Die Kunst des Filmschnitts - Ondaatje, Michael

Michael Ondaatje 

Die Kunst des Filmschnitts

Gespräche mit Walter Murch

Übersetzer: Midding, Gerhard
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Die Kunst des Filmschnitts

Der Cutter als Philosoph. Im Gespräch mit Michael Ondaatje gibt der außerordentliche Künstler Walter Murch Einblick in seine Arbeit - und nebenbei amüsante Anekdoten aus Hollywood zum Besten. Ein wunderbares Dialog- und Bilderbuch!


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2008
  • Sonderformat.
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 332 S. m. zahlr. Fotos.
  • Seitenzahl: 368
  • dtv Taschenbücher Bd.13690
  • Deutsch
  • Abmessung: 232mm x 185mm x 28mm
  • Gewicht: 924g
  • ISBN-13: 9783423136907
  • ISBN-10: 3423136901
  • Best.Nr.: 23335076

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Der Filmcutter als Philosoph: Als solcher ist Walter Murch dem Rezensenten Thomas David im vorliegenden Interviewband begegnet. Murch sei ein "Renaissancemensch", meint auch Michael Ondaatje, der die Gespräche geführt hat. Einer, der Verbindungen "zwischen der Struktur altchinesischer I-Ging-Hexagramme und der Inszenierung von Filmszenen" zieht. Und so kommen, schwärmt David, alle auf ihre Kosten: die Cineasten erhalten Futter für ihre Technikbegeisterung und "Einsicht in das geheime Wissen Hollywoods" - Murch war nicht umsonst Coppolas Cutter - und erfahren beispielsweise, was es mit der "Spaghettisaucen-Methode" des Filmschnitts auf sich hat, während die "Romanleser" neuen Stoff zum Nachdenken über die Beziehung von Film und Literatur erhalten. Gut gefällt ihm die hervorragende - "ungewöhnliche" - Besetzung, zwei Kreative, zwei Neugierige. Das Ergebnis: ein "wohltemperiertes Künstlerbuch".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.03.2005

Diesseits vom Paradies
Michael Ondaatje unterhält sich mit dem Cutter Walter Murch, und David Thomson erzählt noch einmal die Geschichte Hollywoods

Als F. Scott Fitzgerald 1939, ein Jahr vor seinem Tod, am "Letzten Tycoon" arbeitete, als er sich über den Fortgang des Romans den Kopf zerbrach, da waren seine Skizzen von einer immer tieferen Melancholie eingefärbt. Im September 1939 schrieb er an seinen Verleger von Hollywoods "üppiger romantischer Vergangenheit, die wir in unserer Zeit so wohl nie wieder erleben werden", und noch als Fragment ist der Roman für das Hollywood der dreißiger Jahre, was "Der große Gatsby" für die zwanziger war. Hollywoods Wunderjahr 1939 mit Filmen wie "Vom Winde verweht", "Der Zauberer von Oz", "Sturmhöhe" oder "Höllenfahrt nach Santa Fe" war da noch nicht einmal vorbei, und doch klang alles wie der Schwanengesang auf ein Goldenes Zeitalter.

David Thomson hat nicht nur diese Tonlage aufgenommen; er hat auch den Titel seines Buches bei Fitzgerald geborgt: "The Whole Equation", die ganze Gleichung des Filmemachens, deren Beherrschung Fitzgerald seinem Helden Monroe Stahr zuschreibt. Stahr war unverkennbar …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.07.2005

