Abschied von der Zwei-Staaten-Lösung? Seit sechzig Jahren ist der
Nahost-Konflikt ein Problem der Weltpolitik, das trotz zahlloser
Lösungsvorschläge bis heute ungelöst ist - die aktuelle Situation
scheint sogar verfahrener denn je. In einer solchen Situation,
argumentiert Sari Nusseibeh, einer der bekanntesten
palästinensischen Philosophen und seit Jahren aktiv in den
Friedensprozess involviert, muss man über die eingefahrenen Muster
hinausdenken. Um einen Raum zu öffnen, in dem der Frieden nicht nur
denkbar ist, muss man sich die essentiellen Fragen neu stellen: Wie
konnte es so weit kommen? Was zählt im Alltag der Menschen? Und
wozu soll ein Staat überhaupt dienen?
Sari Nusseibehs provokante Reflexion ist ein intellektuelles wie
emotionales, vermittelndes Plädoyer für eine humane
Zivilgesellschaft in Nahost, für eine neue Roadmap zum Frieden.
Alexandra Senfft findet Sari Nusseibehs Buch "Ein Staat für Palästina?" provokant, hätte es vom Autor aber auch nicht anders erwartet. Die Ideen, die Nusseibeh äußert, sind nicht neu, erklärt die Rezensentin: Er spricht sich für einen gemeinsamen Staat aus, in dem die Palästinenser zwar nicht an der Politik beteiligt wären, aber zumindest freiheitliche Rechte genießen könnten. Den Umstand, dass ein palästinensischer Intellektueller sich für eine solche Lösung ausspricht, findet Senfft beachtlich, besonders angesichts der Bemühungen Palästinas, von der UN als eigenständiger Staat anerkannt zu werden. Der Rezensentin gefällt die Argumentation des Autors, auch wenn sie skeptisch ist, ob die Mehrheit der Israelis und Palästinenser ihre Meinung teilen würden.
Sari Nusseibeh, geboren 1949, ist seit 1995 Präsident der Al-Quds-Universität, der einzigen arabischen Universität in Jerusalem, an der er auch Philosophie lehrt. Von 2001 bis 2002 war er Statthalter der PLO in Jerusalem und ist seit Jahren auf vielfältige Weise in den Friedensprozess involviert. Er lebt mit seiner Familie in Jerusalem. 2003 wurde er mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet. Im Jahr 2010 erhielt er den Siegfried Unseld Preis.
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