Deutschstunde\So zärtlich war Suleyken, 1 Audio-CD - Lenz, Siegfried

Siegfried Lenz 

Deutschstunde\So zärtlich war Suleyken, 1 Audio-CD

Autorenlesung. ADD. 76 Min.

Sprecher: Lenz, Siegfried
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Deutschstunde\So zärtlich war Suleyken, 1 Audio-CD

In den 1950er Jahren soll der inhaftierte Ich-Erzähler Siggi Jepsen einen Aufsatz verfassen - über die Freuden der Pflicht. Zwangsläufig kommt ihm sein Vater Jens Ole Jepsen in den Sinn, der in der NS-Zeit pflichtbeflissen Dienst als Polizeiposten im fiktiven Dörfchen Rugbüll tat. Von der Flut der Erinnerungen überwältigt, findet Siggi keinen Anfang. Als Folge des letztlich leeren Heftes muss Siggi wegen Aufsässigkeit eine Einzelhaft verbüßen.
Unter verschärften Bedingungen schreibt er nun wie besessen seine Geschichte: Sie beginnt im Jahr 1943, als der Vater - von oberster Stelle beauftragt - ein verhängtes Malverbot gegen den Künstler Max Ludwig Nansen zu überwachen hat. Ein Auftrag, den der Ordnungshüter zunächst zögerlich, dann umso strenger und unbarmherziger erfüllt - "Befehl ist Befehl". Auf die erhoffte Mithilfe des Sprösslings kann er nicht zählen, jener entfernt sich vielmehr, wird zum Verbündeten des Malers, warnt diesen und versteckt seine Bilder vor dem Zugriff des uniformierten Vaters. Der Pflicht-Mechanismus des Polizisten nimmt geradezu paranoide Züge an: Das NS-Regime ist am Ende, das Malverbot längst außer Kraft, doch der Vater hört nicht auf, Nansen zu verfolgen. Ebenso zwanghaft hört auch der Sohn nicht auf, den Künstler vor dem Vater zu schützen. Er stiehlt schließlich Nansens Gemälde und muss ins Gefängnis. Nach Abgabe der Strafarbeit ist sich Siggi sicher, die Strafe stellvertretend für den Vater abgesessen zu haben.

Der Roman gliedert sich in eine Rahmenerzählung, in welcher der inzwischen 21-jährige Siggi im Jahr 1954 als Insasse der Jugendstrafanstalt anhand der Strafarbeit die Ereignisse der Jahre 1943 und folgende Revue passieren lässt. Somit bildet die Erinnerung an den eskalierenden Vater-Sohn-Konflikt die Haupthandlung. Als erlebendes und schreibendes Ich verknüpft die die Perspektive dominierende Figur des Siggi Jepsen nicht nur geschickt beide Zeitebenen, sondern beginnt die eigene Rolle zu reflektieren.
Im Zuge eines objektivierenden Niederschreibens und Bewusstmachens vollzieht der jugendliche Protagonist einen Reifeprozess. So wird das Buch von Lenz zur Initiationsgeschichte, mehr noch: zum Entwicklungsroman. Am Schluss des Romans ist Siggi gereift, wenn auch nicht geläutert. Noch kann er nicht viel Neues mit seiner wiedererlangten Freiheit anfangen: "Etwas Neues? Was soll das sein?"
Das Werk gilt bis heute als eine der ersten und wichtigsten literarischen Aufarbeitungen des Dritten Reichs. Verstanden als Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs, gelobt als so bahnbrechende wie befreiende künstlerische Auseinandersetzung ist das Werk nicht im Stil einer Moral-Predigt verfasst, sondern in der poetisch-menschlichen, für Lenz typischen Art, Geschichte aufzuarbeiten und zu hinterfragen, verknüpft mit der Verpflichtung der Nachkriegsliteraten, jeglicher Wiederholungsgefahr prophylaktisch entgegenzuwirken.


Produktinformation

  • ISBN-10: 3829114249
  • Best.Nr.: 12882376
  • Laufzeit: 76 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.09.2004

Band 28
Die Zeit heilt keine Wunden
Siegfried Lenz’ Roman „Deutschstunde”
Der dämonische „Tonsetzer” Adrian Leverkühn hat sich in den geradlinigen Maler Max Ludwig Nansen, der würdige Erzähler Dr. phil. Serenus Zeitblom in Siggi Jepsen verwandelt, der seinen 21. Geburtstag 1954 in einem Jugendstraflager begeht. Natürlich war Siegfried Lenz weit davon entfernt, mit seinem Roman „Deutschstunde” dem „Doktor Faustus” eines Thomas Mann Konkurrenz machen zu wollen. Aber es gibt gewisse Korrespondenzen. Wenn der „Faustus” 1947 die epische Auseinandersetzung mit der jüngsten und schändlichsten Epoche der deutschen Geschichte eröffnet, so tritt der Verfasser des 1968 erschienenen Romans als letzter in den Kreis der Autoren ein, die gegen die „Unfähigkeit zu trauern” anschrieben, anphantasierten. Und immerhin wird in diesem imponierenden, ungeheuer erfolgreichen Nachzügler-Buch die nationalsozialistische Katastrophe (teilweise) am Beispiel eines Künstlerschicksals demonstriert.
Auch der Maler, seinerseits ein Porträt des Expressionisten Emil Nolde, schließt seinen - freilich unspektakulären - Pakt …

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Siegfried Lenz, am 17. März 1926 in Lyck (Ostpreußen) geboren, begann nach dem Krieg in Hamburg das Studium der Literaturgeschichte, Anglistik und Philosophie. Danach wurde er Redakteur. Seit dem Erscheinen seines ersten Romans "Es waren Habichte in der Luft" im Jahre 1951 zählt er zu den profiliertesten deutschen Autoren. Seit 1951 lebt Lenz als freier Schriftsteller in Hamburg. 1988 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2004 wurde ihm der Hannelore-Greve-Preis der Hamburger Autorenvereinigung verliehen. 2009 erhielt er den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte und 2010 wurde Siegfried Lenz mit dem Nonino International Prize ausgezeichnet. 2011 schließlich verlieh man Siegried Lenz die Ehrenbürgerwürde seiner polnischen Geburtsstadt.

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