Die neue Weltwirtschaftskrise - Krugman, Paul R.
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Paul R. Krugman 

Die neue Weltwirtschaftskrise

Mit einem Vorw. zur aktuellen Lage in Deutschland

Übersetzer: Allgeier, Herbert; Griese, Friedrich
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Produktbeschreibung zu Die neue Weltwirtschaftskrise

Wirtschaftsnobelpreis 2008 für Paul Krugman

Schon vor zehn Jahren wies Paul Krugman auf die Rückkehr der ökonomischen Missstände hin, die die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre ausgelöst haben. Doch im Boom nach der Jahrtausendwende wurde seine Warnung vergessen. Jetzt steht eine neue Weltwirtschaftskrise vor unserer Tür. In seinem Buch zeigt der Nobelpreisträger, wie die mangelnde Regulierung der Finanzmärkte die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Weltwirtschaftskrise schuf. Er legt dar, welche Schritte unternommen werden müssen, damit die Krise eingedämmt und die Weltwirtschaft vor dem Absturz in eine tiefe Rezession bewahrt werden kann. Brillant geschrieben, in Krugmans typischem Stil - klar und deutlich, lebendig und unterhaltsam, dabei zugleich enorm fundiert -, wird dieses Buch sofort nach Erscheinen zu einem Grundpfeiler in der Debatte zur Lösung der Krise werden.

Produktinformation


  • Verlag: Campus Verlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 248 S.
  • Seitenzahl: 248
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 150mm x 25mm
  • Gewicht: 445g
  • ISBN-13: 9783593389332
  • ISBN-10: 3593389339
  • Best.Nr.: 25649536
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.05.2009

Mehr muss her
Paul Krugmans altes Buch zur neuen Krise

Paul Krugman hat ein neues Buch geschrieben, das eigentlich ein altes ist. Vor zehn Jahren erschien "Die große Rezession - Was zu tun ist, damit die Weltwirtschaft nicht kippt", und Krugmans aktuelles Werk, "Die neue Weltwirtschaftskrise", ist letztlich eine um einige Kapitel ergänzte Neuauflage des alten, das sich vor allem um die Asien-Krise drehte. Dass Krugman ein altes Buch zur neuen Krise veröffentlicht hat, passt zu seiner These, dass auch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise ähnliche Ursachen hat wie die Krisen der jüngeren Vergangenheit.

Die Aufforderung des Nobelpreisträgers lautet deshalb, aus früheren Fehlern zu lernen. Überhaupt fordert der derzeit vielleicht bekannteste Ökonom der Welt gerne und viel. Von der deutschen Regierung etwa mehr Geld gegen die Krise. Im eigens für die deutsche Ausgabe geschriebenen Vorwort geht Krugman mit Berlin hart ins Gericht und kritisiert den - inzwischen bekanntermaßen aufgegebenen - Versuch, sich dem Milliardenwettlauf gegen die Krise zu widersetzen. "Aus unerfindlichen Gründen", schreibt Krugman, "scheinen deutsche …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Da auch bei der aktuellen Wirtschaftskrise wieder geradezu mittelalterliche Vorstellungen von ihren Auslösern aufkämen, findet es Wolfgang Uchatius sehr begrüßenswert, dass sich drei Bücher anschicken, über die Wirtschaft aufzuklären. Der 2008 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichneten Paul Krugman erklärt in seinem Buch "Die neue Wirtschaftskrise" grundsätzlich den Kapitalismus und seine Mechanismen, und wenn man ihm glauben darf, ist eigentlich alles ganz einfach, teilt der Rezensent mit. Laut Autor ist der Kapitalismus nichts anderes als eine große Maschine, die, wenn sie nicht mehr funktioniert, eben auf technische Fehler untersucht und repariert werden muss. Uchatius stellt fest, dass es sich bei dem Band um das aktualisierte Werk "Die große Rezession" handelt, das Krugman vor zehn Jahren veröffentlicht hat. Der Rezensent weist dankenswerter Weise darauf hin, dass Krugmann in der Neufassung Alan Greenspan eine Mitschuld an der gegenwärtigen Krise gibt, während der Autor im alten Buch Greenspan noch als Krisenverhinderer lobte. So einfach ist das mit dem Kapitalismus wohl doch nicht, auch wenn Krugman es nicht "zugeben will", konstatiert Uchatius.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.03.2009

