Der schwarze Ast - Oe, Kenzaburo

Kenzaburo Oe 

Der schwarze Ast

Roman

Aus d. Japan. v. Nora Bierich
Buch mit Leinen-Einband
 
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Der schwarze Ast

In 'Der schwarze Ast', dem zweiten Band seiner Romantrilogie 'Grüner Baum in Flammnen', führt uns Kenzaburo Oe in sein Heimatdorf auf der japanischen Insel Shikoku, dem Mittelpunkt seiner epischen Welt. Dort haben sich um Bruder Gii Menschen versammelt, die unter dem mystischen Bild eines Grünen Baums in Flammen ihre Sehnsucht fassen und dafür ein Dach, eine "neue Kirche" suchen. Giis Vater beobachtet das entstehende Amalgam von westlicher Mystik und archaischem Glauben und wird allmählich Teil des Prozesses, der sich um Bruder Gii verselbständigt. Die echte und die gespielte Inbrunst der Anhänger, das Echo in den Medien, die für die einstige Sensation nur noch Kritik und Häme haben, führt zu Spannungen, die die Gemeinschaft immer mehr bestimmen. In einer Sprache von "unaufdringlicher, stiller Schönheit" (FAZ) erzählt Oe die Geschichte von der Gründung einer "neuen Religion", die statt Befreiung nur neue Verstrickungen bringt. - "Bei Kenzaburo Oe fließen Kulturen ineinander und meißeln das Archaische, das Regionale, das Individuelle aus dem großen Stein der Welt." (Saarbrücker Zeitung)

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Produktinformation

  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 284 S.
  • Seitenzahl: 284
  • Grüner Baum in Flammen, Romantrilogie Bd.2
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 134mm x 27mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783100552075
  • ISBN-10: 3100552075
  • Best.Nr.: 10258777
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.07.2002

Gott gesucht
In Kenzaburo Oes „Der schwarze
Ast” gibt es einen Erlöser zuviel
Zu den beliebtesten Übersetzungs-Anekdoten gehört die Geschichte von Goethes Gedicht „Wandrers Nachtlied”, das sich durch Über- und Rückübertragung in ein Werk von orientalischer Rätselhaftigkeit verwandelt. Angesichts der deutschen Ausgabe eines japanischen Romans, in dem ein Erzähler zwei Landsleute beschreibt, die um die Übersetzung von Gedichten des irischen Lyriker Yeats ringen, fühlt man sich an diese Version der „Stillen Post” erinnert. Wenn sich dazu auch noch weitere geistige Aneignungsversuche gesellen, von Dante und Meister Eckardt bis hin zu Wagner und amerikanischen Spirituals, dann bleibt auf den gut 280 Seiten von Kenzaburo Oes Roman „Der schwarze Ast” nur wenig Raum für äußerliche Handlung.
Als zweiter Teil der Trilogie „Grüner Baum in Flammen” setzt das Buch die Geschichte einer protoreligiösen Gemeinschaft fort, die sich auf der Insel Shikoku entwickelt, der Heimat des heute in Tokyo lebenden Literaturnobelpreisträgers. Ist das nun eine neue „Kirche”, und ist der auf seltsame Weise auferstandene Bruder Gii, um den sich alles …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.07.2002

Tief in den Wäldern von Shikoku
Erleuchtung empfohlen: Kenzaburô Ôe sucht die Spiritualität

Der seinerzeit international bekannteste japanische Schriftsteller, Yukio Mishima, beging 1970 auf spektakuläre Weise Selbstmord, am Tag, als er den letzten Teil seines auf vier Bände angelegten Opus magnum "Das Meer der Fruchtbarkeit" abgeschlossen und beim Verlag abgeliefert hatte - übrigens nicht ohne zuvor das Erscheinen einer englischen Übersetzung sichergestellt zu haben. Viele mutmaßten damals, er habe sich mit dem überaus ambitionierten Romanzyklus gewissermaßen leer geschrieben. Als der zweite Teil von Kenzaburô Ôes Romanreihe "Grüner Baum in Flammen" im Herbst 1994 in Japan (deutsch 2000) erschien - der dritte Teil war für das kommende Frühjahr bereits avisiert -, verkündete der Autor, er werde fortan, nach Abschluß dieser Trilogie, keine Romane mehr verfassen. Auch dies ein öffentlicher Schlußpunkt nach einem für japanische Verhältnisse langfristig angelegten und umfangreichen Unterfangen.

Die beiden Romanprojekte zeichnen aber noch weitere Gemeinsamkeiten aus. So sind sie von einem gewissen Sendungsbewußtsein ihrer …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ein wenig verwundert fragt sich Rezensent Ludger Lütkehaus eingangs, ob der japanische Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe zum "Spirituellen" konvertiert sei, handelt sein neuer Roman "Der schwarze Ast" doch von der Gründung einer synkretistische Kirche, ihrem Geschick und ihren Mitgliedern. Manches spricht nach Lütkehaus für diese Vermutung. So porträtiert sich Oe darin laut Lütkehaus als einen "Menschen ohne Glauben", aber mit großem Interesse an der religiösen Kategorie der "Gnade". Wie Lütkehaus erklärt, erscheint Oe selber - gemäss dem Gattungsgesetz des autobiografischen Shishosetsu-Romans - nicht mehr in der Ich-Form, sondern als der Romane schreibende "Onkel K.", was dem Autor ein "neoromantisch anmutendes Spiel" mit diversen Erzählerrollen erlaubt. Für die daraus resultierende Ironie der Maskeraden, Distanzierungen und Selbstrelativierungen ist Lütkehaus dann auch "doppelt dankbar", denn die Lektüre des Romans empfindet er als mühselig. Insbesondere Oes Neigung zum Symbolismus und seine Vorliebe für die "semiotischen Stätten" seiner Heimat tragen nach Ansicht von Lütkehaus dazu bei. Leicht wehmütig werden Oe-Leser bei diesem Roman an die frühen Meisterwerke seiner Erzählungen zurückdenken, glaubt Lütkehaus, und wünscht den Romanen Oes etwas "mehr Erdung".

© Perlentaucher Medien GmbH

"Bei Kenzaburo Oe fließen Kulturen ineinander und meißeln das Archaische, das Regionale, das Individuelle aus dem großen Stein der Welt." (Saarbrücker Zeitung)
Kenzaburo Oe, geboren 1935 auf der Insel Shikoku, Romanistik-Studium an der Tokyo University. Abschluß mit einer Arbeit über Sartre, schrieb Essays, Geschichten und Romane. Mit 23 Jahren erhielt Oe den renommierten Akutagawa-Preis, es folgten zahlreiche weitere Auszeichungen - darunter 1994 der Nobelpreis für Literatur. Oe lebt in Tokyo.

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