Als "staatlich anerkannter Staatsfeind" saß Biermann
zwölf Jahre in der DDR fest. Auch das provozierte seinen Heißhunger
nach mehr "ganzer Menschheit". So begann er schon damals,
aus großen und kleineren europäischen Sprachen Lieder auf Deutsch
singbar zu machen, und brachte Gedichte in seine Sprache. Die
meisten Texte sind angeregt durch Begegnungen. Berühmte und
unberühmte Freunde brachten Wolf Biermann eigene oder traditionelle
Lieder und Gedichte aus aller Welt in die Chausseestraße. Das
kuriose norddeutsche Wort "Sammelsurium" hat wieder
seinen ursprünglichen Sinn. Biermann bündelt in diesem Buch eine
Sammlung von Zufallsfunden: Material von Daniel Viglietti,
Eva-Maria Hagen, Okudshava und Joan Baez oder Brassens. Nach der
Ausbürgerung fand Biermann auf Konzertreisen neuen poetischen
Stoff, u.a. bei Yves Montand, Savopoulos, Paco Ibáñes. Das Beste in
diesem wunderbaren Sammelsurium sind womöglich die authentischen
Nachdichtungen der Shakespeare-Sonette.
Wolf Biermann wurde 1936 in Hamburg geboren und übersiedelte 1953 in die DDR. Erste Lieder und Gedichte ab 1960. Seit 1965 totales Auftritts- sowie Publikationsverbot und Veröffentlichungen in Westdeutschland. Als radikalster Kritiker gegen die Parteidiktatur der DDR wurde Biermann 1976 gegen alle Rechtsnormen ausgebürgert. Die Ausbürgerung löste eine ungeahnt große Protestbewegung in Ost und West aus. Er kehrte nach Hamburg zurück. Biermann wurde mit allen großen deutschen Literaturpreisen ausgezeichnet. Seine Gedichtbände gehören zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. Zuletzt erschienen "Heimat. Neue Gedichte" (2007), "Berlin, du deutsche deutsche Frau" (2008) und "Dein freches Lächeln küsse ich so gern" (2010).
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