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"Mutig, radikal und provokant rebelliert Charlotte Roches Roman gegen Hygienehysterie und die sterile Ästhetik der Frauenzeitschriften, gegen den standardisierten Umgang mit dem weiblichen Körper und seiner Sexualität - und erzählt dabei die wunderbar wilde Geschichte einer ebenso genusssüchtige wie verletzlichen Heldin." -- Buchmagazin "... muss man gehört haben. Den Schlusspunkt setzt eine wunderbare Wiedergeburt durch eine Krankenhaustür. Da kann man als Hörer nur noch schreien oder kreischen - vor Begeisterung." -- Titel-Magazin "Fazit: Peinlich, erschreckend tabulos und unheimlic…mehr

Produktbeschreibung

"Mutig, radikal und provokant rebelliert Charlotte Roches Roman gegen Hygienehysterie und die sterile Ästhetik der Frauenzeitschriften, gegen den standardisierten Umgang mit dem weiblichen Körper und seiner Sexualität - und erzählt dabei die wunderbar wilde Geschichte einer ebenso genusssüchtigen wie verletzlichen Heldin." -- Buchmagazin

"... muss man gehört haben. Den Schlusspunkt setzt eine wunderbare Wiedergeburt durch eine Krankenhaustür. Da kann man als Hörer nur noch schreien oder kreischen - vor Begeisterung." -- Titel-Magazin

"Fazit: Peinlich, erschreckend tabulos und unheimlich witzig, ärgerlich, genial, ekelig, das Beste und Unterhaltsamste seit langem (...). Nur wer es gehört hat, darf mitreden." -- Audio Vidio Foto BILD
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House Audio
  • ISBN-13: 9783866048720
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3866048726
  • Best.Nr.: 23327434

Autorenporträt

Charlotte Roche, 1978 in Lodon geboren, war Moderatorin u.a. für VIVA, 3sat und das ZDF und wurde mit dem Grimme-Preis sowie dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, "Feuchtgebiete", der mit seiner radikalen Offenheit eine gesellschaftliche Debatte auslöste. Charlotte Roche lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Köln.
Charlotte Roche

Trackliste

CD 1
1Feuchtgebiete00:00:43
2Feuchtgebiete00:05:32
3Feuchtgebiete00:06:52
4Feuchtgebiete00:09:13
5Feuchtgebiete00:09:50
6Feuchtgebiete00:09:57
7Feuchtgebiete00:05:54
8Feuchtgebiete00:04:25
9Feuchtgebiete00:05:10
10Feuchtgebiete00:05:51
11Feuchtgebiete00:06:11
CD 2
1Feuchtgebiete00:08:56
2Feuchtgebiete00:15:24
3Feuchtgebiete00:08:03
4Feuchtgebiete00:11:24
5Feuchtgebiete00:11:39
6Feuchtgebiete00:06:48
CD 3
1Feuchtgebiete00:10:09
2Feuchtgebiete00:10:00
3Feuchtgebiete00:06:48
4Feuchtgebiete00:08:41
5Feuchtgebiete00:08:46
6Feuchtgebiete00:07:34
7Feuchtgebiete00:09:21
8Feuchtgebiete00:08:13

Rezensionen

Besprechung von 16.04.2008
Da kommt Mutter Natur!
Was macht den Roman "Feuchtgebiete" so erfolgreich?

Ob Helen Behmel die Sängerin Eva Kurowski kennt? Die achtzehnjährige Helen, Ich-Erzählerin von Charlotte Roches Roman "Feuchtgebiete", verbringt lange und schmerzhafte Tage im Krankenhaus, Tage, an denen sie zum Nichtstun verdammt ist. Aber seltsamerweise sieht Helen Behmel nicht fern, sie liest nicht, sie hört auch keine Musik. Das hat seinen Grund: Helen Behmel beschäftigt sich nur mit sich selbst, mit ihrem Körper und ihrem Intimleben. Ist Helen Behmel eine ganz normale Jugendliche? Jedenfalls ist ihre Geschichte für viele Leser so interessant, dass sich "Feuchtgebiete" innerhalb weniger Wochen mehr als vierhunderttausend Mal verkauft hat.