Wirtschaftsbuch
Das Krisen-Rezept vom Nobelpreisträger
Paul Krugman ist einer der bekanntesten Wirtschaftsprofessoren der Welt. Gerne rechnet der amerikanische Ökonom mit der Wirtschaftspolitik der jeweiligen US-Regierung ab. So geschehen im Jahr 1999, als er die Politik von George W. Bush in einem neuen Buch scharf kritisierte. Dieser habe die Asienkrise nur als asiatisches Phänomen betrachtet, statt sie als Warnung für weltweite Einbrüche zu sehen, schrieb Krugman.
Im vergangenen Jahr hat der Ökonom den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen – und das verschafft ihm Aufmerksamkeit für die Neuauflage des Buches aus dem Jahr 1999 unter dem Titel Die neue Weltwirtschaftskrise. Darin erklärt Krugman, wie es zum Abschwung kommen konnte und was zu tun ist. Weder aus der Krise in Asien, noch aus denen in Lateinamerika habe man gelernt, schreibt der Wissenschaftler. So konnte die US-Immobilienkrise auf die Banken überspringen und die Weltwirtschaft in einen beispiellosen Abwärtsstrudel ziehen.
Die Situation erinnere an die Krisenzeiten der 30er Jahre, meint Krugmann. Doch das heutige Debakel wäre vermeidbar gewesen, wenn man die Asienkrise ernst genommen und …

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An den Finanzmärkten ging es in den Jahren vor der Krise wie in einem Kasino zu: Immer mehr Menschen drängten an die Spieltische, in der Hoffnung, mühelos zu Geld zu kommen. Am Ende begriff niemand mehr, warum es fast nur Gewinner zu geben schien, geschweige denn, wie die Spielregeln lauteten. Nur eines war anscheinend bombensicher: Eine zweite Große Depression würde es nie mehr geben. Schließlich hatte man ja aus den Fehlern der ersten gelernt, oder? Ganz und gar nicht, rief Paul Krugman schon 1999 aus der Wüste und warnte in der ersten Auflage dieses Buchs vor westlicher Selbstgefälligkeit. Und siehe da, der prophezeite Schlamassel trat ein. Grund genug, die erweiterte Neuauflage zu lesen. Außerdem ist Krugmans Talent, komplexe ökonomische Zusammenhänge verständlich zu machen, nach wie vor unerreicht. Kapieren geht vor reformieren, findet getAbstract und legt das Buch allen ans Herz, die begreifen möchten, wie wir uns derart verspekulieren konnten.
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23.07.2010, Handelsblatt Urlaubslektüre: Krugman oder Krimi? "Ich lese das Buch von Paul Krugman, um besser zu verstehen, warum er die Ausgabenpolitik der Industriestaaten so massiv kritisiert." René Obermann, Deutsche Telekom
Paul Krugman, geboren 1953, lehrt an der Princeton University und ist einer der bedeutendsten und bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler der Welt. 2008 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Er gilt als der wichtigste politische Kolumnist Amerikas und als sprachgewaltigster Ökonom unserer Zeit.

Leseprobe zu "Die neue Weltwirtschaftskrise" von Paul R. Krugman

Einleitung

Die meisten Ökonomen - sofern sie sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen - halten die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre für eine unnötige, vermeidbare Tragödie. Wenn nur der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Herbert Hoover angesichts des Konjunkturrückgangs weniger Haushaltsdisziplin geübt hätte; wenn nur die Notenbank (Federal Reserve) nicht auf Gedeih und Verderb zulasten der heimischen Wirtschaft am Goldstandard festgehalten hätte; wenn nur der Staat den bedrohten Banken mit Liquidität zu Hilfe geeilt wäre, um dem Bankenansturm, der sich 1930/31 anbahnte, frühzeitig zu wehren - dann hätte der Börsenkrach des Jahres 1929 nie solche Konsequenzen zeitigen können. Alles wäre bei einer ganz normalen, schon bald vergessenen Rezession geblieben. Und da ja Ökonomen wie Politiker ihre Lektion anscheinend gelernt haben, wird sich eine Depression dieses Kalibers bestimmt niemals wiederholen. Kein heutiger Finanzminister würde Andrew Mellons berühmtem Ratschlag folgen und mit einer Radikalkur alles vor die Hunde gehen lassen (alles "liquidieren" - Arbeitsplätze, Börse, Farmer, Immobilien et cetera), um das System gleichsam von Grund auf zu sanieren.

