2008 jähren sich zwei bedeutende Ereignisse der europäischen
Geschichte zum 450. Mal: 1558 heiratet Marie Stuart (15), gekrönte
Königin der Schotten, in Paris den französischen Kronprinzen. In
London besteigt Elizabeth Tudor (25) Englands Thron - den
Frankreichs König für seine Schwiegertochter reklamiert. Elizabeth,
als Kind zeitweise in Gefangenschaft und in ihrem Leben bedroht,
ist für die katholische Welt Bastard und Ketzerin, für die
Protestanten aber Hoffnungsträgerin, und das sichert ihre
Herrschaft in England. Maries Legitimität und Rechtgläubigkeit
stehen außer Frage, doch Frankreichs Krone verliert sie durch den
frühen Tod ihres kindlichen Gemahls und die Schotten zu regieren
ist ein mörderisches Vabanquespiel zwischen archaischen Clans,
"Alter Allianz" und neuer Religion.
Die miteinander verwobenen Lebensgeschichten der beiden Königinnen
sind voller Dramatik und daher auch immer wieder Grundlage für
Romane, Schauspiele und Filme gewesen. Die Rivalität zwischen den
Cousinen Marie und Elizabeth entsteht dabei nicht aus persönlichen
Gegensätzen, sondern ist durch überkommene familiäre Verstrickungen
ererbt. Die eine Lebensgeschichte bedingt die andere, jede Änderung
im Leben der einen Königin zwingt die andere zu einer Reaktion.
Keine von beiden ist bereit, auch nur einen Jota von ihren
angestammten Rechten aufzugeben. Die äußeren Verhältnisse zwingen
sie als Königinnen in ein Duell, das nur durch den Tod einer der
beiden enden kann.
Sylvia Jurewitz-Freischmidt studierte Kunstgeschichte sowie Sozial-, Wirtschafts- und Neuere Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Ihr zentrales Thema ist die Rolle der Frau in der höfischen Welt vom Spätmittelalter bis zur Französischen Revolution.
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