Die männliche Herrschaft - Bourdieu, Pierre

Pierre Bourdieu 

Die männliche Herrschaft

Übersetzer: Bolder, Jürgen
Buch mit Leinen-Einband
 
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Produktbeschreibung zu Die männliche Herrschaft

Ein Mann beschäftigt sich mit der Ungleichheit der Geschlechter. Doch der Soziologe Pierre Bourdieu tut dies nicht, um den Feminismus unter männliche Dominanz zu bringen, sondern um zu zeigen, daß männliche Herrschaft eine besondere, politisch wie ökonomisch wichtige Form symbolischer Herrschaft darstellt.
Männliche Herrschaft ist das Paradigma - und oft das Modell und der Gegenstand - aller Herrschaft. Da sie hinreichend abgesichert ist, bedarf sie keiner Rechtfertigung. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern scheint nämlich in der "Natur der Dinge" zu liegen: Sie hat sich in der sozialen Welt niedergeschlagen und ist in den Einstellungen aller, dem Habitus, präsent: als ein universelles Prinzip des Sehens und Einteilens, ein System von Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskategorien. Dies erklärt, warum eine solche Macht akzeptiert wird: Die Zustimmung zu ihr beruht nicht auf einer freiwilligen Entscheidung, sondern auf der unmittelbaren Unterwerfung der sozialisierten Frauen. Wie die Frauen einer Sozialisierung unterworfen werden, die auf ihre Herabsetzung zielt, sind auch die Männer Gefangene der herrschenden Vorstellungen, obwohl sie perfekt ihren Interessen entsprechen.
Für Bourdieu bedarf es daher einer symbolischen Revolution, einer radikalen Umgestaltung jener gesellschaftlichen Verhältnisse, die die beherrschten Frauen dazu bringt, den herrschenden Männern und sich selbst gegenüber einen Standpunkt einzunehmen, der mit dem der Herrschenden identisch ist.

Produktinformation


  • Verlag: Suhrkamp
  • 2005
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 210 S.
  • Seitenzahl: 212
  • Best.Nr. des Verlages: 58435
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 128mm x 27mm
  • Gewicht: 324g
  • ISBN-13: 9783518584354
  • ISBN-10: 3518584359
  • Best.Nr.: 13280746
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.05.2005

Zurück zu den alten Fragen
Pierre Bourdieu hat Ratschläge für Feministen
Es ist noch nicht lange her, da stritt die Frauenbewegung leidenschaftlich darüber, ob mit der Klassengesellschaft auch die Unterdrückung der Frau verschwinden würde. Für uns hat die Debatte mittlerweile einen gewissen nostalgischen Charme, und doch fühlt sich an sie erinnert, wer Pierre Bourdieus Studie über „Die männliche Herrschaft” liest. Darin untersucht er, weshalb und auf welche Weise sich die männliche Herrschaft jenseits aller historischen Veränderungen so stabil aufrecht erhalte, weshalb mit anderen Worten auch der gesamte soziale und ökonomische Wandel der vergangenen Jahrzehnte wenig an der Aufteilung der Welt in männliche Herrschaft und weibliche Unterwerfung geändert habe.
Dass die Verhältnisse tatsächlich so unwandelbar sind, ist seit der Veröffentlichung des französischen Originals und der englischen Übersetzung nicht unwidersprochen geblieben. Auch Bourdieu selbst stellt Veränderungen fest. Dennoch vermittelt das Buch den Anschein, als ob ihn die mehr oder minder begrenzten Fortschritte nicht interessierten. Sicher, zwar studieren Frauen - aber …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2005

Wer wann darüber lacht
Pierre Bourdieus Lanze für die Frau / Von Christine Tauber

Eine Kritik der männlichen Herrschaft durch einen Mann, wo gibt es denn so etwas? Die Hauptthese des Buches, daß die männliche Herrschaft aufgrund ihrer Finte, sich als natürlich-biologische Gegebenheit zu tarnen und sich zugleich eisern in den herrschenden sozialen Strukturen zu verankern, unüberwindlich sei und durch immer neue Reproduktion Männer und Frauen erfolgreich und unausweichlich konditioniere, legt in der Tat die Frage nahe, wie dann männliches Denken je die Distanz einnehme könne, um diese Strukturen realistisch zu beschreiben. Pierre Bourdieus Beteuerung, er habe sich auf dieses "fast gänzlich von Frauen monopolisierte Gebiet gewagt", weil seine Beziehung zum Thema von "Distanz und Sympathie" geprägt sei, überzeugt nicht. Plausibler klingt der Hinweis auf das Grundgesetz aller wissenschaftlichen Beschäftigung, daß das Recht aller auf den Zugang zu allen Gegenständen gewährleistet bleiben müsse.

Der verstorbene Bourdieu bietet in diesem Text von 1998 eine Vielzahl - zum Teil durchaus amüsanter - Beispiele für das Fortleben der …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ute Frevert würdigt Pierre Bordieu als "soziologischen Großmeister" und unterzieht seine Studie über "männliche Herrschaft" zunächst einer erwartungsvollen, wohlmeinenden Lektüre, bevor sie ihrer Enttäuschung Ausdruck verleiht. Ausgehend von ethnologischen Beobachtungen nordafrikanischer Völker, in die er Verweise auf moderne okzidentale Gesellschaften einstreue, wolle Bordieu die "Konstanz und Permanenz männlicher Herrschaft über die Jahrhunderte hinweg ... als konstruiert und strategisch hergestellt" beschreiben, wie Frevert zusammenfasst. Die Rezensentin stört sich allerdings daran, dass Bordieu den feministischen Diskurs ausblende und ein "Zerrbild historischer Geschlechterforschung" erzeuge. Und ohne sein investigatorisches und deskriptives Verdienst herabwürdigen zu wollen, fragt sie sich, "welche Botschaft Bordieu als politisch engagierter Intellektueller eigentlich verkünden wollte". Das Buch suggeriere über weite Strecken die Ausweglosigkeit aus der Determiniertheit der Verhältnisse, deren Opfer letztendlich alle seien, Männer wie Frauen - aber dass dieses Opferdasein "sozial, zeitlich und räumlich sehr unterschiedlich" aussehe und möglicherweise beeinflussbar sein könnte, werde zugunsten der "Konstanz der Struktur" ausgeblendet. Es fehle die "Option des Entrinnens", womit sich die Rezensentin nicht abzufinden gedenkt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Pierre Bourdieu (eigentlich Pierre-Félix Bourdieu; 1. August 1930 in Denguin, Pyrénées-Atlantiques; 23. Januar 2002 in Paris) war einer der bekanntesten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Er studierte Philosophie in Paris an der École Normale Supérieure und arbeitete als Lehrer. Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl am Collège de France. Im Jahre 1993 wurde er mit der "Médaille d'or du Centre National de la Recherche Scientifique" (CNRS) ausgezeichnet. Pierre Bourdieus soziologische Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert. Er war bekannt als politisch interessierter und aktiver Intellektueller, der sich gegen die herrschende Elite und den Neoliberalismus wandte.

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