Leseprobe zu "Gefühlsinventur" von Dasa Szekely
Wie geht's?
Liebe Leserin, lieber Leser, mir geht es sehr gut! Ich bin glücklich, weil ich tue, was ich am liebsten tue: Menschen in Zeiten helfen, in denen es ihnen schwerfällt, sich selbst zu helfen. Ich bin stolz auf mich, weil ich den ersten "Coaching-Laden" Deutschlands eröffnet habe und weil ich ein Buch geschrieben habe.
Alles begann mit einer spontanen Idee, gepaart mit einem Faible für Formulare: Wie so viele Menschen erleben auch meine Klienten täglich unzählige Gefühle, haben aber viel zu wenig Zeit, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Deshalb wollte ich ihnen etwas an die Hand geben, das ihnen schnellen Kontakt mit ihren Gefühlen ermöglicht. Dabei war mir wichtig, dass sie so wenig wie möglich tun müssen, damit sie sich ganz entspannt auf sich selbst konzentrieren können. So begann ich damit, ihnen Formulare mit nachhause zu geben, anhand derer sie sich und ihre Gefühle über einen gewissen Zeitraum beobachten konnten. Die Resonanz war überwältigend: Meine Klienten hörten auf, ihre Gefühle nur diffus wahrzunehmen, sondern begannen, sie beim Namen zu nennen. Sie "adoptierten" sie, übernahmen Verantwortung für sie. Schon durch die bloße Beobachtung ergaben sich entscheidende Veränderungen. Je mehr Gefühle bewusst gelebt wurden, desto mehr Energie wurde freigesetzt. Das Ergebnis war eine erheblich verbesserte Lebensqualität.
Aus dieser Idee entwickelte ich eine kleine Formularsammlung, dann eine große und schließlich eine Methode und ein Buch. Ich habe diese Methode "Gefühlsinventur" genannt, weil sie eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gefühle ist. Mit der Formularsammlung in diesem Buch können Sie das, was sonst durch Teamarbeit im Coaching erreicht wird, ohne Termine auch allein ganz bequem bei sich zuhause erarbeiten. Neben der Inventur finden Sie auch andere in meiner Praxis erprobte Tools für Ihren individuellen Lösungsprozess, die Sie im Anschluss an die zwei Wochen der Beobachtungsphase einsetzen können, wenn Sie es möchten.
Liebe Leserin - wie geht es Ihnen?
Mit der Antwort auf diese Frage können Sie Ihr Leben verändern!
Alles, was Sie tun müssen, ist, über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich ein paar Minuten in sich hineinzu- spüren und diese Gefühle zu notieren. Sie werden sehen: Mit den einfach aufgebauten Formularen geht das nicht nur kinderleicht, sondern macht auch noch Spaß. Auch das war mir wichtig. Also: Haben Sie viel Spaß!
Kleine Gefühlskunde Was ist ein Gefühl? Es gibt viele Antworten auf diese Frage, und viele Bücher, die dieses Thema behandeln. Da dies hier ein Arbeitsbuch ist, gebe ich an dieser Stelle lediglich einen kleinen Überblick über die wesentlichen Aspekte.
Warum unsere Gefühle so wichtig sind Ihr Gefühlsausdruck ist eine existenzielle Form der Kommunikation mit sich und anderen. Ihre Fähigkeit, sich emotional ausdrücken zu können, gehört zu Ihrer Grundausstattung. Mit Gefühlen können wir "sprechen". Wir kommunizieren nämlich nie nur verbal, sondern immer auch auf emotionale Weise und treten so in Beziehung zu anderen. Da fast alle Menschen - unabhängig von Sprache und Sozialisation - in der Beurteilung von Grundgefühlen übereinstimmen, ist die sogenannte "affektive", also gefühlsmäßige Grundstimmung zwischen zwei Menschen sogar oft bedeutender als der Inhalt des Austauschs.
