Leben, um davon zu erzählen - Garcia Marquez, Gabriel

Gabriel Garcia Marquez 

Leben, um davon zu erzählen

Aus d. Span. v. Dagmar Ploetz
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Leben, um davon zu erzählen

Diese Autobiographie ist üppiges Lesefutter. Ein Leben wie ein Roman. Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an das Haus der Familie in Aracataca. Den Ort, der in "Hundert Jahre Einsamkeit" zur phantastischen Welt von Macondo wurde. Die ergreifende Liebesgeschichte der Eltern, die Gespensterwelt der Großmutter, Liebesabenteuer, Freundschaften fürs Leben, die blutige Geschichte Kolumbiens und García Marquez' größte Leidenschaft - die für die Literatur.


Produktinformation

  • Verlag: FISCHER (TB.), FRANKFURT
  • 2008
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 603 S.
  • Seitenzahl: 603
  • Fischer Taschenbücher Bd.16266
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 128mm x 35mm
  • Gewicht: 452g
  • ISBN-13: 9783596162666
  • ISBN-10: 3596162661
  • Best.Nr.: 12712195
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.12.2002

Naturbursche, halbseiden
Gabriel García Márquez huldigt der Magie des eigenen Lebens
Voller Theorien ist die Welt der Kulturwissenschaften, manche von ihnen vernünftig, andere eher verwegen, einige schlichtweg absurd. Eine aber haben die eifrigen Gelehrten übersehen, obwohl sie seit fast vierzig Jahren in vielen Millionen Exemplaren zirkuliert. Diesen vernachlässigten, ja schlichtweg ignorierten „Ansatz” wollen wir, weil die modernen Geisteswissenschaften nichts so sehr lieben wie eingängige, möglichst bunte Bildchen, die „Pizza-Theorie” nennen. Sie besagt, dass die Pizza das heimatliche Neapel verlassen und zur armen Einwanderin in New York werden muss, bevor sie, reich geworden und an den Ort des Ursprungs zurück gekehrt, ihr eigentliches Potential als Stifterin süditalienischer Identität entfalten kann. Oder, etwas akademischer ausgedrückt: man muss sich des Eigenen entledigen und es in ein Fremdes verwandeln, damit es in einer Art von Begegnung der dritten Art zum Ureigensten werden kann.
Ein wunderbares Beispiel für die – ja, wie soll man sagen: für die „Valenz” der „Pizza-Theorie” ist der sogenannte „magische Realismus” in …

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"Mit welch üppigen Fabeln und poetischen Kapriolen hat García Márquez den Lesern in aller Welt die Augen geöffnet vor den wunderbaren Wirklichkeiten seiner kolumbianischen Heimat an den schwülen Gestaden des karibischen Meeres, wo die Rohrdommeln segeln, wo sintflutartig der Regen fällt und die Erinnerungen, Träume und Delirien aufsteigen aus dampfender Feuchtigkeit." Gunnar Ortlepp, Der Spiegel
"García Márquez versteht es, den Dingen jene geheimnisvolle Kunst und Kraft zu verleihen, die sie übernatürlich erscheinen lassen. Wobei es im Prinzip keine Rolle spielt, ob diese Dinge erfunden, gefunden, imaginiert oder nach der Anschauung beschrieben werden." Tages-Anzeiger Zürich
"Über allen Werken von García Márquez liegt ein poetischer Zauber." Süddeutsche Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.12.2002

Kugelblitz der Poesie
Aus dem Zylinder: Die Memoiren des Gabriel García Márquez

Das Zauberwort heißt "Verwandlung". Wie nur wenige Schriftsteller kann der kolumbianische Nobelpreisträger Gabriel García Márquez Verwandlung nicht nur spürbar, sondern er kann sie auch plausibel machen mit seiner barocken Phantasie, die noch das Unwahrscheinlichste glaubhaft, das Schwierige einfach und das Einfache tiefsinnig macht. Wer ihn liest, spürt eine fast zärtliche Wärme, die von den Seiten aufzusteigen scheint. So verwandelt die Lektüre seiner Romane und Erzählungen auch den Leser: Er wird die einmal vertraut gewordenen Figuren nie mehr vergessen. Einfallslosen Verehrern kann man "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" allerdings noch so oft schenken - ein Florentino Ariza wird doch nicht aus ihnen.

