"Als Christ nenne ich Sie einen Lügner" - Lang, Hans-Joachim

Hans-Joachim Lang 

"Als Christ nenne ich Sie einen Lügner"

Theodor Rollers Aufbegehren gegen Hitler

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"Als Christ nenne ich Sie einen Lügner"

Aus Glaubensgründen widersetzt sich ein Mann der Nazidiktatur - und überlebt sie in der Psychiatrie. Mitte der dreißiger Jahre gerät ein Tübinger Sparkassenbuchhalter in eine schwere innere Krise: Er kann den von ihm geforderten Eid auf den "Führer" nicht mit seiner Religion vereinbaren. In seiner Not wendet er sich an Adolf Hitler persönlich.Kreuz oder Hakenkreuz? Mit dieser existenziellen Frage sieht sich der 22-jährige Theodor Roller konfrontiert. Sie treibt ihn zu einer lebensgefährlichen Aktion: Er richtet mehrere Briefe an den "Führer", die im Ton immer schärfer werden, bis Roller seinen Adressaten offen angreift und ihn einen Lügner nennt, "den größten Volksschädling, der je deutschen Boden betrat". Wer so etwas tut, muss verrückt sein, jedenfalls nach der Logik des NS-Systems. Und so wird Roller in eine Anstalt eingewiesen, in der er sechs Jahre seines Lebens verbringt ... Aus Aktenmaterial, Gesprächen mit Theodor Roller, der im Herbst 2008 mit 93 Jahren verstarb, und dessen Briefen an die Mutter, eine überzeugte Nationalsozialistin, rekonstruiert der Autor die Geschichte eines Mannes, der den möglichen Tod in Kauf nahm, um seinem Glauben treu bleiben zu können.


Produktinformation

  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 255 S. m. Fotos, Dok. u. Faks.
  • Seitenzahl: 255
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 134mm x 25mm
  • Gewicht: 374g
  • ISBN-13: 9783455501049
  • ISBN-10: 3455501044
  • Best.Nr.: 25616052
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.04.2010

Unbeugsam
Briefe gegen Adolf Hitler

Am 18. März 1939 verhaftete die Gestapo den Sparkassenangestellten Theodor Roller. Der 24 Jahre alte Tübinger hatte den "Führer und Reichskanzler" in einem an Hitler persönlich gerichteten Brief als "Lügner" bezeichnet. Bereits 1937 hatte er als Wehrpflichtiger den Fahneneid verweigert; "absoluten Gehorsam", wie ihn die Eidesformel damals forderte, schulde ein Christ nur Gott, so seine tiefe Überzeugung. Dabei war Roller kein politischer Gegner des Nationalsozialismus. 1930 schloss er sich der Hitlerjugend an, brachte es bis zum Scharführer. Er erwartete von den Nationalsozialisten eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, blieb aber pietistisch geprägter evangelischer Christ. Nach der "Machtergreifung" nahm er einen zunehmenden Widerspruch zwischen dem NSDAP-Parteiprogramm und der Herrschaftspraxis gegenüber dem Christentum wahr. Er wollte von Hitler eine gültige Auskunft darüber erhalten, ob die Religionsfreiheit gesichert sei. Als der ihm nicht antwortete, wurden Rollers Briefe immer aggressiver. Das Regime verlangte jedoch bedingungslose Unterwerfung. Obwohl der Gerichtsgutachter ihn für …

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Hans-Joachim Lange, 1951 geboren, studierte in Tübingen Germanistik, Kultur- und Politikwissenschaft. 1980 Promotion (Germanistik). Seit 1982 Wissenschaftsredakteur beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. 1989 Wächterpreis der deutschen Tagespresse. Lehraufträge an der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen.

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Bewertung von Pope aus Rottenburg am 27.01.2009 ***** ausgezeichnet
Ein Pietist, der Hitler widersteht, das gab es nicht alle Tage. Es ist dem Autor zu danken, dass er diese Geschichte erzählt. Sie zeigt das Paradox, dass eine äußerst konservative, ja biblizistische Einstellung in Zeiten der Diktatur oft widerstandsfähiger macht als eine liberale Theologie, die mit der Zeit gehen möchte.

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