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Gescheckte Menschen
Ausgezeichnet mit dem Prix Femina für ausländische Literatur 2004
Aus d. Engl. v. Henning Ahrens
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
Produktinformation
- Verlag: KNAUS
- 2004
- Ausstattung/Bilder: 2004. 316 S.
- Seitenzahl: 316
- Deutsch
- Abmessung: 22 cm
- Gewicht: 536g
- ISBN-13: 9783813502299
- ISBN-10: 3813502295
- Best.Nr.: 12431787
Leseprobe zu "Gescheckte Menschen"
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Produktbeschreibung zu "Gescheckte Menschen"
Beschreibung
Als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter beseelte ihn ein Kinderleben lang nur ein Wunsch: endlich irgendwo hinzugehören. Nach Frank McCourts Weltbestseller Die Asche meiner Mutter wieder ein lebenskluges Erinnerungsbuch aus Irland.
Hugo lebt in einem Land, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Der kleine Junge wurde in Irland geboren und wächst in Dublin auf, er geht jeden Abend in Deutschland zu Bett und steht am Morgen in Deutschland wieder auf. Er und sein Bruder tragen Lederhosen aus Bayern und Aran-Pullis aus Connemara, und sie sprechen kein Englisch, dafür aber Deutsch und Gälisch, was niemand in ihrer Straße versteht. Denn Hugo und seine Geschwister sind braec gescheckt, eine Mischung verschiedener Elemente, die zu einem neuen Ganzen zusammengefügt wurden.
Die Mutter ist aus dem kriegszerstörten Deutschland geflohen, der Vater will mit seiner Familie ein Bollwerk gegen alles Englische errichten. Es ist ein Traum, den er alleine träumt. Hugo registriert den hilflosen Nationalismus des Vaters und die Trauer der Mutter. Er sieht ihre Tränen und lässt sich doch von ihren sanften Trostgeschichten verzaubern. Aber wo genau ist sein Platz in dieser Welt? Was genau ist Heimat?
Ein faszinierendes Buch, das hinter jedem Wort das Schweigen, hinter der Liebe die Einsamkeit und hinter jedem Witz die Trauer spüren lässt. Kongenial übersetzt von Henning Ahrens.
Leseprobe zu "Gescheckte Menschen" von Hugo Hamilton
1
Wenn du klein bist, weißt du nichts.
Als ich klein war, erwachte ich in Deutschland. Ich hörte die
Glocken, rieb mir die Augen und sah, wie der Wind die Vorhänge
bauschte. Ich stand auf, sah aus dem Fenster und erblickte Irland.
Und nach dem Frühstück gingen wir alle aus der Haustür nach Irland
und besuchten die Messe. Und nach der Messe gingen wir zum großen,
grünen Park am Meer, weil ich Mutter und Vater zeigen wollte, dass
ich auf einem Ball stehen und bis drei zählen konnte, bevor der
Ball unter meinen Füßen wegflutschte. Ich lief ihm nach, aber die
Sonne blendete mich, und ich stolperte über einen Mann, der auf dem
Rücken und mit offenem Mund im Gras lag. Er richtete sich ruckartig
auf und sagte: "What the Jaysus?" Er sagte mir, ich solle
in Zukunft besser aufpassen. Also rappelte ich mich rasch auf und
lief zurück zu Mutter und Vater. Ich erzählte ihnen, dass der Mann
"Jaysus" gesagt hatte, aber beide wandten mir den Rücken
zu und lachten das Meer an. Vater lachte und blinzelte hinter
seiner Brille, und Mutter hielt eine Hand vor den Mund und lachte
das Meer an, bis ihr die Tränen kamen, und ich dachte, vielleicht
lacht sie gar nicht, …
Leseprobe zu "Gescheckte Menschen" von Hugo Hamilton
27.05.2004
Deutsch schlafen, irisch träumen
Nebelland: Hugo Hamilton sucht seine Kindheit und stößt auf
Joyce
Kindheitsgeschichten erzählen immer zweierlei. Zum einen erzählen
sie von jener abgeschiedenen Erinnerungswelt, dem Heimatland der
Phantasie, das wohl vertraut und doch zugleich verloren scheint.
Zum anderen erzählen sie vom Hier und Jetzt, dem Standpunkt des
gegenwärtigen Beobachters, der dies zu fassen und uns mitzuteilen
sucht. Wer die Vergangenheit, der er erwachsen ist, zur
literarischen Spurensuche ausschreibt, verfaßt stets seinen eigenen
Steckbrief.
Denn Kindheitserinnerungen sind immer auch ein Spionagespiel. Wie
zuletzt Michael Frayn in seinem subtilen Rätselroman über eine
deutsch-englische Familiengeschichte gezeigt hat (F.A.Z. vom 14.
