Der Hals der Giraffe - Schalansky, Judith
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Judith Schalansky 

Der Hals der Giraffe

Bildungsroman. Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis 2012

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Der Hals der Giraffe

Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Daß ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hat, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur, den Inge Lohmark tagtäglich im Unterricht beschwört. Als sie Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, die über die übliche Haßliebe für die Jugend hinausgehen, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist.
Nach dem gefeierten "Atlas der abgelegenen Inseln" schreibt Judith Schalansky einen Roman. Darin kämpft eine Biologielehrerin für die Einhaltung der Naturgesetze, verrenkt sich den Hals nach unerreichbaren Früchten und fällt am Ende vom Glauben an Gott Darwin ab. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten dieser Welt: die Schule.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 222 S. m. Illustr.
  • Seitenzahl: 222
  • Best.Nr. des Verlages: 42177
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 130mm x 22mm
  • Gewicht: 324g
  • ISBN-13: 9783518421772
  • ISBN-10: 3518421778
  • Best.Nr.: 33396129
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.09.2011

Im Tierreich kommt man sonntags nicht zum Kaffeetrinken vorbei

Ob Charles Darwin das kommen sah? Judith Schalansky hat mit "Der Hals der Giraffe" einen aufregend trockenen Roman über die brennenden Fragen unserer Zeit geschrieben.

Von Felicitas von Lovenberg

Die Pilze werden uns überleben. Spezialisiert darauf, die Überreste anderer zu verwerten, verkörpern sie den Lauf der Natur am konsequentesten. "Leben vom Tod anderer. Das taten natürlich alle. Das war das Prinzip alles Lebendigen, auch des noch so hoch entwickelten. Aber das war ja tabu, das wollte wieder keiner wahrhaben."

Inge Lohmark hat keinen leichten Beruf. Als Biologielehrerin am Charles-Darwin-Gymnasium in einer Kleinstadt im hinteren Vorpommern unterweist sie die Letzten ihrer Art in den Gesetzen der Natur. Für Parallelklassen gibt es in der Gegend nicht mehr genug Nachwuchs; gerade zwölf Schüler hat die neunte Klasse, die, noch träge von den Sommerferien, nun zu Beginn des neuen Schuljahrs vor ihr sitzt, und wenn dieser schlappe Haufen in vier Jahren fertig ist, wird die Schule dichtgemacht. Bis dahin wird Inge Lohmark diesem armseligen "Nachschub fürs …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als "Glücksfall für die deutsche Literatur" feiert Alexander Cammann die Autorin Judith Schalansky, mit der er sich zum Spaziergang durch Greifswald getroffen hat. Denn auch wenn Cammann gleich erzählt, wie er beim Orgelspiel in St. Marien "feuchte Augen" bekam, klingt seine Hymne auf diesen atheistischen Roman überzeugend, in dem Schalansky als studierte Gestalterin - nach ihrem "Atlas der abgelegenen Inseln" - erneut das Zusammenspiel von Bild und Text probt. Auch sprachlich und psychologisch findet Cammann den Roman meisterhaft, er erzählt die Krisengeschichte einer ostdeutschen Biologielehrerin um die fünfzig, die sich in Hasstiraden auch Schule, Kollegen und Schüler ergeht, ebenso wie die Krisengeschichte einer Region im Umbruch. Und wie Schalansky dabei den biologischen Jargon in Poesie umwandelt, das findet er fast so großartig wie Thomas Manns Musikexkurse im Doktor Faustus.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.09.2011

Kein Artenschutz für Menschen
Ein „Bildungsroman“ voller Naturgeschichte: Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“
Ein Tier müsste man sein, „ein wirkliches Tier, ohne ein Bewusstsein, das den Willen hemmt“. Da aber auch Gefühle sich eher störend auswirken, wäre es noch verlockender, als Pflanze zu existieren: Man hätte Blätter, die mit ihrem Chlorophyll Photosynthese betreiben. Die Energieversorgung wäre dauerhaft gesichert. Sorgen gäbe es keine mehr, man müsste nicht einmal mehr einkaufen gehen, sondern nur noch in der Sonne liegen. Den Rest besorgt das Blattgrün.
Solche durchaus reizvollen Gedanken macht sich die Biologielehrerin Inge Lohmark in Judith Schalanskys Roman „Der Hals der Giraffe“. Sie folgt damit Fluchtimpulsen, wie sie wohl jeder Gattung eigen sind. Bis zur Rente hat sie vielleicht noch zehn Jahre, doch ihre Schule in einer vorpommerschen Kleinstadt wird wohl schon früher geschlossen. Es gibt nicht mehr genug Kinder in dieser von Wegzug, Rückbau, Arbeitslosigkeit geprägten Region. Die Vision, dass die Vegetation die Stadträume zurückerobern und am Ende die Natur stärker sein wird als alle menschliche Kultur mit …

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"Wie aus einem Tropf träufelt eine vollkommene Mischung aus aufmerksamer Fantasie und poetisch-kühler Sprache dem Lesenden hoch dosiert in den Kreislauf." <br />Erhard Schütz Das Magazin

»Ein Kunststück - für die bundesdeutsche Literatur seit 1989 - von geradezu historischen Dimensionen gelang Judith Schalansky mit Der Hals der Giraffe - der erste in Ostdeutschland spielende Roman, der fast völlig ohne die üblichen, wie aus dem Gruselkabinett des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie ausgeborgt wirkenden, DDR-Versatzstücke auskommt. Dass sie damit nicht nur bei der Kritik, sondern auch bei den Lesern viel Erfolg hatte, zeigt: Auch wer literarisch mehr riskiert als die bloße Erfüllung von Erwartungshaltungen, kann es auf die Bestsellerliste bringen.«

"Eine talentierte und vielversprechende neue Stimme." Frankfurter Rundschau

»Eine talentierte und vielversprechende neue Stimme.« Frankfurter Rundschau
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, lebt heute als freie Autorin und Gestalterin in Berlin und lehrt in Potsdam Typografische Grundlagen. 2012 wurde Judith Schalansky mit dem Förderpreis der Stadt Bad Homburg sowie dem Spycher: Literaturpreis Leuk ausgezeichnet.

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