Siddhartha, die weltberühmte Legende von der Selbstbefreiung eines
jungen Menschen aus familiärer und gesellschaftlicher
Fremdbestimmung zu einem selbständigen Leben, zeigt, daß Erkenntnis
nicht aus Lehren zu vermitteln ist, sondern nur durch eigene
Erfahrung erworben werden kann. Hermann Hesse erzählt die fiktive
Lebensgeschichte Buddhas - Siddhartha ist sein Vorname - und
ergründet, "was allen Konfessionen und menschlichen Formen der
Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen
Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem
einzelnen geglaubt werden kann". Wie authentisch diese
indische Dichtung buddhistisches und taoistisches Gedankengut
assimiliert hat, zeigt sich nicht nur stilistisch in der
rhythmischen Diktion der Reden Buddhas, sondern auch
wirkungsgeschichtlich durch die millionenfache Verbreitung, die das
Buch in den asiatischen Ländern gefunden hat.
Hermann Hesse, geb. am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
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