Sonanz - Erb, Elke

Elke Erb 

Sonanz

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Produktbeschreibung zu Sonanz

Emily Dickinson ist nicht nur Amerikas größte Dichterin, ihre Gedichte voller Anmut und Eigensinn gehören zum Schönsten im Schatz der Weltpoesie. Unsere Ausgabe präsentiert eine Auswahl ihrer kürzeren Gedichte auf Amerikanisch und auf Deutsch in einer Übersetzung von Wolfgang Schlenker. Die 51 Gedichte sind Einladungen, Emily Dickinson in jedem Text neu zu entdecken. Das Spektrum ist groß (aber nicht beliebig), der Blick offen. Was man sieht, sieht man direkt. Oder in den Worten von Emily Dickinson: "Wenn ich ein Buch lese und es macht meinen ganzen Körper so kalt, dass kein Feuer jemals mich wärmen könnte, weiß ich, das ist Dichtung. Wenn ich es physisch spüren kann, dass meine Schädeldecke abgenommen wird, weiß ich, das ist Dichtung. Nur auf diese Art weiß ich es. Gibt es denn eine andere?"

Während zweier Jahre hat Elke Erb sich einer täglichen Übung hingegeben: Innerhalb von fünf Minuten aufzuschreiben, was ihr in den Kopf und unter die Feder kommt, absichtslos und so eigenwillig, wie ihr Publikum es an ihr liebt. "Unter den sich wiederholenden Motiven", schreibt Elke Erb zu ihrem Selbstversuch, "zeigten sich schon bei der Niederschrift irritierende Obsessionen. Im Moment ihres Eintritts in das Notat agierten sie autonom. Erst während der Bearbeitung erkannte ich nach und nach, daß diese halbautomatischen Wortfolgen sogar aktuelle, schlechthin existentielle und theoretische Themen und Aufgaben behandelten, hell und schnell, im Vergleich etwa zur Traumarbeit, geführt von Reiz wie Lust. Mit den ersten Lauten hatte sich, wie man bei einem Instrument vor dem Spiel prüfend einige Tasten anschlägt, mein subkutanes Lebewesen hervorlocken lassen und sich selbst angestimmt, sodass es als leibliches Instrument fortan anwesend blieb! Gleich darauf begriff ich, woher eine Reihe jener obsessiven Leitmotive kamen, die mich verwundert hatten: die Ecke, die Kante, der Rand, die Vertikalen, Waagerechten, die Flächen Ein Lebewesen stimmt sich an und orientiert sich Es orientiert sich elementar und rundum, nicht nur räumlich, auch an seinen allgemeinen Bedingungen bis ins Vormenschliche, Tierliche, Pflanzliche, Erdzeitliche, und es blickt, wie es der Moment der Niederschrift wollte, in die Geschicke der Geschichte, in den sozialen Horizont der ländlichen Arbeit und Existenz, in die Belange der Zivilisation und des Verstands. Die Inschriften unter der Haut waren hervorgerufen worden und übernahmen das Spiel. Ich sah den Poesien zu, die sie hervorbrachten, und dachte, ich hätte das schwerlich zuwege gebracht."

Produktinformation


  • Verlag: Engeler
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 314 S.
  • Seitenzahl: 314
  • Sammlung Urs Engeler Editor Bd.65
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 128mm x 25mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783938767405
  • ISBN-10: 3938767405
  • Best.Nr.: 23403784
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.04.2008

