Im Spannungsfeld des freien schriftsprachlichen Ausdrucks und einer
angeleiteten und systematischen Aufsatzschulung haben sich im 20.
Jahrhundert im Rahmen der Schreibdidaktik Konzeptionen
herausgebildet, die sehr unterschiedlich beschreiben, wie Kinder
beim Erwerb von Fähigkeiten im Texte verfassen unterstützt werden
können. Die vorliegende Studie "Wege ins Schreiben"
versucht eine systematische Aufarbeitung der grundschulrelevanten
schreibdidaktischen Entwicklungslinien im 20. Jahrhundert. Durch
einen bewusst gesetzten Fokus wird das äußerst differenzierte Feld
der Schreibprozesse von Kindern aus der Perspektive einer
ästhetischen Bildung - die auch für den Deutschunterricht
grundlegend erscheint - betrachtet. In einem weiteren Schritt wird
untersucht, wie das erzählpädagogische Konzept des italienischen
Schriftstellers und Pädagogen Gianni Rodari die gegenwärtige
Diskussion um das Textschreiben in der Grundschule erweitern kann.
Damit wird der Versuch unternommen, den nach wie vor noch
ausstehenden Perspektivwechsel in der Schreibdidaktik zu
vollziehen, Kinder nicht nur als SCHREIBENDE Kinder oder KOMPETENTE
Schreiber zu betrachten, sondern ihnen auch als schreibende KINDER
gerecht zu werden.