Produktbeschreibung zu Kernschmelze im Finanzsystem
Die schwerste Finanzkrise seit 80 Jahren hat die Welt in den Fugen
erschüttert. Es droht eine Kernschmelze des globalen Finanzsystems
mit unabsehbaren Folgen für Sparer, Unternehmen, ja sogar ganze
Staaten.
Wie konnte es zu der Krise kommen - und vor allem: Wie lange wird
sie noch anhalten? Wie geht es mit unserer Wirtschaft weiter? Was
müssen Politiker und Manager jetzt tun? Wie kann sich jeder von uns
schützen?
Das Buch liefert eine klare und für jeden verständliche Analyse der
Krise und zeigt, worauf wir uns in der Zukunft einstellen
müssen.
Wolfgang Münchau hat als einer der Ersten die Finanzkrise präzise
vorhergesehen und in seinem preisgekrönten Buch
"Vorbeben" beschrieben, wie die hochkomplizierten
Finanzinstrumente funktionieren, die in kürzester Zeit ganze Banken
ausradiert und uns alle an den Rand der Katastrophe getrieben
haben. "Kernschmelze im Finanzsystem" ist eine komplett
überarbeitete Neuauflage des Buches "Vorbeben".
Bücher zur Krise Das Modethema in der Wirtschaftsliteratur des Jahres
Wie schnell sich die Zeiten ändern: Standen noch vor zwölf Monaten Bücher zur langfristigen Entwicklung des Kapitalismus im Mittelpunkt des Jahresrückblicks 2007, so wird das Jahr 2008 auch in der Wirtschaftsliteratur von der Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Mindestens ein Dutzend Bücher befinden sich hierzu alleine in deutscher Sprache auf dem Markt.
Eine Gruppe dieser Bücher analysiert die aktuelle Krise als konsequentes und unausweichliches Ergebnis der wirtschaftlichen Liberalisierung der vergangenen Jahrzehnte. Das inhaltsreichste, am konsequentesten gegliederte und am flüssigsten geschriebene Buch dieses Genres stammt aus der Feder von Ulrich Schäfer, dem Co-Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Süddeutschen Zeitung". Schäfer lässt das Unheil intellektuell mit der Mont-Pèlerin-Gesellschaft im Allgemeinen und mit Friedrich von Hayek und Milton Friedman im Besonderen beginnen. Ronald Reagan und Margaret Thatcher beginnen das Werk dann umzusetzen, und über erste Turbulenzen wie die Asien-Krise 1997 oder den Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM gelangt man …
Das Beste vorneweg: „Zu einer Großen Depression wird es nicht kommen“, sagt Wolfgang Münchau. Dazu seien unsere Sozialsysteme zu leistungsfähig und unsere Wirtschaftspolitiker nicht dumm genug. Ansonsten aber hat der Finanzjournalist in der Neuauflage seines prophetischen Bestsellers Vorbeben wenig Erfreuliches zu berichten. Die Krise ist mit dem dramatischen Herbst 2008 keineswegs ausgestanden, glaubt Münchau. Wer aber bereits jetzt aus dem Desaster klug werden will, hat mit diesem Buch das perfekte Vademekum zur Hand. Münchau schafft es, die verheerenden Konstrukte und Fehlentwicklungen des Finanzmarkts so einfach und präzise zu erklären, wie es nur geht. Er warnt vor überstürzten Regulierungen und sagt, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht – für Wirtschaftspolitiker und Privatanleger. getAbstract empfiehlt das Buch allen, die den Scherbenhaufen der Finanzkrise nicht einfach wegwischen, sondern fein säuberlich aufräumen wollen. Powered by Die Buchzusammenfassungen von getAbstract sind der schnellste Weg, um Ihr Wissen zu erweitern. Jeden Monat werden 50 Neuerscheinungen aus den Bereichen Wirtschaft, Management, IT und Politik zusammengefasst. Wählen Sie aus über 5.000 Titeln aus. In allen Formaten, PDF, iPhone, Blackberry oder Palm.
Wolfgang Münchau ist Direktor des Wirtschaftsinformationsdienstes "Eurointelligence.com" und Europa-Kolumnist der britischen "Financial Times" mit Sitz in Brüssel. Münchau war einer der Gründer der "Financial Times Deutschland" und deren Chefredakteur von 2001 bis 2003. Zuvor war Münchau über mehrere Jahre hinweg Korrespondent der "Financial Times" und der Londoner "Times" in Washington, Brüssel und Frankfurt.