Dies alles gilt aber nicht nur für andere, sondern natürlich auch für Sie selbst: Auch Sie kommunizieren emotional mit sich selbst und treten so nicht nur logisch-rational, sondern eben emotional mit sich selbst in Beziehung. Sie fühlen, was Sie fühlen, Sie erfühlen Ihre Bedürfnisse. Dabei ist es von größter Wichtigkeit, dass Sie Ihre wirklichen Gefühle fühlen. Anders ausgedrückt: Dass die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Gefühlen stimmt. Erst dann können Sie dafür sorgen, dass Ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Erst dann können Sie gut für sich - für Ihre Existenz - sorgen.
Gefühle sind bereitgestellte Energie Daneben hat der Ausdruck von Gefühlen auch eine wichtige physiologische Bedeutung: Erregung wird auf eine für den Organismus unschädliche Art umgesetzt und abgebaut. Gefühle sind bereitgestellte Energie, die zum Handeln motiviert. Diese Energie sollte verbraucht werden bzw. Ihre Gefühle sollten ausgedrückt werden, damit die Energie wirksam eingesetzt werden kann. Wird sie nicht verbraucht, steigt Ihre innere Erregung. Sie kennen das: Manchmal "platzt" man beinahe vor Wut, da man sie schon so lange aufgestaut hat. Gefühle suchen sich einen Ausgang - irgendwie und irgendwann.
Doppel-Gefühle sind schädlich Wie oft haben Sie schon tapfer gelächelt, wenn Ihnen eher zum Heulen zu Mute war? Genau dann haben Sie Ihre eigentlichen Gefühle nicht ausgedrückt, sondern sie unterdrückt. Was Sie wissen sollten: Immer, wenn Sie Ihre Gefühle unterdrücken, dann verrichtet Ihr Nervensystem zusätzliche Arbeit. Sie haben dann sozusagen Doppel-Gefühle: die echten und die, die Sie statt derer zeigen. Diese Diskrepanz zwischen erlebten und gezeigten Gefühlen ist eine psychophysiologische Belastung, die nicht selten zu psychosomatischen Erkrankungen führt.
Mangelnde Selbstwahrnehmung führt zu wachsender innerer Erregung Der Versuch der Verdrängung oder Unterdrückung unerwünschter Gefühle wird oft schon früh gelernt. Wenn ein kleiner Junge zum Beispiel vor Schmerzen weint, dann sagt ihm sein Vater vielleicht: "Jungs weinen nicht." So lernt der Junge, seine eigentlichen Gefühle zu unterdrücken. Und nicht nur das: Er wird sogar oft noch dafür belohnt, seine Gefühle zu unterdrücken: "Siehst du, jetzt bist du ein braver Junge!" Der Junge erfährt Zuwendung und Wertschätzung, wenn er nicht fühlt. Mit der Zeit wird er so wahrscheinlich verlernen, seine Gefühle zu zeigen, sie überhaupt zu fühlen. Er wird seine eigentlichen Gefühle irgendwann nicht mehr wahrnehmen.
Diese mangelnde Selbstwahrnehmung führt zu wachsender innerer Erregung - Energie, die nicht oder nur destruktiv abgebaut wird - zum Beispiel in Form von Wut, Bitterkeit oder Rachegefühlen. Obwohl wir unsere Energie so gut gebrauchen könnten, um anderen und auch uns selbst Gutes zu tun!
