Accabadora - Murgia, Michela

Michela Murgia 

Accabadora

Roman. Von der Darmstädter Jury als Buch des Monats April 2010 ausgezeichnet

Übersetzung: Brandestini, Julika
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Produktbeschreibung zu Accabadora

Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln, wenn sie die Straße hinunterlaufen. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, »die Letzte« und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer schnörkellosen, poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf. Dieser Roman ist sinnlich, radikal und verblüffend gegenwärtig.

Produktinformation


  • Verlag: Wagenbach
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 173 S.
  • Seitenzahl: 173
  • Quartbücher
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 143mm x 20mm
  • Gewicht: 336g
  • ISBN-13: 9783803132260
  • ISBN-10: 3803132266
  • Best.Nr.: 27978035

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Diese "eigenwillige Variante des Entwicklungsromans" hat Maike Albath gut gefallen, und Michaela Murgia trägt damit aus ihrer Sicht weiter zur gegenwärtigen Renaissance der sardischen Literatur bei. Seine Sogkraft bezieht das Buch für die Kritikerin aus den Schilderungen der zahlreichen heidnischen Gepflogenheiten der sardischen Kultur, die ihr "einem ursprünglicheren Verhältnis zu Leben, Tod und Leid" geschuldet zu sein scheinen. Beeindruckt schildert sie eindringliche archaische Bilder aus dem "erzählerischen Universum" des Romans. Bei der Schilderung der Geschichte ihrer ungewöhnlichen Heldin folge die Autorin dem Muster der mündlichen Erzählung, deren Hauptmerkmale für die Kritikerin viele "Wiederholungen, Elemente aus Legenden und eine bildhafte Sprache" sind.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.04.2010

Es ist eine Schneiderin, die heißt Tod
Sardiniens Mythen: Michela Murgias dichtes Debüt

In abgelegenen, kargen, sonnenversengten Landstrichen brodelt unter dem Firnis der Zivilisation eine archaische Welt - seit mehr als hundert Jahren ist dies ein fruchtbares Thema der italienischen Literatur, von Giovanni Verga bis Carlo Levi. Zu den Territorien des Archaischen zählt Sardinien, die geographisch und sprachlich isolierte Insel, stummes Gegenstück zur alten Kulturregion Sizilien.

Michela Murgia wählt in ihrem Erstlingsroman "Accabadora" zwei der urtümlichen sardischen Bräuche als zentrale Motive: Das Kind einer armen Mutter kann als "Kind der Seele" (fillus de anima beziehungsweise fill'e anima) von einer begüterten, kinderlosen Frau adoptiert werden. Die titelgebende Accabadora hingegen ist eine (vielleicht mythische) Frauenfigur, eine Art Magierin, die Siechenden auf Wunsch Sterbehilfe leistet.

Die Heldin von "Accabadora" sieht sich mit beiden Institutionen konfrontiert: Maria Listru, sechs Jahre, wird von ihrer Mutter Anna Teresa, einer Witwe, die "bitterarm" und kinderreich ist, der relativ wohlhabenden Bonaria Urrai, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.05.2010

Der Nebenberuf der Schneiderin
Wo das Italienische ungeliebt und der Tod allgegenwärtig ist: Michela Murgias Sardinien-Roman „Accabadora“
Geburt und Tod bilden ein Paar, das es mit einer Reihe interessanter Tricks geschafft hat, als das Allernatürlichste auf der Welt durchzugehen. Der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen scheint sich hartnäckig in einen Restzipfel von verklärter Natürlichkeit zu hüllen, vielleicht, weil Anfang und Ende nicht so profan dastehen sollen wie der Rest dazwischen. Dabei ist das vermeintlich Allernatürlichste – das Geborenwerden genauso wie das Sterben – gerade das Allerkünstlichste. Dort, wo die Dinge angeblich wie mystisch geschmiert von allein passieren, gibt es helfende Hände, die hinein- und hinausbefördern – das bezeugt nicht nur die Geschichte der Geburtshilfe, sondern auch die Geschichte des Todes.
Von zupackenden Händen erzählt Michela Murgias Roman „Accabadora“, der im Sardinien der fünfziger Jahre spielt. In diesem bäuerlichen Kosmos ist wenig Platz für sentimentale Wallungen, aber jenseits des kargen Taglebens blühen Zaubersprüche und magische Kräfte. Ganz ähnlich klingt auch die Sprache, …

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Michela Murgia, geboren 1972 in Cabras/Sardinien, studierte Theologie und unterrichtete Religion. Nach einigen Jahren in Mailand lebt sie seit kurzem wieder in Sardinien.

