Ich bin ein Teil des Waldes, 1 Audio-CD - Storl, Wolf-Dieter

Ich bin ein Teil des Waldes, 1 Audio-CD

Wolf-Dieter Storl erzählt sein Leben. 78 Min.

Wolf-Dieter Storl 

 
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Ich bin ein Teil des Waldes, 1 Audio-CD

Der begeisterte Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl erzählt von seinem ungewöhnlichen Leben, in dem Pflanzen immer eine besondere Rolle spielten. Er studiert Botanik und erklimmt die wissenschaftliche Karriereleiter. Doch über die chemischen Prozesse hinaus, interessieren ihn bald vielmehr die Heilkräfte und Bedeutungen der Pflanzen in der Volksmedizin, in Sagen und Mythen. Storl lässt sein altes Leben hinter sich: Er wandert mit Pflanzenschamane der Cheyenne, meditiert in Indien mit den Sadhus Shivas, lebt als Knecht bei Schweizer Bergbauern, ist Gärtner einer anthroposophischen Landkommune und lebt heute auf einem Berghof im Allgäu. Wie kaum ein anderer versteht es Storl, uns modernen Menschen ein tiefes Naturverständnis zu vermitteln und ein Miteinander in Einklang mit der Natur vorzuleben. Er redet mit Pflanzen und hört ihnen zu. Er kämpft für ihr Recht, will aufklären und mit Unwissen und Aberglauben aufräumen. Live- Mitschnitt einer Lesung von Wolf-Dieter Storl als Hörbuch. Er erzählt Erlebnisse, die nicht im Buch enthalten sind.


Produktinformation

  • ISBN-10: 3440114333
  • Best.Nr.: 23320782
  • Laufzeit: 78 Min.
Er ist Geschichtenerzähler und Philosoph, Wortforscher und Wurzelsepp. Für den begeisterten Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl ist Wissenschaft ein einziges Abenteuer. GEO

Wolf Dieter Storl, hat eine besondere Begabung, die man sonst eher von Naturvölkern kennt. Er kann mit Pflanzen reden. SWR
Dr. Wolf-Dieter Storl, geboren 1942, ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Er wanderte 1954 mit seinen Eltern in die USA (Ohio) aus, wo er die meiste Zeit in der Waldwildnis verbrachte. Nach dem Studium der Botanik und Völkerkunde an der Ohio State Universitiy lehrte er als Dozent für Soziologie und Anthropologie an der Kent State University. 1974 promovierte er als Doktor der Ethnologie in Bern.
Seine zahlreichen Reisen und Feldforschungen prägten sein Denken und fanden ihren Niederschlag in vielen erfolgreichen Büchern. Wolf-Dieter Storl lebt seit 1988 mit seiner Familie auf einem Einsiedlerhof im Allgäu.
Dieses Buch enthält Biographisches, soll aber keine Autobiographie sein. Bill Tallbull, der Medizinmann, der mit den Pflanzengeistern kommunizierte, und Arthur Hermes, der naturkundige, weise Bauernphilosoph, werden erwähnt, kommen aber in diesem Buch zu kurz. Wenn ich mich über diese meine wichtigsten Lehrer auslassen würde, dann würde es den Rahmen des Buches sprengen. Ich habe an anderer Stelle über sie berichtet. Hier geht es darum, einige der Hintergründe zu erhellen, die zu der Naturphilosophie führten, die in meinen anderen Werken zum Ausdruck kommt. Für mich ist die Natur nicht etwas Äußeres, etwas rein Gegenständliches, das man mit kühler Sachlichkeit analysieren und quantifizieren kann. Die Natur ist draußen und drinnen; sie durchwebt uns, nicht nur stofflich und energetisch, sondern sie durchdringt uns auch mit inneren Bildern, mit erhabenen Inspirationen, sie ist beseelt und Ausdruck kosmischer Intelligenz. Das Äußere der Natur nimmt man mit den nach außen gerichteten Sinnesorganen wahr. Das dazu gehörende Innere der Natur - die Seele, den Geist der Natur - nimmt man in liebender Meditation mit dem inneren Auge und dem inneren Ohr wahr. Echte Naturerkenntnis braucht beide Wahrnehmungsmöglichkeiten, so wie ein Vogel beide Flügel braucht, um abzuheben.