Allein mit der TV-Prominenz der Autorin ist das nicht zu erklären. Nein, dieser Erfolg hat viele Mütter. Zum Beispiel Mutter Natur: "Da kommt Mutter Natur / Mein Gott, wie die aussieht! / Die Beine nicht rasiert / und unterm Arm so ein dicker Strauch!" So beginnt ein Lied der Bochumer Sängerin Eva Kurowski, das Helen Behmel, die auf ihrem Krankenlager melancholisch Erinnerungen an ihre erste Intimrasur pflegt, eigentlich gefallen müsste. Aber mit Mutter Natur kann man sich nicht mehr sehen lassen. Es führt kein Weg zurück zu behaarten Frauenbeinen, die in Latzhosen und Wickelröcken stecken. Dass der neue Feminismus, wie er seit einiger Zeit als Schlagwort mit den unterschiedlichsten Phänomenen der Mediengesellschaft i Verbindung gebracht wird, kaum einmal darüber nachdenkt, ob er an die emanzipatorischen Ansprüche einer grünen und ökologischen Bewegung anknüpfen könnte, ist leicht erklärt: So gründlich wie die gesamte ökologische Bewegung ist sonst nur die Popkultur ökonomisiert worden. Dass viele junge Frauen zwar gegen den Objekt- und Warencharakter aufbegehren, den ihnen gängige Schönheitsideale und die Kosmetikindustrie zuweisen, aber oft nichts gegen Pornographie einzuwenden haben, ist womöglich nur ein scheinbarer Widerspruch. Zum idealen Selbstbild moderner junger Frauen zählt offenbar auch ein starker Wille zu unbedingter Professionalität: Gegen souveräne Selbstvermarktung ist in der Regel wenig einzuwenden. Wo aber die Nachfrage das Selbstbewusstsein bestimmt, ist deren künstliche Stimulation nicht nur erlaubt, sondern scheint dringend geboten. So ist auch für Helen sexuelle Attraktivität die wichtigste Stütze ihres überaus labilen Selbstbewusstseins.

Ingeborg Harms hat in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die einleuchtende These aufgestellt, "Feuchtgebiete" sei "auch ein Pamphlet gegen die Pin-up-Kultur der lückenlos Attraktiven und die Zumutung, die sie für wirkliche Frauen bedeutet". Aber was sind wirkliche Frauen? Sind wirkliche Frauen natürliche Frauen? Mit Helen sagt Ingeborg Harms über die "Blondierungs-, Maniküre-, Peeling- und Intimwaschkünstlerinnen": "Ihre Haltung wird steif und unsexy, weil sie sich ihre ganze Arbeit nicht kaputtmachen wollen."

In Bret Easton Ellis' Roman "American Psycho" wird der solcherart perfektionierte weibliche Körper in einem sexuellen Akt äußerster Aggression vernichtet. Der Aufstand gegen die synthetische Welt mündete hier in die mörderische Pathologie des Misogynen. Auch Helen will ein Körperideal zerstören. Sie fordert, wenn sie begeistert von schmackhaften Körpersekreten schwärmt, aber nichts anderes als eine vermeintliche Rückkehr zur Natur, zu natürlichem Sex nämlich. Aber zeigt sich nicht darin, in der naiven Annahme, es könne in den synthetischen Körperwelten millimetergenauer Intimrasuren überhaupt noch so etwas wie natürliche Sexualität geben, Helens ganze Unschuld?

Charlotte Roche hat mit Helen Behmel eine extreme Kunstfigur geschaffen, ein Wesen, das berührt und schockiert, ein sexbesessenes kindliches Monstrum, das wie jedes Monstrum vor allem von jenen geliebt werden will, die es geschaffen haben. Wie Oskar Matzerath begegnen wir Helen als Insassin einer Heilanstalt, wie der Blechtrommler ist sie ein ungebärdiges, ein schlimmes Kind, anarchisch und grausam. Aber Helens Aggressionen richten sich gegen sie selbst. Wie die Bulimikerin ist sie zwanghaft auf den eigenen Körper fixiert, und wie bei der Bulimikerin hat diese fremdbestimmte Fixierung auch bei Helen autoaggressive Folgen. Womöglich liegt darin sogar das stärkste Identifikationsangebot dieser befremdlichen Figur.

Helen ist traumatisiert: ein Scheidungskind, das den Selbstmordversuch der Mutter verhindert und danach mühsam verdrängt hat. Helen sucht sich nicht nur jede Nacht einen anderen Sexualpartner, sie übt sich auch unermüdlich in autoerotischen Praktiken, die neben dem Lustgewinn auch der Selbstvergewisserung dienen. Wenn Helen ihre verschiedenen Körperausscheidungen isst, kommt damit zum Ausdruck, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes annimmt. Dem jungen Mann, dem sie im Krankenhaus kennenlernt, signalisiert sie: Wer sie nimmt, wie sie ist, kann sie haben. Robin will sie. Ist es eine besonders bittere Pointe dieses als neues feministisches Manifest gefeierten Romans, dass seine Heldin sich am Ende von eigener Hand schwerverletzt in die Arme eines Mannes flüchtet, der von Beruf Pfleger ist?