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Kundenbewertungen zu "Accabadora" von "Michela Murgia"

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Valadon aus Mandela am 09.06.2010 ***** ausgezeichnet
Oh nein, es geht weiß Gott nicht nur um Sterbehilfe, es geht ums Erwachsen- und damit Bewusst-Werden des Lebens in seinem vollen Umfang, "consapevole" im Italienischen, es geht um Pädophilie und schuldigen oder unschuldigen Sex, um Gerechtigkeit und Rache, den Wunsch zu sterben von Alt und Jung und um Verwandte, die den Alten endlich loswerden wollen, um Armut und Reichtum, Bildung und Analphabetentum, die hier viel zitierte archaische und die moderne Welt, um Lügen und Schweigen, und es geht endlich einmal darum, dass die Grenzen zwischen all diesen Gegensätzen gar nicht eindeutig sind, sondern fließen, dass die archaische und die moderne Welt sich eigentlich gar nicht sonderlich unterscheiden, fill’e anima, Töchter der Seele heißt das wörtlich, - und um Seelen geht es oft genug in diesem Roman - gibt es auch heute noch, man reist eben nur ins ferne, arme Ausland. Und das Erfrischende, Erholsame an diesem Roman ist ja gerade, dass die Hauptfigur lernt und bereit ist, die Realität, das Leben in seinem vollen Umfang zu akzeptieren, ohne den Druck von falschen Moralpredigten, die durchaus vorhanden sind, sie aber nicht ernsthaft berühren.

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  • 2010
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  • Quartbücher
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 143mm x 20mm
  • Gewicht: 336g
  • ISBN-13: 9783803132260
  • ISBN-10: 3803132266
  • Best.Nr.: 27978035

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Beschreibung

Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln, wenn sie die Straße hinunterlaufen. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, »die Letzte« und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer schnörkellosen, poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf. Dieser Roman ist sinnlich, radikal und verblüffend gegenwärtig.

09.04.2010

Es ist eine Schneiderin, die heißt Tod
Sardiniens Mythen: Michela Murgias dichtes Debüt

In abgelegenen, kargen, sonnenversengten Landstrichen brodelt unter dem Firnis der Zivilisation eine archaische Welt - seit mehr als hundert Jahren ist dies ein fruchtbares Thema der italienischen Literatur, von Giovanni Verga bis Carlo Levi. Zu den Territorien des Archaischen zählt Sardinien, die geographisch und sprachlich isolierte Insel, stummes Gegenstück zur alten Kulturregion Sizilien.

Michela Murgia wählt in ihrem Erstlingsroman "Accabadora" zwei der urtümlichen sardischen Bräuche als zentrale Motive: Das Kind einer armen Mutter kann als "Kind der Seele" (fillus de anima beziehungsweise fill'e anima) von einer begüterten, kinderlosen Frau adoptiert werden. Die titelgebende Accabadora hingegen ist eine (vielleicht mythische) Frauenfigur, eine Art Magierin, die Siechenden auf Wunsch Sterbehilfe leistet.

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15.05.2010

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Von zupackenden Händen erzählt Michela Murgias Roman „Accabadora“, der im Sardinien der fünfziger Jahre spielt. In diesem bäuerlichen Kosmos ist wenig Platz für sentimentale Wallungen, aber jenseits des kargen Taglebens blühen Zaubersprüche und magische Kräfte. Ganz ähnlich klingt auch die …

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Kundenbewertungen zu "Accabadora" von "Michela Murgia"

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5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
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Bewertung von Valadon aus Mandela am 09.06.2010
*****
ausgezeichnet
Oh nein, es geht weiß Gott nicht nur um Sterbehilfe, es geht ums Erwachsen- und damit Bewusst-Werden des Lebens in seinem vollen Umfang, "consapevole" im Italienischen, es geht um Pädophilie und schuldigen oder unschuldigen Sex, um Gerechtigkeit und Rache, den Wunsch zu sterben von Alt und Jung und um Verwandte, die den Alten endlich loswerden wollen, um Armut und Reichtum, Bildung und Analphabetentum, die hier viel zitierte archaische und die moderne Welt, um Lügen und Schweigen, und es geht endlich einmal darum, dass die Grenzen zwischen all diesen Gegensätzen gar nicht eindeutig sind, sondern fließen, dass die archaische und die moderne Welt sich eigentlich gar nicht sonderlich unterscheiden, fill’e anima, Töchter der Seele heißt das wörtlich, - und um Seelen geht es oft genug in diesem Roman - gibt es auch heute noch, man reist eben nur ins ferne, arme Ausland. Und das Erfrischende, Erholsame an diesem Roman ist ja gerade, dass die Hauptfigur lernt und bereit ist, die Realität, das Leben in seinem vollen Umfang zu akzeptieren, ohne den Druck von falschen Moralpredigten, die durchaus vorhanden sind, sie aber nicht ernsthaft berühren.
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03.07.2010

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Autorenporträt zu "Michela Murgia"

Michela Murgia, geboren 1972 in Cabras/Sardinien, studierte Theologie und unterrichtete Religion. Nach einigen Jahren in Mailand lebt sie seit kurzem wieder in Sardinien.

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