Leseprobe zu "Imperator" von Conn Iggulden
Jedes Wort des Pompeius glich einem Hammerschlag: "Deshalb ist Cäsar, nach allem, was er getan hat, von heute an ein Feind Roms. Sämtliche Titel und Ehrentitel werden ihm aberkannt, sein Recht, eine Legion anzuführen, wird aus den Aufzeichnungen gestrichen. Sein Leben ist verwirkt. Und das bedeutet Krieg."
Nach den stürmischen Debatten war es in der Senatshalle endlich totenstill, die Anspannung zeigte sich auf jedem Gesicht. Die Boten, die ihre Pferde zuschanden geritten hatten, um den Senat so schnell wie möglich zu erreichen, konnten die Geschwindigkeit derer, die ihnen folgten, unmöglich einschätzen. Die Grenze namens Rubikon war eindeutig überschritten, und die gallischen Legionen rückten in Eilmärschen nach Süden vor.
Die Ereignisse der vergangenen beiden Tage hatten Pompeius sichtlich altern lassen. Dennoch stand er ungebeugt vor ihnen. Seine Erfahrung verlieh ihm die Kraft, den gesamten Raum zu beherrschen. Schweigend sah er zu, wie sich die Ausdruckslosigkeit in den Gesichtern der Senatoren langsam verflüchtigte und Dutzende von ihnen in stillschweigender Verständigung Blicke tauschten. Viele von ihnen gaben noch immer Pompeius die Schuld an dem Chaos, das drei Jahre zuvor in der Stadt geherrscht hatte. Damals hatte seine Legion bei der Aufgabe versagt, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten; trotzdem war er aus diesem Konflikt als Diktator hervorgegangen. Er wusste sehr wohl, dass es mehr als nur ein paar zaghafte Stimmen gab, die sich zuraunten, er solle sein Amt niederlegen und dass man endlich wieder Konsuln wählen sollte. Der Geruch nach frischem Kalk und Holz in dem Gebäude, in dem sie jetzt gerade saßen, erinnerte sie ständig daran. Die verkohlten Überreste des alten Senatsgebäudes waren zwar entfernt worden, aber die verbliebenen Fundamente blieben stille Zeugen von den Aufständen und der Zerstörung in der Stadt.
In der entstandenen Stille fragte sich Pompeius insgeheim, wer ihm wohl bei diesem Kampf zur Seite stehen würde. Wer unter ihnen hatte die Kraft, die er so dringend benötigte? Er gab sich keinen Illusionen hin. Julius zog mit vier kampferprobten Legionen gen Süden, und es gab in Rom nichts, was er ihnen hätte entgegenstellen können. In nur wenigen Tagen würde der Befehlshaber Galliens an die Tore der Stadt hämmern, und einige der Männer, die hier vor Pompeius saßen, würden lautstark danach verlangen, ihn hereinzulassen.
"Meine Herren, wir müssen ein paar schwerwiegende Entscheidungen treffen", sagte er schließlich.
Die Senatoren ließen ihn nicht aus den Augen und versuchten dabei, seine Stärken und Schwächen einzuschätzen. Ein Fehltritt, und sie würden ihn in Stücke reißen, darüber war sich Pompeius sehr wohl im Klaren. Aber diese Gelegenheit würde er ihnen auf keinen Fall bieten.
"Ich habe Legionen in Griechenland, die noch nicht von der Begeisterung des Pöbels in Rom infiziert sind. Es mag zwar Verräter in dieser Stadt geben, doch das Gesetz hat seine Stimme in unseren Hoheitsgebieten noch nicht verloren."
Er beobachtete die Senatoren ganz genau, um zu sehen, wer von ihnen den Blick abwendete, doch aller Augen waren auf ihn gerichtet.
"Meine Herren, es gibt keine andere Möglichkeit, als Rom zu verlassen und unsere Armeen in Griechenland zusammenzuziehen. Noch hält sich der Großteil von Cäsars Truppen in Gallien auf. Wenn sie aber erst einmal zu ihm stoßen, könnte ihm das ganze Land zufallen, bevor wir eine ausreichende Streitmacht ins Feld führen können. Ich will das Rennen nicht verlieren, weil wir auf Verstärkung warten. Daher ist es besser, den sicheren Weg zu wählen und selbst zu unseren Armeen zu stoßen. In Griechenland warten zehn Legionen nur darauf, uns gegen diesen Verräter zu verteidigen. Wir dürfen sie nicht enttäuschen.
Wenn er in unserer Stadt bleibt, kommen wir zurück und verjagen ihn wieder, genau wie es Cornelius Sulla mit seinem Onkel getan hat. Man muss ihm im offenen Kampf gegenübertreten. Das hat er durch die Missachtung der rechtmäßigen Befehle dieses Senates unmissverständlich klargestellt. Es kann keine Übereinkünfte und keinen Frieden geben, solange er lebt. Rom kann nicht zwei Herren dienen, und ich werde keinem skrupellosen Feldherrn erlauben, das zu zerstören, was wir alle hier aufgebaut haben."
Pompeius- Stimme wurde etwas leiser, und er beugte sich über das Rednerpult. Der Geruch von Wachs und Ã-l stieg ihm in die Nase.
"Wenn er durch unsere Unentschlossenheit nicht nur weiterlebt, sondern sogar über uns triumphiert, dann wird sich jeder General, den Rom ausgesandt hat, fragen, ob er nicht das Gleiche wagen kann. Wenn Cäsar nicht vernichtet wird, kehrt in dieser Stadt nie wieder Frieden ein. Was wir aufgebaut haben, wird durch einen endlosen Krieg über Generationen hinweg zerstört werden, so lange, bis nichts mehr übrig bleibt, das bezeugen könnte, dass wir einst hier unter den Augen der Götter für Gesetz und Ordnung eingestanden sind. Ich biete dem Mann, der uns dessen berauben will, entschlossen die Stirn. Ich widersetze mich ihm und werde nicht eher ruhen, als bis er tot ist."
Viele der Senatoren waren mit leuchtenden Augen aufgesprungen. Doch Pompeius würdigte sie keines Blickes. Er verachtete sie. Es waren alles Männer, die mehr heiße Luft als Mut in sich hatten. Dem Senat hatte es nie an Rednern gemangelt, aber jetzt gehörte das Rednerpult ihm.
"Meine Legion hat augenblicklich nicht ihre volle Stärke, und nur ein Narr würde Cäsars Soldaten ihre in den gallischen Kriegen erworbene Erfahrung absprechen. Selbst mit den Wachen der Forts entlang der Straßen sind wir nicht stark genug, um einen Sieg zu garantieren. Glaubt ja nicht, ich sehe alldem leichtfertig entgegen. Ich nehme diese Nachrichten mit Schmerz und Zorn auf, aber ich werde ihn nicht von unseren Toren aus verhöhnen und dann zusehen, wie mir meine Stadt gestohlen wird."