Tote Seelen - Gogol, Nikolai W.

Nikolai W. Gogol 

Tote Seelen

Roman. Nachw. u. Zeittafel v. Barbara Conrad

Aus d. Russ. neu übertr. v. Vera Bischitzky
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Tote Seelen

Ein Klassiker in vielgelobter Neuübersetzung 2: Und von erstaunlicher Aktualität: Spekulative Finanzgeschäfte, bei dem Leibeigene belastet werden, die in Wirklichkeit schon längst tot sind. "Tote Seelen" schaffen lebendiges Geld.

Die virtuos erzählte Geschichte eines abenteuerlichen Coups: Pawel Iwanowitsch Tschitschikow fährt über Land und tätigt unglaubliche Geschäfte... Auf seiner Fahrt durch Russland macht er verschiedenen Gutsbesitzern seine Aufwartung und versucht, sie zu überreden, ihm eine Liste derjenigen Leibeigenen zu überlassen, die seit der letzten fiskalischen Erhebung gestorben sind.

Zum großen Erstaunen der Beteiligten hat er dafür Verwendung! Was er allerdings damit vorhat, erfährt auch der Leser erst allmählich. Aus diesem wunderlichen Sujet erwächst eine surrealistische Bildergalerie von grotesken Charakteren und unvergesslichen Sonderlingen. Die 'Toten Seelen', eines der originellsten Bücher der russischen Literatur und fest verankert im Kanon der Weltliteratur, fasziniert als burleskes Sittengemälde Rußlands. Der virtuose Stil, der phantasievolle, überbordende Erzählfluß und der kühne Aufbau des Werks machen die Lektüre des Romans zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Kommentar zur Neuübersetzung von Vera Bischitzky"Wie kompliziert die formale Seite der Werke Gogols ist, kann man leicht sehen, wenn man versucht, auch nur einige Zeilen eines beliebigen Werks von ihm adäquat in eine beliebige Sprache zu übersetzen', so der Slawist Dmitrij Tschizewskij. Gogol scherte sich nicht um sprachliche Fehler, die ihm unterliefen und auf die ihn Zeitgenossen hinwiesen, auch mischte er immer wieder russische mit ukrainischen Sprachelementen. Soll und kann dies in eine andere Sprache übertragen werden? Und wie geht ein Übersetzer mit all den Tautologien um, die den deutschen Leser mitunter befremdlich anmuten? Was ist zu tun angesichts Gogolscher Sprachschöpfungen, die (so Tschizewskij) 'überhaupt keiner Sprache eigen sind' und mitunter nur der Verzierung dienen oder eine rätselhafte Aura schaffen sollen? Wie den lyrischen Ton bewahren, die Rhythmik oder das halbgebildete Stammeln eines russischen Provinzbeamten, welche Äquivalente für exotische Speisen finden? Diese und viele andere Übersetzungsprobleme lassen sich nur in einem unendlich langsamen Annäherungsprozeß lösen, der die Schrift-und Lautgestalt des Textes in gleicher Weise berücksichtigt - denn Gogol war auch ein begnadeter Vorleser seiner Werke.

Gogols 1842 erschienener Roman über Geschäftemacherei, Willkür, Betrug, Korruption und ein Leben in Saus und Braus ist von verblüffender Aktualität. Allenfalls die Methoden haben sich geändert. In einer russischen Provinzstadt führt sich ein gewisser Kollegienrat Tschitschikow in die Gesellschaft ein und macht einigen Gutsbesitzern einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er will ihnen »tote Seelen« abkaufen, verstorbene Leibeigene, die noch in den Rechnungsbüchern geführt werden ...

Die Toten Seelen, Gogols einziger Roman und Höhepunkt seines Werks, trugen entscheidend zur Weltgeltung des russischen Autors bei. Die Übersetzung von Vera Bischitzky macht die Vielschichtigkeit dieses Klassikers ganz neu zugänglich.


Produktinformation

  • Verlag: Artemis & Winkler
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 514 S. m. Illustr., Beil.: Notizen.
  • Seitenzahl: 524
  • Winkler Weltliteratur
  • Best.Nr. des Verlages: 50210
  • Deutsch
  • Abmessung: 239mm x 171mm x 42mm
  • Gewicht: 1040g
  • ISBN-13: 9783538072756
  • ISBN-10: 3538072752
  • Best.Nr.: 25663495

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Heinz Schlaffer macht sich dieses Buch selbst zum Geschenk. Die großzügige Ausstattung der Neuausgabe von Nikolai Gogols Klassiker, der Kommentar, das "kluge" Nachwort, vor allem aber die Übersetzung von Vera Bischitzky erfüllen ihn mit Freude. Der bislang in sechzehn Ausgaben vorliegende Versuch, Gogols charakteristische Sprachenpolyphonie auf Deutsch wiederzugeben, kommt laut Schlaffer mit Bischitzkys Verzicht auf Modernisierung und Glättung der Idiome seinem Ziel ein gehöriges Stück näher. Die Plastizität des Textes und Gogols satirischer Blick auf alles Leibliche und Stoffliche werden dem Rezensenten so einmal mehr bewusst. Dass die Handlung beim Lesen dahinter zurücktritt, scheint Schlaffer durchaus zu gefallen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.04.2009

Väterchen Frost ist Schnee von gestern

Heute vor zweihundert Jahren wurde Nikolai Gogol geboren: Zwei Übersetzungen seiner "Toten Seelen" laden zur Wiederbegegnung mit dem Hauptwerk des russischen Klassikers ein.

