Der Weltensammler - Trojanow, Ilija

Ilija Trojanow 

Der Weltensammler

Roman. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Belletristik 2006

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Produktbeschreibung zu Der Weltensammler

Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Produktinformation


  • Verlag: Hanser
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 473 S. m. 2 Ktn.
  • Seitenzahl: 473
  • Best.Nr. des Verlages: 505/20652
  • Deutsch
  • Abmessung: 260mm x 190mm x 90mm
  • Gewicht: 685g
  • ISBN-13: 9783446206526
  • ISBN-10: 3446206523
  • Best.Nr.: 20747041

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Aus der Biografie von Richard Francis Burton ließen sich leicht "mehrere Abenteuerromane" machen, Ilija Troganow hat aber darauf verzichtet, konstatiert Hilal Sezgin. Der in Sofia geborene Autor, der in Deutschland und Afrika aufgewachsen ist, bietet in seinem Buch so etwas wie "historisch gesättigte Reiseberichte", die von den vielen Reisen Burtons erzählen und dabei auch noch nebenbei "unzählige wohl recherchierte" Informationen über Gegebenheiten in verschiedenen Ländern im 19. Jahrhundert bieten, stellt die Rezensentin anerkennend fest. So erhält der staunende Leser Einblick in die Welt des Opium- oder Sklavenhandels, erfährt etwas über "Sultanzölle" oder die "Bordelle Karachis", teilt die Rezensentin beeindruckt mit, die aber darauf hinweist, dass auf diese Weise dennoch keine "anschauliche Kulisse" entsteht. Denn dem Autor gehe es nicht um die aufregende, bunte Welt eines "großen Reisenden", sondern vielmehr drehe sich das Buch um das "Meta-Thema der "Fremdheit" und der verschiedenen Versuche, sich das Fremde anzueignen, erklärt Sezgin interessiert. Dabei stören Sezgin nicht nur die elend lange "Personalliste", sondern auch einige allzu "unrealistischen Passagen" sowie "politische Überlegungen", die eher aus der heutigen Zeit stammen. Insgesamt aber scheint Sezgin von diesem Buch dennoch recht angetan zu sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.03.2006

Unser Mann in Mekka
Ilija Trojanow erzählt von Richard Burton, einem der großen Abenteurer des 19. Jahrhunderts

Die Mail kam aus Lissabon und doch nicht aus Kapstadt, und außerdem war der Absender vorher in Bulgarien, wo er für sein neues Buch recherchiert hat. In zwei Tagen werde er von München aus wieder nach Indien fliegen, sagt Ilija Trojanow, und im übrigen sei das sein erster Winter seit fünf Jahren, weil er immer gerade dort gelebt hat, wo die Sonne schien. Es ist dann doch ganz praktisch, daß es heute E-Mail und Telefon gibt, wenn man mit einem reiselustigen Schriftsteller wie Trojanow Kontakt aufnehmen will, und nicht, wie zu Sir Richard Francis Burtons Zeiten, schleppenden Briefverkehr. Burton ist die Titelfigur in Trojanows Roman "Der Weltensammler", einem wunderbaren und wundersamen Buch, das tief im 19. Jahrhundert spielt und doch so gegenwartsnah ist, wie man sich das nur wünschen kann.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der als erster Europäer über seine heimliche Pilgerfahrt nach Mekka und Medina im Jahr 1853 schrieb, der später in Afrika nach der Quelle des Weißen Nils suchte und seine Karriere als Offizier in …

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"Eine Abenteuergeschichte, eine Entdeckungsreise ins innerste Selbst und eine kluge Parabel vom Zusammenprall der Kulturen." Brigitte, 07.06.06

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.03.2006

Portwein gegen Wortschatz
Wie man Welten sammelt: Ilija Trojanows Abenteuerroman
Hier hat ein Mann seinen Biografen gefunden. Und der Biograf fand einen Mann, dessen ungezähmter, widersprüchlicher Charakter nur in einem Roman zu fassen ist. Richard Francis Burton hat von 1821 bis 1890 tatsächlich gelebt, auch wenn sich sein Leben wie ein Abenteuerroman liest. Einen Abenteuerroman hat auch Ilija Trojanow verfasst, allerdings einen, der sich bei aller Erzählfreude gegen die Verlockungen des Genres, spannende Episoden aneinanderzureihen und mit exotischen Schauplätzen zu renommieren, zu behaupten weiß.
„Der Weltensammler” ist ein vielschichtiges Werk, in dem sich der 1965 in Sofia geborene Autor von seinem Helden merklich fasziniert zeigt, ohne ihm gänzlich zu verfallen. Außer Bewunderung und Sympathie, die das geradezu hochmütige Unterfangen fast 500 Seiten vorantreiben, bringt er ihm auch jene Distanz entgegen, die dafür sorgt, dass dies kein Hymnus auf einen titanischen Charakter wurde, sondern ein historischer Roman, der so spannend und intelligent, so farbenprächtig und reflexiv zugleich ist, dass er seinesgleichen sucht.
Richard Francis …

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»Man kann Trojanows Buch auch einfach als eine übersprudelnde üppige, kluge, hoch ambitionierte und fein geschriebene Geschichte über einen maßlosen Mann und seine gierigen Welteinverleibungssehnsüchte lesen.« Julia Kospach im >Falter<
Ilija Trojanow, geb. 1965 in Bulgarien, aufgewachsen in Kenia, studierte und arbeitete viele Jahre in Deutschland. Seit 1998 lebt er in Bombay. Trojanow ist Autor, Herausgeber und Verleger. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit afrikanischer Geschichte, Kultur und Literatur. Der Autor erhielt zahlreiche Preise: 1995 den Bertelsmann-Literaturpreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf sowie ein Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds e.V., 1996 den Marburger Literaturpreis, 1997 den Viktor-von-Scheffel-Preis und Thomas-Valentin-Preis der Stadt Lippstadt und 2000 den Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2009 wurde ihm der Preis der Literaturhäuser verliehen und 2010 wurde er als 'poetischer Chronist der großen Exil- und Migrationsphänomene der Moderne' mit dem Würth-Preis geehrt.