Leseprobe zu "Kernschmelze im Finanzsystem" von Wolfgang Münchau
3 Die Wirtschaftspolitik (S. 155-157)
Im zweiten Kapitel versuchte ich zu erklären, wie der Kreditmarkt funktioniert und wie es dort technisch zu einer Blase kam. Hier geht es um die Wirtschaftspolitik, die ebenfalls eine herausragende Rolle in unserer Krise spielt, und zwar als Pendant zum Kreditmarkt. Die Krise auf das Verhalten gieriger Banker oder überforderter Ratingagentur zu reduzieren ist nicht seriös. Auch makroökonomische Faktoren spielten eine Rolle. Billige Zinsen haben den Kreditboom sicherlich erleichtert und waren möglicherweise eine seiner Ursachen. Aber auch dauerhafte Kapitalströme von Asien in die USA spielten eine entscheidende Rolle. Diese Krise ist zu einem großen Teil auch eine Krise der Makroökonomie.
Die Fachwelt hat lange über globale Ungleichgewichte gestritten. Ihr Abbau begann in der zweiten Hälfte des Jahres 2007. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass es zu abrupten Anpassungsprozessen kommt, die die Kreditkrise wiederum verstärken würden. Es lohnt sich daher, dieses makroökonomische Thema in diesem Buch zumindest anzusprechen.
Unter internationalen Ökonomen war die Debatte über globale Ungleichgewichte eines der wichtigsten Themen in den Jahren von 2003 bis 2006. Danach wurde es etwas stiller, und das Interesse richtete sich verstärkt auf die Kreditmärkte. Die einkehrende Ruhe heißt allerdings nicht, dass das Problem gelöst war. Im Gegenteil.
Was sind globale Ungleichgewichte? Ein Ungleichgewicht tritt zum Beispiel dann auf, wenn sich in bestimmten Staaten Handelsdefizite beziehungsweise -überschüsse auf einem sehr hohen Niveau verfestigen, und wenn es keine Anpassung durch Wechselkurse gibt. Seit Antritt der Regierung von George W. Bush hat sich das Leistungsbilanzdefizit der USA auf sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Eine Leistungsbilanz besteht aus drei Teilen, der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz und der Übertragungsbilanz. Die ersten beiden sind in den meisten Industrieländern die wichtigsten Komponenten. In der Übertragungsbilanz werden zum Beispiel Überweisungen von im Inland lebenden Ausländern zurück in ihre Heimatländer berücksichtigt.
In einigen Schwellenländern sind diese Leistungsbilanzdefizite sogar noch höher, zum Beispiel in der Türkei, wo sie im Jahre 2007 neun Prozent ausmachten. Jetzt gibt es keine Regel, die besagt, dass ein Leistungsbilanzdefizit nicht eine bestimmte Größe überschreiten darf. Wie nachhaltig ein derartiges Defizit ist, hängt von verschie denen Faktoren ab. In der Türkei und anderen Schwellenländern ist der Grund für dieses Defizit ein hohes Maß an Direktinvestitionen von Ausländern. Insofern ist das Defizit eher ein Zeichen der Stärke eines Landes. In den USA ist das Defizit hauptsächlich auf den Konsum von ausländischen, vorwiegend asiatischen Importen zurückzuführen. Auch das muss nichts Unmoralisches sein. Es gibt sogar Leute, die sagen, die Amerikaner wären Konsumenten der letzten Instanz. Ohne den hungrigen amerikanischen Konsumenten hätten die Asiaten niemals ihr Wirtschaftswunder erlebt.
Wir sollten daher Leistungsbilanzdefizite nicht als moralisches, sondern rein als ökonomisches Fakt betrachten. Und hier gilt im Falle der USA: Ein Ungleichgewicht in der Größenordnung von sechs Prozent vom BIP, wie wir es bis zuletzt in den USA hatten, ist nicht nachhaltig. Irgendwann passen sich die Ungleichgewichte an, zum Bei spiel durch einen Verfall der Währung. Der starke Absturz des Dollars in den Jahren 2007 und 2008 war ein Zeichen dafür, dass sich die Ungleichgewichte reduzierten. Es gibt noch eine andere Art, das Leistungsbilanzdefi- zit zu betrachten. Wenn China Waren an die USA liefert, müssen die Amerikaner diese Waren mit Dollars bezahlen. Diese Dollars fließen von den USA nach China.
Leseprobe zu "Kernschmelze im Finanzsystem"
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