Gerade bei uns, wo García Márquez aufgrund nationaler Defizite in der Phantasieabteilung besonders geliebt wird, mag es erstaunen, daß dieser schöpferische Autor den Mut zum Ausfabulieren seiner stupenden Vorstellungkraft aus einem deutschen Buch nahm: Kafkas "Verwandlung". Gregor Samsas Erwachen als Käfer habe seinem "Leben einen neuen Weg …

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Autobiographie
Leben, um davon zu erzählen ist der erste Teil einer auf drei Teile angelegten Autobiographie des großen kolumbianischen Erzählers Gabriel García Márquez. In überwiegend chronologischer Reihenfolge erfährt der Leser darin eine Fülle von Fakten und Daten von Ereignissen des ersten Lebensabschnitts des Autors. Reich ist aber auch die Fülle an Beschreibungen der politischen und sozialen Umstände im Kolumbien dieser Zeit. So wird auf sehr persönlicher Basis ein spannendes Panorama einer Gesellschaft geboten, über die man als deutscher Leser nur wenig weiß.
Kunst und Leben
Das Motto, mit dem Márquez seine Autobiographie eröffnet, deutet noch vor dem Beginn der eigentliche Erzählung auf sein Lebensthema hin: "Nicht was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen." Kunst und Leben sind für Márquez eins, und so wird sich der aufmerksame Leser an vieles erinnern, was er den Romanen des Schriftstellers entnommen hat. Nicht nur das Leben seiner Eltern, dessen Schilderung großen Raum einnimmt, erkennt man als Modell einiger Elemente aus dem Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera. Auch der Reichtum und die Leidenschaft der Liebeserlebnisse sieht der Leser im Leben Márquez vorgebildet. Er erzählt davon ehrlich und ohne falschen Schmuck. Der Leser dieser Autobiographie erfährt aber nicht nur vom Leben des Schriftstellers, sondern auch von der Entstehung seiner Werke. Márquez offenbart beispielsweise die Entstehungsgeschichte und Erzähltechnik seines großen Erfolgsromans Hundert Jahre Einsamkeit. Aber auch andere, zum Teil abgebrochene Schreibprojekte finden Erwähnung.
Jedes Ende ist ein Anfang
Leben, um davon zu erzählen endet mit einem Anfang. Márquez reist ab nach Europa, wo ihn weitere Jahre der Armut erwarten, wie die Kenner dieses fabelhaften Autors wissen. Der Leser wird aber noch ein bisschen warten müssen, bis er die Fortsetzung dieser Autobiographie, die weit mehr ist, als ein simpler Lebensbericht, zu lesen bekommt. In der Zwischenzeit sei die Lektüre seines Jahrhundertromans Hundert Jahre Einsamkeit empfohlen. Damit kann er seinen Hunger nach den Büchern Márquez, den er dank des vorliegenden Buches sicher bekommen hat, einstweilen stillen.
(Andreas Rötzer)

"Mit welch üppigen Fabeln und poetischen Kapriolen hat Garcia Marquez den Lesern in aller Welt die Augen geöffnet vor den wunderbaren Wirklichkeiten seiner kolumbianischen Heimat an den schwülen Gestaden des karibischen Meeres, wo die Rohrdommeln segeln, wo sintflutartig der Regen fällt und die Erinnerungen, Träume und Delirien aufsteigen aus dampfender Feuchtigkeit." (Gunnar Ortlepp, Der Spiegel)

"Garcia Marquez versteht es, den Dingen jene geheimnisvolle Kunst und Kraft zu verleihen, die sie übernatürlich erscheinen lassen. Wobei es im Prinzip keine Rolle spielt, ob diese Dinge erfunden, gefunden, imaginiert oder nach der Anschauung beschrieben werden." (Tages-Anzeiger Zürich)

"Über allen Werken von Garcia Marquez liegt ein poetischer Zauber." (Süddeutsche Zeitung)


Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Thomas Steinfeld nutzt die Rezension des Buches zunächst für eine Abrechnung mit dem lateinamerikanischen "magischen Realismus", den er als "wohlfeile" Verklärung erbärmlicher sozialer und politischer Verhältnisse durch die Phantasie verurteilt. Er sieht darin die "sentimentale Fabel von der erlösenden Kraft der Literatur", die für ihn nicht zuletzt von Marquez praktiziert wird. Aus diesem Grund gefällt ihm der erste Teil seiner Autobiografie nicht, die jetzt auch auf deutsch erschienen ist. Am besten scheint ihm in der Lebensbeschreibung noch die Darstellung der "gesellschaftlichen und politischen Zustände" um 1948 zu gefallen. Der Autor habe als "Augenzeuge" miterlebt, wie der linke Politiker Gaitan ermordet wurde, teilt Krumbholz mit. Der Rest des Buches sei "aufgelöst in Tausenden von Charakteren und Anekdoten", so der Rezensent gereizt, der die Schilderungen als "Abenteuer für gringos" abtut. Er wirft Marquez "Sentimentalität" vor und stöhnt über die vielen "furchtbaren Passagen", in denen dadurch seiner Ansicht nach "das Literarische" des Buches erheblichen Schaden erleidet. Am Ende bezichtigt Steinfeld den kolumbianischen Autor, in seiner Autobiografie vor allem "Reklame für sich selbst" zu betreiben und damit seine eigenen Erinnerungen zu Werbezwecken zu "verraten".

© Perlentaucher Medien GmbH
Gabriel García Márquez, geb. am 6. März 1927 in dem kolumbianischen Dorf Aracataca als ältestes von sechzehn Kindern eines Telegrafisten, verbrachte seine frühe Kindheit bei seinen Großeltern. Nach dem abgebrochenen Jurastudium arbeitete er ab 1948 als Journalist in Cartagena, Barranquilla und Bogotá, und hielt sich in Rom und Paris auf. In diesen journalistischen Anfangsjahren entstanden auch seine ersten literarischen Texte. García Márquez hat sich immer als Schriftsteller und als Journalist verstanden. 1957 reiste er als Reporter in die DDR und die UDSSR. Er vertrat die kubanische Presseagentur Prensa Latina in Bogotá und New York. Die Veröffentlichung des Romans Hundert Jahre Einsamkeit (1967) machte ihn auf einen Schlag weltweit bekannt. Mit einer weltweiten Auflage von weit über zehn Millionen Exemplaren machte dieser Roman ihn zum meistgelesenen lateinamerikanischen Autor. 1982 erhielt Gabriel García Márquez den Nobelpreis für Literatur.Gabriel García Márquez, der ständig gegen Korruption und Drogenkriminalität in Kolumbien ankämpft, ist ein langjähriger Freund von Fidel Castro und bekennender Sozialist. Er hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt und gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Welt.Gabriel García Márquez lebt in Mexiko-Stadt und auf Kuba.

Leseprobe zu "Leben, um davon zu erzählen" von Gabriel Garcia Marquez

"So wurde also in Aracataca der erste von sieben Söhnen und vier Töchtern geboren, am 6. März 1927, bei einem für die Jahreszeit höchst ungewöhnlichen Platzregen, während am Horizont das Sternbild des Stiers aufzog. Der Knabe wäre fast von der Nabelschnur stranguliert worden, da die Hebamme der Familie, Santos Villero, im ungünstigsten Augenblick die Übersicht verlor. So auch Tante Francisca, die zur Eingangstür rannte und wie bei einer Feuersbrunst schrie: 'Ein Junge! Ein Junge!' Und gleich darauf, wie beim Sturmläuten: 'Rum her, er erstickt.' ...
Ich hätte eigentlich Olegario heißen sollen, das war der Heilige des Tages, doch niemand hatte einen Heiligenkalender zur Hand, also gaben sie mir in der Eile den Namen meines Vaters, und dazu noch den des Tischlers, José, weil er der Patron von Aracataca und März sein Monat war. Misia Juana de Freytes schlug noch einen dritten Namen vor, um der allgemeinen Versöhnung zu gedenken, die innerhalb der Familie und des Freundeskreises mit meiner Geburt stattgefunden hatte, aber auf dem offiziellen Taufschein, der drei Jahre später ausgestellt wurde, vergaß man ihn: Gabriel José de la Concordia."
(Auszug aus dem ersten Kapitel)

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