Leseprobe zu "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow

Mit weniger als zwölf Dienern kann ich den Haushalt nicht organisieren, hatte Naukaram beteuert. Burton hatte ihm daraufhin erlaubt, zwölf Diener auszusuchen und vorzuführen. Wer weiß schon, wie und wo er sie aufgetrieben hat. Es interessierte ihn nicht. Er hatte beschlossen, Naukaram bis auf weiteres gewähren zu lassen. Er akzeptierte sie, die zwölf unbekannten, dunklen Gestalten, die ins Zimmer glitten, wortlos ihre Arbeit verrichteten und ansonsten in kaum sichtbarer Unterwürfigkeit verharrten, die Handflächen übereinandergelegt, der Blick auf Burton fixiert. Manchmal vergaß er sie und erschrak, wenn sie ein Geräusch verursachten. Er teilte die Tage im Bungalow mit ihnen; die hellen Tage, die heißer und zäher wurden, saß er am Schreibtisch, hinter Jalousien, die das Draußen abblendeten. So konnte er lesen und schreiben, einigermaßen bequem, einigermaßen erträglich. Was sollte er sonst tun? Er brachte einer beliebig rekrutierten und miserabel motivierten Truppe das Alphabet des Exerzierens bei, in den Stunden nach dem Morgengrauen, und es hätte einiges an Verblendung bedurft, in der Ausbildung dieser imperialen Hosenträger eine bedeutsame Aufgabe zu sehen. Die Sicherheitslage im Umkreis dieses Außenpostens gab zu keiner Sorge Anlaß, die Einheimischen verhielten sich ruhig, die letzten Verluste lagen schon einige Jahre zurück, als bei einer Parade im Palast des Maharaja ein Elefant außer Rand und Band geraten war und einige der Sepoy niedergetrampelt hatte. Ansonsten herrschte eine solche Stille, er meinte den Pulsschlag der Borniertheit zu hören. Er ekelte sich vor dem klebrigen Stumpfsinn eines Lebens, das dem Billard und dem Bridge gewidmet war, er weigerte sich, seine Dienstdauer zu durchwarten, versunken in Polstern, so tief wie muffig, einen starren Blick auf Fingernägel gerichtet, in denen sich Sand und Staub ansammelte. Es gab nur eine Möglichkeit, sein Leben nicht zu verplempern: Sprachen lernen. Sprachen waren Waffen. Mit ihnen würde er sich von den Fesseln der Langeweile befreien, seine Karriere anspornen, anspruchsvolleren Aufgaben entgegensehen. Auf dem Schiff hatte er genug Hindustani aufgelesen, um sich grob zu orientieren, um sich vor den Einheimischen nicht lächerlich zu machen, und das war mehr - wie er zu seinem Erstaunen festgestellt hatte -, als selbst jene Offiziere vermochten, die vom Hind seit längerem gezeichnet waren. Einer von ihnen redete ausschließlich im Imperativ; ein anderer benutzte stets die weibliche Konjugation - alle wußten, er plapperte seine einheimische Geliebte nach. Ein Schotte hatte keinen einzigen seiner Zungenschläge anpassen können, so daß ihn seine Landsleute nur mühsam und die Einheimischen überhaupt nicht verstanden. Versuchte er sich am Hindustani, antworteten sie höflich und bedauernd, sie verstünden leider kein Englisch, der Saheb möge sich einen Augenblick gedulden, sie würden jemanden holen, der übersetzen könne.

Nach den Regimentspflichten setzte sich Burton an seinen Schreibtisch und versenkte sich bis in den späten Abend hinein in die Grammatiken, die er in Bombay erworben hatte. Er wurde selten gestört. Es hatte sich schnell herumgesprochen, daß der Griffin ein Sonderling war. Es fiel ihm nicht leicht, ruhig sitzen zu bleiben. Kein halbes Jahr her, da war er von Greenwich aus aufgebrochen, in der Erwartung, aus dem Krämeralltag in das Reich famoser Heldentaten und zügiger Aufstiege überzusetzen, Ruhm und Ehre anzulaufen. Männer seines Alters kommandierten dreitausend Sikhs, eroberten Ländereien für Ihre Majestät, die größer waren als Irland.

