Kommunitarismus - Reese-Schäfer, Walter
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Walter Reese-Schäfer 

Kommunitarismus

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Produktbeschreibung zu Kommunitarismus

Der Kommunitarismus ist eine philosophisch-politische Reaktion auf scheinbare Zerfallstendenzen der zunehmend individualistischen, liberalen Wohlstandsgesellschaft, in der die Orientierung an Werten wie sozialer Verantwortung und Solidarität nachlässt. Die von den USA ausgegangene Bewegung, der führende Philosophen wie Charles Taylor, Alasdair MacIntyre, Martha Nussbaum, Michael Walzer und Robert Putnam zugeordnet werden und die vor allem von dem Soziologen Amitai Etzioni politisch vorangetrieben wird, hat heute auch in Europa - besonders in Deutschland - ein breites Netzwerk entwickelt.

Einführung in den Kommunitarismus
Der Kommunitarismus ist eine philosophisch-politische Reaktion auf scheinbare Zerfallstendenzen der zunehmend individualistischen, liberalen Wohlstandsgesellschaft, in der die Orientierung an Werten wie sozialer Verantwortung und Solidarität nachläßt. Insofern ist das kommunitaristische Projekt der Versuch einer Wiederbelebung von Gemeinschaftsdenken unter den Bedingungen postmoderner Gesellschaften.

Die Bewegung des Kommunitarismus ging von den USA aus - hat heute aber auch in Deutschland ein breites Netzwerk entwickelt. Aber gerade hierzulande entfaltet der Kommunitarismus eine besondere Spannung und Ambivalenz. Eine positive Verwendung des Gemeinschaftsbegriffs stößt in Deutschland von vornherein auf ernst zu nehmende Einwände.
Selbst wenn man nicht gleich an die nationalsozialistische Volksgemeinschaft oder Walter Ulbrichts sozialistische Menschengemeinschaft denkt - in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema stößt man immer auf die Argumentation von der Emanzipation des Individuums von der Einbindung in hergebrachte Strukturen.

Die Einführung von Walter Reese-Schäfer zeichnet die kommunitaristische Diskussion in ihren Grundzügen nach und stellt die wichtigsten Theoretiker des Kommunitarismus vor: Michael Sandel, Charles Taylor, Alasdair MacIntyre, Martha Nussbaum, Michael Walzer, Robert Putnam und Amitai Etzioni.


Produktinformation


  • Verlag: Campus Verlag
  • 2001
  • 3., vollst. überarb. A.
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 157 S.
  • Seitenzahl: 157
  • Campus Einführungen
  • Deutsch
  • Abmessung: 133mm x 205mm x 20mm
  • Gewicht: 192g
  • ISBN-13: 9783593368320
  • ISBN-10: 3593368323
  • Best.Nr.: 09829222
Prof. Dr. Walter Reese-Schäfer ist Inhaber des Lehrstuhls für politische Theorie und Ideengeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen, Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Director of Studies des internationalen Studiengangs Euroculture, an dem die Universitäten Göttingen, Groningen, Uppsala, Udine, Straßburg, Deusto Bilbao/San Sebastian, Olmütz und Krakau beteiligt sind. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Bereiche Politische Theorie der Gegenwart, Probleme der Globalisierung und Kommunitarismus.

Leseprobe zu "Kommunitarismus" von Walter Reese-Schäfer

3 Ästhet, Manager und Therapeut als Charaktermasken: Alasdair MacIntyre (S. 47-48)

Alasdair MacIntyre ist der Moralphilosoph unter den Kommunitariern. Seine Wertmaßstäbe liegen in der Ideengeschichte. Darauf basierend entwickelt er eine radikale Modernitätskritik, die gleichermaßen souverän auf Aristoteles, den heiligen Benedikt, Marx und Trotzki zurückgreift. Die vorherrschenden Sozialcharaktere der Gegenwart, nämlich der Ästhet, der Manager und der Therapeut, erscheinen allesamt als unerträgliche Rollenmodelle. MacIntyres Denkansatz ist so radikal, dass er als der Einzige unter den Kommunitariern keine Reformperspektive aufzeigt und auch nicht aufzeigen will. Der kommunitarischen politischen Praxis steht er dadurch fern.

Im Unterschied zu den anderen kommunitarischen Kritikern des Liberalismus bietet Alasdair MacIntyre keinerlei politischpraktische Lösungen an, sondern beschränkt sich konsequent auf die Kritik. Anders als Michael Sandel käme er gewiss nicht auf den Gedanken, der Demokratischen Partei eine Rezeptur für ihren Sieg bei den Präsidentschaftswahlen auszustellen. So kann er die anderen Kommunitarier anRadikalität und Schärfe überbieten.Wenn ich sein Denken als die dritte unter den kom munitarischen Positionen darstelle, so ist das einerseits als Klimax gemeint, andererseits wollte ich aber auch dem Eindruck vorbeugen, alle Kommunitarier hätten ausschließlich Klagelieder über den Verfall der Sitten zu bieten. DerWert vonMacIntyres Denken liegt mehr in seinem eindrucksvollen Zugriff auf die gesamte Tradition der Moralphilosophie, die er in einer Reihe von Büchern dargestellt und kritisiert hat (z. B. MacIntyre 1966; dt. 1991). Diese Arbeiten erschienen ihm selbst als unzulänglich, und erst in seinem 1981 (dt. 1987) veröffentlichten Buch Der Verlust der Tugend hat er seine Kritik so sehr zugespitzt und auf den Punkt gebracht, dass von diesem Buch eine bemerkenswerte, über den akademischen Kreis hinausgehende Breitenwirkung ausging, die ihn mit einem Schlag bekannt machte.

Für ihn verkörpern der Marxismus wie der liberale Individualismus gleichermaßen das fragwürdige Ethos der modernen und sich modernisierendenWelt. Er glaubt,

»daß nichts weniger als die Ablehnung eines großen Teils jenes Ethos uns einen rational und moralisch vertretbaren Standpunkt liefert, von dem aus man urteilen und handeln kann – und aufgrund dessen man mehrere rivalisierende und verschiedenartige Moralsysteme, die um unsere Gefolgschaft wetteifern, zu bewerten in der Lage ist« (MacIntyre 1987, 10).

Leseprobe zu "Kommunitarismus"

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