordnet, aber auch, was Kawabata, Ansätze der europäischen Moderne aufgreifend, ganz neu und anders gemacht hat.



Produktinformation

  • Verlag: SUHRKAMP
  • 2009
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 210 S.
  • Seitenzahl: 214
  • Bibliothek Suhrkamp Bd.1376
  • Best.Nr. des Verlages: 22376
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 121mm x 24mm
  • Gewicht: 265g
  • ISBN-13: 9783518223765
  • ISBN-10: 3518223763
  • Best.Nr.: 12508314
«Schneeland»: Yasunari Kawabatas moderner Klassiker <br /> Was man sich als Laie schon immer unter japanischer Literatur vorstellte und angesichts der progressiven Ächtung des Exotismus gar nicht mehr vorzustellen wagte, findet sich in Yasunari Kawabatas Erzählung «Schneeland» aus dem Jahr 1948: Schönheit, Reinheit und Fremdheit, Artistik, Erotik und Hermetik. «Jenseits des langen Tunnels erschien das Schneeland. Der Nacht Tiefe wurde weiss. Die Dampflok hielt an einem Signal», lautet - in der etwas manieriert wirkenden Neuübersetzung Tobias Cheungs - der vielzitierte Anfang eines Buches, das in mancherlei Hinsicht an Thomas Manns «Zauberberg» erinnert. Auch hier entflieht ein Mann der Prosa der Ebene in die poetische Wirklichkeit der Berge, auch hier sucht einer nach dem hohen Sinn des Lebens und verstrickt sich im Spannungsfeld von Theorie und Leben, Erkenntnis und Interesse, Eros und Thanatos, ohne dass es zu einer Lösung der aufgeworfenen Fragen käme.<br/><br/>Shimamura heisst Kawabatas Protagonist, ein wohlhabender Dandy und Ästhet aus Tokio. Er ist zurückgekehrt in den kleinen Kurort, um die Geisha Komako zu besuchen, die er ebenda im Frühling kennen gelernt hat. Shimamura ist ein Mensch, dem sich die Fülle des Daseins in der Vision und nicht in der realen Erfahrung offenbart - nicht zufällig arbeitet er dilettantisch über den europäischen Tanz, den er einzig aus Büchern kennt. Nicht das sexuelle Abenteuer treibt ihn ins Hochtal, sondern das Verlangen nach Reinheit und Vollkommenheit, das er in Komako verwirklicht sieht, trotz ihrem Beruf als Animateurin. Komako wiederum ist Shimamura leidenschaftlich zugetan und sucht ihn in passenden und unpassenden Situationen auf. Ungestüm ist sie und fordernd, schwatzhaft und nicht selten betrunken. Geisha ist sie geworden, um die Ärzte ihres sterbenskranken ehemaligen Verlobten zu bezahlen. Ihre Art, der Wirklichkeit in praktischer Weise zugewandt zu sein, wird sich als unvereinbar erweisen mit Shimamuras Blasenwelt.<br/><br/>Zwischen Shimamuras Berauschtheit an der eigenen Berauschtheit und Komakos Gefühlen, zwischen Formalismus und Spontaneität entfaltet sich ein Pas de deux von Abstossung und Anziehung, dessen Rollendynamik sich dem westlichen Leser indes nicht immer ganz erschliesst. «Schneeland» ist stark von Dialogen geprägt, die Zeit erscheint gestaut, eine kontinuierlich nach vorwärts drängende Handlung gibt es nicht, stattdessen lose Episoden und berückende Naturbeschreibungen. Hinzu kommen Rückblicke, die nicht leicht als solche zu erkennen sind, sowie ein dichtes Netz von Bildern, Metaphern und Symbolen. Die Diskontinuitäten im Text sind auf dessen Entstehungsgeschichte zurückzuführen, hat Yasunari Kawabata (1899-1972) aufgrund von Reiseerlebnissen doch zunächst Prosaskizzen verfasst, die er 1937 entgegen der ursprünglichen Absicht zur Erzählung arrangierte und 1948 mit einem neuen Schluss in eine endgültige Form brachte. So wirkt «Schneeland» in der Machart einerseits sehr modern, anderseits ist das Buch tief in die Tradition eingelassen (was die vorliegende Neuausgabe buchgestalterisch exquisit unterstreicht). Nicht weniger als sieben klassische japanische Stilmittel weist Tobias Cheung in seinem gehaltvollen Nachwort nach - vor einem solchen Subtext kann man sich als Nichtjapanologe nur höflich verbeugen.<br /><em>NZZ</em><br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Irmela Hijiya-Kirschnereit preist diesen Roman aus dem Jahr 1948 des japanischen Autors Yasunari Kawabata als "zweifellos" eines der "wichtigsten" japanischen Werke des 20. Jahrhunderts an, wobei sie betont, dass er die Erwartungen an das Genre eigentlich nicht erfüllt. Es handelt sich dabei nämlich eher um ein im Verlauf von 14 Jahren entstandenes "Konglomerat" von "Erzählskizzen" um den reichen Shimamura, der "auf der Suche nach sich selbst" in den Norden des Landes reist und dort der Geisha Komako und dem Mädchen Yoko begegnet, erklärt die Rezensentin. Für sie liegt die "Magie" dieses Buches weniger in der insgesamt eher "unscheinbaren" Handlung, als vielmehr in der Schilderung der "vielschichtig verknüpften sinnlichen Eindrücke", die verschiedene Zeitebenen durchdringt. Dieser "durch und durch ästhetisierte Text", der vieles in der "Schwebe" lässt und mitunter an die "Grenze der Verständlichkeit" stößt, verlangt natürlich nach einer besonderen Übersetzung ins Deutsche, betont Hijiya-Kirschnereit. Und hier setzt auch ihre Kritik an der Neuausgabe und Neuübersetzung des Romans an. Sie findet die Übertragung durch Tobias Cheung nämlich viel zu "hölzern und …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.10.2004