Schweißtropfen rannen über seine Unterarme, seinen Rücken, Fliegen schwirrten um ihn herum, Afghanistan war anderswo und bereits befriedet, und ihm blieb nichts anderes übrig, als Wörter laut auszusprechen, hundertfach wiederholt. Sobald er schwieg, hörte er das Surren der Moskitos, die er nicht loswurde, egal wie oft er durch die Luft schlug und dabei das Wort brüllte, das er sich gerade aneignete. Es gab nur eine Strategie, diese Plage zu besiegen. Er mußte regungslos in seinem Stuhl verharren, die Augen auf das aufgeschlagene Buch vor sich gerichtet, auf das nächste englische Wort, dem wie so oft zwei Entsprechungen zugeteilt waren - die Doppelzüngigkeit der Einheimischen offenbart sich in ihrer Sprache, hatte der weiblich konjugierende Offizier zum besten gegeben. Er war ein hinterlistiges Opfer, das Gehör geeicht auf die heransurrende Mücke, pratikshaa karna, die eine Entsprechung, langsam zu wiederholen, jede Silbe ein Schluck Wasser, der Moskito war jetzt nahe, intezaar karna, die weitere Entsprechung, die er wiederholte, mehrfach, er spürte, wie sich die Mücke auf seinem Arm niederließ, wie sie hineinstach. Dann schlug er zu.
- Naukaram!
- Ja, Saheb.
- Mit Grammatiken allein komme ich nicht weiter. Ich brauche einen Lehrer, kannst du einen brauchbaren Lehrer auftreiben?
- Ich kann versuchen.
- In der Stadt?
- Ja, in der Stadt.
- Noch etwas, Naukaram.
- Ja, Saheb!
- Ich verbiete dir, von nun an auch nur ein einziges Wort Englisch in meiner Gegenwart zu reden. Sprich Hindustani! Oder Gujarati oder weiß der Teufel was, aber kein Wort Englisch mehr.
- Und wenn Besuch kommt?
- Das Nötigste. Nur das Allernötigste.

++++++
7.

