Leseprobe zu "Wikimanagement (eBook)" von Franziska Wauch Ayelt Komus
A Das Social Software-Phänomen – Das Mitmach-Internet (S. 1-2)
„Wenn Sie diesen Text lesen und er Ihnen nicht gefällt – ja, dann
schreiben Sie doch einfach selbst einen. Aber rechnen Sie damit,
dass er immer wieder umgeschrieben, verbessert, gekürzt und womöglich
gelöscht wird, falls er nicht auf breite Zustimmung stößt.
Dieses Prinzip ist total modern und heißt ‚Wikisophie.".
Titus Arnu, „Bürger Jounalist",
in: Süddeutsche Zeitung vom 10. Dezember 2004, S. 35
A.1 Social Software-Systeme und Web 2.0
Die Verbreitung und der Umgang mit Wissen haben sich in den letzten Jahrhunderten enorm gewandelt. Die Entwicklung der Schrift war der entscheidende Schritt, um Wissen über Personen, Zeit und Raum zu speichern und zu transportieren. Als im Mittelalter von einer kleinen Elite bestimmt wurde, welches Wissen übermittelt wird, war die handschriftliche Wissensspeicherung auf wenige Personen begrenzt, fehleranfällig und vor allem die Vervielfältigung sehr kostenintensiv. Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg führte zu einer regelrechten Revolution und zu einer neuen Form der Verbreitung des Wissens, des Wissensaustausches und der Wissensentwicklung. Die Kosten der Vervielfältigung fielen und Kopierfehler reduzierten sich. Damit war ein wichtiger Grundpfeiler für die Entstehung der heutigen Wissensgesellschaft gelegt.1
Im Laufe der Zeit verbreiteten Wissenschaftler, Autoren, Journalisten und Verleger eine neue Vielfalt an relevanten und irrelevanten Informationen, wobei der Zugang zur Gestaltung der Massenmedien de facto auf eben diese überschaubare Gruppe begrenzt war. Journalisten, Autoren und Wissenschaftler konnten ihre Informationen und ihre Sicht auf die Dinge publizieren. Doch für andere Gruppen waren die Zugangsbarrieren nach wie vor sehr hoch, so dass ihre Ansichten und ihr Wertschöpfungspotenzial verborgen blieben.
Mit den neuen Social Software-Systemen und den durch die Nutzer generierten Inhalten im Web 2.0 steht die Gutenberg’sche Druckerpresse im übertragenen Sinne nun allen kostengünstig und einfach zur Verfügung. Was dies tatsächlich bedeutet, lässt sich noch nicht erahnen. Bereits heute aber lässt sich erkennen, dass mit der neuen Medienwelt auch viele andere Einflussfelder den Alltag von Privatleuten und Unternehmen verändern. Dies wird in vielen Beispielen deutlich.
In der Berichterstattung rund um die erfolgreichen und oft auch kritisch betrachteten Geschichten im offener gewordenen World Wide Web vermischt sich noch vieles. Klare Definitionen und Abgrenzungen von Grundbegriffen wie Web 2.0 und Social Software werden noch diskutiert.
Einzelne Autoren unterscheiden zwischen Web 2.0 und Social Software,2 insgesamt ist es aber schwer, eine durchgängige, allgemein gebräuchliche Unterscheidung zwischen den Begriffen festzustellen, so dass in diesem Text auf eine Differenzierung zwischen den beiden Begriffen verzichtet wird.
Der Begriff Web 2.0 wurde von Tim O’Reilly und Dale Dougherty geprägt. Im Wesentlichen basiert nach O’Reilly das populär gewordene Schlagwort auf wenigen Prinzipien und Kernkompetenzen, die sich unter anderem durch Gegenüberstellung von herkömmlichen und neuen Web-Applikationen ergeben. So stand beispielsweise im klassischen Web 1.0 die von Experten erstellte und von Nutzern nur gegen Entgelt nutzbare Encyclopaedia Britannica als Nachschlagewerk zur Verfügung, im Web 2.0 ist es die kostenlose, freie, von Nutzern erstellte Wikipedia. Private Websites sind zunehmend durch Blogs ersetzt worden, die den Nutzern die Gelegenheit zur Vernetzung geben und Lesern die Möglichkeit zu Kommentaren. Zentrale Punkte sind die Nutzung von zentralen Webplattformen statt standardisierter Paketsoftware, das Vertrauen in Anwender als Mitentwickler und die Nutzung von Netzwerkeffekten und kollektiver Intelligenz sowie die Erreichung neuer Geschäftsmodelle. Inhalte sind im Web 2.0 wichtiger als das Design. Die nachfolgende Mindmap zeigt die seinerzeit erarbeiteten Grundsätze des Web 2.0.
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