Zwischen Bistum und Blitzhüfte
Sich von Lauten leiten lassen: Elke Erbs findige 5-Minuten-Notate
Über zwei Jahre hinweg habe sie sich eine tägliche Schreibpflicht auferlegt, schreibt Elke Erb im Vorwort zu ihrem neuen Buch „Sonanz”: Fünf Minuten lang galt es, den Stift nicht vom Papier zu nehmen – sei ihr nichts mehr eingefallen, habe sie das letzte Wort einfach wiederholt, bis die Zeit um gewesen wäre. Eine Schreibpflicht, die von etüdenhafter, recht privater Art scheint. Die jüngst siebzig Jahre alt gewordene Elke Erb aber hat durch diese Schreibhaltung zu einer ihrem poetischen Temperament überaus gemäßen Form gefunden.
Ihre Texte waren immer schon skizzenhaft, vorsichtig-tastend, aber auch äußerst widerständig und zuweilen sentenzenhaft-knapp, stets verliefen die Grenzen zur Prosa und anderen Formen fließend. „Gedichte und andere Tagebuchnotizen” heißt eines ihrer Bücher im Untertitel, und in dem schon fast legendären, nicht lange vor dem Mauerfall erschienenen Band „Kastanienallee” (1987) führt jedes Gedicht seinen eigenen Kommentar mit sich – wobei sich die Kommentare wiederum mitunter in selbständige und …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Olga Martynova hält nichts von reiner Objektivität in der Kritik. Ihre Besprechung von Elke Erbs Gedichtband kennzeichnet die Rezensentin unverhohlen als Liebesbekundung an die 70-jährige Autorin. Nicht nur hat Martynova keinen Zweifel an der Geistesgegenwärtigkeit und Frische der Dichterin, ihre Texte sind für sie unbedingt der "äußersten Gegenwart" zugehörig, bedeuten ihr Sprachwucht und Experimentierfreudigkeit. Der intimen Kennerin von Erbs Kunst erscheint diese hermetisch und offen zugleich. Vielleicht ein Resultat der von Martynova geschilderten, für diesen Band geltenden Arbeitsmethode einer überarbeiteten "ecriture automatique", die "mehr feste Vers- und Bildstrukturen" garantiert, als dass bei früheren Texten der Fall war.

© Perlentaucher Medien GmbH
Elke Erb, geboren 1938 in Scherbach in der Eifel, und siedelte 1949 nach Halle in die DDR um. 1958-59 arbeitete sie als Landarbeiterin, legte 1963 ihr Lehrerexamen ab und wurde zunächst in einem Verlag tätig. Seit 1966 schreibt sie freiberuflich Kurzprosa, Lyrik und prozessuale Texte. Außerdem macht sie Übersetzungen, Nachdichtungen, Herausgaben. Sie lebt in Berlin. 1990 Heinrich-Mann-Preis (zusammen mit Adolf Endler), 1993 Ehrengabe der Schillerstiftung, 1994 Rahel-Varnhagen-von-Ense-Medaille, 1995 Erich-Fried-Preis, 1995 Ida-Dehmel-Preis, 1999 Norbert-C.-Kaser-Preis, 1999 F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste Berlin, 2011 Preis der Literaturhäuser und "Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung".

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  • Verlag: Engeler
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 314 S.
  • Seitenzahl: 314
  • Sammlung Urs Engeler Editor Bd.65
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 128mm x 25mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783938767405
  • ISBN-10: 3938767405
  • Best.Nr.: 23403784

Produktbeschreibung zu "Sonanz"

Kurzbeschreibung

Emily Dickinson ist nicht nur Amerikas größte Dichterin, ihre Gedichte voller Anmut und Eigensinn gehören zum Schönsten im Schatz der Weltpoesie. Unsere Ausgabe präsentiert eine Auswahl ihrer kürzeren Gedichte auf Amerikanisch und auf Deutsch in einer Übersetzung von Wolfgang Schlenker. Die 51 Gedichte sind Einladungen, Emily Dickinson in jedem Text neu zu entdecken. Das Spektrum ist groß (aber nicht beliebig), der Blick offen. Was man sieht, sieht man direkt. Oder in den Worten von Emily Dickinson: "Wenn ich ein Buch lese und es macht meinen ganzen Körper so kalt, dass kein Feuer jemals mich wärmen könnte, weiß ich, das ist Dichtung. Wenn ich es physisch spüren kann, dass meine Schädeldecke abgenommen wird, weiß ich, das ist Dichtung. Nur auf diese Art weiß ich es. Gibt es denn eine andere?"