Naukaram

II Aum Vighnahartaaya namaha I Sarvavighnopashantaye namaha I Aum Ganeshaya namaha II
- Fahre fort.
- Wo waren wir gestern stehengeblieben?
- Hör zu, ich habe, weil ich meine Pflicht ernst nehme, alles Geschriebene gestern abend noch einmal gelesen, auf Fehler und Fragen durchgesehen. Du kannst dich nicht immer auf mich verlassen. Merke dir zukünftig selbst, was du mir schon erzählt hast und was du mir noch erzählen willst.
- Sie sind ein Tyrann, schlimmer als Shivaji. Sie können nicht so mit mir reden. Ich bedarf Ihrer Dienste, ja. Ich bin nicht Ihr Diener.
- Wir sollten keine Zeit verschwenden. Ich habe mich übrigens gefragt, wie dein Herr aussah, als ich deinen Bericht las. Das sollte ich erfahren.
- Wozu? Die Angrezi, an die sich das Schreiben richtet, wissen, wie er aussah, sie erinnern sich an ihn, bestimmt, keiner könnte ihn vergessen.
- Du verstehst von diesen Sachen wenig. Wie soll ich eine angemessene Sprache finden, wenn ich mir von diesem Burton Saheb kein Bild machen kann?
- Er war groß, fast so groß wie ich. Wuchtiger, wie ein schwarzer Büffel, der den ganzen Tag im Feld schuften kann. Genauso war er, unermüdlich. Seine Augen waren sehr dunkel, das fiel sofort auf. Ungewöhnlicher war, wie nackt sie wirkten. Ich muß Ihnen sagen, ich habe nie so nackte Augen gesehen wie jene von Burton Saheb. Sein Blick, er konnte einen einfangen. Ich habe erlebt, manche Menschen waren wie gebannt, als würden seine Augen zaubern. Wenn er zornig wurde, sah er mich an, als würde er mich nicht kennen, als würden bösartige Yakshas herausspringen. Es war zum Fürchten. Er wurde oft zornig, plötzlich, aus irgendeinem Grund, der uns nichtig erschien, völlig nichtig.
- Das hast du mir gestern schon gesagt! Schlug er dich?
- Nein! Schlagen? Wie könnte er, mich schlägt er doch nicht. Ich habe den Eindruck, Sie haben nicht verstanden, welche Position ich in dem Haushalt ausfüllte, was meine Rolle war. Sie haben das überhaupt nicht verstanden!
- Dann erzähle mir mehr von deinen Aufgaben.
- Ich habe alles für ihn erledigt, alles für ihn besorgt.
- Alles?
- Alles, was er von mir verlangte. Alles, was sich aufdrängte, und manchmal auch das, was er sich insgeheim wünschte.
- Beispiele! Gib mir Beispiele.
- Am Anfang die Einrichtung des Hauses, die kaputten Fenster, ich habe sie verglasen und mit Jalousien verhängen lassen. Die Gardinen, ich habe feines Kobbradul aufgetan, günstig, es war nicht meine Angewohnheit, das Geld des Herrn zu verprassen. Sie waren so schön, die Ehefrau des Brigadiers ließ mich fragen, wo ich den Stoff gekauft habe.
- Das werde ich betonen: Ein Fachmann für Kobbradul.
- Ich habe die Einkäufe erledigt, ich habe das Ganja besorgt, er rauchte gerne, abends, wenn er seinen Port trank ...
- Port?
- Ja, Portwein, Sie wissen doch, was das ist?
- Gewiß, mußte sichergehen nur, ob ich richtig gehört habe.
- Das bringt mich durcheinander, wenn Sie mich unterbrechen, ich verliere meinen Gedanken, das ist nicht nötig, daß Sie das tun. Portwein, ach ja, und Bücher habe ich besorgt, er wollte alles lesen, und Kräuter und Henna und die Affen, diese unglückseligen Affen, die habe ich aufgetrieben. Das war eine Mühe ...
- Affen?
- Und den Lehrer, der so wichtig für ihn wurde, den habe ich gefunden.
- Affen und Lehrer? Warte.
- Und Kundalini, sogar Kundalini habe ich ...
- Warte, warte, warte! Wer ist Kundalini? Wovon redest du?
- Sie haben mich gefragt nach Beispielen.
- Erkläre sie mir.
- Ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie Kenntnis von dieser Sache haben müssen.
- Wer von uns beiden hat mehr Verstand?
- Der Einfall mit diesem Brief, es ist sinnlos, die Hitze ist mir in den Kopf gestiegen.
- Nicht doch, Naukaram-bhai, nicht doch. Sie irren sich! Es ist höchst sinnvoll, es ist notwendig! Dieser Einfall ist der beste Einfall, den Sie seit langer Zeit gehabt haben. Sie haben zu mir gefunden, das ist gut, und nun haben wir einen weiten Weg vor uns, wir müssen geduldig sein, ich bringe Sie ans Ziel, vertrauen Sie mir. Erzählen Sie etwas anderes, etwas, auf das Sie stolz sind.
- Einen Lehrer zu finden, der etwas taugte, das war nicht so leicht. Burton Saheb hat sich auf mich verlassen, nachdem er es zunächst allein probiert hatte. Er hat bei seinen Leuten nach einem Munshi gefragt. Die konnten ihm nicht helfen. Sie kannten nur einfache Munshi, die schön schreiben können und einige heilige Texte kennen.
- Natürlich. Wer will schon wirklich etwas lernen.
- Burton Saheb wünschte, von einem wirklichen Gelehrten unterrichtet zu werden. Ich will nicht jemandem gegenübersitzen, sagte er, der jede dritte Frage nicht beantworten kann. Zuerst erkundigte ich mich in der Bibliothek des Maharaja. Dort wurde ich auf einen Brahmanen hingewiesen, dessen Gelehrsamkeit in ganz Gujarat berühmt sei, der hervorragend die Sprache der Angrezi spreche. Ich suchte ihn in seinem Haus auf, er wohnte nicht weit von der Bibliothek entfernt, in einem Eckhaus mit kleinen Balkons auf beiden Seiten, ein schönes Haus. Aber sehr klein, kaum breiter als eine Kuh. An der Stirnseite war die Tür, sie war offen, weil unten ein Barbier sein Geschäft hatte, neben der Treppe. Ein schmaler, langer Laden, er hatte gerade Platz genug, hinter seinem Kunden zu stehen. Ich mußte schmunzeln, als ich den Lehrer sah. Er hatte seine Haare seit Jahrzehnten nicht mehr geschnitten. Weder seine Kopfhaare noch seinen Bart. Er ließ mich warten, obwohl ich ihm hatte ausrichten lassen, in welcher Angelegenheit ich ihn aufsuchen werde. Das ärgerte mich, die Überheblichkeit dieser Menschen. Der Lehrer war sehr unordentlich, überall lagen Bücher herum. Ich konnte durch die offene Tür in das zweite Zimmer sehen. Stapel von Büchern, aufgeschlagene Bücher, ich konnte den Boden kaum sehen. Seine Frau war freundlich. Sie bot mir Tschai an, servierte mir frisch gemachte Puranpolis. Ich habe mich gerächt an diesem selbstgefälligen Lehrer, ich habe sie alle aufgegessen.
- Wie viele?
- Wie viele was? Puranpolis? Was kümmert es Sie oder irgend jemand anderen, wie viele Puranpolis ich vor acht Jahren gegessen habe?
- Das war vor acht Jahren?
- Wie viele Puranpolis haben Sie denn gegessen? Letztes Jahr? Was wollen Sie?
- Beruhigen Sie sich. Ich wollte Sie nur etwas entspannen.
- Ich bin entspannt. Ich habe erzählt, Sie bringen mich immer wieder zu Fall.
- Meine Frage war nicht so unnütz, wie Sie meinen. Ich habe etwas Wichtiges erfahren, etwas, das ich von Anfang an hätte wissen sollen. Sie haben von acht Jahren gesprochen. Bedeutet das, Sie waren acht Jahre im Dienst dieses Saheb?
- Fast, ich mußte von Anglestan zurückreisen, das dauert Monate, so etwas wissen Sie nicht, glauben Sie, ich wäre auf den Flügeln von Garuda zurückgeflogen?
- Acht Jahre, hervorragend. Diese Auskunft, diese Zahl, werde ich in den Anfang meines Schreibens einflechten, das hört sich gewichtig an: Naukaram, acht Jahre lang ein treuer Diener, ein enger Vertrauter des berühmten Offiziers der Ehrenwerten Ostindischen Gesellschaft, Burton Saheb.
- Berühmter Offizier. Wofür denn berühmt? Er ist in Schimpf und Schande nach Hause geschickt worden, so wie ich später. Er hat bei den Seinen den Ruf eines Unberührbaren.
- Diesen Einruck hatte ich bislang aber nicht.
- Schreiben Sie auf, was ich Ihnen sage, genau das, was ich Ihnen sage? Oder fügen Sie hinzu, was Ihnen durch den Kopf geht?
- Ich habe gerade eben aus dem Stegreif gesprochen, beruhigen Sie sich, ich habe diesen Satz als Beispiel vorgetragen, Sie sind zu nervös, Sie atmen nicht richtig.
- Nein, über meine Atmung werden wir jetzt nicht sprechen. Wir machen weiter. Der halbe Nachmittag ist schon vorbei, ich habe keine Zeit, wir müssen weiterkommen. Ich wurde zu dem Lehrer vorgelassen. Endlich. Ich mußte achtgeben, nicht auf eines der Bücher zu treten. Er war ein kleiner Mann, aber als er zu reden begann, wurde er allmählich größer. Er fragte mich aus, so als würde ich einen Gefallen von ihm erbitten. Alles wollte er über meinen Herrn wissen. Es drängte mich, ihm zu sagen, er habe kein Recht auf solche Fragen. Etwas hielt mich zurück. Er war ein altehrwürdiger Mann. Der Lohn schien ihn nicht zu interessieren, ich habe ihm zwanzig Rupien im Monat angeboten. Er hat keine Regung gezeigt, ich wußte nicht, ob er mich gehört hatte. Ich hatte erwartet, daß er sich erfreut zeigt über den Auftrag. Nein, ich muß Ihnen sagen, diese Leute sind überheblich und stolz. Er war nicht gleich einverstanden, Burton Saheb zu unterrichten. Er stimmte nur einem Treffen mit ihm zu. Ich befürchtete schon, er würde darauf bestehen, Burton Saheb solle ihn besuchen. Diese Menschen vergessen sich manchmal, sie denken, der Geist besitze Macht. Er überlegte ein wenig, dann besann er sich der Ordnung der Dinge. Wir vereinbarten sein Kommen für den übernächsten Tag.

