Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs - Mercier, Pascal

Pascal Mercier 

Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs

Gekürzte Fassung. 478 Min.

Gelesen von Boris Aljinovic, Marlen Diekhoff, Ulrike Grote u. a.
Audio CD
 
7 Kundenbewertungen
***** ausgezeichnet
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
30 ebmiles sammeln
EUR 29,95
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs

Mord in der Berliner Staatsoper: der berühmte italienische Tenor Malfitano wird im dritten Akt von Puccinis Tosca erschossen. Der Täter: ein stadtbekannter Klavierstimmer und Meister seines Fachs, der schon in Karajans Diensten stand. Wie konnte es zu diesem unfassbaren Geschehen kommen? Die Kinder des "Mörders", die Zwillinge Patrice und Patricia, reisen überstürzt nach Berlin. Jahre zuvor waren sie vor ihrer inzestuösen Liebe an verschiedene Enden der Welt geflohen. Ihr Wiedersehen und die unbegreifliche Schuld des Vaters führen zu einer radikalen Umkehr. Während sie schreibend ergründen, was ihren Vater, der eigentlich ein glückloser Opernkomponist war, zur Waffe greifen ließ, begegnen sie einander in einem befreienden Akt des Erinnerns. Spannend wie in einem Krimi lotet Mercier in dieser Familientragödie einmal mehr das Psychodrama radikalen Scheiterns aus.


Produktinformation

  • ISBN-10: 3899034406
  • Best.Nr.: 25627309
  • Laufzeit: 478 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.10.1998

Ein Dakapo für das Verbotene
Kopfmusik: Pascal Merciers "Der Klavierstimmer"

Die heilende Wirkung des Erzählens ist keine Erfindung des nervenkranken Wiens. Was auf Freuds Couch eine "talking cure" hieß, versprach die Literatur früher und ebenso rezeptfrei. Pascal Merciers Roman "Der Klavierstimmer" gehört zu diesem Genre der Lebensbeichte, das die Absolution in die eigene Schreibhand nimmt. Der Leser steckt in der Rolle des Seelenvoyeurs. Er darf dem Sünder in die Seiten schauen. Für den Schreiber ist die Darstellung der Vergangenheit schon ihre Bewältigung. Erfüllt er das selbstauferlegte Gebot der Ehrlichkeit, winkt ihm zum Lohn ein neues Leben. In dem Maße, wie er die Seiten füllt, wird sein Vorleben zu einem unbefleckten weißen Blatt. Die Niederschrift ist der Befreiungsschlag aufs Papier, das Versprechen einer sentimentalisch mißverstandenen Hermeneutik, daß Verstehen und Verzeihen eins seien.

Auch die Geschwister Patrice und Patricia Délacroix, einander ähnlich über ihre Zwillingsnatur hinaus, schließen einen "Pakt des Erzählens". Vierzehn Hefte werden es am Ende sein, nach denen sich ihre Geburt wiederholt, weil sie …

Weiter lesen

"Sprachkraft, psychologische Glaubwürdigkeit und inhaltliche Ernsthaftigkeit sind, Ingredienzen eines Buches, welches ich nicht nur Künstlern als äusserst lesenswert empfehlen möchte."
Pascal Mercier, geboren 1944 in Bern, heißt im richtigen Leben Peter Bieri und ist Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin.

Leseprobe zu "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs"

Bitte klicken Sie auf die Navigation oder das Artikelbild, um in Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs zu blättern!



Leseprobe zu "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs" von Pascal Mercier

Patrice

ERSTES HEFT

Jetzt, da alles vorbei ist, wollen wir aufschreiben, wie wir es erlebt haben. Wir werden den Erinnerungen allein gegenübertreten, ohne Verführung durch die Gegenwart des anderen. Die Berichte sollen wahrhaftig sein, ganz gleich, wie groß der Schmerz sein mag beim Lesen. Das haben wir uns versprochen. Nur so, hast du gesagt, vermöchten wir den Kerker unserer Liebe zu zerschlagen, die mit der gemeinsamen Geburt begann und bis zum heutigen Tage gedauert hat. Nur so könnten wir frei werden voneinander.

Du hast es gesagt, als wir in der Küche standen und die letzten Schlucke Kaffee aus den Zwillingsbechern tranken, die Maman am Abend meiner Ankunft aus dem hintersten Winkel des Buffets hervorgekramt hatte. Ihre Hände zitterten, und es wäre unmöglich gewesen, sie in ihrem verlorenen Lächeln, hinter dem sie einen Sprung in die unversehrte Vergangenheit versuchte, zu enttäuschen. So haben wir einen unsicheren Blick getauscht und die beiden blaßgelben Becher in die Hand genommen, du den heilen, ich denjenigen mit dem Sprung; wie früher. Wenn wir uns, weil wir keinen Schlaf fanden, nachts in der Küche trafen, hielten wir die

Becher wie damals, und es schien mir, als würden sich unsere Bewegungen mit jedem Mal wieder ähnlicher. Nur angestoßen haben wir mit unserem Kaffee nicht wie früher, obwohl wir beide vom anderen wußten, daß er daran dachte. (In diesen Tagen waren wir füreinander wie aus Glas: hart und zerbrechlich zugleich, und in den Gedanken vollkommen durchsichtig.)