Wie mir die Ameisen das Schreiben beibrachten

Im Grunde genommen habe ich immer Heimat gesucht, Wurzeln. Noch lange braucht ein Kind die schützende, warme Hülle, die liebende Menschen und ein sicheres Zuhause ihm geben können. Aber schon bald kam der tränenreiche Abschied. Der Opa, der mir Geschichten erzählte, die Oma, die mir die warmen Jacken und Hosen strickte und Kamillentee braute, wenn ich krank war, die Tante, die mit ihren kornblumenblauen Augen auch an trüben Tagen ein Stück Himmel verschenkte - sie und andere liebe Verwandte standen da am Abstellgleis im Crimmitschauer Güterbahnhof. Dann zog die Dampflokomotive an. Das versammelte Häufchen wurde, durch die Ritzen im Güterwagen gesehen, immer kleiner. Jedes Klick-Klack der Eisenräder, jedes Schnaufen der Lokomotive und jeder vorbeihuschende Mast trug mich weiter weg von dem grünen Garten meiner Kindheit, von dem erdig riechenden Keller, von der rotblättrigen Hausbuche, von den Pilzen, die wir im Wald sammelten, von dem Birkenhain. Das war der erste Bruch, die erste Loslösung, der erste kleine Tod in meinem Leben.

Es war taunass und frisch, als wir - meine Mutter und ich - vor Sonnenaufgang, ganz nahe an der russischen Kommandantur vorbei, durch ein Loch im Stacheldraht über die Zonengrenze krochen. In Oldenburg wartete der eben aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Vater auf uns.

In einer winzigen Dachkammer, wo nur ein Bett, eine Pritsche, eine Kommode mit Wasserkrug und Becken Platz hatten, da wohnten wir nun, mitten in einer Stadt voller Flüchtlinge. Dort fing dann auch die Schule an, die mir wie ein Gefängnis vorkam. Da, im kühlen nassen Oldenburg, war der Hunger nicht so heftig, dass man mitten in der Nacht aufwachen musste, weil man mit aufeinanderklappenden Zähnen in eine geträumte Butterbemme (Brotschnitte) gebissen hatte.

In der Stadt, wo Kinder, die ihre Väter verloren hatten und durch Vertreibung und Bombennächte traumatisiert worden waren, Tag für Tag den Krieg nachspielten, lernte ich fliegen. Eines der Hühner, die ein Nachbar im Hinterhof hielt und deren Flügel nicht gestutzt waren, flatterte hinauf in die große Buche und hinüber auf das Schieferdach. In der Nacht sprach das Tier zu mir: "Ja, auch du kannst fliegen!" Da ruderte ich mit meinen Armen, flatterte ungeschickt los. Bald jedoch, in den folgenden Nächten, hob ich ab, flog weit und hoch über die Erde. Das Herunterkommen und Landen war viel schwieriger, wie auf der Achterbahn drehte es einem den Magen um. Und manchmal verfolgten mich Schatten im Flug, denen ich kaum entkommen konnte. Manchmal brach ich tief in die Erde ein, die aus vielen, von zankenden Zwergen bewohnten Stockwerken bestand. Manchmal begegnete ich Riesen, die sich mit den Zwergen stritten. Mit allen versuchte ich auszukommen, mit ihnen zu reden, zwischen ihnen zu vermitteln.

Ja, ich war verträumt und ich war schlecht in der Schule. Ganz schlecht. Zum Glück gab es damals noch keine Schulpsychiater. Lieber ging ich in den verwilderten Park der Fürstin Cecilia als in die Schule. Das kleine Schlösschen war zerbombt, auf den Wiesen bauten Flüchtlinge Kohl und Möhren an, aber die herrlichen alten Parkbäume luden zum Klettern ein. In der Ruine des fürstlichen Bades sammelten wir Kaulquappen und planschten an heißen Tagen im Wasser. Neben dem Park lag der botanische Garten. Da wilderten wir und vertauschten die Schilder, um die Gärtner zu ärgern. Wenn sie einen erwischten, gab es eine tüchtige Tracht Prügel. Mich erwischten sie nicht, flink kletterte ich über den Zaun. Doch einmal zerriss ich mir die Hose dabei und es gab die Prügel zu Hause. Im botanischen Park lernte ich auch meinen ersten pflanzlichen Verbündeten beim Namen kennen, den Gundermann.