HUBERT SPIEGEL

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder." Grimmepreisträgerin Charlotte Roche hat ihren ersten Roman geschrieben, und der Plot von "Feuchtgebiete" ist schnell erzählt: Nach einer missglückten Arschrasur liegt die 18-jährige Helen mit einer Analfissur im Krankenhaus. Sie nutzt die Tage auf der Station, um einen Plan zu schmieden, der ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenbringen soll. Vor allem aber experimentiert sie mit allen Körperöffnungen, lebt ihre ganz eigenen Vorstellungen von Sexualität und Hygiene und irritiert damit den Krankenpfleger Robin. Hämorrhoiden, Analverkehr, Toilettenexperimente, ausgefallenere Masturbationsvarianten: Atemlos und mit schmuckloser, sehr direkter Sprache hetzt Roche von Tabu zu Tabu. Manchmal müssen Neologismen her, wenn dem Duden bei Roches Detailverliebtheit die Worte ausgehen. Für verkrustete Spermareste unterm Fingernagel etwa führt sie das Wort Sexandenkenkaubonbon ein. Doch die Schockeffekte sind keine billige Provokation - eigentlich setzt Roche mit ihrer Heldin nur um, was bereits seit '68 in Sachen Gleichberechtigung von Frauen gefordert wird. Und dann liest sich das Smegma hinterm Ohrläppchen als Plädoyer für ein positives Verhältnis zum eigenen Körper und zur Sexualität. (cs)
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Besprechung von 31.12.2008
Untenrum nicht ganz reinlich
Vier Bestseller 2009, denen man es nicht zugetraut hätte
Charlotte Roche: Feuchtgebiete. Roman
Erfolge haben viele Väter. Bei diesem Überraschungserfolg sind auch ein paar Mütter dabei. Eine der Mütter ist die Hygiene. Sie hat dafür gesorgt, dass das Kind sich nicht gern wäscht. Untenrum. Einer der Väter ist Comedian. Er hat dem Kind beigebracht, wie man das Prinzip Pleiten, Pech und Pannen durch alle Körperöffnungen dekliniert. Außerdem hat er eine Affäre mit der besten Freundin der Hygiene angefangen, der Peinlichkeit. Dadurch wurde das Kind ein altkluges Scheidungskind. Alles, was sein haltloses, schamloses Plappermaul über die Körperöffnungen, über das Peinliche, das Unhygienische und die Pannen beim Sex ausplauderte, diente nun nicht nur der Erheiterung des Publikums. Sondern auch seiner Erbauung. Es durfte nun über die Slapstick-Nummern der frühreifen Göre mit Duschköpfen und anderen Requisiten zugleich lachen und weinen, denn in allen diesen Verrenkungen und Pointen waren ja die Hilferufe eines traurigen Scheidungskindes nicht zu überhören, das keine Selbstverstümmelung scheuen würde, wenn es dadurch nur gelänge, die Eltern wieder zusammenzuführen. So gehört zu den Müttern des Erfolgs die Zweideutigkeit, ob in der heilen Familie, die hier ersehnt wird, der Comedian oder sein melodramatischer Rivale der rechtmäßige Vater ist. lmue
Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung de Kindheit.
Nicht gerade packend geschrieben, nicht sehr klar gegliedert und einen Ausweg aus der Misere weist es auch nicht. Michael Winterhoffs „Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit” schleppt einiges mit, was auf der Rennbahn der Bestseller hinderlich ist. Trotzdem gehört es mit 300 000 Exemplaren zu den meistverkauften und, wie man auch vermuten darf, meistgelesenen Büchern des Jahres. Es ist ein Buch der Schrecken des Alltags. Niklas, Max, Claudia und ihresgleichen sind Monster zwischen drei und vierzehn, fundamental unfähig, sich in ihrer Welt zurechtzufinden, mit anderen zu leben, Altersgenossen und Älteren ein Rätsel und eine Plage. Was wir so wenig verstehen, will Winterhoff aufklären: Die Ursache der Verwirrung sind wir, die Käufer, die Erwachsenen, die nicht mehr wissen, dass Kinder keine Erwachsenen sind, dass sie nicht nach Gründen und Argumenten handeln, sondern in persönlichen Beziehungen, den Eltern, Erzieherinnen, Lehrern zuliebe. Also heißt Erziehung, Autorität geltend zu machen. Michael Winterhoff will nicht reaktionär wirken, aber konservativ ist sein Ansatz doch: Kinder sind nicht Partner der Erziehung, sondern Wesen, die angeleitet werden müssen. In der Diskussion um Kinder und Erziehung macht Winterhoff den Helmut Schmidt. Das heißt aber nicht, dass alles falsch ist. stsp
