Manische Wiegenlieder ist ein wunderbares Werk der Poesie, auch bei
wiederholter Lektüre wird es niemals langweilig, im Gegenteil, man
findet stets aufs Neue exquisite Sahnehäubchen und staunt über
Frielings virtuose Wortgewandtheit. Literaturfreunde, die sich an
Robert Gernhardts Lyrik erfreuen, sollten auch hier bedenkenlos
zugreifen.
Die Lyrik wird oft recht stiefmütterlich behandelt. Nicht nur
erscheinen, im Vergleich zur Prosa, sehr wenige Gedichtbände, auch
die Zahl der Leser ist geringer. Das mag daran liegen, dass ein
paar Verszeilen selten eine richtige Geschichte erzählen oder man
mit ihnen das verhasste Auswendiglernen in der Schule assoziiert.
Natürlich gibt es auch Gedichte, die jeder kennt und mag, z. B. die
Reime von Wilhelm Busch. Mancher Leser findet sicher auch Gefallen
an knappen Zeilen, die eine Situation, einen Eindruck oder Gefühle
präzise beschreiben und auf alles umständliche Blabla verzichten.
Wilhelm Ruprecht Frieling verbindet beides in Manische
Wiegenlieder: Reime und aufs Wesentliche reduzierte Aussagen. Die
Lyriken handeln von vertrauten Dingen und Begebenheiten, die häufig
bis ins Surreale und Absurde verzerrt werden, mitunter sogar
sinnfrei erscheinen können.
Wilhelm Ruprecht Frieling (geboren 1952 in Bielefeld) arbeitete als Fotograf und Redakteur und war später als Autor und Verleger tätig. Er veröffentlichte in deutschen und amerikanischen Magazinen, publizierte mehr als 20 Bücher und betreibt mehrere Blogs.
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