Wir fühlen oft nicht mehr, was wir fühlen Nicht genug damit, dass wir uns oft schon als Kinder von unseren "Originalgefühlen" trennen und stattdessen Ersatzgefühle oder oft auch Ersatzbefriedigungen ausleben. Hinzu kommt noch, dass - insbesondere in der Arbeitswelt - Gefühle oft als störend oder sogar schädlich gelten, weil sie unberechenbar sind. Das passt nicht in das Bild einer perfekt funktionierenden Maschine bzw. in das Bild eines Unternehmens, das gern "reibungslos" funktionieren möchte. So sind wir häufig nicht nur damit aufgewachsen, unsere Gefühle zu negieren, sondern werden weiterhin Tag für Tag dazu aufgefordert - und dafür belohnt. Auch ist oft keine Zeit mehr da, um einem Gefühl auf den Grund zu gehen, es zu erspüren. Da ist es kein Wunder, dass so manch einer nicht mehr weiß, was er eigentlich wirklich fühlt, welches Gefühl in ihm dominiert und wie intensiv es ist.
Das Bewusstsein für Gefühle ist die Grundlage für Veränderung Wie geht es Ihnen? Schon die Bewusstmachung dessen, was innerlich und äußerlich "da ist", stellt eine neue Erfahrung dar und setzt Veränderungsprozesse in Gang. So werden Teufelskreise von negativen Gedanken und Gefühlen unterbrochen und vorübergehendes Loslassen wird erleichtert.
Der Prozess ist das Ziel - es kann losgehen! Beobachten Sie sich eine Woche lang mit einem milden Blick - ohne sich abzuwerten. Dieses sogenannte "Prinzip der Achtsamkeit" (mindfulness)* wird Ihnen einen neuen Zugang zu sich selbst ermöglichen und neue Erkenntnisse bringen. Mit diesen Erkenntnissen - Ihrem Gefühlsinventar - können Sie anschließend gezielte und konkrete Schritte zur Veränderung einleiten und so Ihrem Leben Schritt für Schritt eine bessere Richtung geben.
Erschöpfung, Stress, Frust und Wut Wir sind alle mal erschöpft oder gestresst. Auch kennen wir alle das Frust-Gefühl oder laufen mal eine Weile mit einer großen Wut im Bauch (!) herum. Was aber, wenn daraus ein Dauerzustand wird? Wenn wir jeden Tag total erschöpft sind? Wenn wir immer gestresst, frustriert oder wütend sind?
Im Vorhergehenden habe ich beschrieben, welche Folgen ein dauerhaftes Ignorieren der Gefühle haben kann und welch großes Potenzial freigesetzt wird, wenn wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Vielleicht kennen Sie das?
Der Begriff der Achtsamkeit stammt ursprünglich aus den östlichen Meditationspraktiken. Diese Methode wird mittlerweile häufig in Stress-Therapien angewandt.
Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, alle Gefühle zu untersuchen. Daher habe ich vier Gefühle für Sie ausgewählt, die häufig unseren heutigen Alltag belasten: Erschöpfung, Stress, Frust und Wut. Wobei nur zwei davon "reine" Gefühle sind:
1. der Frust als eine Form von Traurigkeit und Verzweiflung 2. Wut bzw. Ärger Bei den anderen beiden handelt es sich um "Gefühlscocktails", die sich als Symptome oder Stimmungen zeigen. Stress ist ein dauerhafter innerer Anspannungszustand, der aus einer Vielzahl von widersprüchlichen Gefühlen besteht, die mit Angst, Wut, Anspannung und Sorgen zu tun haben. Welche Gefühle auch immer eine Rolle spielen - die Ursache von Stress ist, dass sie im Verborgenen und ungelebt bleiben. Überhörte Müdigkeitssignale und ständige Überlastungen führen zu dauerhafter Erschöpfung.
Wer stets müde, erschöpft, frustriert oder gestresst ist, geht permanent an seine Ressourcen. Wer achtsam mit seinen Gefühlen umgeht, kann handeln. Also machen Sie Inventur! Kommen Sie Ihren Gefühlen auf die Spur!
Das Gefühlsglossar auf der nächsten Seite gibt Ihnen einen Überblick über die häufigsten Gefühle und hilft Ihnen, die Zutaten für Ihre "Gefühlscocktails" zu finden.
Das Gefühlsglossar Welches sind "Ihre" Gefühle?