Uwe Tellkamp: Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land.
„Das verkauft sich nicht, mag das Feuilleton auch schreiben, was es will!” Vor einem halben Jahr wäre es schwer gefallen, dieser Behauptung zu widersprechen. Zu viele Gründe sprachen dafür, dass Uwe Tellkamps „Turm” nur ein kleines Publikum würde finden können. Das Buch glich mit knapp tausend Seiten einem echten Wälzer, schien ein schwerer Brocken; das Geschehen aber ließ sich in einem Satz zusammenfassen: Ein Junge wird erwachsen und ein Land geht unter – wobei die aufregenden Monate der Revolution und des Neubeginns nicht einmal geschildert werden. Dem Autor eilte überdies der Ruf voraus, ehrgeizig und schwierig zu sein, einer mit „Kunstwollen” und einer Vorliebe für Pathos und mäandernde Sätze. Dann las man den schwierigen Anfang, kursiv gesetzt: „Suchend, der Strom schien sich zu straffen in der beginnenden Nacht . . .” Dieser Erzähler schien viel Zeit zu haben, begleitete seine Figuren Seite um Seite beim Kaffeetrinken oder auf Spaziergängen durch ein Dresdner Villenviertel. Apart, gekonnt – aber wen sollte das interessieren? Das Buch war äußerst gebildet, nutzte verschiedenste Formen, stellte seinen einschüchternden Anspielungsreichtum immer wieder heraus . . . Nein, das konnte man nicht verkaufen. Es ist anders gekommen, und zwei Dinge – wenigstens – sind daraus zu lernen: Der Leser ist wie eh und je unbekanntes, rätselhaftes Wesen. Und diesmal erlag er hunderttausendfach dem Sog, der entsteht, wenn Zeitgeschichte und Romantik sich vermählen. jby
Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise.
Es gab nicht wenige, für die war Richard David Prechts Erfolg ein echtes Ärgernis. Populärphilosophie vom Allergruseligsten. Was kann das schon für ein Text sein, dem es gelingt, Hape Kerkelings Super-Bestseller „Ich bin dann mal weg” von der Spitze der Buch-Charts zu verdrängen? Tatsächlich lässt sich einiges bemängeln: fehlende Lektüre-Sorgfalt, unverhohlenes Bildungsgeprotze, gedankliche Unschärfen. Und dennoch: Am Ende ist „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?” eine schlau betitelte, aber ziemlich klassische Einführung in die Philosophie, die sich ernsthaft darum bemüht, zentrale philosophische Fragen so zugänglich wie möglich zu stellen. Wenn solche Bücher Massenerfolge werden, ist eigentlich doch alles gut. crab
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"Radikal, drastisch und ebenso zart. Ich erinnere mich nicht, ein Debüt-Manuskript in der Hand gehabt zu haben, so sicher, so mutig und so voller Gegenwart wie dieses." Roger Willemsen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Um es mal klar zu stellen: Die Rezensentin Franziska Seyboldt ist Praktikantin der taz, und ihr Einspruch gegen manche säuerliche Kritiker des Buchs hat umso mehr Autorität, als sie sich das Buch anders als die Damen und Herren Großkritiker selbst gekauft und aus eigenem Antrieb gelesen hat. Es sei möglicherweise kein großes literarisches Werk, meint die Rezensentin. Aber ursprünglich hätte es wohl auch ein Sachbuch werden sollen, weshalb die Romanhandlung als eher notdürftig drum herum gestrickte Leseerleichterung zu verstehen sei. Wichtig aber sei das Buch allemal, schreibt Seyboldt, auch mit Rekurs auf die zahlreichen Kritiker und Verächter des Buchs. Vor allem für junge Frauen im Teenagerageralter. Denn es mache Front gegen die allgegenwärtige kapitalistische Zurichtung der Frauen zum makellosen, auf die Begehren der Männer und des Marktes ausgerichteten Objekt. Aber auch für erwachsene Frauen, die längst "Freundschaft mit ihren Körperflüssigkeiten" geschlossen haben, ist das Buch der Einschätzung der Rezensentin zufolge wegen seiner Sextipps und anderer nützlicher Tabubrüche eine Bereicherung. Schon, weil es unserer sexualisierten Gesellschaft das Aseptische und auch Asexuelle ihres Sex-Konzepts vor Augen führe.

