Verdammt!" brachte Pater Gerasimo hervor. "Der Jüngste
Tag ist gekommen." Als das kleine namenlose griechische Dorf,
in dem diese neunzehn miteinander verknüpften Geschichten spielen,
von einem Erdbeben heimgesucht wird, ist dies für den verzweifelten
Pater der unwiderlegbare Beweis für den himmlischen Zorn, der
angesichts der vielen kleinen und großen Sünden seiner gottlosen
Schäfchen nun auf sie alle herabkommt. Das Leben auf dem Land aber
ist hart, für Mensch und Tier, und vom Bahnwärter über den
Bürgermeister bis hin zum Barbier oder zur Hure: keiner bleibt von
den Katastrophen der verschiedensten Art verschont. Da bleibt die
ein oder andere Schandtat nicht aus, ob nun aus Habgier oder Liebe
begangen. Von Zeit zu Zeit kommen auch Besucher in das dem
Untergang geweihte Dorf am Ende der Welt: ein König im Exil, ein
Bischof, der vorgibt, Wunder bewirken zu können, ein Zigeunerzirkus
mit einem Zentaur, eine exotische Vogelhändlerin, Sänger,
Gewichtheber und handelsreisende Gauner. Und am Ende ist es nicht
der göttliche Zorn, der die Zerstörung bringt, sondern, wie so
häufig, der Mensch höchstselbst ...
"Von der ersten Seite an offenbart der 1967 geborene, in England lebende griechische Autor erzählerische Meisterschaft." Süddeutsche Zeitung
»In 19 Geschichten erzählt Panos Karnezis ›Kleine Gemeinheiten‹, die sich wie zu einem Roman fügen, den man glatt Garcia Marquez zuschreiben könnte, wenn er nicht durch und durch griechisch beseelt wäre. Für ›Schiffsmeldungen‹-Autorin E. Annie Proulx ist dieses Debüt »die literarische Entdeckung des Jahres« Brigitte Kultur
Panos Karnezis, geboren 1967 in Griechenland, zog 1992 nach England und studierte zunächst Ingenieurwesen und im Anschluss Creative Writing an der Unsiversität of East Anglia. Er lebt in Oxford.
Leseprobe zu "Kleine Gemeinheiten" von Panos Karnezis