Zweimal hast du heute morgen den leeren Becher an die Lippen geführt, bevor du ihn ausspültest. Als du nach einem Augenblick des Zögerns zum Küchentuch griffst, um ihn zu trocknen, hatte ich die Hoffnung, du würdest ihn in die Reisetasche stecken, die fertig gepackt im Entrée stand. Als einen Gegenstand, der uns über alle Abschiede hinaus verbände. Statt dessen tatest du den trockenen Becher in die Geschirrablage, als müßte er noch weitertrocknen. Es geschah langsam und mit großer Behutsamkeit. Dann gingst du voran. In dem Blick, mit dem du mich streiftest, lag erschöpfte Tapferkeit und der dunkle Schimmer der Resignation, denn wie immer fiel dir die grausame Rolle derjenigen zu, die den Abschied vollziehen mußte. Ich war froh, daß dies noch nicht der letzte Blick war. Gleichzeitig zitterte ich vor dem Moment, wo wir nachher unter der Haustür stehen würden, um den letzten Blick zu tauschen.

Deine Stiefel waren laut auf den Fliesen. Mit einer schnellen Bewegung schlüpftest du in den Mantel und holtest die Handschuhe aus der Tasche. Während du sie anzogst, standest du mit gesenktem Kopf vor mir. Nie wieder würde ich diese Hände auf mir spüren. Ich dachte an die weißen Handschuhe aus Spitze und öffnete die Tür, um das Bild zu verscheuchen. Dann begegneten sich unsere Blicke. Mit leise zitternden Lippen versuchtest du ein Lächeln, das deinen und meinen Schmerz, wenn nicht zu leugnen, so doch zu verharmlosen suchte: Machen wir es uns nicht schwerer, als es ist! Einen entsetzlichen Augenblick lang dachte ich, du würdest mir die Hand geben, etwas, was wir - außer wenn wir andere spielerisch nachahmten, so daß die Geste wie ein Zitat war - niemals getan haben. Schon hattest du dich gebückt, um die Reisetasche aufzunehmen, da richtetest du dich wieder auf, und nun verlor sich dein Blick in Tränen. Ich habe keine Ahnung, ob auch ich mich bewegte, ich weiß nur, daß du auf mich zutratest wie sonst nie in diesen Tagen und den Kopf an meine Schulter legtest. "Wir werden alles aufschreiben, nicht wahr?" hast du geflüstert. Ich nickte in dein Haar hinein, das anders roch als früher. Dann umarmtest du mich mit der wunderbaren, entsetzlichen Rückhaltlosigkeit eines letzten Males. In der Zeit gab es einen Sprung, du standest am Gartentor und hobst die Hand, es war die gleiche Bewegung wie bei zahllosen Gelegenheiten in ferner Vergangenheit. Auch ich hob die Hand, glaube ich. Und dann sah ich dich, wie damals, mit einer Reisetasche die Straße entlanggehen, zur Seite geneigt als Gegengewicht. Es war eine andere Tasche als damals, und jetzt, im November, konnte mein Blick dir länger durch die kahlen Bäume folgen als an jenem Sommermorgen unseres ersten Abschieds, als mir die Zeit verlorenging.

Nie werde ich vergessen, wie ich damals, vor sechs Jahren, von deiner Gegenwart auf dem Bettrand erwachte. Nicht die Bewegung des Hinsetzens war es, die mich weckte. Deine Nähe war es, dein Blick und der feine, kaum merkliche Geruch aus Seife und Parfum. Einen winzigen Moment lang glaubte ich, du wolltest zu mir kommen, und setzte an, die Arme nach dir auszustrecken. Doch dann sah ich im fahlen Licht der Morgendämmerung deine Reisekleidung. Nie zuvor bin ich so tief erschrocken wie damals, und jedes andere Erschrecken, das mir seither zugestoßen ist, war verglichen damit ein Nichts. Ich hoffe, nie wieder eine so große, so schmerzhafte Wachheit ertragen zu müssen wie in jenem Augenblick, als mir deine Absicht klar wurde. Du saßest sehr aufrecht, die Hände im Schoß. Es lag eine entsetzliche Bestimmtheit in dieser Haltung, und dein Blick besaß eine Entschlossenheit, die keinen Widerspruch duldete. "Adieu", sagtest du nur. Halb aufgerichtet wollte ich gerade fragen, wohin, da hast du nur stumm den Kopf geschüttelt. (Manchmal verfolgt mich dieses Kopfschütteln im Traum auch heute noch.) Wie nach einem