© Perlentaucher Medien GmbH
„Extrem drastisch. […] So richtig heiß wird die Story allerdings deshalb, weil es sich bei den Feuchtgebieten ihres Romans exakt um die Feuchtgebiete handelt, die Frau nun mal hat. Und Roche schreibt darüber sehr offen, sehr detailliert, sehr drastisch, ohne Scham. […] Das fällt aber auch nur deswegen auf, weil der Roman ansonsten stilistisch über alle Zweifel erhaben ist.“
KÖLNER STADT-ANZEIGER

„Charlotte Roche ist etwas fast Unmögliches gelungen. Sie versöhnt uns mit dem Beschämenden, bei dem alle Verführung anfängt. […] ‚Feuchtgebiete’ ermächtigt zum Spiel mit der individuellen Versehrtheit und ermutigt den kunstlosen Sexus, endlich erwachsen zu werden.“
FAS

Schlagfertig, witzig und charmant. […] Laut, selbstbewusst, herausfordernd. So offensiv geben sich nur wenige der jungen Autorinnen.“
STERN

„Es ist ein Buch das polarisiert. Das viele genial und manche einfach nur eklig finden.“
ZEIT MAGAZIN

„Es braucht nicht selten viele Kapitel, bis sich ein Romanheld das Herz des Lesers erobert hat. Helen Memel schafft das nach den ersten drei Sätzen. […] Sympathisch! […] Doch mit der rotzig-trotzigen Art, in der Charlotte Roche erzählt, ist „Feuchtgebiete“ nicht vulgär, sonder witzig.“
HANNOVERSCHE ALLGEMEINE

„Ihr erstes Buch: Total unter der Gürtellinie. Und lustig.“
ANNABELLE

„Ein bemerkenswertes Mädchen, diese Helen.“
TAZ

„Ein schamhaarsträubendes Buch.“
PARK AVENUE

„Radikal drastisch und ebenso zart. Ich erinnere mich nicht, ein Debüt-Manuskript in der Hand gehabt zu haben, so sicher, so mutig und so voller Gegenwart wie dieses.“
ROGER WILLEMSEN

„Ernsthafte Literatur“
DIE WELT

„Charlotte Roche hat mit Helen Memel eine extreme Kunstfigur geschaffen, ein Wesen, das berührt und schockiert.“
FAZ

„Charlotte Roche hat eindeutig Talent, was das Schreiben betrifft, aber ihr Buch sollte man nicht mit vollem Magen lesen. Kurzum: Es ist gut, aber eklig.“
MYSELF
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Das neue Parfüm

Comedy total: Charlotte Roche und ihre „Feuchtgebiete”

In den Jahren 2005 und 2006 tourte die Fernsehmoderatorin Charlotte Roche, deren Musiksendung „Fast Forward” vom Sender VIVA Ende 2004 abgesetzt worden war, unter wechselnder Begleitung männlicher Schauspieler durchs Land. Ihr war, darf man vermuten, als PDF-Datei im Internet (denn die gibt es) eine Dissertation der Urologischen Poliklinik rechts der Isar der Technischen Universität München aus dem Jahr 1978 in die Hände gefallen. Charlotte Roche collagierte aus dieser Dissertation einen Text, mit dem sie Heiterkeitserfolge erzielte, denen – zumal im männlichen Publikum – ein mehr oder weniger leichter Hauch von Unwohlsein beigemischt war.

Die Dissertation trug den Titel „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern” und berichtete über 16 Fälle aus den Jahren 1966 bis 1972, in denen Männern verschiedenen Alters der „Kobold”-Staubsauger der Firma Vorwerk & Co. zum Verhängnis geworden war: „Wie die eingehende Exploration einiger Patienten ergeben hat, führen die Patienten den nicht erigierten Penis in den Ansaugstutzen ein (in erigiertem Zustand ist dies nicht möglich). Durch den Luftstrom wird der Penis in Vibration versetzt und erigiert. Mit zunehmender Erektion wird der Sog stärker, und schließlich wird der ganze Staubsauger an den Unterleib gepresst und der Penis völlig in den Ansaugstutzen gezogen. In diesem Augenblick kommt er mit dem rotierenden Propeller i Berührung und wird, je nach Motorisierung und Schnelligkeit des Abwehrreflexes, der Länge und dem Erektionszustand unterschiedlich traumatisiert.”