Was wir Form nennen, ist Liebe
In einem wunderbaren Buch unterhält sich Michael Ondaatje mit Walter Murch über die Kunst des Filmschnitts
„Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?” fragte in den sechziger Jahren der junge François Truffaut die große Hollywoodlegende wie das Orakel von Delphi, und Sir Alfred fand das eine so gute Frage, dass er seinem Kollegen daraufhin ein Fünfzig-Stunden-Interview gewährte.
Das Buch war für uns junge Filmemacher eine cineastische Offenbarung, spannend wie die Filme des Meisters selbst. Bevor die erste Klappe fiel, war in Hitchcocks Kopf der Film in allen seinen Aspekten bereits inszeniert und geschnitten. Er überließ nichts dem Zufall, kontrollierte Schritt für Schritt die verschiedenen Metamorphosen der Filmherstellung. Zwar war auch in den Studios Hollywoods das Filmemachen ein kollektiver Vorgang, aber Hitchcock beanspruchte eine Stellung wie Napoleon, der eine Armee befehligte.
Es war die Zeit, als der junge deutsche Film sich aufmachte, die von Goebbels’ Filmästhetik besudelte Filmlandschaft zu reinigen. Da es für unsere neue Art, Filme zu machen, keine Produzenten gab, waren wir gezwungen, mit Hilfe …

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"Ein Spaziergang durch drei Jahrzehnte amerikanisches Autorenkino." Katja Nicodemus, Die Zeit, 12.05.2005 "Ein wunderbares Buch. In seiner Klarheit, in seiner Klugheit und in seiner Leidenschaft für die kleinen Dinge, die große Filme hervorbringen. Es schafft, was man von jedem guten Filmbuch erwartet: Dass man Lust bekommt, all die Filme wiederzusehen, von denen die Rede ist." Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005
Michael Ondaatje wurde 1943 in Sri Lanka geboren, ist holländisch-tamilisch-singhalesischer Abstammung und lebt heute in Kanada. Seit 1971 unterrichtet er am Glendon College der York University (Toronto) Gegenwartsliteratur. Seine Bücher wurden mehrfach mit dem höchsten Kanadischen Literaturpreis ausgezeichnet, und für seinen Roman "Der englische Patient" erhielt er 1992 den Booker-Preis.

Leseprobe zu "Die Kunst des Filmschnitts" von Michael Ondaatje

Aus dem Englischen von Gerhard Midding.

Im Frühjahr 2000 begann Walter Murch auf Wunsch von Francis Ford Coppola, Apocalypse Now neu zu schneiden. Murch hatte an dem Film zwischen 1977 und 1979 als Sounddesigner und als einer von vier Cuttern gearbeitet. Zweiundzwanzig Jahre später wurde jeder Take, jeder Ausschuß, jede »verlorene« Szene, jedes Tonelement (die man sorgfältig in klimatisierten Kalksteinhöhlen in Pennsylvania aufbewahrt hatte) aus dem Archiv geholt, um sie noch einmal anzusehen. Apocalypse Now ist ein Teil des amerikanischen Unbewußten geworden. Und das war in gewisser Hinsicht auch das Problem. Als ich nach dem ersten Tag mit Walter bei Zoetrope dem Romancier Alfredo Véa während des Abendessens erzählte, was mit dem Neuschnitt von Apocalypse Now passierte, zitierte Véa augenblicklich Marlon Brandos Monolog über die Schnecke auf

der Rasierklinge. Während des Essens imitierte er präzise Dennis Hoppers Gejammer: »Was werden sie über ihn sagen? Was werden sie sagen? War er ein guter Mann? War er ein weiser Mann?« Für Véa, der selbst in Vietnam gekämpft hatte, war Apocalypse Now der Film über den Krieg schlechthin. Es war das Kunstwerk, das den Krieg für ihn einfing, das ihm eine mythologische Struktur gab, an die er sich halten konnte, das ihm zeigte, was er durchgemacht hatte und worüber er später selbst in Büchern wie Gods Go Begging schrieb. Also mußten sich die Mitwirkenden am neuen Apocalypse Now darüber klar sein, daß es Probleme mit dem Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen des Klassikers geben würde. Er war inzwischen Allgemeingut.

»Er ist wirklich Teil unserer Kultur geworden«, sagte Murch. »Und wie Sie selbst vom Schreiben wissen, ist das keine Einbahnstraße. So sehr ein Werk auf die Kultur Einfluß nimmt, so geheimnisvoll wirkt die Kultur auf das Werk ein. Apocalypse Now im Jahr 2000 ist etwas ganz anderes als der gleiche Film in dem Augenblick, als er 1979 in die

Kinos kam.«
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