Leseprobe zu "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow

In der Erinnerung verschwimmt die Schrift (S. 321-322)

SIDI MUBARAK BOMBAY


Sansibar, die Insel, war dem eigenen Hafen zum Opfer gefallen. Das Riff öffnete sich wie ein Tor in einem Wall aus Korallen. Fremde hatten nur die Segel einzuziehen, ihre Flaggen zu hissen. Die Segel wurden geflickt und verschnürt, bis zum nächsten Auslaufen. Die Flaggen flatterten vorläufig, bis sie von anderen Flaggen vertrieben wurden. Die Standarte des Sultans wurde eingeholt, und Sidi Mubarak Bombay, der an seinem angestammten Platz am Kai saß, kicherte in sich hinein, als könne er es nicht fassen, wie vielen Dummheiten er in seinem Leben schon begegnet war. Alles geht unter, sagte eine Stimme zu seiner Linken.

Nichts wird sich ändern, widersprach eine ältere Stimme zu seiner Rechten. Ein neues Banner wurde hochgezogen; flott, wie eine Absichtserklärung: Rot dankte ab, an seine Stelle traten pfeilspitze Sonnenstrahlen, die über einen blauen Himmel in alle Richtungen jagten, und daneben, wohl zu Ehren der großen, schweren Schiffe, die vor dem Hafen ankerten, ein schwarzes Kreuz, die Standarte jenes Herrschers, den die Weißhäutigen Kaiser nannten. Wahrlich, murmelte der alte Mann, kein Tag setzt sich dort hin, wo ein anderer schon gesessen hat.

Er verabschiedete sich von den Männern, mit denen er sein Staunen geteilt hatte, und zog sich in die Altstadt zurück, deren enge Gassen die Einladung des Riffs zurücknahmen. Wer in Sansibar landete, war noch lange nicht angekommen. Dafür bedurfte es Zeit, und an Zeit mangelte es den Weißhäutigen. Ihre Neugier verflog, bevor ihnen der Appetit verging. Dem Wind und den Wellen waren sie eher gewachsen als dem Labyrinth der Fassaden. Der alte Mann krauchte entlang verkrusteter Korallensteinbauten, bedrängt von Gestalten, die den späten Nachmittag durcheilten.

Er machte einen Bogen um den geschäftigen Salzmarkt, nahm eine Abkürzung durch den Fleischmarkt, der von allem verlassen war außer dem Gestank. Die Gassen waren nun weniger voll, die Gestalten, die ihm entgegenkamen, grüßten im Vorbeigehen. Er erreichte die Moschee seines Viertels. Die vielstimmige Rezitation einer Sure drang aus der benachbarten Medresa. Der alte Mann blieb stehen und stützte sich mit seinen Händen an die Hauswand. Der Stein war runzelig, kühl; beruhigend wie ein vertrautes Gesicht. Er schloß die Augen. Die Rezitation der Ikhlas-Sure, ein schönes Plätschern, ein leeres Versprechen:

Es gab nichts Ewiges, selbst wenn es mit Kinderstimmen beschworen wurde. Die Wahrheit, über Nacht verflogen, mußte jeden Morgen neu gesucht werden. Jemand trat neben ihn. Es wäre an der Zeit, daß du die Moschee von innen erblickst. Die Stimme des Imams war belegt. Der alte Mann öffnete seine Augen nicht. Das würde den Imam, der auf die Wirkung seiner hell leuchtenden Augen vertraute, verunsichern. Hast du nie Angst, Baba Sidi? Der Tod wird dich bald abholen. Der alte Mann rieb seine Handflächen über die rauhe Wand. Ich bin verwirrt, sagte er nach einer Weile, langsam, als würde jedes seiner Worte zaghaft auftreten.