Lob des schmutzigen Körpers

Für die Traumatisierung und die Ausmaße der unfreiwilligen Selbstverstümmelungen bringt die Dissertation eindrucksvolle Belege. Charlotte Roche aber hatte für ihren Leseabend etwas anderes im Auge: das komische Potential der Nüchternheit und Präzision, die wissenschaftliche Beschreibungsprosa auch im Blick auf groteske Verwundungen aufzubringen vermag. Und das komische Potential der Erklärungen, die die Patienten, um ihre Verletzungen plausibel zu machen, den Ärzten vortrugen.

Ihre Idee war einfach, aber doppelt gestrickt: Zum einen lebte das Rezitationsprogramm von der Ausdehnung des im deutschen Fernsehen altehrwürdigen Formats „Pleiten, Pech und Pannen” auf das Feld der Sexunfälle. Zum anderen machte es sich eine Technik zunutze, die etwa Harald Schmidt in seiner Late Night Show immer wieder erfolgreich angewandt hatte, wenn er per Zitat scheinbar weit entfernte Kultursphären miteinander verkuppelte, also etwa Kants Begriffsarchitektur in der „Kritik der reinen Vernunft” nachbaute oder klassische Dramen mit Playmobil-Figuren nachspielte.

In diesem Frühjahr macht Charlotte Roche mit dem zur Leipziger Buchmesse erschienenen Roman „Feuchtgebiete” (DuMont Buchverlag, Köln 2008. 220 Seiten, 14,90 Euro) Furore. Innerhalb von vier Wochen sind 400 000 Exemplare verkauft worden, auf der Spiegel-Bestsellerliste belegt das Buch in der Rubrik Belletristik den ersten Platz. Selbst im internationalen Internethandel belegt es, obwohl bisher noch nicht in andere Sprachen übersetzt, beim Anbieter Amazon in mehreren Ländern den Spitzenplatz. Im deutschen Fernsehen gibt es kaum eine Talkshow, in der sie nicht schon zu Gast war. Und weil hier eine versierte und vielfach ausgezeichnete Fernsehmoderatorin einen Bestseller gelandet hat, liegt die Versuchung nahe, den Erfolg des Buches vor allem der Medienpräsenz der Autorin zuzuschreiben – und dem Prinzip „Sex sells”.

Denn der Titel „Feuchtgebiete” des knallig tiefrosa gewandeten Buches spielt zwar auch mit der Assoziation an den tropischen Regenwald, verspricht aber vor allem die Erkundung der Feuchtgebiete, Ausscheidungen und Flüssigkeiten des weiblichen Körpers. Aber der Roman, der aus dieser Feier des Feuchten erwächst, hat mit Büchern wie „Das Delta der Venus”, in denen einst Anaïs Nin das Über-die-Ufer-Treten der weiblichen Sexualität beschwor, wenig zu tun. Denn Charlotte Roche hat für den Plot ihres Romans das Comedy-Prinzip ihres Rezitationsabends über die Männer und den Staubsauger „Kobold” beibehalten. Ihre Heldin, die 18-jährige Schülerin Helen Memel, ist mit den „Pleiten, Pech und Pannen”-Helden aus der Welt der Sexunfälle verwandt. Sie leidet von Kindheit an unter Hämorrhoiden und liegt im Krankenhaus, weil sie sich bei der Intimrasur im Analbereich selbst verletzt hat.

Aber sie ist mit ihrer Wunde und in ihrem Krankenhausbett nicht die Dumme und wird auch nicht in eine Parodie wissenschaftlicher Prosa verpackt. Anders als die verschämten Männer in der Staubsauger-Rezitation ist die junge Ich-Erzählerin des Romans ein gänzlich schamloses Plappermaul. Mit den Staubsauger-Vertretern hat sie allenfalls die Grundgesetze der Werbesprache, die Rhetorik des Anpreisens gemein. Denn sie hat eine Botschaft. Und diese Botschaft heißt: Nichts geht über Analsex, und nichts ist bekämpfenswerter als der Terror der „Hygienefanatiker”. Von der Comedy-Welt übernimmt das schamlose Plappermaul die Neigung zu Anekdote, Sketch, Kalauer und Pointe und als deren ideales Biotop die Krankenhauswelt, in der sich alles um den Körper dreht.

