Der Krieg der Erinnerung - Welzer, Harald (Hrsg.)

Harald Welzer (Hrsg.) 

Der Krieg der Erinnerung

Holocaust, Kollaboration und Widerstand im europäischen Gedächtnis. Mit Beitr. v. Natalija Basic, Lars Breuer, Nicole Burgermeister u. a.

Hrsg. v. Harald Welzer u. a.
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Der Krieg der Erinnerung

Der Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten hat tiefe Spuren im europäischen Gedächtnis hinterlassen. In diesem Buch wird erstmals untersucht, wie die Erfahrung von Krieg, Kollaboration, Komplizenschaft und Verfolgung zwischen den Generationen weitergegeben wird und welche Gestalt die Kriegserinnerung heute in verschiedenen europäischen Ländern annimmt. Dabei zeigt sich das Deutschenbild überraschend positiv, aber es zeigt sich auch, dass der Antisemitismus unerwartet tief verankert ist.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 292 S. m. 10 Fotos.
  • Seitenzahl: 292
  • Fischer Taschenbücher Bd.17227
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 123mm x 24mm
  • Gewicht: 295g
  • ISBN-13: 9783596172276
  • ISBN-10: 3596172276
  • Best.Nr.: 20851798

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Erschreckend findet Rezensentin Birgit Aschmann die Ergebnisse dieser von Harald Welzer herausgegebenen Untersuchung über die Erinnerungspraxis in diversen europäischen Ländern im Blick auf den zweiten Weltkrieg, den Holocaust, Kollaboration und Widerstand. Wie sie berichtet, wählten die Mitarbeiter des Projekts in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, Serbien, Kroatien jeweils zwanzig Familien für Interviews über die Thematik aus, um die Sichtweisen von Zeitzeugen sowie der nachgeborenen Kinder und Enkelkinder zu erforschen. Zwar kritisiert Aschmann das Fehlen von Frankreich und Polen sowie die statistisch doch sehr schmale Basis der Untersuchung. Aber die Ergebnisse scheinen ihr dennoch sehr instruktiv, auch wenn sie recht düster ausfallen. Neben der Bereitwilligkeit, gegenwärtige Ereignisse wie den Irak-Krieg oder die Verhältnisse im Nahen Osten mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gleichzusetzten, hebt Aschmann die vielfach auftauchenden antisemitischen Stereotype hervor sowie die milde Sicht auf "die Deutschen" und einen Mangel an Mitgefühl mit den Opfern.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.11.2007

Von Guten und Bösen
Kollaboration und Widerstand im Gedächtnis Europas

Nicht nur Geschichtswissenschaftler sind seit geraumer Zeit der Bedeutung von Erinnerungskulturen auf der Spur, auch Politikern ist längst bewusst, welchen Einfluss das Verständnis des Vergangenen auf die Interpretation der Gegenwart und den Entwurf von Zukunftskonzepten hat. Von überragender Relevanz für das kollektive Gedächtnis europäischer Staaten sind nach wie vor der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.

Wie sehr sich die westeuropäischen Regierungschefs ihrer Verantwortung bewusst sind, die Erinnerung an den Holocaust nicht verblassen zu lassen, kam im Jahre 2000 auf einer internationalen Konferenz in Stockholm zum Ausdruck, die Harald Welzer zum "Gründungsakt einer transnationalen Erinnerungskultur" erklärt. Dabei ist dem Sozialpsychologen klar, dass die "von oben" durch Staatsakte oder Lehrpläne vorgegebenen Sachinhalte und Werturteile keineswegs mit dem übereinstimmen müssen, was der "gemeine" Mensch so denkt. Da dieser der letztgültige Adressat sämtlicher gesellschaftspädagogischen beziehungsweise erinnerungspolitischen …

Prof. Dr. Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und lehrt Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke sowie an der Emory University Atlanta.

Inhaltsangabe

Inhalt:
Die Toleranz der Generationen: Wie Gut und Böse in den Niederlanden unterschieden werden (Hans Marks & Friederike Pfannkuche)
Vom Widerstand zum Weltfrieden - Der Wandel nationaler und familiärer Konsenserzählungen über die Besatzungszeit in Norwegen (Claudia Lenz)
Wen interessiert heute noch der Zweite Weltkrieg? - Tradierung von Geschichtsbewusstsein in Familiengeschichten aus Serbien und Kroatien (Natalija Basic)
Ein Mythos im Umbruch - Gespräche mit Scheizerinnen und Schweizern über den Zweiten Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus (Nicole Burgermeister)
Streifzüge durch ein europäisches Generationengedächtnis - Gruppendiskussionen zum Thema Zweiter Weltkrieg im interkulturellen und intergenerationellen Vergleich (Olaf Jensen & Sabine Moller)iographie

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