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Kanon vor dem Verschwinden
Gedichte
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
Produktinformation
- Verlag: Berlin Verlag
- 2009
- Ausstattung/Bilder: 2009. 99 S.
- Seitenzahl: 99
- Deutsch
- Abmessung: 211mm x 131mm x 17mm
- Gewicht: 205g
- ISBN-13: 9783827008749
- ISBN-10: 3827008743
- Best.Nr.: 26240542
Leseprobe
Produktbeschreibung zu "Kanon vor dem Verschwinden"
Kurzbeschreibung
"Tom Schulz versteht es, die Sprache auf Bilder hin abzuscannen, die sich beim Leser tief ins Gedächtnis graben." -- GUY HELMINGER
Beschreibung
Detailinfo
22.10.2009
Reizstromwäsche
"Die Liebe ist eine zu häufige Blume" - wenn ein Lyriker
das sagt, dann hat er wohl einen anderen Eros im Sinn. Tom Schulz,
1970 in der Oberlausitz geboren und auch als Übersetzer und
Herausgeber hervorgetreten, setzt auf den Eros der Sprache. Er
spricht von einem "Gedicht, das mit der Sprache schlief".
Sein Band "Kanon vor dem Verschwinden" hat freilich
keinen kulturkonservativen Kanon im Sinn. Er steht in der Tradition
von Dadaismus und Surrealismus. Gern persifliert er das Pathos
großer Poesie - wenn auch mit mäßigem Witz. Dylan Thomas'
Wendung "Dem Tod soll kein Reich bleiben" wird zu
"dem Tod soll keine Gründerzeitvilla bleiben". Und bei
der Zeile "durch soviel Kuhmist geschritten" sollen wir
an Benns Artistik denken: "Durch soviel Formen
geschritten". Die Titel der Gedichte von Tom Schulz
suggerieren Welthaltigkeit. Da figurieren Orte von Cordoba bis zu
den Isarauen, von der Saarschleife bis Anatolien. "Die
Holledau, die blöde" klingt als Titel lustig. Doch das Spiel
der Worte gibt dem Ort keine Chance. Es ist ohne Geduld. Schulz
erfindet zum Mobilfunk einen "Debilfunk".
"Reizstromwäsche" kombiniert nach schlichtem Rezept zwei
Begriffe …
04.08.2010
Pathos mit Tomaten
Aus Furcht, die Dinge zu benennen, tanzt Tom Schulz im „Kanon vor dem Verschwinden” graziös mit seinen Gedichten auf der heißen Herdplatte
Dieser Dichter hat eigentlich Angst, die Dinge zu benennen, und es gelingt ihm, diese Angst auch uns einzuflößen. Wie besessen holt er Wörter hervor, welche zwar nicht die Dinge sind, aber doch so nahe bei ihnen, dass sie stellvertretend deren Härte, Geruch, Farbe und Geschmack simulieren können, vor allem auch ihre Aggressivität oder Zärtlichkeit. Aber kaum genannt, lässt er sie fallen, kalauert sie weg, deutet sie um.
Die Gedichte, oft aus drei- oder vierzeiligen Strophen gebaut, sehen auf dem Papier sehr ordentlich aus, aber kaum ein Satz passt in einen Vers, und kaum ein Strophenende gibt Zeit zum Atemholen. Der Tänzer auf einer Herdplatte: Wohin er auch tritt, ist es zu heiß, um nur eine Sekunde auszuharren. Also darf er nicht aufhören zu tanzen, und wir dürfen nicht aufhören zu lesen. Natürlich ist das im Ernst unmöglich, aber künstlerisch gelingt es, wenn das Gedicht sich unangemeldet unterbricht oder mit einem Doppelpunkt seine Unbeendbarkeit ausdrückt, wie dieses …
04.08.2010
Hans-Peter Räkel fürchtet sich ein wenig vor diesen Texten.
Schaurig schön, kann man sagen, ist sein Empfinden beim Lesen der
Gedichte von Tom Schulz. Die Angst, die Dinge zu benennen geht
einher mit Umdeutungen und surrealistischen Kalauern, die Räkel
wieder Spaß machen. So wird der Kanon vom Verschwinden wieder eine
Feier des Lebens, findet Räkel. Und dann und wann ein Gedicht so
schön, dass der Rezensent sich die Augen reibt. Ein zärtliches
Gefühl plötzlich. Die Pole also, zwischen denen Schulz sich bewegt,
so klärt Räkel, seien Furcht und Liebe. Und wo ein Haupt- oder
Aussagesatz dem eigentlichen Niveau des Dichters nicht ganz gerecht
wird, nimmt sich der Rezensent die Freiheit, einfach
drüberwegzulesen.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
„Tom Schulz versteht es, die Sprache auf Bilder hin abzuscannen, die sich beim Leser tief ins Gedächtnis graben."
Autorenporträt zu "Tom Schulz"
Tom Schulz wurde 1970 in der Oberlausitz geboren, seit 2002 ver - öffentlicht er Lyrik und Prosa. Er ist Dozent für Kreatives Schreiben und Lyrikworkshops an der Universität Augsburg und Redakteur der Literaturzeitschrift Lauter Niemand. Zu sammen mit Björn Kuhligk gibt er die Kneipenbuchreihe im Berliner Taschenbuch Verlag heraus. Zuletzt erschienen von ihm die Bände Vergeuden, den Tag, kookbooks 2006, Hundert Jahre Rütli, SuKuLTur 2007 und Abschied von Gomera, Eloisa Cartonera 2008.
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