Hamburgs Gängeviertel sind Mythos und Streitpunkt zugleich. Doch
das heutige, zum Teil verklärte Bild von idyllisch anmutenden Höfen
und hübsch anzusehenden kleinen Fachwerkhäusern täuscht darüber
hinweg, dass das Leben in den drei Gängevierteln von Neu- und
Altstadt alles andere als vergnüglich war.
Eckhard Freiwald beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Hamburger
Geschichte und Stadtentwicklung. Mit über 220 historischen Fotos
von namhaften Fotografen wie Georg Koppmann sowie Zeichnungen und
Karten aus dem Staatsarchiv Hamburg zeigt Freiwald, mit welchen
mitunter gesundheitsschädlichen Bedingungen sich die überwiegend
armen Bewohner täglich auseinandersetzen mussten. Die hygienischen
Missstände aufgrund der mangelhaften Wasser- und Abwasserversorgung
beleuchtet er ebenso wie die zum Teil aus der Armut resultierende
hohe Kriminalität und ausgeprägte Prostitution. Freiwald analysiert
die Sozialstrukturen und die Berufstätigkeit der Einwohnerschaft
und betrachtet die einzelnen Gängeviertelsanierungen, die meist die
Gestalt von Abriss und Neubau trugen, wie die Entstehung des
Kontorhausviertels eindrucksvoll belegt. Zum Teil stellt Freiwald
den historischen Bilddokumenten aus der Zeit zwischen 1880 und den
1930er-Jahren aktuelle Aufnahmen gegenüber und veranschaulicht so,
dass die früheren Gängeviertel nur sehr wenig mit den heute noch
bestehenden Überresten in der Altstadt gemein haben.
Dieser spannende Bildband lässt das Leben in den Gängevierteln
eindrucksvoll auferstehen. Wer sich für die Geschichte dieser
berühmt-berüchtigten Viertel interessiert, kommt an diesem Buch
nicht vorbei.