Nach dem Erfolg des ersten Bandes BERLIN - STEINERNE STADT legt
Jason Lutes nun die Fortsetzung der Geschichte um die junge
Studentin Marthe Müller und den Journalisten Kurt Severing vor.
Eindringlich, detailliert und historisch fundiert erzählt Lutes von
den Ereignissen am Vorabend des Dritten Reiches. Die Kämpfe
zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten werden heftiger, und
die Stadt gleicht einem Pulverfass. Das Nachtleben Berlins bietet
viele Möglichkeiten, die bittere Realität wenigstens zeitweise zu
vergessen. Die amerikanische Jazzband Cocoa Kids wird für eine
Weile einer der hellsten Sterne an Berlins Nachthimmel, doch die
farbigen Musiker haben keinen leichten Stand.
Die hochgesteckten Erwartungen nach dem Auftaktband von Jason Lutes' Berlin-Trilogie erfüllt der vorliegende zweite Band laut Kai Schlieter leider nicht ganz. So begeistert, wie Schlieter den ersten Teil des Comics verschlungen hat, so erschöpft zeigt er sich am Ende dieser 214 Seiten, "ermüdet", schreibt er. Dabei scheint Schlieter das von Lutes in Szene gesetzte Motiv des Tanzes auf dem Vulkan zwischen dem Blutmai 1929 und den Wahlen 1930, Kommunistenkundgebungen, Nazi-Furor und Jazz inklusive, durchaus zu gefallen. Ebenso Lutes' Orientierung an Milieukennern wie Zille und Döblin. Ausschlaggebend für die Erschöpfung des Rezensenten ist die Art und Weise, wie Lutes sein schwarzweiß gezeichnetes kontrastvolles Berlin-Mosaik entwirft. Das Bilder-Stakkato nämlich ist allzu fordernd, lässt den Leser zu sehr allein mit seinen Vorstellungen, findet Schlieter. Holzschnittartige Figuren, mitunter leblos wirkende Handlungsverläufe, dann wieder unruhig und mit Details überladen. Eine Symphonie der Großstadt, denkt unser Rezensent wohl, aber ohne Dirigent.