Aber ist diese Zuversicht wirklich gerechtfertigt? Ende der neunziger Jahre geriet eine Gruppe asiatischer Volkswirtschaften - die zusammengenommen immerhin für ein Viertel der Weltproduktion sorgten und eine Bevölkerung von rund 700 Millionen aufwiesen - in eine Wirtschaftskrise, die in geradezu beängstigender Weise an die große Depression der dreißiger Jahre erinnerte. Wie in den Dreißigern schlug die Krise gleich einem Blitz aus heiterem Himmel zu, wobei die meisten Kommentatoren noch eine Fortsetzung des Booms prognostizierten, als der Abschwung längst an Dynamik gewonnen hatte; und wie in den Dreißigern erwiesen sich die gängigen wirtschaftlichen Rezepte als unwirksam, vielleicht sogar als kontraproduktiv. Die Tatsache, dass so etwas in unserer modernen Welt überhaupt noch geschehen konnte, hätte jedem, der einen Sinn für Geschichte hat, einen Schauer über den Rücken jagen sollen.

Mir jedenfalls erging es so. Die erste Auflage dieses Buches entstand als Reaktion auf die Asienkrise der neunziger Jahre. Während manche Beobachter diese Krise als spezifisch asiatisches Phänomen betrachteten, sah ich sie als ein schlechtes Omen für uns alle - als Warnung, dass die Probleme nachhaltiger Konjunktureinbrüche keineswegs aus der modernen Welt verschwunden sind. Es stimmt mich durchaus nicht fröhlich, dass ich mit meinen Befürchtungen Recht behalten habe: Während diese Neuauflage in Druck geht, kämpft ein Großteil der Welt - und zuvörderst die Vereinigten Staaten - mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise, die der großen Depression der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts eher noch stärker ähnelt, als dies bei der Asienkrise der neunziger Jahre der Fall war.

Dabei glaubten wir, wirtschaftliche Schwierigkeiten der Art, wie Asien sie vor gut zehn Jahren erlebte und wie sie die Welt heute erneut bedrohen, inzwischen im Griff zu haben und somit verhindern zu können. Mochten in den schlechten alten Zeiten auch große, fortgeschrittene Länder mit stabilen Regierungen - wie Großbritannien in den zwanziger Jahren - mit längeren Stagnations- und Deflationsperioden ihre Probleme gehabt haben: Angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritte von John Maynard Keynes bis Milton Friedman, dachten wir, sollte es künftig kein Problem mehr sein, derlei Entwicklungen zu unterbinden. Mochten kleinere Länder - etwa Österreich 1931 - früher einmal den internationalen Kapitalströmen machtlos gegenübergestanden haben: Heute dürfte es angesichts des Sachverstands von Banken und Regierungen (ganz zu schweigen vom Internationalen Währungsfonds) keine Schwierigkeit mehr sein, rasch ein geeignetes Maßnahmenpaket zu schnüren, um solche Krisen rechtzeitig zu managen. Früher mochten Regierungen - wie 1930/31 die amerikanische - hilflos zugesehen haben, wie ihr Bankensystem zusammenbrach; doch in der modernen Welt gibt es ja schließlich die Einlagengarantie und außerdem eine mächtige Zentralbank, die solche Entwicklungen zu verhindern weiß, indem sie die bedrohten Einrichtungen rechtzeitig mit Liquidität versorgt. Zwar war kein vernünftiger Mensch so vermessen zu glauben, nun seien alle wirtschaftlichen Probleme ein für alle Mal vom Tisch; aber wir hatten schon das Gefühl, dass es so dick wie in den zwanziger und dreißiger Jahren nie mehr kommen könne.

Eigentlich aber hätten wir bereits vor zehn Jahren sehen müssen, dass unser Selbstbewusstsein arg überzogen war. Japan steckte fast die gesamten neunziger Jahre über in einer ökonomischen Falle, die Keynes und seinen Zeitgenossen vollkommen vertraut vorgekommen wäre. Die kleineren asiatischen Volkswirtschaften wiederum stürzten praktisch über Nacht vom Boom in die Baisse - doch auch das Drehbuch ihres Niedergangs könnte geradewegs einem Werk der Wirtschafts- und Finanzgeschichte der dreißiger Jahre entstammen.

