Onno Viets und der Irre vom Kiez / Onno Viets Bd.1 (1 Audio-CD) - Schulz, Frank
  • Audio CD

Jetzt bewerten

"Ein Buch von Frank Schulz ist immer ein Ereignis. Kaum angekündigt, beginne ich mich schon zu freuen!" Roger Willemsen Was passiert, wenn einer wie Onno Viets zum ersten Mal in seinem Leben eine richtig gute Idee hat? Onno, Mitte 50, Hartz IV-Empfänger, Noppensockenträger und ungeschlagener Köni einer Hamburg-Eppendorfschen Pingpong-Runde, bekennender Nicht-Schwitzer, leicht phobisch, hat das Finanzamt im Nacken, den Geburtstag seiner Frau Edda vor Augen und eine Eingebung aus dem Fernsehen: Er wird Privatdetektiv! Live-Mitschnitt aus dem Uebel & Gefährlich, Hambur…mehr

Produktbeschreibung

"Ein Buch von Frank Schulz ist immer ein Ereignis. Kaum angekündigt, beginne ich mich schon zu freuen!" Roger Willemsen
Was passiert, wenn einer wie Onno Viets zum ersten Mal in seinem Leben eine richtig gute Idee hat? Onno, Mitte 50, Hartz IV-Empfänger, Noppensockenträger und ungeschlagener König einer Hamburg-Eppendorfschen Pingpong-Runde, bekennender Nicht-Schwitzer, leicht phobisch, hat das Finanzamt im Nacken, den Geburtstag seiner Frau Edda vor Augen und eine Eingebung aus dem Fernsehen: Er wird Privatdetektiv!
Live-Mitschnitt aus dem Uebel & Gefährlich, Hamburg
  • Produktdetails
  • Verlag: Roof Music; Tacheles!
  • ISBN-13: 9783941168961
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3941168967
  • Best.Nr.: 34511816
  • Laufzeit: 83 Min.

Autorenporträt

Frank Schulz, geboren 1957,lebt als freier Schriftsteller in Hamburg. Für die Romane seiner 'Hagener Trilogie' ("Kolks blonde Bräute", 1991, Morbus fonticuli oder "Die Sehnsucht des Laien", 2001, "Das Ouzo-Orakel", 2006) wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem "Förderpreis zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" (1999) sowie mit dem Hamburger "Hubert-Fichte-Preis" (2004) und dem Hamburger "Irmgard-Heilmann-Preis" (2006). 2012 erhielt Frank Schulz den "Kranichsteiner Literaturpreis" des Deutschen Literaturfonds und 2015 den "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor".

Trackliste

CD
1Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 100:05:54
2Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 200:18:10
3Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 300:08:10
4Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 400:09:25
5Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 500:14:03
6Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 600:12:12
7Onno Viets und der Irre vom Kiez/Track 700:15:32