Doch mit ihrer Botschaft ist es der Heldin bitter ernst. Auf dem Umschlag des Buches steht: „Hygiene wird bei mir kleingeschrieben.”Und im Buch nimmt der Aufstand gegen die Konventionen der Hygiene im Intimbereich das einschmeichelnde Genre der Ratgeber-Literatur in seinen Dienst. In dem kennerschaftlichen Ton, in dem sich früher Hausfrauen Geheimrezepte beim Einkochen von Äpfeln zugeflüstert haben mögen, gibt hier die junge Heldin Tipps für die möglichst effektive Konservierung des Eigengeruchs der Geschlechts- und Ausscheidungsorgane.

Über nichts jauchzt sie mehr, als wenn es ihr gelingt, dem Kampf der Mitmenschen – sie ist im Krankenhaus – und zumal der eigenen Mutter gegen Schmutz und Ansteckungsgefahren ein Schnippchen zu schlagen und mittels der eigenen Ausscheidungen möglichst viele Bakterien durch die Umwelt zirkulieren zu lassen. Schon dass man sich überhaupt wäscht, fällt bei ihr unter die Rubrik Waschzwang. Helen Memel, nicht eben subtil nach dem Urbild irdischer weiblicher Schönheit benannt, ist als lustvoll sich selbst feierndes Monstrum konstruiert, das alle Schwellen des Ekels und der Peinlichkeit übertritt, die als Errungenschaften im Prozess der Zivilisation gelten. Und die Schöpferin dieses Monstrums – feiert einen der größten Verkaufserfolge in der jüngeren Geschichte des deutschen Buchmarktes.

Es gab schon einmal ein auf Gerüche spezialisiertes Monstrum in der deutschen Bestsellerwelt: Jean-Baptist Grenouille, den Helden in Patrick Süskinds 1985 erschienenem Roman „Das Parfüm”. Grenouille erschien seiner Amme als Teufelskind, weil er ihr als geruchslos erschien. Umso ausgeprägter war dann später seine feine Nase. Kein Mädchenduft entging ihr, und kein duftendes Mädchen entging Grenouille, wenn er auf der Suche nach dem Stoff für die Schaffung eines neuen Parfüms war.

Grenouille vernichtete die Körper der Mädchen, um ihren Duft seinen Essenzen zuzuführen. Er war als Allegorie des Genies und Schöpfer des vollkommenen Kunstwerks, das aus der Zerstörung der Natur erwächst, ebenfalls ein nicht sehr subtil konstruiertes Monster. Aber er besaß einen großen Vorzug: Er verknüpfte die Hohlform des Künstlerromans mit einer ungeheuren Aufwertung des traditionell niedersten aller Sinne, des Geruchssinns. Auch darum kam er als ein Bastard, der nach seiner Geburt aus stinkenden Fischköpfen hervorgezogen wurde, in die feine Welt seiner Kunden.

Charlotte Roche hat ihrem Anti-Parfüm-Roman, der den Eigengeruch des Körpers und die darin enthaltene sexuelle Attraktion als das beste Parfüm feiert, eine melodramatische Maske übergeworfen. Die junge Helen ist ein Scheidungskind, das partout ihre Eltern wieder zusammenbringen will, und zwar im Krankenhaus, in Sorge um die gemeinsame Tochter vereint und versöhnt. Darum muss sie mit derb-drastischen Mitteln ihre Wunde möglichst lange offenlassen: Ihre Selbstverstümmelung ist aus der Sehnsucht des Scheidungskindes nach der heilen Familie geboren.

Wenn irgendwo das Erfolgsgeheimnis dieses anti-hygienischen Romans liegt, dann gewiss nicht in diesem Familienmelodram, an dessen Ende das Happy End der Tochter mit dem verständnisvollen Pfleger Robin steht. Denn man muss dem Plappermaul dieses Scheidungskindes nicht lange zuhören, um zu begreifen: Es leidet in Wahrheit nicht an seinen Eltern. Es leidet an Heidi Klum. Es ist von seiner dreißigjährigen Autorin eigens als obszöne 18-Jährige erfunden worden, um den Mädchen, die nach Castingshows wie „Deutschland sucht das Supermodel” anstehen, eine möglichst rabiate Gegenfigur anzubieten.