Nikolai Wassiljewitsch Gogol bildet zusammen mit Alexander Puschkin und Michail Lermontow jene Dichtertrias, die für die erste große Entfaltung der russischen Literatur steht. In einer Epoche, die nach dem militärischen Triumph des Zarenreiches über Napoleon vom reaktionären Geist der Heiligen Allianz, durch die Adelsrevolte der Dekabristen und das repressive Regime Nikolaus' I. markiert wurde, rückte die russische Literatur nach einem langen Prozess der Aneignung fremder Muster jetzt in eine Reihe mit der europäischen Romantik. Goethe, Schiller, E.T.A. Hoffmann, Byron, Mickiewicz waren nicht mehr unerreichbare Vorbilder, sondern Dialogpartner der Russen, die sich ihrerseits nun auf die eigenen Traditionen und Themen stützten.

Gerade in Gogols Werken ist deutlich zu sehen, wie er aus der ukrainischen Überlieferung und seinen Petersburger Erfahrungen schöpft und dabei immer wieder ureigene künstlerische Lösungen findet. Seine …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.04.2009

Wo selbst die Kommas Kratzfüße machen
Der Triumph der lächerlichen Dinge über alle Ambition: Nikolai Gogols Roman „Tote Seelen” in neuer deutscher Übersetzung
Am Ende von Gogols Roman „Tote Seelen” flieht sein unheroischer Held, Kollegienrat a. D. Tschitschikow, aus der Gouvernementstadt, wo er einige Wochen willkommener Gast der guten und daher gelangweilten Gesellschaft von bestechlichen Beamten und verlotterten Gutsbesitzern gewesen war. Dorthin hatte ihn der kuriose Einfall geführt, von Gutsherrn für wenige Rubel „tote Seelen” zu kaufen, verstorbene, aber noch in Steuerlisten verzeichnete Leibeigene, um mit diesem fiktiven Besitz einen staatlichen Kredit zu erschwindeln.
Doch nicht das dubiose Geschäft vertreibt ihn aus der Stadt, sondern das falsche Gerücht, er wolle die Tochter des Gouverneurs entführen. Mit Kutscher und Diener auf seiner Troika erreicht er nun die Landstraße, die Freiheit und den Genuss der schnellen Fahrt: „Welcher Russe liebt sie nicht, die schnelle Fahrt? Wie sollte seine Seele, die es danach dürstet, sich im Schwindel zu drehen, über die Stränge zu schlagen und manchmal zu sagen: ‚Hol doch alles der …

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Nikolai Wassiljewitsch Gogol wurde am 1. April 1809 in Welikije Sorotschinzy (Poltawa), Ukraine, geboren. Der Sohn eines ukrainischen Gutsbesitzers siedelte 1828 nach St. Petersburg über und versuchte sich als Beamter und Lehrer. Mit seinen ersten volkstümlichen Erzählungen erwarb sich Gogol 1831/32 große Anerkennung. 1848 unternahm Gogol eine Pilgerreise nach Jerusalem. Vier Jahre später starb er in Moskau.

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Kundenbewertungen zu "Tote Seelen" von "Nikolai W. Gogol"

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Bewertung von Kleopatra aus Berlin am 11.05.2009 ***** ausgezeichnet
Diese neue Ausgabe der "Toten Seelen" wirkt auf mich so, als habe ich das Werk bisher mit schwachen Augen ohne Lesebrille entziffern müssen und bekäme nun eine geschenkt - und mit dem Buch eine ganze, versunkene Welt. Nikolai Gogol ist ein Meister der Groteske von Weltrang und war Vorbild aller russischen Schriftsteller seit Dostojewski. Trotzdem ist er bei deutschen Lesern ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Titel dieses Romans schreckt sogar viele ab, weil er so dramatisch klingt. Dabei habe ich mich bei der Lektüre köstlich amüsiert und Gogols absurden Einfallsreichtum genossen.

Für eine Vielzahl veralteter Gegenstände fand die Übersetzerin deutsche Entsprechungen, auch grub sie Rezepte für Speisen aus, die im heutigen Russland nicht mehr existieren. Sie erläutert dies alles im Anmerkungsapparat, der sich selbst wie ein spannendes Buch liest.

Der Held des Romans, Tschitschikow, ist ein geriebener Hochstapler. Als "Seelen" wurden im zaristischen Russland Leibeigene bezeichnet. Verstarb einer von ihnen, musste ihn sein Gutsherr bis zur nächsten Revision als Inventar führen und für ihn Steuern zahlen. Tschitschikow versucht, die Gutsbesitzer eines Provinzstädtchens nacheinander durch Kaufverträge von diesen "toten" Seelen zu befreien, um diese dann als eigenes "Kapital" zu beleihen. Dies gibt dem Autor Gelegenheit, einen Reigen kauzigster Charaktere vorzuführen. Es fehlt nicht an wilden Verfolgungsjagden in Troikas und abenteuerlicheren, dynamisch rasselnden Vehikeln.

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