Februar), bleibt alle Vergangenheitserkundung auf Mutmaßungen
angewiesen, die letztlich den Erzähler selbst als einen Spion
ausweisen. Dies gilt erst recht für Autobiographen. Als
vorsätzliche Türsteher des eigenen Lebens verharren sie auf jener
heiklen Schwelle, die das Ich vom Er scheidet und dabei vom
Erinnern zum Erinnerten führen soll.
Mit "Gescheckte Menschen" begibt sich nun …
17.05.2004
Die Zunge ist ein empfindliches Organ
Der irische Schriftsteller Hugo Hamilton erzählt von seiner Kindheit im irisch-englisch-deutschen Bannkreis
Wie in älteren Kindheitsgeschichten gibt es auch in dieser, deren Schauplatz die späten Fünfziger und die Sechziger Jahre sind, ein Puppentheater. „Man steht hinter dem Puppentheater, die Puppe in der Hand, und kann nicht gesehen werden. Niemand weiß, dass man da ist. Dann zieht man an der Schnur, und der Vorhang geht auf, und man lässt die Puppe vor die Zuschauer treten. Man kann sagen, was man will. Man kann mit verstellter Stimme sprechen und sich alle möglichen Geschichten ausdenken. Man kann sich hinter der Geschichte verstecken, und das ist ein bisschen, als wäre man unter Wasser, denn alles, was man sagt, steigt als Blasen auf zur Oberfläche.”
In dem Stück, das die Kinder vor den eigens angereisten Onkeln und Tanten, den kleinen Geschwistern und den Enkeln aufführen, geht es um einen Hund, der keinen Namen hat und niemandem gehört und den ganzen Tag bellt, bis er heiser ist und keine Stimme mehr hat. Und es geht um einen Mann namens Arnulf, der allen anderen Puppen im Stück den Mund …
29.04.2004
Uwe Pralle ist von diesem autobiografischen Roman des irischen
Autors Hugo Hamilton sehr beeindruckt. Hamilton erzählt dabei aus
der Perspektive des Kindes von seiner Kindheit und Jugend, die
durch die deutsche Mutter und den ultranationalistischen irischen
Vater geprägt ist, fasst der Rezensent zusammen. In der Familie
herrscht ein "Sprachkrieg", der es dem Jungen verbietet,
Englisch - die Sprache der Eroberer - zu sprechen und der zu Hause
nur Deutsch oder Gälisch sprechen darf, was aber im Dublin der
Nachkriegszeit außerhalb des Familienkreises kaum einer versteht,
erklärt Pralle den Grundkonflikt der Hauptfigur. Er sieht es als
großes Verdienst Hamiltons, konsequent die kindliche Perspektive
beizubehalten, ohne ins "Infantile" abzugleiten und
findet, dass es dem Autor glänzend gelingt, in der "Komik des
Familienlebens" auch die "Bitterkeiten" aufscheinen
zu lassen. Sich nur auf den Blick des Kindes zu verlassen, um die
schwierigen, dabei aber auch geborgenen Familienverhältnisse
darzustellen, dazu braucht es großen "literarischen Mut",
der dem Rezensenten Bewunderung abringt. Außerdem gefällt ihm, dass
in dem Roman kein "literarischer Vatermord" stattfindet,
wie er am Schluss seiner Kritik betont.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
"Ein fantastisches Werk, nachdenklich und kraftvoll, klug und
einzigartig, traumhaft schön geschrieben." (Nick Hornby)
"Das fesselndste Buch, das ich seit Jahren gelesen habe.
Faszinierend, ergreifend und immer wieder ungeheuer komisch."
(Roddy Doyle)
"Ein hinreißend schönes Buch, heiter und nachdenklich,
sensibel und entschlossen, mit einem wunderbaren Sinn für Humor und
einem Hauch von Tragik. Ich habe die Lektüre sehr genossen."
(Bernhard Schlink)
Rezension
"Ein fantastisches Werk, nachdenklich und kraftvoll, klug und
einzigartig, traumhaft schön geschrieben."
Nick Hornby
"Das fesselndste Buch, das ich seit Jahren gelesen habe.
Faszinierend, ergreifend und immer wieder ungeheuer
komisch."
Roddy Doyle
"Ein hinreißend schönes Buch, heiter und nachdenklich,
sensibel und entschlossen, mit einem wunderbaren Sinn für Humor und
einem Hauch von Tragik. Ich habe die Lektüre sehr
genossen."
Bernhard Schlink
Rezensionen und Kritik
"Das fesselndste Buch das ich seit Jahren gelesen habe. Faszinierend, ergreifend und immer wieder ungeheuer komisch."
Autorenporträt zu "Hugo Hamilton"
Hugo Hamilton wurde 1953 als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter in Dublin geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, bevor er Kurzgeschichten und Romane veröffentlichte. Als DAAD-Stipendiat lebte und arbeitete er 2001/2002 ein Jahr lang in Berlin. Hugo Hamilton lebt mit seiner Familie in Dublin. 2004 erhält er in Paris den "Femina-Preis" für ausländische Literatur.
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