Faustschlag sank ich ins Kissen zurück. Deine Entschlossenheit, so schien mir, geriet für einen Augenblick ins Wanken, als du meine Tränen sahst, und du schlossest die Augen, um in deinen Willen zurückzufinden. Immer noch mit geschlossenen Augen beugtest du dich plötzlich zu mir herunter und küßtest mich auf die Stirn. Dann warst du mit einer einzigen schnellen Bewegung bei der Tür, die du, ohne dich noch einmal umzudrehen, hinter dir zumachtest.

Ich hörte deine leisen Schritte auf der Treppe und im Entrée, und einmal das Schleifen von etwas, das deine Reisetasche sein mußte. Erst jetzt sprang ich auf und trat auf die Galerie. Du hattest den Schlüssel außen ins Schloß gesteckt, ich sah, wie sich die Tür lautlos schloß, und hörte, wie der Schnapper leise ins Schloß glitt. Ich stürzte ans Fenster.

Kundenbewertungen zu "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs" von "Pascal Mercier"

7 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 7 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(5)
***** sehr gut
 
(2)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

Bewertung von Lisa am 17.08.2011 ***** ausgezeichnet
Ein ausgezeichnetes Buch, das sehr interessant und nur schwer wieder aus der Hand zu legen ist.
Gute Buchqualität, gut gebunden, keine vergilbten Seiten.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 14.10.2010 ***** sehr gut
Die poetische und leise Schreibart dieses Autors liebe ich. Auf einer subtilen Weise enthüllt uns dieses Buch ein Familiendrama, wie es oft und überall anzutreffen ist. Ein Geschwisterpaar, Zwillinge, werden nach längerer Trennung nach Hause gerufen, weil Ihr Vater, während einer Operaufführung, einen berühmten Tenor erschossen haben soll. Was mag den gescheiterten Opernschreiber und fabelhaften Klavierstimmer zu dieser Tat bewogen haben? Das Geschwisterpaar beschließt nun, die Empfindungen, Gedanken und Erinnerungen ihrer Kindheit in Tagebücher zu verfassen. In diesen Aufschriften, entdeckt der Leser erst nach und nach das gesamte Drama um den Verfall einer Familie. Wer einen brillanten und poetischen Erzählstil mag, ist hier mehr als richtig. Ein Punkt Abzug, wegen der unnötigen Länge, stellenweise ist das Buch dadurch schwer zu lesen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Kalkum aus Bonn am 06.02.2008 ***** ausgezeichnet
Leider gibt es in diesem Briefroman ein kleines Plausabilitätsproblem. Die beiden Schreiber, die ihre Texte (Schreibheft) erst nach deren Vollendung austauschen wollen, führen vorher schon einen imaginären Dialog, der Kenntnis vom Informationsstand des jeweils anderen voraussetzt. Natürlich erleichtert das die Lektüre und vermeidet Redundanz.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Günter Pohl aus 45966 Gladbeck am 28.08.2007 ***** ausgezeichnet
Das ist große Literatur. Sprachlich vollendet. Die Charakterzeichnung subtil und für den Leser so, dass er sich die Menschen genau vortsellen kann, dass er ihr Schicksal begreift und wissen will, wie und warum es zu welchem Ende kommt. Besser als manches, was von den Deutungsinhabern in ferne Höhen erhoben wird. Mercier ist besser als der Rang, der ihm zugestanden wird.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Svenja aus Werl am 04.07.2006 ***** ausgezeichnet
Eines der schönsten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Spannend, traurig, romantisch und mit einem überraschenden Ende. Es macht Lust auf ein zweites Lesen und auf mehr von Mercier.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

3 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von ldittner aus 15328 am 18.04.2002 ***** ausgezeichnet
Kaum ein anderes Buch wird so intensiv sein können, Hoffnung und Scheitern, Isolation und Harmonie verbinden wie dieser wundervolle Roman. Alle, die noch Bücher weit weg der mtv-Mode lesen können, werden reich belohnt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Manfred Luke aus Filderstadt am 14.04.2001 ***** sehr gut
Das Buch ist literarisch auf einem sehr hohen Niveau. Um es zu lesen, muss man viel Zeit und Geduld haben.
Es gibt einen wunderbaren Einblick in das internationale Opernleben; manche Episoden sind von einer traurigen Schönheit.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Sie kennen "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs" von Pascal Mercier ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop

Ein Marktplatz-Angebot für "Der Klavierstimmer, 6 Audio-CDs" für EUR 10,00

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 10,00 2,50 Banküberweisung baltasar 100,0% ansehen
Mehr von