Hinter dem Haus, in dem wir wohnten, legte ich im Schutt einen kleinen Garten an: Kartoffeln, einige Gemüse und die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) - einen weiteren "pflanzlichen Verbündeten" - pflanzte ich dort an. Sie gediehen prächtig. So prächtig, dass unsere Hausbesitzerin mich beschuldigte, gute Gartenerde aus ihren Gemüsebeeten gestohlen zu haben. Ursache waren jedoch die vielen Pferdeäpfel, die ich immer auf dem Schulweg für meine Pflanzenfreunde sammelte.

Im Sommer zwischen der 4. und der 5. Klasse, kurz bevor wir auswanderten, machte die aus 50 Jungen bestehende Schulklasse einen dreiwöchigen Ausflug in die Heide. Wir wanderten, schwammen in kalten Teichen, spielten mit Begeisterung "Fahne erobern", schnitzten Boote aus dicker Kiefernrinde, schauten Schafhirten zu, fingen Frösche und stellten eben alles an, was Jungen in diesem Alter so anstellen. In der Schule sollten wir einen Aufsatz über unser Sommererlebnis schreiben. Da schrieb ich über die Ameisen, in die ich mich stundenlang vertieft und denen ich zugeschaut hatte, wie sie Hölzer und Kiefernnadeln schleppen, wie sie lange Straßen anlegen, wie sie einander bei der Begegnung mit ihren Fühlern betasten, wie Wächter die Eingänge bewachen, wie sie eine Raupe überfallen. Alles, was ich beobachtet hatte, schrieb ich in dem Aufsatz nieder. Ich erwartete die übliche Vier oder Fünf als Note. Diesmal schimpfte der Lehrer mit mir, er war verärgert und wollte wissen, wo ich das abgeschrieben hätte. So gut könne jemand wie ich doch nie und nimmer schreiben. Und ich solle nicht lügen!

Von diesem Moment an konnte ich schreiben. In den Vereinigten Staaten, schon im ersten Jahr, schrieb ich - mithilfe des Wörterbuchs - Aufsätze, die ich in der Schule der ganzen Klasse vorlesen musste. Bald musste ich sie vor allen Klassen vorlesen. Eine Lehrerin - von ihr lernte ich das Schreibmaschinenschreiben - sagte: "Versprich mir, dass du Schriftsteller wirst!" Nein, das wollte ich beileibe nicht sein. Stubenhocker! Schreiberling! Nie und nimmer. Ich wollte in die freie Natur, wollte Förster oder Ranger werden. Weil es mir aber immer schon schwergefallen ist, "nein" zu sagen, brachte ich ein kleinlautes "Ja" hervor. Man passe also gut auf auf das, was man sagt. Vielleicht hat das Wort doch eine bindende Kraft?Von den Indianern lernte ich viel später, dass Tiere weiser sind als Menschen. Tiere leben noch größtenteils in der Traumzeit. Sie haben sich noch nicht in dem Labyrinth der Gedanken verirrt, die ein übergroßer, abgekapselter Kopf hervorbringt, sondern sind noch mit dem Großen Geist verbunden, mit der Weisheit des Himmels und der Erde, mit den Gottheiten. Wenn man in ihre Traumzeit einsteigt, können sie unsere Lehrer sein. Bei den Ameisen muss ich wirklich eingestiegen sein, muss sie im tranceartigen Zustand erlebt haben. Sie haben mir das Schreiben beigebracht. Schreiben erfordert Ameisenfleiß. Jeder schwarze Buchstabe auf weißem Papier eine Ameise. Jede Zeile eine Ameisenstraße.

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