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Bewertung von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn am 03.01.2011 |
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Das Opus Magnum des emeritierten Professor Henning Ottmann ist die mehrbändige "Geschichte des politischen Denkens". Davon liegt hier Band IV/1: Das 20. Jahrhundert. Der Totalitarismus und seine Überwindung vor, Band IV/2 folgt noch. Der Band IV/1 legt den Schwerpunkt auf die erste Hälfte des 20. Jhdts. Er gliedert sich im Wesentlichen in acht Teile: I. Dystopien (Wells, Capek, Samjatin, Huxley, Orwell) II. Max Weber (1864-1920) oder Standhalten im »Gehäuse der Hörigkeit« III. Politisches Denken in Rußland vor, während und nach der Oktoberrevolution IV. Die Konservative Revolution (Arthur Moeller van den Bruck, Thomas Mann, Oswald Spengler, Ernst Jünger) V. Carl Schmitt (1888-1995) oder Politisches Denken für alle Fälle VI. Faschismus und Nationalsozialismus VII. Politisches Denken in China vor und nach der Revolution (KangYouwei, SunYat-sen, Mao, die ältere chinesische Philosophie und ihre aktuelle Bedeutung) VIII. Neoklassische politische Philosophie (Arendt, Voegelin, Strauss) Der Beginn mit einem ausführlichen Teil zu den literarischen Dystopien ist einerseits ungewöhnlich, andrerseits signalgebend für die kommenden totalitären Regime. Max Weber veranlasst zur Erörterung einer der vielen Kontroversen, die das gesamte Jahrhundert durchzogen: den Streit um die Wertfreiheitsthese. Der Schwerpunkt liegt dann auf den totalitären Regimen in Russland, Deutschland, Italien und China. Der achte Teil behandelt die große Intellektuelle Hannah Arendt, den Politologen Eric Voegelin und den politischen Philosoph Leo Strauss. Unter deren Schirm werden zahlreiche Themen, wie Zionismus und Naturrecht abgehandelt. Von großer Sachkenntnis getragen ergeben sich zahlreiche Rückbezüge in frühere Jahrhunderte, so dass ein enges Gewebe entsteht. Dabei versucht Ottmann immer ein differenziertes Urteil abzugeben. Die grossen Verbrecher der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, allen voran Hitler, Mao und Stalin (alphabetisch) werden ausführlich diskutiert. Aufschlussreich ist beispielsweise die Diskussion, in wie weit die Totalitarismen als politische Religionen einzustufen sind oder warum die westliche Doktrin des Marxismus gerade in Russland und China auf so grosse Resonanz stieß. Vieles aus dem 20. Jahrhundert fehlt, jedoch (hoffentlich) nur, weil es im Band 4/2 behandelt werden wird. Durch den Detail- und Bezugsreichtum und den verständlichen Stil eignet sich dieser Band sowohl für den Experten als auch die Studierenden der einschlägigen Richtungen als auch für alle an der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts interessierten Laien. Unbedingt zuschlagen! |
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