Wann immer Sie sich einmal genauer mit Ihren Gefühlen befassen möchten, hilft Ihnen das folgende Glossar mit den häufigsten Gefühlen. Die Gefühle unterteile ich dabei (wie Serge Sulz) in die Basisgefühle Freude, Trauer, Angst und Wut.
Wie Sie das Gefühlsglossar nutzen können: 1. als Nachschlagewerk:
So können Sie zum Beispiel sehen, woraus Ihre "Gefühlscocktails" bestehen: Aus welchen Gefühlen besteht Ihr Frust? Welche Gefühle sind an Ihrem Stress beteiligt?
Sie können es aber auch dazu verwenden, Ihre Gefühle während der Inventur dezidiert zu benennen. Fragen Sie sich: Ist das, was Sie fühlen, wirklich Wut? Betrachten Sie die Wut-Liste: Findet sich dort ein Wort, das Ihr Gefühl besser beschreibt?
2. als Hilfe bei Auseinandersetzungen:
Je genauer Sie Ihre Gefühle benennen können, desto besser können Sie sich anderen mitteilen! (siehe "Gefühlselefant" auf Seite 176) 3. als weiterführende Übung:
Wer sich und seine einzelnen Gefühle noch besser kennen lernen möchte, kann die dazugehörigen Übungen durchführen.
4. als Paar-Übung Bei den "Selbstcoaching-Tools" finden Sie zwei Übungen, die Sie gemeinsam mit Freunden oder Ihrem Partner machen können.
Übung 1:
Unterstreichen Sie alle Gefühle, die Sie häufig und/oder intensiv haben, auch wenn sie Ihnen unangenehm sind. Beginnen Sie mit der ersten Spalte. Anschließend fragen Sie sich: Welches ist das wichtigste Gefühl in dieser Spalte? Verfahren Sie mit den anderen Spalten ebenso. Übertragen Sie dann das Ergebnis auf die nächste Seite.
Leseprobe zu "Gefühlsinventur" von Dasa Szekely
Wie geht's?
Liebe Leserin, lieber Leser, mir geht es sehr gut! Ich bin glücklich, weil ich tue, was ich am liebsten tue: Menschen in Zeiten helfen, in denen es ihnen schwerfällt, sich selbst zu helfen. Ich bin stolz auf mich, weil ich den ersten "Coaching-Laden" Deutschlands eröffnet habe und weil ich ein Buch geschrieben habe.
Alles begann mit einer spontanen Idee, gepaart mit einem Faible für Formulare: Wie so viele Menschen erleben auch meine Klienten täglich unzählige Gefühle, haben aber viel zu wenig Zeit, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Deshalb wollte ich ihnen etwas an die Hand geben, das ihnen schnellen Kontakt mit ihren Gefühlen ermöglicht. Dabei war mir wichtig, dass sie so wenig wie möglich tun müssen, damit sie sich ganz entspannt auf sich selbst konzentrieren können. So begann ich damit, ihnen Formulare mit nachhause zu geben, anhand derer sie sich und ihre Gefühle über einen gewissen Zeitraum beobachten konnten. Die Resonanz war überwältigend: Meine Klienten hörten auf, ihre Gefühle nur diffus wahrzunehmen, sondern begannen, sie beim Namen zu nennen. Sie "adoptierten" sie, übernahmen Verantwortung für sie. Schon durch die bloße Beobachtung ergaben sich entscheidende Veränderungen. Je mehr Gefühle bewusst gelebt wurden, desto mehr Energie wurde freigesetzt. Das Ergebnis war eine erheblich verbesserte Lebensqualität.