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Kundenbewertungen zu "Der Weltensammler" von "Ilija Trojanow"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut
(aus 3 Bewertungen)

Bewertung von Lisega am 07.07.2009 ***** sehr gut
Die historische Figur Richard Francis Burton kannte ich bisher nur aus dem tollen Abenteuerfilm „Land der schwarzen Sonne“, in dem die Expedition mit John Speke zu den Quellen des Nils erzählt wird. Dass dieser Burton in seinem Leben noch viel mehr Abenteuer erlebt hat und eine der interessantesten Figuren der britischen Kolonialgeschichte ist, wurde mir erst mit Ilja Trojanows Buch klar. Die genannte Afrika-Expedition ist hier die letzte Station von insgesamt drei Teilen des Buches; zuvor beschreibt Trojanow in einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion Burtons längere Aufenthalte in Indien und Arabien. Sehr gut gefallen hat mir dabei die Erzählweise des Autors: Jeder Teil wird aus zwei Sichtweisen dargestellt, zum einen gibt es einen auktorialen Erzähler, zum anderen entweder Dialoge von Burtons Diener mit einem Schreiber, dem er von seinen Jahren mit dem exzentrischen Offizier erzählt (Indien), oder das Protokoll einer geheimdienstlichen Untersuchung seiner Hadsch (Arabien) oder die märchenhafte Erzählung der Nil-Expedition aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven (Afrika). Für mich ist der Indien-Teil des Buches mit Abstand der beste, hier ist es Trojanow sehr gut gelungen, die Leser in die exotische Welt des Subkontinents eintauchen zu lassen. Die Hadsch nach Mekka gibt zwar einen guten Einblick in die arabische Welt und Mentalität, zieht sich aber gerade wegen der Detailverliebtheit etwas in die Länge. Und die Expedition nach Afrika schließlich ist zwar schön zu lesen, sie scheint aber plötzlich von einer ganz andere Person geleitet: Während Burton in Indien und Arabien sich perfekt in die Kultur der jeweiligen Länder eingelebt hat, bleibt er hier als kolonialer Karawanenführer auf Distanz. Er interessiert sich zwar für die Landschaft und nimmt alles für seine Berichte auf, aber die Einheimischen und ihre Sprache sieht er als minderwertig an. Wo bleibt hier der weltoffene, neugierige Kosmopolit? Ein Rätsel, dass der Autor nicht zu lösen vermag. Sicherlich erhebt Trojanow auch gar nicht den Anspruch, den Menschen Burton durchschaut zu haben. Aber die Afrika-Expedition passt irgendwie nicht so recht ins Bild, das von Burton im Rest des Buches entworfen wird. Sei’s drum, „Der Weltensammler“ ist trotzdem ein spannender, schön geschriebener historischer Roman.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

6 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 12.02.2007 ***** ausgezeichnet
Ein wirklich faszinierendes Buch. Ilija Trojanow nimmt einen mit auf die Expeditionen von Richard Francis Burton und zeigt einem auf seine ganz eigene Art Kultur, Religionen und Länder.
Es wird immer abwechselnd aus Sicht von Burton und aus Sicht von eines Einheimischen, der für ihn gearbeitet und ihn auf seiner Reise begleitet hat, erzählt. Auf diese Weise begleitet man Burton durch Indien, auf seiner Pilgerreise nach Mekka und durch Afrika. Absolut empfehlenswert!

4 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 11.07.2006 ***** gut
laaaangsam, umständlich, die erzählung schleppt sich dahin, konfus die vielen perspektiven. öööööööö. echt nervig!!!

3 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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  • Ausstattung/Bilder: 2006. 473 S. m. 2 Ktn.
  • Seitenzahl: 473
  • Best.Nr. des Verlages: 505/20652
  • Deutsch
  • Abmessung: 260mm x 190mm x 90mm
  • Gewicht: 685g
  • ISBN-13: 9783446206526
  • ISBN-10: 3446206523
  • Best.Nr.: 20747041

Produktbeschreibung zu "Der Weltensammler"

Kurzbeschreibung

Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Leseprobe zu "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow

Mit weniger als zwölf Dienern kann ich den Haushalt nicht organisieren, hatte Naukaram beteuert. Burton hatte ihm daraufhin erlaubt, zwölf Diener auszusuchen und vorzuführen. Wer weiß schon, wie und wo er sie aufgetrieben hat. Es interessierte ihn nicht. Er hatte beschlossen, Naukaram bis auf weiteres gewähren zu lassen. Er akzeptierte sie, die zwölf unbekannten, dunklen Gestalten, die ins Zimmer glitten, wortlos ihre Arbeit verrichteten und ansonsten in kaum sichtbarer Unterwürfigkeit verharrten, die Handflächen übereinandergelegt, der Blick auf Burton fixiert. Manchmal vergaß er sie und erschrak, wenn sie ein Geräusch verursachten. Er teilte die Tage im Bungalow mit ihnen; die hellen Tage, die heißer und zäher wurden, saß er am Schreibtisch, hinter Jalousien, die das Draußen abblendeten. So konnte er lesen und schreiben, einigermaßen bequem, einigermaßen erträglich. Was sollte er sonst tun? Er brachte einer beliebig rekrutierten und miserabel motivierten Truppe das Alphabet des Exerzierens bei, in den Stunden nach dem Morgengrauen, und es hätte einiges an Verblendung bedurft, in der Ausbildung dieser imperialen Hosenträger eine bedeutsame Aufgabe zu sehen. Die …

