Metal-Pop war gestern - mit "St. Anger" legen Metallica
ein unverhofft brachiales Album vor, mit dem sie auch alte Fans
wieder versöhnen dürften. Nach den teilweise unangenehm
pop-lastigen Alben "Load" (1996) und "Re-Load"
(1997) erschütterte der Ausstieg von Bassist Jason Newstedt das
Bandgefüge der wichtigsten Metal-Band der letzten Dekade in ihren
Grundfesten. Die verbliebenen Mitglieder suchten seelischen
Beistand bei einem Gruppentherapeuten, der jedoch auch nicht
verhindern konnte, dass Frontmann James Hetfield mitten während der
Produktion von "St. Anger" plötzlich verschwand, um sich
einer Alkohol-Entzugstherapie zu unterziehen. Die Band stand kurz
vor dem Aus. Dass das achte Studioalbum der einflussreichsten
Rockband der Neunziger Jahre doch noch fertig gestellt wurde,
gleicht somit fast einem Wunder. Doch nach der Rückkehr von
Hetfield und der Verpflichtung von Robert Trujillo als neuerm
Bassisten, kam wieder Leben in die Band. Einmal mehr unter der
Regie von Produzent Bob Rock spielte die Gruppe ihr bislang
brachialstes Werk ein, dem man seinen turbulenten
Entstehungsprozess deutlich anhört. Mit aller Macht stemmen sich
die vier Musiker gegen die Pop-Auswüchse der Vergangenheit und
präsentieren elf ungeschliffene und energiestrotzende
Kompositionen, die oft eher skizzenhaft wirken und dadurch einen
ungebündelten, rohen Charme entwickeln. Um klassische
Songstrukturen kümmern sich Metallica auf "St.Anger" kaum
noch, was auch zur Folge hat, dass die Songs des Öfteren die sechs
Minuten Grenze locker überschreiten. Vielmehr geht es darum, die
angestaute Energie uneingeschränkt freizusetzen, nicht ohne dabei
gelegentlich Melodiefetzen einzustreuen. Vor allem ist "St.
Anger" ein kompromissloser Befreiungsschlag, auf dem die Band
ihrer bislang größten Krise eine geschlossene Energieleistung
entgegenstellt und damit nachdrücklich Anspruch auf ihren Platz
unter den ganz Großen des Rock erhebt.
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