Aus dieser Idee entwickelte ich eine kleine Formularsammlung, dann eine große und schließlich eine Methode und ein Buch. Ich habe diese Methode "Gefühlsinventur" genannt, weil sie eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gefühle ist. Mit der Formularsammlung in diesem Buch können Sie das, was sonst durch Teamarbeit im Coaching erreicht wird, ohne Termine auch allein ganz bequem bei sich zuhause erarbeiten. Neben der Inventur finden Sie auch andere in meiner Praxis erprobte Tools für Ihren individuellen Lösungsprozess, die Sie im Anschluss an die zwei Wochen der Beobachtungsphase einsetzen können, wenn Sie es möchten.
Liebe Leserin - wie geht es Ihnen?
Mit der Antwort auf diese Frage können Sie Ihr Leben verändern!
Alles, was Sie tun müssen, ist, über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich ein paar Minuten in sich hineinzu- spüren und diese Gefühle zu notieren. Sie werden sehen: Mit den einfach aufgebauten Formularen geht das nicht nur kinderleicht, sondern macht auch noch Spaß. Auch das war mir wichtig. Also: Haben Sie viel Spaß!
Kleine Gefühlskunde Was ist ein Gefühl? Es gibt viele Antworten auf diese Frage, und viele Bücher, die dieses Thema behandeln. Da dies hier ein Arbeitsbuch ist, gebe ich an dieser Stelle lediglich einen kleinen Überblick über die wesentlichen Aspekte.
Warum unsere Gefühle so wichtig sind Ihr Gefühlsausdruck ist eine existenzielle Form der Kommunikation mit sich und anderen. Ihre Fähigkeit, sich emotional ausdrücken zu können, gehört zu Ihrer Grundausstattung. Mit Gefühlen können wir "sprechen". Wir kommunizieren nämlich nie nur verbal, sondern immer auch auf emotionale Weise und treten so in Beziehung zu anderen. Da fast alle Menschen - unabhängig von Sprache und Sozialisation - in der Beurteilung von Grundgefühlen übereinstimmen, ist die sogenannte "affektive", also gefühlsmäßige Grundstimmung zwischen zwei Menschen sogar oft bedeutender als der Inhalt des Austauschs.
Dies alles gilt aber nicht nur für andere, sondern natürlich auch für Sie selbst: Auch Sie kommunizieren emotional mit sich selbst und treten so nicht nur logisch-rational, sondern eben emotional mit sich selbst in Beziehung. Sie fühlen, was Sie fühlen, Sie erfühlen Ihre Bedürfnisse. Dabei ist es von größter Wichtigkeit, dass Sie Ihre wirklichen Gefühle fühlen. Anders ausgedrückt: Dass die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Gefühlen stimmt. Erst dann können Sie dafür sorgen, dass Ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Erst dann können Sie gut für sich - für Ihre Existenz - sorgen.
Gefühle sind bereitgestellte Energie Daneben hat der Ausdruck von Gefühlen auch eine wichtige physiologische Bedeutung: Erregung wird auf eine für den Organismus unschädliche Art umgesetzt und abgebaut. Gefühle sind bereitgestellte Energie, die zum Handeln motiviert. Diese Energie sollte verbraucht werden bzw. Ihre Gefühle sollten ausgedrückt werden, damit die Energie wirksam eingesetzt werden kann. Wird sie nicht verbraucht, steigt Ihre innere Erregung. Sie kennen das: Manchmal "platzt" man beinahe vor Wut, da man sie schon so lange aufgestaut hat. Gefühle suchen sich einen Ausgang - irgendwie und irgendwann.
Doppel-Gefühle sind schädlich Wie oft haben Sie schon tapfer gelächelt, wenn Ihnen eher zum Heulen zu Mute war? Genau dann haben Sie Ihre eigentlichen Gefühle nicht ausgedrückt, sondern sie unterdrückt. Was Sie wissen sollten: Immer, wenn Sie Ihre Gefühle unterdrücken, dann verrichtet Ihr Nervensystem zusätzliche Arbeit. Sie haben dann sozusagen Doppel-Gefühle: die echten und die, die Sie statt derer zeigen. Diese Diskrepanz zwischen erlebten und gezeigten Gefühlen ist eine psychophysiologische Belastung, die nicht selten zu psychosomatischen Erkrankungen führt.
