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'Das' und andere Gedichte
Aus d. Poln. v. Doreen Daume
- Einband: Gebunden
- Gebundenes Buch
Produktinformation
- Verlag: Hanser
- 2004
- Ausstattung/Bilder: 2004. 129 S.
- Seitenzahl: 136
- Best.Nr. des Verlages: 505/20472
- Deutsch
- Abmessung: 219mm x 151mm x 20mm
- Gewicht: 338g
- ISBN-13: 9783446204720
- ISBN-10: 3446204725
- Best.Nr.: 12370413
Produktbeschreibung zu "'Das' und andere Gedichte"
Kurzbeschreibung
Der Nobelpreisträger Czeslaw Milosz zieht die Bilanz seines Dichterlebens: keineswegs altersmilde will er sich seine Lebenslust, seine Neugier und sein Begehren sogar über sein Leben hinaus bewahren. Neben der Sammlung "Das" enthält der Band auch frühere Gedichte, so dass ein Querschnitt durch das große Lebenswerk dieses Weltbürgers aus Polen vorliegt.
Leseprobe zu "'Das' und andere Gedichte" von Czeslaw Milosz
Aus dem Polnischen von Doreen Daume
Lauf
Mein freudiger Lauf durch dunkle und herbstliche Parks,
Über Wege mit raschelnden Blättern und Tannennadeln,
Wenn sich die Wiesen unter den Eichen leeren,
Und bläuliche Fernseh-Augen in Fenstern verlöschen.
Solch Leichtfüßigkeit hab ich nie wirklich besessen,
Höchstens als Junge, achtjährig, zeitig am Morgen,
Über die Erde fliegend, trunken von Licht,
Gab es kein Halten im luftigen Lauf.
Doch feindlich begrüßen mich Wachsein und Wirklichkeit.
Ich schleppe mich langsam, asthmatisch, gestützt auf den
Stock.
Nur die Nacht nimmt mich mit auf lange Reisen,
Wo die Welt wie zuvor wieder neu und schön.
Am Bach
Das Rauschen kristallklaren Wassers zwischen den Steinen
im Hochwald, tief in der Schlucht.
Am Ufer das Leuchten der Farne im Sonnenlicht,
unfaßbar die Formenvielfalt der Blätter:
wie Lanzen, wie Schwerter,
wie Herzen, wie Schaufeln,
wie Zungen, wie Federn,
gekerbt und gezähnt,
gezackt und gesägt – wer nennt es beim Namen?
Und dann erst die Blüten! Weißliche Rispen,
tiefblaue Kelche, …
03.07.2004
Göttlich, wer das Staunen nie verlernt
Ekstatischer Pessimist: In seinen lyrischen Konfessionen preist
Czeslaw Milosz das Glück des Sehens
DAS" - welch ein merkwürdiger Titel für ein Gedichtbuch,
zugleich kryptisch und demonstrativ. Worauf aber zeigt er, und was
ist sein Geheimnis? Czeslaw Milosz, der große polnische Dichter und
Essayist, spannt uns nicht lange auf die Folter. Das Gedicht
gleichen Titels steht am Eingang seiner Lyrikauswahl aus sechs
Jahrzehnten. Dort steht es wahrhaft wie eine Eröffnung, die uns der
Dichter machen will. Geständnis oder Auftakt zu einem Spiel? Wohl
beides. Der Ton ist der einer lang aufgesparten Konfession:
"Könnte ich doch endlich sagen, was in mir sitzt! /
Herausschreien: Ich habe euch belogen, Leute, / Als ich euch immer
wieder sagte, DAS sei nicht in mir, / Wo es doch ständig da ist,
Tag und Nacht."
Diese Eröffnung ist anrührend und rhetorisch zugleich. Ein Meister
der Poesie liefert eine vehemente Selbstdenunziation des Dichtens:
"Das Schreiben war für mich Schutzstrategie, / Damit
verwischte ich die Spuren. (. . .) Auch wenn ich ekstatisch das
Dasein pries, / So war es nichts als eine Übung …
20.08.2004
Es ist eine Lust zu beichten
Die Augen des Czeslaw Milosz: „Das und andere Gedichte”
Maria Magdalena sitzt Modell, „mit einem angewinkelten / Und einem untergeschlagenen Bein. „Ihre kastanienfarbenen wallenden Locken / Bedecken den kräftigen, beinahe männlichen Rücken, / Und ihre Schulter im dunkelblauen Kleid, / Worunter Nacktheit phosphoresziert.” Nicht allein sie aber will uns das Gedicht aus dem Jahre 1985 sehen lassen; aufmerken sollen wir auch auf, sichtbar „in der Ecke des Bildes, die „Initialen des Malers, der sie begehrte. Der Maler heißt Czeslaw Milosz. Ende vergangener Woche ist er, 93 Jahre alt, gestorben. (Siehe SZ vom 16. August).
Unter den bekannteren polnischen Dichtern des 20. Jahrhunderts scheint er mir, obschon ihm nicht unbedingt dieser Ruf vorauseilt, der katholischste. Dass er Polen bereits 1951 verließ und gerade in die USA emigrierte, mag ihm sentimentale Anhänglichkeit an den Katholizismus leichter gemacht haben als anderen. Milosz war ein Liebhaber der Beichte, mehr als einmal vollzog er sie im Gedicht. Gewiss hat er, wie jeder gute Katholik, auch seine Not mit der Beichte im allgemeinen und früheren …
03.07.2004
Als beträchtlich preist Rezensent Harald Hartung die Skala der
Sinnlichkeit in Czeslaw Miloszs Lyrikauswahl aus sechs Jahrzehnten,
den er an anderer Stelle als "Katalog der Weltlust"
bewundert. Natürlich gebe es dort auch Töne von Alterspessimismus,
doch die meisten Gedichte des Bandes zeigten im "eher die
prekäre Balance von Glück und Verzweiflung". Hartung bewundert
an den Gedichten des zweiundneunzigjährigen Nobelpreristrägers
besonders, dass Milosz die Fähigkeit des Staunens nie verloren
habe, die er am schönsten in denn kurzen Gedichten zum Ausdruck
kommen sieht.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
Milosz (...) "repräsentiert einen Typus, der im 21. Jahrhundert kaum mehr anzutreffen ist: den osteuropäischen Intellektuellen, der unter widrigsten historischen Umständen immer noch an die Kraft des Geistes glaubt und sein Schreiben nur vor dem eigenen Gewissen verantwortet." Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2004
Rezensionen und Kritik
Milosz (...) "repräsentiert einen Typus, der im 21. Jahrhundert kaum mehr anzutreffen ist: den osteuropäischen Intellektuellen, der unter widrigsten historischen Umständen immer noch an die Kraft des Geistes glaubt und sein Schreiben nur vor dem eigenen Gewissen verantwortet." Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2004
Autorenporträt zu "Czeslaw Milosz"
Czeslaw Milosz, geboren 1911 in Seteiniai (Litauen), war ein
bedeutender Lyriker und Romancier. 1945 - 51 Kulturattache in den
USA und Frankreich; 1951 Emigration nach Paris und in die USA (1970
amerikanischer Staatsbürger); 1961 - 78 Professor für Slawistik in
Berkeley (Californien).
Themen seiner Lyrik sind existentielle und
(geschichts)philosophische Probleme, in seinen Essays behandelt er
die Lage der Intellektuellen im stalinistischen Polen und seine
Lage als Emigrant. Er war ein bedeutender Übersetzer und erhielt
1980 den Nobelpreis für Literatur. 2004 verstarb Czeslaw Milosz.
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