Ich verglich das Ganze damals mit ehedem hoch infektiösen, dank der modernen Medizin aber längst als besiegt geltenden Bakterien, die sozusagen in einer neuen Variante aufgetaucht waren, gegen welche die üblichen Antibiotika nichts ausrichten konnten. Hier ein kurzer Auszug aus der Einleitung zur ersten Auflage: "Noch freilich ist die Zahl der Opfer gering. Dies kann jedoch für alle anderen nur heißen, alles daranzusetzen, um möglichst rasch neue Gegenmittel und prophylaktische Maßnahmen zu entwickeln, damit weitere Opfer vermieden werden."

Nun, wir waren dumm genug, den Rat nicht zu befolgen. Und jetzt hat es uns erwischt.

Ein Großteil dieser neuen Auflage beschäftigt sich mit der Asienkrise der neunziger Jahre, die sich als eine Art Vorläufer der globalen Krise herausstellt, mit der wir es gegenwärtig zu tun haben. Ergänzend findet sich jedoch auch umfangreiches neues Material, das Licht auf die Frage werfen soll, wie es dazu kommen konnte, dass die Vereinigten Staaten sich in einer ähnlichen Situation wiederfanden wie Japan ein Jahrzehnt zuvor, dass es Island nicht viel anders erging als damals Thailand und dass die ursprünglichen Krisenländer der neunziger Jahre sich mit Schrecken erneut am Rande des Abgrunds sahen.

Über dieses Buch

Ich will es vorweg sagen: Es handelt sich im Kern um eine analytische Abhandlung. Es geht mir also weniger um das Was, sondern um das Warum. Das Ziel ist, einige zentrale Zusammenhänge zu verstehen: Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen? Wie können sich die betroffenen Länder aus ihrer Misere befreien? Wie können wir Ähnliches in Zukunft verhindern? Letztlich geht es also darum, die Theorie des Falles zu entwickeln (wie man an den Business Schools sagen würde). Wir müssen versuchen, System in die Sache zu bekommen.

Gleichzeitig kam es mir jedoch darauf an, ein allzu trockenes und theorielastiges Vorgehen zu vermeiden. Der Leser wird also nicht mit mathematischen Gleichungen belästigt, so wenig wie mit schwer verständlichen Diagrammen. Und ich habe mich auch bemüht, Fachjargon möglichst beiseite zu lassen. Als an akademische Verhältnisse gewöhnter Ökonom würde es mir bestimmt nicht schwer fallen, ein Buch mit sieben Siegeln zu schreiben. Solche Fachpublikationen haben ja auch durchaus ihren Sinn und spielten eine wichtige Rolle im Erkenntnisprozess, dessen Ergebnisse ich hier präsentiere. Doch worauf es jetzt ankommt, sind sachgerechte politische Maßnahmen. Und um diese zu ermöglichen, müssen die gewonnenen Ideen und Einsichten einem breiteren Publikum - und nicht nur Fachkollegen - auf möglichst verständliche Weise dargeboten werden. Im Übrigen sind die Gleichungen und Diagramme der Volkswirtschaftslehre sowieso nur das Gerüst, mit dessen Hilfe das intellektuelle Gebäude errichtet wird. Sobald Letzteres steht, kann man das Gerüst wieder entfernen. Übrig bleiben sollte nur klarer, verständlicher Text.

Der Leser wird auch feststellen, dass ungeachtet des analytischen Grundanliegens viel Erzählerisches im Spiel ist. Dies hat zum einen damit zu tun, dass der Erzählfaden - die Entwicklung der Ereignisse - häufig wichtige Anhaltspunkte dafür liefert, welche Theorie des Falles denn sinnvoll ist. (Beispiel: Eine fundamentalistische Sicht der Wirtschaftskrise - die gleichsam annimmt, dass eine Volkswirtschaft immer nur die Strafe bekomme, die sie verdient - muss den sonderbaren Zufall erklären können, warum so viele offenkundig ganz verschiedene Volkswirtschaften binnen weniger Monate so tief in den Schlamassel gerieten.) Als weiterer Punkt kommt hinzu, dass der Erzählfaden erst den nötigen Kontext für die Erklärungsversuche schafft, zumal die wenigsten Leser mit der Entwicklung und den Geschehnissen der letzten eineinhalb Jahre hinreichend vertraut sein dürften. Nicht jeder wird zum Beispiel wissen, was Mohamad Mahathir im August 1997 in Kuala Lumpur von sich gab, und kaum jemand wird die Verbindungslinien zu dem ziehen können, was Donald Tsang ein Jahr später in Hongkong tat. Nun, dieses Buch soll dem Gedächtnis des Lesers auf die Sprünge helfen.