Mangelnde Selbstwahrnehmung führt zu wachsender innerer Erregung Der Versuch der Verdrängung oder Unterdrückung unerwünschter Gefühle wird oft schon früh gelernt. Wenn ein kleiner Junge zum Beispiel vor Schmerzen weint, dann sagt ihm sein Vater vielleicht: "Jungs weinen nicht." So lernt der Junge, seine eigentlichen Gefühle zu unterdrücken. Und nicht nur das: Er wird sogar oft noch dafür belohnt, seine Gefühle zu unterdrücken: "Siehst du, jetzt bist du ein braver Junge!" Der Junge erfährt Zuwendung und Wertschätzung, wenn er nicht fühlt. Mit der Zeit wird er so wahrscheinlich verlernen, seine Gefühle zu zeigen, sie überhaupt zu fühlen. Er wird seine eigentlichen Gefühle irgendwann nicht mehr wahrnehmen.
Diese mangelnde Selbstwahrnehmung führt zu wachsender innerer Erregung - Energie, die nicht oder nur destruktiv abgebaut wird - zum Beispiel in Form von Wut, Bitterkeit oder Rachegefühlen. Obwohl wir unsere Energie so gut gebrauchen könnten, um anderen und auch uns selbst Gutes zu tun!
Wir fühlen oft nicht mehr, was wir fühlen Nicht genug damit, dass wir uns oft schon als Kinder von unseren "Originalgefühlen" trennen und stattdessen Ersatzgefühle oder oft auch Ersatzbefriedigungen ausleben. Hinzu kommt noch, dass - insbesondere in der Arbeitswelt - Gefühle oft als störend oder sogar schädlich gelten, weil sie unberechenbar sind. Das passt nicht in das Bild einer perfekt funktionierenden Maschine bzw. in das Bild eines Unternehmens, das gern "reibungslos" funktionieren möchte. So sind wir häufig nicht nur damit aufgewachsen, unsere Gefühle zu negieren, sondern werden weiterhin Tag für Tag dazu aufgefordert - und dafür belohnt. Auch ist oft keine Zeit mehr da, um einem Gefühl auf den Grund zu gehen, es zu erspüren. Da ist es kein Wunder, dass so manch einer nicht mehr weiß, was er eigentlich wirklich fühlt, welches Gefühl in ihm dominiert und wie intensiv es ist.
Das Bewusstsein für Gefühle ist die Grundlage für Veränderung Wie geht es Ihnen? Schon die Bewusstmachung dessen, was innerlich und äußerlich "da ist", stellt eine neue Erfahrung dar und setzt Veränderungsprozesse in Gang. So werden Teufelskreise von negativen Gedanken und Gefühlen unterbrochen und vorübergehendes Loslassen wird erleichtert.
Der Prozess ist das Ziel - es kann losgehen! Beobachten Sie sich eine Woche lang mit einem milden Blick - ohne sich abzuwerten. Dieses sogenannte "Prinzip der Achtsamkeit" (mindfulness)* wird Ihnen einen neuen Zugang zu sich selbst ermöglichen und neue Erkenntnisse bringen. Mit diesen Erkenntnissen - Ihrem Gefühlsinventar - können Sie anschließend gezielte und konkrete Schritte zur Veränderung einleiten und so Ihrem Leben Schritt für Schritt eine bessere Richtung geben.
Erschöpfung, Stress, Frust und Wut Wir sind alle mal erschöpft oder gestresst. Auch kennen wir alle das Frust-Gefühl oder laufen mal eine Weile mit einer großen Wut im Bauch (!) herum. Was aber, wenn daraus ein Dauerzustand wird? Wenn wir jeden Tag total erschöpft sind? Wenn wir immer gestresst, frustriert oder wütend sind?
