In finsterer Nacht und andere Erzählungen - Higuchi, Ichiyo

Ichiyo Higuchi 

In finsterer Nacht und andere Erzählungen

Aus d. Japan. u. m. e. Nachw. v. Michael Stein
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In finsterer Nacht und andere Erzählungen

Obwohl wir heute Japan längst als verwestlichte Industrienation wahrnehmen und es nicht länger mit Kirschblüten-Mondschein-Exotik verklären, die ohnehin nur das Produkt einer romantisierenden westlichen Rezeption war, hat doch dieses Japan in den vergangenen 150 Jahren einen entschieden weiteren Weg in die Gegenwart zurückgelegt als Europa. Vor allem das soziale Gefüge und die Stellung der Frau unterschieden sich in der Zeit um 1890, als die vorliegenden Texte entstanden, tiefgreifend von der gesellschaftlichen Situation in Europa. Die Autorin Higuchi Natsuko (1872-1896), die ihre Werke unter dem Schriftsteller-Pseudonym Ichiyô veröffentlichte, lebte in einer Epoche des Umbruchs. Im Zentrum ihrer Erzählungen stehen naturgemäß Frauengestalten, und wir begegnen hier drei verschiedenen Frauentypen, die sich mit unterschiedlichen Methoden, in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichem Erfolg mit ihrer sozialen Lage auseinandersetzen.


Produktinformation

  • Verlag: Iudicium
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 99 S.
  • Seitenzahl: 99
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 124mm x 12mm
  • Gewicht: 140g
  • ISBN-13: 9783891291962
  • ISBN-10: 3891291965
  • Best.Nr.: 23005492

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Rezensent Steffen Gnam bespricht einen Band mit Erzählungen von Higuchi Ichiyo, die er als erste wichtige japanische Schriftstellerin der Moderne vorstellt. Sie wurde 1872 geboren und starb bereits 1896 an Tuberkulose, berichtet der Rezensent, der sie als "Chronistin" einer japanischen Umbruchszeit würdigt, die insbesondere das Unsicherheitsgefühl, das mit dem Wandel zur Moderne einherging, festhielt. So erzählt Ichiyo in der Geschichte "Die Nacht der Herbstmondfeier" vom Konflikt zwischen von außen auferlegter Pflicht und dem Wunsch nach Selbstbestimmung, wenn sie vom Schicksal der in einer arrangierten Ehe leidenden O-Seki erzählt. In "Am letzten Tag des Jahres" geht es um den Diebstahl einer Dienstmagd, die ausgerechnet durch den das Geld des Vaters in Spielhöllen verschleudernden Sohn des Hauses vor der Entlarvung bewahrt wird, berichtet Gnam. Die Titelgeschichte schließlich dreht sich um das Machtgebaren der Regierungsschicht der "Meiji-Zeit" und beschreibt das scheiternde Attentat einer Tochter, die den durch einen Abgeordneten verschuldeten Selbstmord ihres Vaters rächen will. Alle Erzählungen fangen eine dramatische Situation ein, meint Gnam, dem sie zwar alles in allem etwas überkonstruiert erscheinen, der aber dennoch diese Bestandaufnahme des im Wandel befindlichen Japans sehr interessieren zu finden scheint.

© Perlentaucher Medien GmbH"

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.09.2007

Die Aussichten - unbeständig
Higuchi Ichiyôs zartbittere Chronik Japans

Higuchi Ichiyô (1872 bis 1896) gilt als Japans erste bedeutende Schriftstellerin der Moderne. Die früh an Tuberkulose verstorbene Autorin von knapp viertausend Tanka-Kurzgedichten, zwanzig Novellen, diversen Essays und einem Tagebuch ist die Chronistin der Umbrüche eines im Wertewandel begriffenen Landes.

Eine Einsamkeitsahnung umspielt ihre sanft fatalistische, im Spannungsfeld von Konfuzianismus und Kapitalismus mit einem latenten Anklagecharakter ausgestattete Frauenliteratur. Das allen drei Erzählungen und Sozialtragödien gemeine Leitmotiv, das Grundgefühl ist die Floskel der "unbeständigen Welt". Higuchis Prosatexte scheinen sowohl gegen die alten Zöpfe der Tradition anzuschreiben als auch die Verirrungen und Verluste der Moderne offenzulegen.

So wird in der zartbitteren Erzählung "Die Nacht der Herbstmondfeier" die fremdbestimmte Praxis arrangierter Ehen angeprangert. Nachdem bei einem Besuch im Haus ihrer Eltern diese der jungen O-Seki die Scheidung ausgeredet haben, kehrt die in ein angesehenes Haus eingeheiratete, aber unglückliche Frau in ihr …

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Higuchi Ichiyo (1872-1896) begann früh zu schreiben und bestritt nach dem Tod ihres Vaters allein den Lebensunterhalt für sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester. Sie starb mit nur vierundzwanzig Jahren an Tuberkulose. Higuchi hinterließ zahlreiche Tanka-Kurzgedichte, Essays, Erzählungen und ein Tagebuch. Ihr Konterfei schmückt die japanische 5000-Yen-Note.

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