Rezensionen

Besprechung von 05.03.2012
Verchromte Laberleiste
Frank Schulz’ zwangsorigineller Kiez-Krimi „Onno Viets“
Die Boulevardmedien bezeichnen ihn wahlweise als „Hünen“, „Teufel“, „Horrorkreatur“ oder „Alstermonster“. Seine Freunde nennen ihn „Händchen“, für alle anderen ist er der „Irre vom Kiez“. Und er sieht wahrhaft schrecklich aus: ein ganzkörpertätowierter Muskelberg von einem Mann, mit zahnlosem Maul und abgeschnittenen Ohren, mit Teufelsgehörn aus Teflon auf dem nackten Schädel, dessen Haut mit dem Muster eines Gehirns gezeichnet ist, als liege es bloß. Was in diesem Kopf vorgeht, ist allerdings nicht so leicht zu ergründen. Denn zu sehen ist der Hüne zunächst lediglich auf einem Videoclip, der im Internet für gigantische Klickzahlen sorgt. Zwei hessische Hamburg-Touristinnen auf der „Saselbek“ haben die Szene gefilmt, wie der Hüne, nackt auf einem Motorrad, über den Bootssteg brettert, mit weitem Sprung in der Außenalster landet, durchs Wasser krault, das Schiff kapert und die dort versammelten Touristen als Geiseln nimmt.
Bei Frank Schulz ist man es gewohnt, dass es wild zugeht. Er ist ja eine Art Hamburger Heimatdichter, St. Pauli inklusive, und getrunken wird in seinen Büchern und bei seinen Lesungen reichlich. Mit „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ hat er nun zum ersten Mal einen, nun ja, Krimi, geschrieben. Aber zunächst erzählt er nur das, was auf dem Clip der Hessinnen zu sehen und zu hören ist: der Einbruch elementarer Urgewalt in die Sommeridylle. Dieser Kniff, nichts als di Clip-Oberfläche abzubilden, ist der eigentliche ästhetische Reiz des Romans. Im weiteren Verlauf folgen drei Fortsetzungen bis zum dramatischen, blutigen Showdown im Innenraum des Schiffs. Die Filmausschnitte strukturieren das Geschehen und geben dem Autor Gelegenheit, seine Qualitäten als Beschreibungskünstler und Wortakrobat vorzuführen. Seine Freude daran, verschiedene Milieus zu zeichnen, ist ebenso unverkennbar, wie die Lust an Dialogen und Dialekten. Hessisch und Hamburgerisch buchstabiert er so liebevoll nach, dass er für die aus dem Off gesprochenen Kommentare gelegentlich sogar Lautschrift verwendet. „Foschba“ sah er aus, der Hüne, oder auch „fuch’chtba“. Der unbekannte Webmaster hat solche Stellen dankenswerterweise untertitelt.
Von dieser spektakulären, temporeichen Szene aus entwickelt sich dann das Romangeschehen in langen, langsamen, nahezu behäbigen Rückblenden. Erzählt wird die Geschichte von Onno Viets, einem durchaus liebenswerten, sanftmütigen Hartz-IV-Empfänger jenseits der fünfzig, der seine besondere Qualität einer zähen Unerschütterlichkeit vor allem beim Tischtennis entfaltet. Dieses Spiel und das Treffen mit den Freunden ist der Höhepunkt seiner Woche, das obligate Kneipengerede der Herrenrunde bietet Schulz ebenfalls recht ausführlich dar.
Die Freunde halten dann auch nicht viel davon, dass Onno aus seiner notorischen Geldnot heraus beschließt, Privatdetektiv zu werden. Und doch beschafft ihm einer von ihnen, ein Rechtsanwalt, der auch als Erzähler der ganzen Geschichte fungiert, den ersten Auftrag. Für einen an Dieter Bohlen erinnernden Pop-Star soll er die Freundin observieren und Beweise ihrer Untreue liefern. Mit Onno betritt erstmals ein Detektiv das Universum der Kriminalistik, der seine Berufskenntnisse und Handlungsanleitungen einem Ratgeber aus dem Internet entnimmt. Und bald trifft er neben dem Porno-Sternchen auf den Hünen, „Händchen“, und aus der Beschattung wird eine ziemlich brisante Freundschaft – jedenfalls sieht der Hüne das so. Denn auch in einem furchteinflößenden Körper wohnen sentimentale Sehnsüchte.
Die Detektiv-Thriller-Soziopathen-Komödie führt dann noch nach Mallorca und wieder zurück und zieht sich ziemlich in die Länge. Onno ist eher maulfaul, sagt meistens nur „öff, öff“ oder „njorp“, während im Sprachgebrauch der zu Observierenden Floskeln wie „Hallo? Geht’s noch?“, „Wie geil ist das denn?“ und „Geht gar nicht“ dominieren. Dazwischen wuchern die Arabesken des Erzählers, die einem in ihrem andauernden Bemühen um Originalität auch auf die Nerven gehen können. Eine schlichte Allee erscheint dann so: „Voluminöse Bäume standen der Straße gespreiztes Spalier“. Zu Hochform läuft Schulz auf, wenn er Szenerien in St. Pauli oder Pornos auf Youporn beschreibt. „Fummeln an den Ventilen ihrer Meiereien“ – das trifft es in aller Kürze exakt. Und die Wendung „hart wie Riefenstahl“ könnte durchaus Bestand haben. Ihn deshalb aber schon in die Arno-Schmidt-Nachfolge zu rücken, wie es seine Anhänger gerne tun, wäre jedoch übertrieben. Die Sprachlust, Wortschöpfungskunst und Lautmalerei wirken leider, als müsste die eher dünne Geschichte künstlich aufgepeppt werden. Die Sätze hängen wie klappernde Chromleisten am Handlungsgerüst. Wenig überzeugend auch der allzu schlichte Einfall, den Hünen mit einer schweren Kindheit auszustatten, wo er von den Eltern verlassen und von der Tante missbraucht wurde. So argumentieren allenfalls Sozialarbeiter und der „Tatort“ der ARD. „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ wäre aber wohl eher ein Stoff für die Freitagabend-Klamauk-Schiene.
JÖRG MAGENAU
FRANK SCHULZ: Onno Viets und der Irre vom Kiez. Roman. Galiani Verlag, Berlin 2012. 368 Seiten, 19,99 Euro.
Die Dialektkarte wird so
authentisch gespielt, dass der Autor
sogar Lautschrift verwendet
„Hart wie Riefenstahl“,
dieser Kalauer könnte durchaus
Bestand haben
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
Besprechung von 19.11.2012
Beeckdörp hat das letzte Wort
Frank Schulz erhält den Kranichsteiner Literaturpreis

Die DDR ist noch lange nicht Vergangenheit. Die Erinnerungen an sie reichen bis in die Gegenwart, in den Alltag hinein, beeinflussen Denken und Handeln ihrer ehemaligen Bürger. Aufgewachsen in einem Land, das es heute nicht mehr gibt, verarbeiten viele deutsche Nachwuchsschriftsteller ihre Kindheitserinnerungen in Büchern, in denen die ostdeutsche Diktatur als schwierige Heimat mit mehr oder weniger kritischem Unterton, aber nie ohne eine gewisse Nostalgie wiederauflebt.