Im Vorhergehenden habe ich beschrieben, welche Folgen ein dauerhaftes Ignorieren der Gefühle haben kann und welch großes Potenzial freigesetzt wird, wenn wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Vielleicht kennen Sie das?
Der Begriff der Achtsamkeit stammt ursprünglich aus den östlichen Meditationspraktiken. Diese Methode wird mittlerweile häufig in Stress-Therapien angewandt.
Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, alle Gefühle zu untersuchen. Daher habe ich vier Gefühle für Sie ausgewählt, die häufig unseren heutigen Alltag belasten: Erschöpfung, Stress, Frust und Wut. Wobei nur zwei davon "reine" Gefühle sind:
1. der Frust als eine Form von Traurigkeit und Verzweiflung 2. Wut bzw. Ärger Bei den anderen beiden handelt es sich um "Gefühlscocktails", die sich als Symptome oder Stimmungen zeigen. Stress ist ein dauerhafter innerer Anspannungszustand, der aus einer Vielzahl von widersprüchlichen Gefühlen besteht, die mit Angst, Wut, Anspannung und Sorgen zu tun haben. Welche Gefühle auch immer eine Rolle spielen - die Ursache von Stress ist, dass sie im Verborgenen und ungelebt bleiben. Überhörte Müdigkeitssignale und ständige Überlastungen führen zu dauerhafter Erschöpfung.
Wer stets müde, erschöpft, frustriert oder gestresst ist, geht permanent an seine Ressourcen. Wer achtsam mit seinen Gefühlen umgeht, kann handeln. Also machen Sie Inventur! Kommen Sie Ihren Gefühlen auf die Spur!
Das Gefühlsglossar auf der nächsten Seite gibt Ihnen einen Überblick über die häufigsten Gefühle und hilft Ihnen, die Zutaten für Ihre "Gefühlscocktails" zu finden.
Das Gefühlsglossar Welches sind "Ihre" Gefühle?
Wann immer Sie sich einmal genauer mit Ihren Gefühlen befassen möchten, hilft Ihnen das folgende Glossar mit den häufigsten Gefühlen. Die Gefühle unterteile ich dabei (wie Serge Sulz) in die Basisgefühle Freude, Trauer, Angst und Wut.
Wie Sie das Gefühlsglossar nutzen können: 1. als Nachschlagewerk:
So können Sie zum Beispiel sehen, woraus Ihre "Gefühlscocktails" bestehen: Aus welchen Gefühlen besteht Ihr Frust? Welche Gefühle sind an Ihrem Stress beteiligt?
Sie können es aber auch dazu verwenden, Ihre Gefühle während der Inventur dezidiert zu benennen. Fragen Sie sich: Ist das, was Sie fühlen, wirklich Wut? Betrachten Sie die Wut-Liste: Findet sich dort ein Wort, das Ihr Gefühl besser beschreibt?
2. als Hilfe bei Auseinandersetzungen:
Je genauer Sie Ihre Gefühle benennen können, desto besser können Sie sich anderen mitteilen! (siehe "Gefühlselefant" auf Seite 176) 3. als weiterführende Übung:
Wer sich und seine einzelnen Gefühle noch besser kennen lernen möchte, kann die dazugehörigen Übungen durchführen.
4. als Paar-Übung Bei den "Selbstcoaching-Tools" finden Sie zwei Übungen, die Sie gemeinsam mit Freunden oder Ihrem Partner machen können.
Übung 1:
Unterstreichen Sie alle Gefühle, die Sie häufig und/oder intensiv haben, auch wenn sie Ihnen unangenehm sind. Beginnen Sie mit der ersten Spalte. Anschließend fragen Sie sich: Welches ist das wichtigste Gefühl in dieser Spalte? Verfahren Sie mit den anderen Spalten ebenso. Übertragen Sie dann das Ergebnis auf die nächste Seite.