Das unhygienische Monstrum

Das Comedy-Format der Bekenntnisse eines unhygienischen Monstrums hat deshalb mit der Literatur der sexuellen Entgrenzung und Verausgabung, mit der Anbetung des Eros von de Sade bis George Bataille wenig zu tun. Nur beiläufig, wie ein müde-gelangweilter Barpianist, klimpert Charlotte Roche, wenn ihre Heldin gegen die scheinheilige Mutter und die Kruzifixe im katholischen Krankenhaus wettert, auf der Klaviatur der Blasphemie. Und literarischen Glanz strahlt die schlichte, neckische Prosa dieses Romans schon gar nicht aus. Dafür umso mehr polemische Energie gegen die Heidi-Klum-Welt, gegen die reine, schöne Körperoberfläche. Zu allem gibt es bei Charlotte Roche das monströse Gegenstück: zu den langen Wimpern, zum Kult des Kopfhaars in der Werbefotografie, zur weiblichen Rasur der Achseln, zu den kalkulierten Effekten der Ausstellung des eigenen Körpers.

Es mag sein, dass zum Erfolg dieses Buches auch sein Kokettieren mit den marktgängigen Sexratgebern beiträgt. Aber wie man als Frau am besten mit Duschköpfen masturbieren kann, ließe sich wahrscheinlich notfalls auch anderswo erfahren. Und womöglich findet die grob-radikale Propaganda für das Ungewaschensein weniger Nachahmerinnen, als die kulturkritische Sorge befürchten mag. Sie ist im Übrigen eher notdürftig in einen Ich-auch-Feminismus eingebettet, der die traditionell männliche Domäne zwischen laxer Hygiene und forcierter Unsauberkeit erobern will.

Das Lachen über den Anti-Parfüm-Roman, zumal wenn die Autorin ihn in einer ihrer Lesungen vorstellt, ist halb peinliches Berührtsein, halb Genuss an der polemischen Energie. Der Druck der Heidi-Klum-Welt muss schon sehr stark sein, wenn ihm ein solch überkandidelter Comedy-Auftritt des schmutzigen Körpers so erfolgreich als Polemik gegenübertritt. LOTHAR MÜLLER

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"Extrem drastisch. [...] So richtig heiß wird die Story allerdings deshalb, weil es sich bei den Feuchtgebieten ihres Romans exakt um die Feuchtgebiete handelt, die Frau nun mal hat. Und Roche schreibt darüber sehr offen, sehr detailliert, sehr drastisch, ohne Scham. [...] Das fällt aber auch nur deswegen auf, weil der Roman ansonsten stilistisch über alle Zweifel erhaben ist." KÖLNER STADT-ANZEIGER "Charlotte Roche ist etwas fast Unmögliches gelungen. Sie versöhnt uns mit dem Beschämenden, bei dem alle Verführung anfängt. [...] ,Feuchtgebiete' ermächtigt zum Spiel mit der individuellen Versehrtheit und ermutigt den kunstlosen Sexus, endlich erwachsen zu werden." FAS Schlagfertig, witzig und charmant. [...] Laut, selbstbewusst, herausfordernd. So offensiv geben sich nur wenige der jungen Autorinnen." STERN "Es ist ein Buch das polarisiert. Das viele genial und manche einfach nur eklig finden." ZEIT MAGAZIN "Es braucht nicht selten viele Kapitel, bis sich ein Romanheld das Herz des Lesers erobert hat. Helen Memel schafft das nach den ersten drei Sätzen. [...] Sympathisch! [...] Doch mit der rotzig-trotzigen Art, in der Charlotte Roche erzählt, ist "Feuchtgebiete" nicht vulgär, sonder witzig." HANNOVERSCHE ALLGEMEINE "Ihr erstes Buch: Total unter der Gürtellinie. Und lustig." ANNABELLE "Ein bemerkenswertes Mädchen, diese Helen." TAZ "Ein schamhaarsträubendes Buch." PARK AVENUE "Radikal, drastisch und ebenso zart. Ich erinnere mich nicht, ein Debüt-Manuskript in der Hand gehab zu haben, so sicher, so mutig und so voller Gegenwart wie dieses." ROGER WILLEMSEN "Ernsthafte Literatur" DIE WELT "Charlotte Roche hat mit Helen Memel eine extreme Kunstfigur geschaffen, ein Wesen, das berührt und schockiert." FAZ "Charlotte Roche hat eindeutig Talent, was das Schreiben betrifft, aber ihr Buch sollte man nicht mit vollem Magen lesen. Kurzum: Es ist gut, aber eklig." MYSELF…mehr