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Leseprobe zu "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow

In der Erinnerung verschwimmt die Schrift (S. 321-322)

SIDI MUBARAK BOMBAY


Sansibar, die Insel, war dem eigenen Hafen zum Opfer gefallen. Das Riff öffnete sich wie ein Tor in einem Wall aus Korallen. Fremde hatten nur die Segel einzuziehen, ihre Flaggen zu hissen. Die Segel wurden geflickt und verschnürt, bis zum nächsten Auslaufen. Die Flaggen flatterten vorläufig, bis sie von anderen Flaggen vertrieben wurden. Die Standarte des Sultans wurde eingeholt, und Sidi Mubarak Bombay, der an seinem angestammten Platz am Kai saß, kicherte in sich hinein, als könne er es nicht fassen, wie vielen Dummheiten er in seinem Leben schon begegnet war. Alles geht unter, sagte eine Stimme zu seiner Linken.

Nichts wird sich ändern, widersprach eine ältere Stimme zu seiner Rechten. Ein neues Banner wurde hochgezogen; flott, wie eine Absichtserklärung: Rot dankte ab, an seine Stelle traten pfeilspitze Sonnenstrahlen, die über einen blauen Himmel in alle Richtungen jagten, und daneben, wohl zu Ehren der großen, schweren Schiffe, die vor dem Hafen ankerten, ein schwarzes Kreuz, die Standarte jenes Herrschers, den die …

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05.03.2006

Unser Mann in Mekka
Ilija Trojanow erzählt von Richard Burton, einem der großen Abenteurer des 19. Jahrhunderts

Die Mail kam aus Lissabon und doch nicht aus Kapstadt, und außerdem war der Absender vorher in Bulgarien, wo er für sein neues Buch recherchiert hat. In zwei Tagen werde er von München aus wieder nach Indien fliegen, sagt Ilija Trojanow, und im übrigen sei das sein erster Winter seit fünf Jahren, weil er immer gerade dort gelebt hat, wo die Sonne schien. Es ist dann doch ganz praktisch, daß es heute E-Mail und Telefon gibt, wenn man mit einem reiselustigen Schriftsteller wie Trojanow Kontakt aufnehmen will, und nicht, wie zu Sir Richard Francis Burtons Zeiten, schleppenden Briefverkehr. Burton ist die Titelfigur in Trojanows Roman "Der Weltensammler", einem wunderbaren und wundersamen Buch, das tief im 19. Jahrhundert spielt und doch so gegenwartsnah ist, wie man sich das nur wünschen kann.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der als erster Europäer über seine heimliche Pilgerfahrt nach Mekka und Medina im Jahr 1853 schrieb, der später in Afrika nach der Quelle des Weißen Nils suchte und seine Karriere als Offizier in …

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18.03.2006

Portwein gegen Wortschatz
Wie man Welten sammelt: Ilija Trojanows Abenteuerroman
Hier hat ein Mann seinen Biografen gefunden. Und der Biograf fand einen Mann, dessen ungezähmter, widersprüchlicher Charakter nur in einem Roman zu fassen ist. Richard Francis Burton hat von 1821 bis 1890 tatsächlich gelebt, auch wenn sich sein Leben wie ein Abenteuerroman liest. Einen Abenteuerroman hat auch Ilija Trojanow verfasst, allerdings einen, der sich bei aller Erzählfreude gegen die Verlockungen des Genres, spannende Episoden aneinanderzureihen und mit exotischen Schauplätzen zu renommieren, zu behaupten weiß.
„Der Weltensammler” ist ein vielschichtiges Werk, in dem sich der 1965 in Sofia geborene Autor von seinem Helden merklich fasziniert zeigt, ohne ihm gänzlich zu verfallen. Außer Bewunderung und Sympathie, die das geradezu hochmütige Unterfangen fast 500 Seiten vorantreiben, bringt er ihm auch jene Distanz entgegen, die dafür sorgt, dass dies kein Hymnus auf einen titanischen Charakter wurde, sondern ein historischer Roman, der so spannend und intelligent, so farbenprächtig und reflexiv zugleich ist, dass er seinesgleichen sucht.
Richard …

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Kundenbewertungen zu "Der Weltensammler" von "Ilija Trojanow"

Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 3 Bewertungen):
4 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen *****
sehr gut
Bewertung von Lisega am 07.07.2009
*****
sehr gut
Die historische Figur Richard Francis Burton kannte ich bisher nur aus dem tollen Abenteuerfilm „Land der schwarzen Sonne“, in dem die Expedition mit John Speke zu den Quellen des Nils erzählt wird. Dass dieser Burton in seinem Leben noch viel mehr Abenteuer erlebt hat und eine der interessantesten Figuren der britischen Kolonialgeschichte ist, wurde mir erst mit Ilja Trojanows Buch klar. Die genannte Afrika-Expedition ist hier die letzte Station von insgesamt drei Teilen des Buches; zuvor beschreibt Trojanow in einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion Burtons längere Aufenthalte in Indien und Arabien. Sehr gut gefallen hat mir dabei die Erzählweise des Autors: Jeder Teil wird aus zwei Sichtweisen dargestellt, zum einen gibt es einen auktorialen Erzähler, zum anderen entweder Dialoge von Burtons Diener mit einem Schreiber, dem er von seinen Jahren mit dem exzentrischen Offizier erzählt (Indien), oder das Protokoll einer geheimdienstlichen Untersuchung seiner Hadsch (Arabien) oder die märchenhafte Erzählung der Nil-Expedition aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven (Afrika). Für mich ist der Indien-Teil des Buches mit Abstand der beste, hier ist es Trojanow sehr gut gelungen, die Leser in die exotische Welt des Subkontinents eintauchen zu lassen. Die Hadsch nach Mekka gibt zwar einen guten Einblick in die arabische Welt und Mentalität, zieht sich aber gerade wegen der Detailverliebtheit etwas in die Länge. Und die Expedition nach Afrika schließlich ist zwar schön zu lesen, sie scheint aber plötzlich von einer ganz andere Person geleitet: Während Burton in Indien und Arabien sich perfekt in die Kultur der jeweiligen Länder eingelebt hat, bleibt er hier als kolonialer Karawanenführer auf Distanz. Er interessiert sich zwar für die Landschaft und nimmt alles für seine Berichte auf, aber die Einheimischen und ihre Sprache sieht er als minderwertig an. Wo bleibt hier der weltoffene, neugierige Kosmopolit? Ein Rätsel, dass der Autor nicht zu lösen vermag. Sicherlich erhebt Trojanow auch gar nicht den Anspruch, den Menschen Burton durchschaut zu haben. Aber die Afrika-Expedition passt irgendwie nicht so recht ins Bild, das von Burton im Rest des Buches entworfen wird. Sei’s drum, „Der Weltensammler“ ist trotzdem ein spannender, schön geschriebener historischer Roman.
Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch
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6 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Dem Autor für die Bewertung danken
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 12.02.2007
*****
ausgezeichnet
Ein wirklich faszinierendes Buch. Ilija Trojanow nimmt einen mit auf die Expeditionen von Richard Francis Burton und zeigt einem auf seine ganz eigene Art Kultur, Religionen und Länder.
Es wird immer abwechselnd aus Sicht von Burton und aus Sicht von eines Einheimischen, der für ihn gearbeitet und ihn auf seiner Reise begleitet hat, erzählt. Auf diese Weise begleitet man Burton durch Indien, auf seiner Pilgerreise nach Mekka und durch Afrika. Absolut empfehlenswert!
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4 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 11.07.2006
*****
gut
laaaangsam, umständlich, die erzählung schleppt sich dahin, konfus die vielen perspektiven. öööööööö. echt nervig!!!
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3 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

15.03.2006

Aus der Biografie von Richard Francis Burton ließen sich leicht "mehrere Abenteuerromane" machen, Ilija Troganow hat aber darauf verzichtet, konstatiert Hilal Sezgin. Der in Sofia geborene Autor, der in Deutschland und Afrika aufgewachsen ist, bietet in seinem Buch so etwas wie "historisch gesättigte Reiseberichte", die von den vielen Reisen Burtons erzählen und dabei auch noch nebenbei "unzählige wohl recherchierte" Informationen über Gegebenheiten in verschiedenen Ländern im 19. Jahrhundert bieten, stellt die Rezensentin anerkennend fest. So erhält der staunende Leser Einblick in die Welt des Opium- oder Sklavenhandels, erfährt etwas über "Sultanzölle" oder die "Bordelle Karachis", teilt die Rezensentin beeindruckt mit, die aber darauf hinweist, dass auf diese Weise dennoch keine "anschauliche Kulisse" entsteht. Denn dem Autor gehe es nicht um die aufregende, bunte Welt eines "großen Reisenden", sondern vielmehr drehe sich das Buch um das "Meta-Thema der "Fremdheit" und der verschiedenen Versuche, sich das Fremde anzueignen, erklärt Sezgin interessiert. Dabei stören Sezgin nicht nur die elend lange "Personalliste", sondern auch einige allzu "unrealistischen Passagen" sowie "politische Überlegungen", die eher aus der heutigen Zeit stammen. Insgesamt aber scheint Sezgin von diesem Buch dennoch recht angetan zu sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Rezensionen und Kritik

"Eine Abenteuergeschichte, eine Entdeckungsreise ins innerste Selbst und eine kluge Parabel vom Zusammenprall der Kulturen." Brigitte, 07.06.06

Rezensionen und Kritik

Autorenporträt zu "Ilija Trojanow"

Ilija Trojanow, geb. 1965 in Bulgarien, aufgewachsen in Kenia, studierte und arbeitete viele Jahre in Deutschland. Seit 1998 lebt er in Bombay. Trojanow ist Autor, Herausgeber und Verleger. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit afrikanischer Geschichte, Kultur und Literatur. Der Autor erhielt zahlreiche Preise: 1995 den Bertelsmann-Literaturpreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf sowie ein Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds e.V., 1996 den Marburger Literaturpreis, 1997 den Viktor-von-Scheffel-Preis und Thomas-Valentin-Preis der Stadt Lippstadt und 2000 den Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2009 wurde ihm der Preis der Literaturhäuser verliehen und 2010 wurde er als 'poetischer Chronist der großen Exil- und Migrationsphänomene der Moderne' mit dem Würth-Preis geehrt.

35 Marktplatz-Angebote für "Der Weltensammler" ab EUR 2,00
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