Wenn der Teekessel singt
Ein Klassiker: Yasunari Kawabatas "Schneeland", neu übersetzt

In der Literatur hat das postkoloniale Zeitalter 1968 begonnen. So könnte man plakativ die Verleihung des Nobelpreises in jenem Jahr an den japanischen Autor Yasunari Kawabata deuten, war er doch der erste Autor einer nichteuropäischen Sprache, sieht man von dem bereits 1913 ausgezeichneten Rabindranath Tagore ab. Doch dieser hatte den Preis in erster Linie für die englischen Versionen seiner Dichtung entgegengenommen. An Kawabata pries die Jury, durchaus zum Erstaunen der japanischen Öffentlichkeit, dessen Traditionsverwurzelung. Es waren wenige, aber eindrucksvoll übersetzte Werke, die seinerzeit seinen internationalen Ruhm begründeten, darunter "Schneeland", sein wohl berühmtester Roman.

Nun ist diese Gattungsbezeichnung eher irreführend, versteht man darunter ein architektonisch durchkonstruiertes Erzählwerk oder womöglich narrative Strukturen in der Tradition der europäischen Realisten des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich vielmehr um ein Konglomerat aus verstreut und über einen längeren Zeitraum hinweg publizierten Erzählskizzen, die der …

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Die Welt im Spiegel Shimamura, die Hauptfigur in Schneeland, kann die übermenschliche Schönheit einer Frau nur in ihrer Spiegelung im Zugfenster ertragen. Dieses Motiv des Romans ist zugleich der Schlüssel zu seinem Verständnis: Kawabata ergründet das wirkliche Leben über den Spiegel der Kunst. Indem er die Einsamkeit der Figuren, ihre vergeblichen Hoffnungen und ihre ziellosen Handlungen in die Naturkulisse einer abgelegenen japanischen Bergregion versetzt, wird ihre Verzweiflung umso augenfälliger. Gleichzeitig wird alles Negative entweder in poetischen Umschreibungen aufgelöst oder bleibt gänzlich unausgesprochen. Die Geschichte zwischen Shimamura und der Geisha Komako wirkt entsprechend unfertig, ihre Gespräche brechen ab, bevor man erfährt, was wirklich in ihnen vorgeht. Doch gerade diese Lücken führen dazu, dass das Lesen zum aktiven Erlebnis wird und die ganze assoziative Kraft beansprucht. In diesem Sinne ist der Roman selbst ein Spiegel: Was er darstellt, hängt davon ab, wer einen Blick hineinwirft. Kawabata gelang mit Schneeland die Verbindung japanischer Erzähltraditionen mit modernen europäischen Einflüssen – einer der Gründe, warum er 1968 als erster Japaner den Nobelpreis für Literatur erhielt.
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Yasunari Kawabata, 1899-1972, in Osaka als Arztsohn geboren, studierte englische und japanische Literatur und wurde 1926 mit seiner längsten Erzählung 'Die Tänzerin von Izu' über die Grenzen Japans hinaus bekannt. 1968 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Von 1948 bis 1965 war Yasunari Kawabata Präsident des Japanischen PEN-Zentrums. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der japanischen Literaturszene nach dem Zweiten Weltkrieg. Im April 1972 nahm sich Kawabata in seiner Wohnung in der Nähe von Kamakura das Leben.

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