Beschreibung

Während zweier Jahre hat Elke Erb sich einer täglichen Übung hingegeben: Innerhalb von fünf Minuten aufzuschreiben, was ihr in den Kopf und unter die Feder kommt, absichtslos und so eigenwillig, wie ihr Publikum es an ihr liebt. "Unter den sich wiederholenden Motiven", schreibt Elke Erb zu ihrem Selbstversuch, "zeigten sich schon bei der Niederschrift irritierende Obsessionen. Im Moment ihres Eintritts in das Notat agierten sie autonom. Erst während der Bearbeitung erkannte ich nach und nach, daß diese halbautomatischen Wortfolgen sogar aktuelle, schlechthin existentielle und theoretische Themen und Aufgaben behandelten, hell und schnell, im Vergleich etwa zur Traumarbeit, geführt von Reiz wie Lust. Mit den ersten Lauten hatte sich, wie man bei einem Instrument vor dem Spiel prüfend einige Tasten anschlägt, mein subkutanes Lebewesen hervorlocken lassen und sich selbst angestimmt, sodass es als leibliches Instrument fortan anwesend blieb! Gleich darauf begriff ich, woher eine Reihe jener obsessiven Leitmotive kamen, die mich verwundert hatten: die Ecke, die Kante, der Rand, die Vertikalen, Waagerechten, die Flächen Ein Lebewesen stimmt sich an und orientiert sich Es orientiert sich elementar und rundum, nicht nur räumlich, auch an seinen allgemeinen Bedingungen bis ins Vormenschliche, Tierliche, Pflanzliche, Erdzeitliche, und es blickt, wie es der Moment der Niederschrift wollte, in die Geschicke der Geschichte, in den sozialen Horizont der ländlichen Arbeit und Existenz, in die Belange der Zivilisation und des Verstands. Die Inschriften unter der Haut waren hervorgerufen worden und übernahmen das Spiel. Ich sah den Poesien zu, die sie hervorbrachten, und dachte, ich hätte das schwerlich zuwege gebracht."

01.04.2008

Zwischen Bistum und Blitzhüfte
Sich von Lauten leiten lassen: Elke Erbs findige 5-Minuten-Notate
Über zwei Jahre hinweg habe sie sich eine tägliche Schreibpflicht auferlegt, schreibt Elke Erb im Vorwort zu ihrem neuen Buch „Sonanz”: Fünf Minuten lang galt es, den Stift nicht vom Papier zu nehmen – sei ihr nichts mehr eingefallen, habe sie das letzte Wort einfach wiederholt, bis die Zeit um gewesen wäre. Eine Schreibpflicht, die von etüdenhafter, recht privater Art scheint. Die jüngst siebzig Jahre alt gewordene Elke Erb aber hat durch diese Schreibhaltung zu einer ihrem poetischen Temperament überaus gemäßen Form gefunden.
Ihre Texte waren immer schon skizzenhaft, vorsichtig-tastend, aber auch äußerst widerständig und zuweilen sentenzenhaft-knapp, stets verliefen die Grenzen zur Prosa und anderen Formen fließend. „Gedichte und andere Tagebuchnotizen” heißt eines ihrer Bücher im Untertitel, und in dem schon fast legendären, nicht lange vor dem Mauerfall erschienenen Band „Kastanienallee” (1987) führt jedes Gedicht seinen eigenen Kommentar mit sich – wobei sich die Kommentare wiederum mitunter in selbständige und …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

18.02.2008

Olga Martynova hält nichts von reiner Objektivität in der Kritik. Ihre Besprechung von Elke Erbs Gedichtband kennzeichnet die Rezensentin unverhohlen als Liebesbekundung an die 70-jährige Autorin. Nicht nur hat Martynova keinen Zweifel an der Geistesgegenwärtigkeit und Frische der Dichterin, ihre Texte sind für sie unbedingt der "äußersten Gegenwart" zugehörig, bedeuten ihr Sprachwucht und Experimentierfreudigkeit. Der intimen Kennerin von Erbs Kunst erscheint diese hermetisch und offen zugleich. Vielleicht ein Resultat der von Martynova geschilderten, für diesen Band geltenden Arbeitsmethode einer überarbeiteten "ecriture automatique", die "mehr feste Vers- und Bildstrukturen" garantiert, als dass bei früheren Texten der Fall war.

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Autorenporträt zu "Elke Erb"

Elke Erb, geboren 1938 in Scherbach in der Eifel, und siedelte 1949 nach Halle in die DDR um. 1958-59 arbeitete sie als Landarbeiterin, legte 1963 ihr Lehrerexamen ab und wurde zunächst in einem Verlag tätig. Seit 1966 schreibt sie freiberuflich Kurzprosa, Lyrik und prozessuale Texte. Außerdem macht sie Übersetzungen, Nachdichtungen, Herausgaben. Sie lebt in Berlin. 1990 Heinrich-Mann-Preis (zusammen mit Adolf Endler), 1993 Ehrengabe der Schillerstiftung, 1994 Rahel-Varnhagen-von-Ense-Medaille, 1995 Erich-Fried-Preis, 1995 Ida-Dehmel-Preis, 1999 Norbert-C.-Kaser-Preis, 1999 F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste Berlin, 2011 Preis der Literaturhäuser und "Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung".

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