Eine Anmerkung zum Thema "intellektueller Stil": Wirtschaftsautoren sind oft versucht, sich prätentiös zu geben, vor allem bei so ernsten Themen. Natürlich geht es um sehr wichtige Dinge, nicht selten um Leben und Tod. Doch viele von ihnen scheinen zu glauben, dass ein ernstes Thema einen gespreizten Stil erfordere, dass große Fragen große Worte verlangten, dass Informelles und Lockeres da keinen Platz habe. Tatsache ist aber, dass man neuen und unverstandenen Phänomenen auf spielerische Weise viel eher auf den Grund kommt. Das Wort "spielerisch" benutze ich hier übrigens in voller Absicht. Denn den Salbungsvollen und Hochtrabenden, die alles Lockere grundsätzlich für unter ihrer Würde halten, gelingt es selten, für frischen Wind zu sorgen - in der Ökonomie so wenig wie anderswo. Nehmen wir folgende Aussage als relativ typisches Beispiel: "Japan leidet derzeit an fundamentalen Abstimmungsdefiziten, weil sein staatsorientiertes Wachstumsmodell zu struktureller Inflexibilität führt." Das hört sich gelehrt an, doch der Informationswert geht gegen Null. Bestenfalls bringt der Satz zum Ausdruck, dass die Probleme groß und die Lösungen schwierig sind - und Letzteres ist möglicherweise auch noch falsch. Nehmen wir demgegenüber an, ich illustriere Japans Schwierigkeiten anhand eines unterhaltsamen Beispiels, etwa dem Auf und Ab in einer Babysitting-Kooperative (dieses Beispiel wird in der Tat noch mehrfach auftauchen). Manchem Leser mag so etwas zu läppisch erscheinen, manch einen mag es gar befremden. Doch dieses spielerisch-lockere Vorgehen verfolgt einen wichtigen Zweck: Es eröffnet nämlich eine neue Sicht auf die Sache und legt in unserem Fall den Schluss nahe, dass es für Japan vielleicht tatsächlich einen überraschend einfachen Weg aus der Krise gibt (jedenfalls partiell). Erwarten Sie also kein hochgestochenes Buch! So ernst es mir mit meinem Anliegen ist, so locker und unprätentiös soll es - im Interesse der Sache - bei der Darstellung zugehen.

Und damit beginnen wir nun unsere Reise, ausgehend von jener Welt, wie sie sich uns vor wenigen Jahren noch darbot.

Leseprobe zu "Die neue Weltwirtschaftskrise" von Paul R. Krugman

Kapitel 6 Masters of the Universe (S. 142-143)

In den schlechten alten Zeiten, vor dem Siegeszug des Kapitalismus, war die Gestalt des bösen Spekulanten – des schwerreichen Übeltäters, der die Märkte zum Nachteil aller rechtschaffenen Arbeiter manipuliert – ein gängiges massenkulturelles Phänomen. Doch mit dem Niedergang des Kommunismus, dem Erfolg der Globalisierung und dem neu erwachten Vertrauen in die freien Märkte ereilte die Figur des bösen Spekulanten das Schicksal der Hexen und Hexenmeister: Ernsthafte Menschen vermochten solchem Hokuspokus nichts mehr abzugewinnen.

Niemand – außer ganz extremen Laisser-faire-Vertretern vielleicht – leugnete zwar, dass es mitunter zu Insidergeschäften kam oder dass ein Aktienkurs hier oder ein Rohstoffpreis dort manipuliert wurde. Doch derlei galt als Kavaliersdelikt, an Verschwörungstheorien der Art, dass das Schicksal ganzer Länder von den Finanztransaktionen einzelner Drahtzieher abhängen könnte, mochte niemand glauben – für so etwas hielt man die Märkte für viel zu groß. Insofern schien es einfach undenkbar, dass Einzelpersonen oder kleine Gruppen in der Lage sein könnten, den Währungskurs selbst einer nur mittelgroßen Volkswirtschaft nennenswert zu beeinflussen.