Der Blick auf die DDR verbindet auch die diesjährigen Stipendiaten des Deutschen Literaturfonds, deren Namen bei der Überreichung des Kranichsteiner Literaturpreises an Frank Schulz in Darmstadt bekanntgegeben wurden. Inka Parei, ausgezeichnet mit dem New-York-Stipendium, erzählt in ihrem Roman "Die Kältezentrale" vom Versuch eines geschiedenen Ehepaars, eine schicksalhafte Entscheidung zu rechtfertigen. Gregor Sander, der das London-Stipendium erhält, betrachtet in seinem Erzählband "Winterfisch" das Leben im ehemals zur DDR gehörenden Norden Deutschlands.

Auch Schulz' Werke sind mal düstere, mal heitere Heimat-Retrospektive. In seiner "Hagener Trilogie", die zwischen 1991 und 2006 erschien, geht es um den Versuch des Helden Bodo Morten, vor der eigenen Vergangenheit im für Schulz' Heimat Hagen stehenden Dörfchen Beeckdörp zu fliehen - im geographischen wie im Freudschen Sinne. Fü sein Gesamtwerk und den jüngst erschienenen Roman "Onno Viets und der Irre vom Kiez" erhielt Schulz nun den mit 20 000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis, den der Literaturfonds seit 1983 vergibt. Edo Reents, Redakteur im Feuilleton dieser Zeitung, beschrieb in seiner Laudatio den "Grundkonflikt zwischen Intellektuellem und Proletarier", den Morten auszutragen habe. Doch eigentlich sei von vornherein klar: Beeckdörp habe das letzte Wort.

Der mit 5000 Euro dotierte Literaturförderpreis ging an Benjamin Maack, der sich am Vormittag beim Wettlesen auch bei der Schüler-Jury des Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasiums hatte durchsetzen können.

JULIA KERN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Harry Rowohlts erste Reaktion:

"Ich kann über Frank Schulz' neuen Thriller nichts sagen ...

Ich lese ihn wie gebannt und möchte nicht gestört werden ..."

... zwei Wochen später:

"Jetzt kann sich die deutsche Gegenwartsliteratur endgültig warm anziehen!"

"Spitzenbuch!" -- Wolfgang Herrndorf

"Wenn der überaus sprachmächtige Frank Schulz einen Krimi vom Stapel lässt, erwartet man natürlich gleich den Krimi aller Krimis - ein saftstrotzendes Wunderding von einem Buch. Das trifft es exakt." -- Karen Duve

"Ein Buch von Frank Schulz ist immer ein Ereignis. Kaum angekündigt, beginne ich mich schon zu freuen!" -- Roger Willemsen
Harry Rowohlts erste Reaktion: "Ich kann über Frank Schulz' neuen Thriller nichts sagen ... Ich lese ihn wie gebannt und möchte nicht gestört werden ..." ... zwei Wochen später: "Jetzt kann sich die deutsche Gegenwartsliteratur endgültig warm anziehen!" "Spitzenbuch!" Wolfgang Herrndorf "Wenn der überaus sprachmächtige Frank Schulz einen Krimi vom Stapel lässt, erwartet man natürlich gleich den Krimi aller Krimis - ein saftstrotzendes Wunderding von einem Buch. Das trifft es exakt." Karen Duve "Ein Buch von Frank Schulz ist immer ein Ereignis. Kaum angekündigt, beginne ich mich schon zu freuen!" Roger Willemsen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Öff, öff, Hammer, Diggär! Das ist der Heimatdichter, wie er leibt und lebt, meint Oliver Jungen schwer begeistert. Den neuen Roman von Frank Schulz nennt er eine Realsatire mit jeder Menge grotesken Elementen. Vor allem aber haut ihn Schulzens Talent um, über unglaubliche Umwege schließlich doch zu einem Gesamtbild zu gelangen, in das sich alle meisterlichen Abschweifungen rückwirkend klasse einpassen. Worum es geht? Um einen echten Antihelden, der eigentlich nichts richtig kann, bei Schulz jedoch Superkräfte entwickelt. Soviel. Der Rest ist Stil, meint Jungen, und was für einer! Hoch- und Spaßkultur, versichert er, kann wohl keiner so gekonnt in einem Buch vereinen wie dieser Autor: Krachende Kalauer, uns Dieter Bohlen, Kiez-Jargon und gespreizte Hochsprache. Und was hier Authentisch, was Ausgedacht ist, vermag der Rezensent ohnehin kaum noch zu unterscheiden.

© Perlentaucher Medien GmbH
Solche Sätze hat der deutsche Kriminalroman noch nicht gesehen WDR