Es mutet radikal an, was Christoph Markschies, bis vor kurzem
Präsident der Humboldt-Universität und damit Nachfolger des großen
deutschen Bildungstheoretikers Wilhelm Humboldt, pointiert: Wer es
ernst meint mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, für den
folgt unmittelbar und schnurstracks das, was der moderne Begriff
der "Bildungsgerechtigkeit" impliziert: nämlich Bildung
für alle, gleich welcher Nation, welchen Standes, welchen
Geschlechts. Bildung nach dem Bilde Gottes heißt aber viel mehr als
Einfiltern möglichst vielfältigen komplexen Wissens unabhängig von
den Begabungen des Einzelnen. Gut reformatorisch befähigt Bildung
zur Freiheit, ist Herzensbildung, so wie es bereits im 1.
Timotheusbrief heißt: "Gott will, dass allen Menschen geholfen
werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen." (2,4)
Christoph Markschies studierte evangelische Theologie, klassische Philologie und Philosophie in Marburg, Jerusalem, München und Tübingen Seit 1994 habilitiert lehrte er als Professor für Kirchengeschichte in Jena und Heidelberg. Seit 2004 Professor für Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, deren Präsident er seit 2006 ist. Als ordinierter Pfarrer predigt er regelmäßig in Berlin.