Doch da irrte man möglicherweise. Einer der bizarrsten Aspekte der Wirtschaftskrise der neunziger Jahre war die markante Rolle der sogenannten Hedge-Fonds. Dabei handelt es sich um hoch spekulative, auf makroökonomische Entwicklungen setzende Invest mentfirmen, die in der Lage sind, kurzfristig mit Summen zu operieren, die weit über das Einlagekapital hinausgehen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass solche Fonds den Weltmärkten hart zusetzten – im Erfolgsfall nicht weniger als im Fall des Scheiterns. Und in einigen Fällen zumindest hatte der böse Spekulant tatsächlich seine Finger im Spiel.

Hedge-Fonds: Was ist das eigentlich?

Hedge-Fonds haben mit »Hedging« (Kurssicherungsgeschäften) überhaupt nichts zu tun. Eigentlich tun sie genau das Gegenteil. Wer »Hedging« betreibt, versucht potenzielle Verluste durch kompensatorische Gegengeschäfte (Wetten, Anlagen und so weiter) abzudecken. Hedging soll also sicherstellen, dass Marktschwankungen das eigene Vermögen möglichst nicht mindern. Hedge-Fonds hingegen versuchen gerade die Marktschwankungen optimal für sich zu nutzen. Die typische Strategie dabei ist, Verkaufspositionen (das heißt das Versprechen, Wertpapiere oder Waren zu einem späteren Termin zu einem bestimmten Preis zu liefern) mit Kaufpositionen zu kombinieren. Gewinne ergeben sich, wenn a) die auf Baisse verkauften Werte im Kurs fallen (sodass der Verkäufer sich zum Erfüllungstermin günstiger eindecken kann, als er liefern muss) oder b) die gekauften Werte im Kurs steigen oder c) beides zusammenfällt.

Exkurs

Die Fachbegriffe »short« und »long« sind hier ziemlich wichtig und nützlich, deshalb einige Erläuterungen. Die Eröffnung von Kauf- oder Long- Positionen bedeutet, dass der Anleger versucht, von künftig steigenden Kursen oder Preisen zu profitieren. Dies ist also die Strategie des gewöhnlichen Investors, der Wertpapiere, Grundstücke/Immobilien oder sonstige Anlagewerte erwirbt (sogenannte Hausse-Spekulation). Bei Verkaufs- oder Short-Positionen (auch: »Leerpositionen«) hingegen spekuliert der Anleger auf fallende Kurse (sogenannte Baisse-Spekulation).

Um einen Baisse-Verkauf durchzuführen (also »short« zu gehen), leiht man sich zum Beispiel eine Aktie von ihrem Inhaber mit dem Versprechen der späteren Rückgabe und verkauft sie anschließend. Dies bedeutet, dass die Aktie zum Rückgabetermin (Erfüllungstermin) zurückgekauft werden muss. Der Baissier spekuliert also darauf, dass der Kurs der Aktie bis dahin fällt. In der Zwischenzeit aber kann er mit dem Erlös aus dem Verkauf frei wirtschaften, das heißt ihn anderweitig investieren.

Inhaltsangabe

Inhalt

Vorwort für die deutsche Ausgabe

Einleitung

1. Der große Irrtum
2. Warnung überhört: Lateinamerikas Krisen
3. Japans Falle
4. Die Asienkrise
5. Politik der Unvernunft
6. Masters of the Universe
7. Greenspans Blasen
8. Die Schattenwirtschaft des Bankwesens
9. Das Echo aller Furcht
10. Keynes kehrt zurück

Über den Autor von Irwin L. Collier

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Kundenbewertungen zu "Die neue Weltwirtschaftskrise" von "Paul R. Krugman"

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Hannes aus 82362 Weilheim am 23.03.2009 ***** ausgezeichnet
Pflichtlektüre für jeden, der gerne Wirtschaftsbücher liest. Klar, verständlich und unterhaltsam geschrieben. Krugmann gelingt es zu erklären, wie die momentane Wirtschafts- und Finanzkrise durch Entwicklungen in der Vergangenheit entstehen konnte und welche Fehler und Fehleinschätzungen dieser zu Grunde liegen. Dieses Buch zeigt aber auch, wie wir zukünftig der Enstehung solcher Krisen begegnen können. Wer dieses Buch versteht, versteht, wie Wirtschaft funktioniert.

Eine persönliche Anmerkung sei mir noch erlaubt: Speziell für den deutschen Markt hat der Autor ein eigenes deutsches Vorwort verfasst. Eine literarische Ohrfeige für Frau Merkel und Herrn Steinbrück.

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