 | Besprechung von 09.04.2011 |
Wirtschaftsbücher
Der Umweg
ist das Ziel
Seit zehn Jahren überschwemmen Lifestyle- und Managementratgeber
den Buchmarkt. Jetzt sollen wir also in der Wirtschaft wie im
Privaten auch noch einen Umweg machen, um unser Leben in Griff zu
bekommen? John Kays Buch über die Kunst des Umwegs ist alles andere
als ein weiteres nutzloses Produkt. Der frühere Oxford-Professor
hat tatsächlich erstaunliche Erkenntnisse zu bieten. Das englische
Wort „Obliquity“ findet im Deutschen kein Pendant; man würde es in
anderen Zusammenhängen als „Schieflage“ bezeichnen. Doch Obliquity
steht für die Möglichkeiten, komplexe Absichten zu verwirklichen,
indem man die Ziele auf Umwegen erreicht.
Der Beispiele sind viele. Man kommt nicht mit dem Kopf durch die
Wand; zumindest nicht schmerzfrei. Der Panama-Kanal wurde eben
nicht dort gebaut, wo er die kürzeste Verbindung zwischen logischem
Pazifik- und Atlantik-Seeweg dargestellt hätte, sondern viel weiter
südlich, wo Mittelamerika am schmalsten ist. Und die Moderne in der
Architektur hat ihr Versagen mit dem Abriss der Hochhaussiedlung
Pruitt-Igoe in Missouri bewiesen. Moderne, das ist …
"'John Kay is an admirable debunker of myths and false beliefs - he can see substantial things others don't. Read this book.' - Nassim N Taleb, author of The Black Swan 'Economics with style as well as substance' - Stephen Bayley, Observer architecture and design correspondent 'Obliquity is a characteristic John Kay production. It is a pleasure to read' - Howard Davies, Financial Times 'How rare is it for an academic economist to write with such clarity, intelligence and courage. And, in these troubled, confusing times, how desperately we need other dismal scientists to follow John Kay's shining example.' - Liam Halligan, Spectator Business"
"Seit Jahren überschwemmen Lifestyle- und Managementratgeber den Buchmarkt. Jetzt sollen wir also in der Wirtschaft wie im Privaten auch noch einen Umweg machen, um unser Leben in den Griff zu bekommen? Doch John Kays Buch über die Kunst des Umwegs ist alles andere als ein weiteres nutzloses Produkt. Der frühere Oxford-Professor hat tatsächlich erstaunliche Erkenntnisse zu bieten ... Kay, der auch als Unternehmensberater gearbeitet hat, geißelt das Konzept des 'Business Reengineering', das er beinahe mit Lenins und Pol Pots Überzeugungen gleichsetzt, man müsse einen Plan, der in einem einzelnen Kopf gereift sei, eins zu eins umsetzen und könne daher alles Bisherige, Erfahrungen und historische Entwicklung über Bord werfen ... Dabei zieht Kay Figuren der Zeitgeschichte heran, den Schriftsteller Jorge Luis Borges ebenso wie den Philosophen Isaiah Berlin. Den 'Großen Krummen' erwähnt er nicht. Der hatte Peer Gynt in Ibsens Drama geraten, nicht geradeaus zu gehen, sondern einen Umweg
"Seit Jahren überschwemmen Lifestyle- und Managementratgeber den Buchmarkt. Jetzt sollen wir also in der Wirtschaft wie im Privaten auch noch einen Umweg machen, um unser Leben in den Griff zu bekommen? Doch John Kays Buch über die Kunst des Umwegs ist alles andere als ein weiteres nutzloses Produkt. Der frühere Oxford-Professor hat tatsächlich erstaunliche Erkenntnisse zu bieten ... Kay, der auch als Unternehmensberater gearbeitet hat, geißelt das Konzept des 'Business Reengineering', das er beinahe mit Lenins und Pol Pots Überzeugungen gleichsetzt, man müsse einen Plan, der in einem einzelnen Kopf gereift sei, eins zu eins umsetzen und könne daher alles Bisherige, Erfahrungen und historische Entwicklung über Bord werfen ... Dabei zieht Kay Figuren der Zeitgeschichte heran, den Schriftsteller Jorge Luis Borges ebenso wie den Philosophen Isaiah Berlin. Den 'Großen Krummen' erwähnt er nicht. Der hatte Peer Gynt in Ibsens Drama geraten, nicht geradeaus zu gehen, sondern einen Umweg zu machen - aus Bequemlichkeit. Ist das eine Gegenbeispiel zu Kays Thesen? Keineswegs. Denn einen Umweg zu machen bedeutet nicht, die Zeit zu vertrödeln, wie Peer es tut. Kay ist ein schöner Erfolgsratgeber gelungen."
Ulrich Brömmling, Süddeutsche Zeitung 9. April 2011
John Kay is a visiting professor at the London School of Economics and a fellow of St John's College, Oxford. As research director and director of the Institute for Fiscal Studies he established it as one of Britain's most respected think tanks. Since then he has been a professor at the London Business School and the University of Oxford, where he was the first director of the Said Business School. He is a regular columnist for the Financial Times and the author of numerous books, including The Truth About Markets (9781848296723) and The Long and the Short of It (9780954809324).